Archiv für März 2012

Ausgabe 7/2012

ES REICHT!

Schon wieder/immer noch müssen wir trotz vereinbarter 35 Stunden-Woche

8 Stunden am Tag arbeiten.

In PHM muss jede Abteilung ab Mitte April durchschnittlich mindestens 1

Arbeiter_in einsparen.

Wir fordern die dafür Verantwortlichen Chefs und Betriebsräte auf

zurückzutreten!!!

Servus liebe Kolleginnen und Kollegen,

als erstes wollen wir euch nachträglich ein gutes neues Jahr wünschen, auf dass wir gesund bleiben und sich unsere Träume erfüllen!

Nächsten Monat kann es wieder zu einem Warnstreik kommen, um den Arbeitgeber_innen zu zeigen wie stark wir sind und wie wichtig uns Arbeiter_innen ein guter Abschluss der Tarifverhandlungen ist. Die IG-Metall will 6,5 Prozent mehr Gehalt für uns erkämpfen, so sagen sie. Trotz Krise soll es eine hohe und gerechte Gehaltserhöhung geben. Aber es ist, wie wir alles wissen nur ein Schein, der trügt. Ein Propagandaspiel, in dem es darum geht, dass alles nur so aussieht, als wäre es gut die Mehrheit, also uns den Arbeiter_innen bzw den Hunderttausenden Metaller_innen. Aber am Ende werden wieder nur die Herrschenden gewinnen. Das selbe Spielchen wie immer. Die Gewerkschaft setzt ihre Ziele einigermaßen hoch, am Ende wird vielleicht gerade mal die Hälfte davon erreicht. Wenn es um eine gerechte Gehaltserhöhung gehen würde, dann hätten wir z.B. wirklich bei der letzten Tarifverhandlung für die versprochenen 8% gekämpft und uns nicht mit 4,2% zufrieden gegeben. Aber es geht schon lange nicht mehr darum, gute Ergebnisse für uns Arbeiter_innen zu erzielen, sondern darum, dass die Maschinerie nie aufhört so zu laufen wie sie läuft. Es muss immer noch mehr Gewinne geben. Entweder um Schulden zu bezahlen, oder um einen guten Aktienkurs vorzeigen zu können, der dann immer noch mehr Geld bringt. Die Tarifverhandlung ist erst dann gut verlaufen, wenn die Arbeitgeber_innen kaum Gewinnverluste hinnehmen müssen und die Gewerkschaften so tun können, als hätten sie alles für ihre Mitglieder getan, damit diese zufrieden sind. Dass aber die Löhne langfristig nicht gestiegen sind in Deutschland, sondern sogar gesunken, dass verschweigen beide Seiten gerne. So ist doch einer der Hauptgründe in der Gewerkschaft zu sein, der angeblich gute Lohn. Weiter schreiben wir darüber dann im Teil „Reallöhne“. Zwei weitere Punkte bei den diesjährigen Tarifverhandlungen sind Unbefristete Übernahmen von Azubis und „faire“ Leiharbeit. Mit dem Punkt unbefristete Übernahme sind wir zufrieden und einverstanden, würde dieser Punkt aber nicht schon seit Jahren auf der Liste stehen. Aber „faire“ Leiharbeit… Was ist denn „faire“ Leiharbeit? Leiharbeit ist nicht fair und kann nicht fair gestaltet werden. Sie muss weg!

Schauen wir nun mal zurück auf die letzte Betriebsversammlung. Die größte Kritik des Betriebsrats bestand mal wieder darin, sich wegen irgendwelchen Kleinigkeiten aufzuregen. Diesmal wars die „Weihnachtsparty“, die so gelegt wurde, dass die Spätschicht nicht daran Teil nehmen konnte. Also mal ehrlich, wen interessiert diese „Weihnachtsparty“?! Ok, es geht ums Prinzip, das haben wir verstanden. Aber gibt es nichts Wichtigeres, als sich die halbe Betriebsversammlung über die Terminierung der Weihnachtsfeier zu beschweren? Und dann die andere Hälfte der Betriebsversammlung gut über das Geschehen innerhalb der MAN zu berichten? Aber wahrscheinlich ist das einfach nur ehrlich, denn machen tut der Betriebsra ja nicht viel anderes, sonst würde die Montage nicht so sein, wie sie ist. Gefeiert wurde auch, dass es bis zu 100% Gewinnbeteiligung im Frühling geben könnte, aber so viel wie bei Audi nicht möglich ist. Dabei ist Audi von der Mitarbeiter_innenzahl und dem Gewinn etwa gleich wie die MAN. Wir denken also schon, dass bei 1,483 Milliarden Euro Gewinn für 2011(Rekordgewinn!) mehr für uns drin ist! Aber jetzt ist es ja so gut wie offiziell. Aus sicheren Quellen haben wir erfahren, dass es eine Ergebnisbeteiligung von lächerlichen 56,7% geben wird. Dazu können wir auch sagen, dass Investitionen im Standort München, dem Hauptsitz des Konzerns, in Höhe von 50 Millionen Euro, vom Betriebsrat nicht unbedingt als Errungenschaft gefeiert werden müssen. Die MAN wird durch diese Investitionen nur noch mehr Gewinn machen, um nichts anderes geht es. Da ist es egal, ob der Betriebsrat sagt das ist gut oder nicht, weil Arbeitsplätze entstehen. Am Ende werden es vielleicht unterbezahlte Arbeitsplätze sein, wenn man sich gleichzeitig den Gewinn der Firma mal anschaut. Oder es sind dann nur weitere Arbeitsplätze, die Depression und Burn-out verursachen. Dieses Thema wurde auch angesprochen, bei der Betriebsversammlung. Dazu können wir aber nur sagen, einerseits braucht der Betriebsrat seinen Mund nicht so weit aufmachen, da sie unter anderem selber dafür Verantwortlich sind, dass die Arbeitsplätze so stressig sind. Andererseits können wir euch nur mal wieder eines ans Herz legen, egal wie stressig es ist, es ist eure Gesundheit und die ist mit Geld nicht zu bezahlen. Also, mach mal Pause!

Wir verstehen auch nicht, warum im Sommer die Produktion laufen muss. Gebt doch den Leuten frei! Repariert doch endlich mal die Hallen gründlich! Es tröpfelt und zieht überall hinein, Heizungen funktionieren nicht, und so weiter. Habt ihr eigentlich noch was anderes außer den Profit in euren Köpfen?!

Wenigstens ist jetzt mal Schluss mit der 40 Stunden-Woche. Dachten wir. Auch wenn das nur der schlechteren Auftragslage zu verdanken war und nicht dem Betriebsrat, der sich für die 35 Stunden-Woche und den Erhalt von Arbeitsplätzen einsetzen sollte. Doch jetzt wollen sie noch mehr einsparen, uns zu modernen Sklaven machen, die arbeiten wie Maschinen!

Gebt euch nicht mit den herrschenden Zuständen zufrieden! Wählt einen Kollegen oder eine Kollegin zur Vertrauensperson, die sich für euch einsetzt! Diese Person sollte bereit sein für euch den Mund auf zu machen, auch wenn es dem Betriebsrat und den Chefs überhaupt nicht gefällt, dass ihr eure eigene Meinung habt! Seid solidarisch geht vielleicht auch mal als Gruppe zusammen zum Betriebsrat und zu den Chefs. Sagt, was euch nicht passt und wie ihr es lieber haben wollt!

Rheinmetall MAN Military Vehicles GmbH

Wohl schon fast jede_r von uns hat schon eines der Militärfahrzeuge von MAN auf oder vor unserem Werksgelände gesehen. Wir dachten uns daher, wir schreiben mal einen kleinen Text darüber, um euch zu informieren, mit was und wie viel die MAN mit Kriegsfahrzeugen an Geld verdient.

Die Rheinmetall MAN Military Vehicles GmbH ist ein im Jahr 2010 gegründetes Joint-Venture (=Zusammenschluss von Unternehemen) zur Herstellung von militärischen Radfahrzeugen der beiden deutschen Unternehmen Rheinmetall und MAN Nutzfahrzeuge AG.

Mit der RMMV verfolgen beide Unternehmen das Ziel, ihre militärtechnologischen Fähigkeiten zu bündeln. Dabei verspricht sich MAN bald auch eine nationale oder gar europaweite Konsolidierung des Produktionsbereiches der militärischen Nutzfahrzeuge. Die Fahrzeuge sollen international vertrieben werden. Zum 1. Mai 2010 führten beide Unternehmen ihre Aktivitäten in dem Gemeinschaftsunternehmen zusammen. Mit der Vereinigung der Vertriebsorganisationen beider Unternehmen hofft man, Kosten zu sparen und Jahresumsätze von bis zu 1 Milliarde Euro zu erwirtschaften. 2010 lag der Jahresumsatz beider Unternehmen dann sogar bei über 2 Milliarden Euro.

Wir sehen das Geschäft mit dem Krieg und dem damit verbundenen Leid von Menschen nicht als gut an. Leider werden aber immer mehr Anstrengungen Seitens des Vorstands unternommen, das Geschäft mit dem Tod noch mehr voran zu treiben. Deshalb hier unsere die klare Forderung:

NEIN ZUM GESCHÄFT MIT DEM LEID UND TOD VON MENSCHEN!

Vor der letzten, alljährlich stattfindenden, sogenannten NATO- Sicherheitskonferenz gab es auf dem Parkhaus am Osttor eine kleine Antimilitaristische Aktion. Aktivisten und Aktivistinnen hingen eine große Fahne vom Dach des Parkhauses, auf der geschrieben stand: „Unsere Zukunft ist nicht Krise, Krieg und Barbarei. Klassenkampf statt Weltkrieg. Für die internationale Solidarität“

Der Reallohn

Der Reallohn gibt an, ob unser Lohn wirklich gestiegen, gesunken oder gleich geblieben ist.

Man hört hin und wieder was vom Reallohn, doch fast nie wird das Thema ehrlich von Gewerkschaften oder Arbeitgeber_innen angesprochen. Aber warum ist das so? Wenn doch der Reallohn angibt, wie viel wir wirklich im Gegensatz zu den letzten Jahren verdienen. Eigentlich wären diese Zahlen ja gut für diejenigen, die steigende Löhne für ihr Image oder ihre Existenz bräuchten. Die Gewerkschaften sagen ja selber, sie seien dafür Verantwortlich, dass wir immer wieder Gehaltserhöhungen bekommen, die als Fortschrittlich gelten und unser täglich immer teurer werdendes Brot finanzieren sollen.

Doch die Gewerkschaften geben ihre Zahlen zu den Gehaltsentwicklungen der letzten Jahre nicht an. Würden sie das tun, würden wohl sehr viele Mitglieder austreten bzw. sie würden kaum neue Mitglieder bekommen. Denn neben der Sicherung von Arbeitsplätzen ist das Gehalt das, was für viele als wichtigster Grund für eine Mitgliedschaft gilt. Dass unser Gehalt aber immer weniger, statt mehr wird verschweigen sie deshalb lieber.

Zwar stiegen die Gehälter bei den Festangestellten der Elektro- und Metallbeschäftigten in Deutschland minimal an, trotzdem ist das im Verhältnis zu den Unternehmensgewinnen viel zu wenig. Nicht zu vergessen ist auch, dass viele unserer Kollegen und Kolleginnen, die den Gewinn der Wirtschaft mit uns zusammen in den Produktionshallen erarbeiteten, nur Leiharbeiter_innen waren. Sie aber verdienen nicht mit an unseren Tariferhöhungen, sie werden von ihren Leihfirmen noch nicht mal so ausgezahlt wie wir. Weder gleiches Gehalt, noch Weihnachtsgeld oder sonstige Zahlungen, die ein kleines Dankeschön für die getane Arbeit wären. Dazu kommen die zum Teil unterbezahlten Kollegen und Kolleginnen der Fremdfirmen, die bei uns arbeiten. Sie sind auch meist von Lohnerhöhungen, die die Inflation zumindest ausgeglichen sollen ausgeschlossen.

Und wenn wir mal einen Ausblick auf 2013 werfen, dann sieht es für uns alle nicht mehr schön aus. Denn sollten die Prognosen von vielen Experten stimmen, dann stehen uns Preissteigerungen in Höhe von 6-8% bevor. Gerade deshalb ist eine saftige Gehaltserhöhung jetzt Pflicht! Aber mit der mickrigen Forderung von 6,5% und den damit zu erwartenden ca. 4%, die wir am Ende dann vielleicht bekommen, ist immer noch kein Fortschritt für uns Arbeiter_innen zu erkennen. Dann kommen auch noch die unzähligen unbezahlten Überstunden, die der MAN noch mehr Gewinn bringen, uns aber trotz mehr Arbeit nicht mehr Geld. Stattdessen verkauft die MAN die LKW’s gewinnbringender als bei einem 7 Stunden Arbeitstag, weil 1 Stunde ohne Gehaltszahlungen gearbeitet wird.

Die Preise für Konsumgüter, die wir täglich gebrauchen, steigen und steigen, während unser Gehalt nicht so stark steigt. Alleine in den letzten Monaten im Jahr 2011 stiegen die Preise im Durchschnitt um über 3%! Das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt war dagegen um 3,0 % höher als im Vorjahr. Die Gewinne großer Unternehmen stiegen in den letzten Jahren laufend. So hat die MAN im Jahr 2011 weit über 1 Milliarde Euro Gewinn gemacht. Den Chefs wird im Bundesdurchschnitt mit 21% Gehaltserhöhung alleine im letzten Jahr dafür gedankt. Und wo bleibt unser Dank? Wo ist unsere Gehaltserhöhung, die wenigstens mal die Verteuerung von lebenswichtigen Produkten ausgleicht?? Wo ist unser gerechter Teil des Gewinns??

Es wird Zeit, dass die Gewerkschaften sich wieder um die Ursprünglichen Interessen kümmern. Die Interessen ihrer Mitglieder und nicht die der Chefs! Es wird Zeit uns eine gerechte Gehaltserhöhung nicht nur zu versprechen, sondern auch zu erkämpfen! Wir wollen eine Gehaltserhöhung, die nicht nur die Inflation ausgleicht, sondern diese übertrifft. Und wir wollen eine Gehaltserhöhung, die zusätzlich der durchschnittlichen Gewinnsteigerung der Unternehmen angepasst ist. Was nutzen uns Versprechen so wie beim letzten mal von 8%, wenn am Ende nur 4,2% raus kommt, was weniger als die durchschnittliche Preissteigerung ist?! Wir kennen noch alle die Rufe der Betriebsräte bei dem Warnstreik 2008. Da wurde dann auch mal gesagt, „wenn es keine 8% gibt, dann werden wir die Bänder stilllegen“. Was ist passiert? Nichts! Aber dieses mal lassen wir uns nicht mehr so verarschen!

REALE GEHALTSERHÖHUNG UND ECHTE BETEILIGUNG AN UNTERNEHEMNSGEWINNEN!

Mehr dazu in der nächsten Ausgabe

Interviewanfrage

Wir würden gerne mit dir per e-Mail ein Interview führen. Es geht uns darum zu lesen, wie du über deine Arbeit bzw. dein Arbeitsplatz sowie die MAN und die Betriebsräte denkst, wie du mit den Kolleginnen und Kollegen zurecht kommst, was du über das Werkerinfo denkt, …

Wenn du also Lust hast, dann melde dich doch einfach unter werkerinfo@riseup.net

Wir freuen uns auf deine e-mail!

PS.: Ihr bleibt natürlich Anonym!