Archiv für Januar 2013

Ausgabe 11/2013 + Streikaufruf

Streikaufruf für den 21.1.2013

Ja…trotz, oder gerade wegen der Krise rufen wir zum Streik in unserm MAN Werk in München auf. Denn gerade in der Krise wird von uns Arbeiter_innen mal wieder das größte Verständnis für Einsparungen erwartet. Wieder wird eine Krise für weitere Einsparungen ausgenutzt. Betreffen tun die natürlich als erstes uns in der Produktion. Denn an sich selbst sparen die Unternehmensbonzen nicht. Wer weiß, wie es mit den Befristeten Kollegen und Kolleginnen weiter geht. Auch Leiharbeiter_innen wurden mal wieder schamlos rausgeschmissen, als würden sie nur zum Spaß mit uns arbeiten. In jeder Krise werden Arbeiter_innen entlassen und wenn überhaupt, dann nur zum Teil wieder durch Befristung oder Leiharbeit ersetzt. Diese Entwicklung geht auch dieses mal so weiter, vor allem auch, weil VW unser Werk als zu unproduktiv bewertet.
Nur, wo soll das alles noch enden? Wollen wir wirklich warten, bis uns die Kapitalisten bessere Arbeitsverhältnisse schenken? Das wird aber nicht passieren. Sie und die großen Gewerkschaften halten uns ab und zu eine kleine Tariferhöhung und ein bisschen Extrageld hin, damit wir ruhig bleiben und uns denken, besser als nichts. Aber auf der anderen Seite nehmen sie sich trotzdem mehr als ihnen zusteht. Und zwar von uns, denen, die für sie produzieren. Die, bei denen sie immer weiter einsparen, um immer noch mehr Gewinn in ihre eigenen Taschen fließen zu lassen.
Gerade deshalb ist es so wichtig, dieses mal ein offensives Zeichen gegen diese Politik zu setzten!

Wir verlangen mit sofortiger Wirkung!
Höchstens 7 Stunden arbeiten + 1 Stunde „geschenkt“ aufs Zeitkonto.
2 feste Springerpausen für alle Bandarbeiter_innen.
2 zusätzliche Pausen für Mitarbeiter_innen mit Behinderung ab 20%.
Schwerbehinderte weg von Bändern und taktgebundenen Arbeitsplätzen.
Keine Bandarbeit für Mitarbeiter_innen mit Behinderung.
Gleicher Grundlohn für alle + Zuschläge (Akkordzuschlag, ect.).
Keine weiteren Taktverkürzungen mehr.
Ein Vertrauenskörper in jeder Abteilung und pro Schicht.
AVP abschaffen.
Keine Militärfahrzeuge/-achsen mehr produzieren.
Und nach Beendigung der Kurzarbeit:
300 Neueinstellungen in der Produktion
Altersteilzeit für alle die wollen (frei gewordene Stellen ersetzten).

Wir lassen uns nicht zu modernen Sklaven diktieren!
Schluss mit der Diktatur der Bosse!
STREIK!

Servus liebe Kolleginnen und Kollegen,

dieses mal wieder mit viel Text und einem Streikaufruf, weil es so wie es ist nicht bleiben darf!
Aber jetzt mal der Reihe nach. Als erstes wünschen wir euch allen ein gutes neues Jahr!
Die Krise hat wie erwartet auch vor Deutschland nicht halt gemacht. Und so verkündete der Betriebsrat am 3. Dezember auf der Betriebsversammlung offiziell, dass es im ersten Halbjahr 2013 Kurzarbeit gibt. Der Lohn wird auf 90% aufgestockt; das ist gut und richtig so.
Damit zur Betriebsversammlung. Als erstes mal eher eine Kleinigkeit, die uns aber doch bisschen nervt und mal wieder zeigt, was sich Betriebsrat und IG-Metall eigentlich einbilden. Warum bekommen die auf der Bühne andere (teurere) Getränke als der Rest der Versammlungs-teilnehmer_innen? Seid ihr bessere Angestellte der MAN als wir, dass ihr nicht das bekommt, was wir alle bekommen? Das nur kurz zur Hochnäsigkeit der Unternehmensbonzen, zu denen der Betriebsrat auch schon längst dazugehört. Herr Dorn hat gleich am Anfang gemeint, in der MAN läuft schon vieles sehr gut, aber, dass auch an vielem noch zu arbeiten ist. Kann man jetzt mal so stehen lassen, vor allem der letzte Satz. Aber dann gings los. Meinte er doch tatsächlich, wir haben unseren Mund zu halten, wenn wir außerhalb der Firma nichts gutes über die MAN zu sagen hätten. Das vor allem auch wir damit gemeint sind, ist uns schon klar. Jetzt sagen wir dir mal eins lieber Kollege und Betriebsratsvorsitzender der gesamten MAN Dorn: Weder lassen wir uns unsere Meinungsfreiheit nehmen, noch haben wir Lust auf eure falsche Politik! Wenn es in der MAN noch einiges zu verbessern gibt, dann ist das vor allem eure Arbeit, euch dafür wirklich einzusetzen! Aber seit Jahren macht ihr mit den Arbeitgeber_innen gemeinsame Sache. Egal ob auf IG-Metall/bundesweiter Ebene oder MAN Intern, eure Sicht beschränkt sich wie bei Kapitalisten nur noch auf den Gewinn. Weil noch viel zu wenige Angestellte aus den Büros Mitglied in der IG-Metall sind, tretet ihr (Aussage eines Betriebsratsmitglied) für sie so stark ein. Für euch ist solange alles gut, solange das Unternehmen weiter Gewinn macht und ihr Mitgliederzuwachs habt. Aber zum Herrn Dorn später noch mehr.
Weiter wurde gesagt, dass die MAN ihr Know-how verschenkt, da stimmen wir auch zu. Und solange die MAN nicht ihre Mitarbeiter_innen als das Wichtigste (mit allem was dazu gehört) im Unternehmen ansieht, wird das auch auf allen Ebenen so bleiben. Damit gleich zum nächsten Punkt, dem Arbeits- und Gesundheitsschutz. Die einzig wahre Prävention gegen Stress und Burn-out ist, dem Stress selbst endlich ein Ende zu setzten. Da hilft keine Anlaufstelle, sondern nur mehr Mitarbeiter_innen in allen Bereichen, aber vor allem in der Produktion und weniger diktatorische Zustände! Aber vielleicht hätte ja auch der Betriebsrat nicht immer zu allem Ja und Amen sagen müssen, was irgendwelche Chefs (von denen viele schon zur nächsten Firma gewechselt sind) sich mal ausgedacht haben!
Zum Thema Solidarität, die ja auch vom Betriebsrat hin und wieder mal gefordert wird. Sollten wir das Scania Getriebene bekommen, oder sogar selbst herstellen, bedeutet das einen immensen Auftragsverlust für den Getriebehersteller ZF. Das wird dann wohl auch Arbeitsplatzverlust bei ZF bedeuten, was alles andere als solidarisch zu den Kollegen und Kolleginnen in diesem Unternehmen ist. Denn die Getriebe sind gut und nur aufgrund der egoistischen und gewinnorientierten Denkweise woanders Arbeitsplätze zu vernichten, hat eben nichts mit Solidarität zu tun! Die Menschen bei ZF haben auch Familien und brauchen die Arbeit um ihr Leben zu finanzieren!
Angesprochen wurde auch, dass wenn sich beim A22 nichts ändert, man die Leute ja im V4 unterbringen könnte, also bei den hohen Chefs. Dann bitte macht doch mal was und redet nicht immer nur. Nehmt die Menschen an der Hand und geht mit ihnen zu den verantwortlichen Chefs ins Büro!
Gutes gab es dann aber doch noch. Die Zahl der Azubis erhöhte sich und wird sich weiter erhöhen und gefordert wurde mal ein richtiges Weihnachtsgeld, als Geschenk der MAN. Dazu kam endlich mal das Parkplatzproblem auf. Das gibt es zwar schon länger, aber wenn jetzt erst darüber diskutiert wird (vor allem nachdem schon seit langem bekannt ist, dass auf dem Parkplatzgelände am Westtor Wohnhäuser hinkommen), dann sollte doch schnell was unternommen werden! Über dem jetzt neu entstehenden LKW-Parkplatz am Osttor, könnte man doch ein Parkhaus errichten, genauso wie jetzt mal schnellstmöglich am Westtor, bevor dort überhaupt keine Ausweich-Parkplätze mehr während der Bauarbeiten sind. Auch die Forderung nach einem Fahrkartennachlass durch die MAN, ist ein guter Vorschlag, den wir voll unterstützen!
Und zum Bezirksvorsitzenden der IG-Metall, der im Anschluss der beiden Betriebsratvorsitzenden gesprochen hat, können wir nur sagen, dass der nicht mehr kommen braucht! Was muss man im Kopf haben, um so viel Müll zu reden? Wenn wir jetzt beleidigend geworden sind, dann nur, weil wir von der IGM betrogen und belogen werden! Erstens war die letzte Tariferhöhung nicht „gut“ und die nächste wird auch nicht die wirkliche Teuerungsrate ausgleichen. Zweitens gibt es keine „faire Leiharbeit“, Leiharbeit ist und bleibt Ausbeutung! Und drittens, „haben sie Mut“ braucht uns nicht einer zu sagen, der mit seiner Gewerkschaft nur wirtschaftsfreundliche Politik betreibt. Aber keine Sorge, wir haben Mut und rufen mit dieser Ausgabe zum selbstorganisierten Streik gegen diese Zustände auf!
Wohin die Chefs wollen, zeigte der Sprecher der Unternehmensleitung Nielsen. Die aktuelle „Personalauslastung beträgt 83%“ und bei seiner Präsentation fehlte beim Punkt „Erfolgsfaktoren“ der Faktor Mensch. Das ist genau das, wovor wir in den letzten Ausgaben verstärkt gewarnt haben. Ohne auch nur einen Hauch von schlechtem Gewissen, trägt er das einfach vor, als wären wir alle irgendwelche Arbeitsesel, die man mit der Peitsche zu noch mehr Arbeit zwingen kann. Auf einer Folie seiner Präsentation stand auch „Gemeinsam gestärkt aus der Krise…“. Genau unser Motto, wir lassen uns nicht zu modernen Sklaven diktieren – Streik!
Ein Herr Keßel meinte noch, das Band muss besser aussehen, zu einem „attraktiven Arbeitsplatz“ werden, der Krankenstand um 66% gesenkt werden und mehr Respekt am Arbeitsplatz. Naja wenns weiter nichts ist… Da sieht man halt wie weit Theorie und Praxis auseinander liegen. Arbeitsplätze werden nicht durch farbliche und logistische Veränderungen besser, der Krankenstand ist nicht ohne Grund so hoch und wenns um Respekt geht, dann redet nicht immer von oben herab! Durch Verbesserungen/KVPs soll auch noch ein „gesünderes Arbeiten ermöglicht“ werden. Für solch ein scheiß Gerede, gibt es nur einen Grund, da will sich jemand die Tasche vollstopfen und später in einem anderen Unternehmen oder bei VW selbst eine bessere Position bekommen. Wir wissen selbst was zu tun ist und brauchen uns von solchen Hirn- und/oder Gewissenlosen Menschen nicht kommandieren zu lassen!
Das war schon einiges zur Betriebsversammlung, jetzt aber zu den letzten 2 Punkten. Fangen wir aber jetzt mal mit einem Lob an. Eine nette Geste waren die Butterbrezn und Getränke an den Freitagen, an denen es Schulungen für die Mitarbeiter_innen der Produktion gab.
Interessant wird auch noch, ob sich der VW-Vorstand für die weitere Achsproduktion in unserem Werk oder zu Ausgliederung zu Scania entscheidet. Denn bei einem so großen Konzern wie VW ist alles möglich. Der Vorstand hat sich zumindest mal dafür entscheiden, in den nächsten 3 Jahren 50,2 Milliarden Euro in die Entwicklung neuer Fahrzeuge, die Effizienzsteigerung in der Produktion und den Bau neuer Werke zu stecken. Fast 40 Milliarden sollen in die Modernisierung der Werke fließen, um diese auch weiterhin effizienter zu machen so Winterkorn, Aufsichtsrat des VW Konzerns.
Zum Schluss ist es uns nochmal wichtig zu sagen, dass der Streik unser einziges Mittel ist, etwas aktiv zu verändern und es deshalb es wichtig ist, dass am besten alle mit machen! Wir sagen es auch immer wieder, wir stehen hinter Betriebsrat und Gewerkschaft, wenn sie auch wirklich hinter uns stehen und sich für uns einsetzten. Aber das tun sie leider nicht und so bleibt es am Ende unsere Aufgabe, uns selbst zu helfen! Macht mit und ermutigt Kollegen und Kolleginnen auch mitzumachen!
Wer nicht kämpft, hat schon verloren!

Kein Vertrauen mehr!

Wir riefen immer dazu auf, Vertrauenskörper zu wählen. Bei der Wahl mussten wir aber bedauerlicherweise feststellen, dass diese nicht zum Wohl der Belegschaft stattfand. Das Problem haben wir schon mal erwähnt, es gibt nicht mehr in allen Abteilungen Vertrauenskörper, weil die Anzahl an Vertrauensleuten in den Hallen eingeschränkt wurde. Damit will sich der Betriebsrat mehr Kontrolle über „seine“ Leute verschaffen. Jetzt, nach einigen Gesprächen scheint es aber immer mehr so, als wäre die Wahl ein Riesen Betrug. Leider ist es schwer, das ganze aufzudecken. Aber wenn Menschen nicht Vertrauenskörper werden, obwohl sie von vielen Kollegen und Kolleginnen gewählt wurden, dann liegt es wohl daran, dass der Betriebsrat sie nicht wollte. Entweder, weil sie dafür bekannt sind, den Mund auf zu machen, wenn etwas nicht passt und/oder weil einige Betriebsräte Freundschaften pflegen wollten. Es wurden mehrere Mitarbeiter_innen gewählt, die zum einen nicht wirklich bekannt sind und/oder zum anderen selbst in den eigenen Abteilungen nicht dafür bekannt sind, sich für Firmenpolitik zu interessieren.
Und wenn die Lebensgefährtin (Frau Kuhfahl) des Betriebsratsvorsitzenden Dorn trotz ihrer Unbekanntheit innerhalb von einem Jahr von einer Sekretärin zur dritten Betriebsratsvorsitzenden und Versammlungsleiterin der Betriebsversammlung wird (bisher war das Herr Frammelsberger), sowie weitere hochrangige Posten übernimmt, dann ist das der Beweis, dass es im V2 mächtig stinkt! Auch die Tochter des Kollegen Jürgen Dorn wurde sofort als freigestellte Betriebsrätin in den Betriebsrat aufgenommen! Sein Bruder hat ebenfalls vor nicht langer Zeit einen Unbefristeten Vertrag bekommen, arbeitet aber momentan „nur“ als Montageschlosser in der Vormontage.
In Einzelgesprächen soll unser Kollege Dorn dann auch gegen Einzelne vorgegangen sein, um sie zum Schweigen zu bringen.
Wie ihr seht, es stinkt mächtig und zwar in allen Etagen des Betriebsrats. Wir werden weiterhin versuchen, dem Ganzen auf den Grund zu gehen! Wer uns dabei Helfen kann, schreibt bitte an werkerinfo@riseup.net (Danke!).
Was ist eigentlich aus der Schmiergeldaffäre des alten Betriebsratsvorsitzenden geworden? Das passt ja perfekt zu diesem Thema. Aufklärung und eine viel bessere und der Belegschaft ehrlichere Informationspolitik wäre jetzt wirklich mal angebracht!
Und an die noch vernünftigen Betriebsräte, lasst euch das nicht gefallen! Redet auch ihr untereinander und findet ein Weg aus der Vertrauenskrise!
Wir erwarten eine Stellungnahme auf der nächsten Betriebsversammlung von dir, Kollege Dorn!

Wie funktioniert Ausbeutung?

Schon seit der Antike werden Menschen zur Arbeit gezwungen, entweder für Lohn oder weil sie als Sklaven dienten. Ohne Geld keine Nahrung, kein Haus/Wohnung, keine Medizin und keine Bildung, also all das, was wir zum Leben brauchen. Damit war also schon sehr früh eine indirekte Versklavung durch die Lohnarbeit erfunden worden. Was bedeutet, dass wir für die arbeiten, bei denen wir auch wieder einkaufen. Mit diesem System wurde auch die Klassengesellschaft schon sehr früh erfunden.
Bis heute besitzen nur wenige Menschen auf der Welt, den Reichtum, den die Mehrheit der Menschen produziert. In Zahlen bedeutet das: 1% der Weltbevölkerung hält etwa 40% des weltweiten Vermögens. Die reichsten 2% der Weltbevölkerung besitzen mehr als 51% des weltweiten Vermögens. Auf die reichsten 10% entfallen etwa 85% des weltweiten Vermögens. Auf die unteren 50% der Weltbevölkerung entfällt weniger als 1% des weltweiten Vermögens. Das ist die bittere Realität dieser vom Kapitalismus regierten Welt. Auch wenn wir unser Werk in München mal anschauen fällt auf, dass der überwiegende Teil (Produktion/Büro) der über 9000 Beschäftigten im einzelnen viel weniger verdienen als die paar Chefs (Modulleiter_innen/Werksleitung). Und mit den Werken in anderen Ländern wie Polen, Russland, Brasilien,…, werden die Lohnunterschiede zwischen den Herrschenden und den Arbeiter_innen noch größer und deutlicher.
Aber es ist nicht nur das Geld, dass uns von denen da oben unterscheidet. Es sind auch die großen Unterschiede bei den Arbeitsverhältnissen, der Arbeitsteilung und der Macht die einzelne in Unternehmen wie der MAN haben. Zwar werden die Arbeitsverhältnisse auch für z.B. Modulleiter_innen immer schlechter, da auf ihnen immer mehr Verantwortung und Druck herrscht, aber dafür verdienen sie auch um einiges besser. In der Arbeitsteilung wiederum sieht es da anders aus. Während in der Produktion jeder Handgriff zeitlich berechnet wird, geht das in den Büros kaum, egal ob bei den Chefs oder den normalen Angestellten. Deshalb ist in den letzten Jahren der Unterschied zwischen gewerblichen und kaufmännischen Angestellten so groß geworden. Auch beim Punkt Macht gibt es große Unterschiede, denn der Großteil der Angestellten und Arbeiter_innen hat einen Chef über sich und muss sich von ihm/ihr kommandieren lassen und sind gleichzeitig die untersten in dem hierarchischen System. Dieses klug ausgedachte hierarchisches System soll eine möglichst effektive Arbeitsleistung der Menschen bringen und so den Gewinn stetig steigern.
Jetzt schauen wir mal etwas genauer auf die letzten beiden Punkte, Arbeitsteilung und Macht innerhalb eines Unternehmens. Wenn wir uns eine Abteilung am Band anschauen, dann fällt schon mal auf, dass etwa 20-25 Mitarbeiter_innen (pro Schicht) auf eine_n Segmentleiter_in kommen. Hier ist schon mal zu erkennen, dass viele Menschen von einer Person geleitet werden. Die vielen Segmentleiter_innen wiederum, werden von einem/einer Modulleiter_in kommandiert, diese dann am Ende Werksleitung und das geht so weiter bis zum Vorstandsvorsitzenden von VW (vorzustellen wie eine Pyramide). Mit dieser künstlichen Hierarchie kann ein gewaltiger Druck seitens des Vorstands ausgeübt werden und übertriebene Gewinnerwartungen gestellt werden. Durch diese Strukturierung wissen alle, wie sie die Erwartungen (also den Druck) des Vorstands an ihre Untergebenen am besten weiter geben. So kommen die Befehle überall an und sollen am Ende von den Untersten, also den Arbeiter_innen ausgeführt werden, ohne dass diese sich mit legalen Mitteln wehren können. Die Mitbestimmung der Mehrheit der Mitarbeiter_innen im Unternehmen ist damit nicht mehr möglich, aber auch, weil sie unerwünscht ist.
Seit einiger Zeit gilt Teamarbeit als Vorgabe in den Abteilungen. Das heißt, alle arbeiten zusammen (kennen also am besten alle Arbeitsplätze) und unterstützen sich gegenseitig, statt nur für sich an ihrem Arbeitsplatz zu stehen. Damit sollen nicht ganz ausgelastete Arbeiter_innen dazu gezwungen werden, ihren überlasteten Kollegen und Kolleginnen zu helfen. So können Mitarbeiter_innen gespart und die Taktzeit verkürzt werden. Damit aber nicht genug, denn mit diesem System soll der gegenseitige Druck auf die Kolleginnen und Kollegen erhöht werden. Hier wird auch ganz bewusst mit der Psyche des Menschen gespielt. Mit den Schuldgefühlen gegenüber denen, die viel zu tun haben (denn die üben dann Druck auf ihre Kollegen und Kolleginnen aus). Alle sollen helfen wo sie nur können, egal wie viel Arbeit sie selbst schon haben. Dazu kommt, dass immer Maschinen eingesetzt werden. Diese helfen den Menschen einerseits, aber bringen auch Zeitersparnis und damit kürzere Taktzeiten (also mehr Stress mit sich). Aber auch mit der Angst vor einem Arbeitsplatzverlust wird bewusst gespielt, indem immer wieder Krise herrscht, trotz hohen Gewinnen. Dazu kommen Wirtschaftstreue Medien und Parteien/Gewerkschaften, die uns Sätze wie „sein wir doch froh, dass wir überhaupt Arbeit haben“ in den Kopf brennen. Mit Methoden wie dem AVP, also dem einstufen von Mitarbeiter_innen bei Erkrankung, bis sie sich bei der Personalabteilung rechtfertigen müssen, wird ein Klima der Angst verbreitet. Bewusst werden auch Leiharbeiter_innen oder Befristete eingestellt, um Leute zu haben, die sich verpflichtet sehen, jede Drecksarbeit zu machen.
In anderen Worten, alles was in einer Firma passiert, ist so gewollt, es ist so berechnet worden. Dafür gibt es sogar schon seit über 100 Jahren eine Wissenschaft, die sich nur damit beschäftigt die Produktion noch effektiver zu gestalten. Angefangen hat alles mit dem Taylorismus*, der heute noch als wichtige Grundlage in der Unternehmenspolitik jeder produzierenden Firma gilt. Eine Wissenschaft, die den Mensch zur Ware gemacht hat, zur Arbeitskraft wie ein Roboter, ohne menschliche Bedürfnisse.
Wir könnten zu diesem Thema noch weiter ausholen und bräuchten, dann wohl noch einige Seiten mehr. Doch unser Ziel war es zu zeigen, dass die Dinge nicht so sind, weil sie halt einfach so sind, sondern weil sich Menschen überlegen, wie man die Produktion immer noch effektiver gestalten kann. Bis wir irgendwann mit Windeln arbeiten, weil uns die Zeit für den Toilettengang fehlt.
Auf diese Politik gibt es nur eine Antwort: STREIK!

Begriffserklärung

*Taylorismus:

Als Taylorismus bezeichnet man das von dem US-Amerikaner Frederick Winslow Taylor (1856–1915) begründete Prinzip einer Prozesssteuerung von Arbeitsabläufen, die von einem auf Arbeitsstudien gestützten und arbeitsvorbereitenden Management detailliert vorgeschrieben werden und für die der Begriff Scientific Management geprägt wurde.
Ziel ist die Steigerung der Produktivität menschlicher Arbeit. Dies geschieht durch die Teilung der Arbeit in kleinste Einheiten, zu deren Bewältigung keine oder nur geringe Denkvorgänge zu leisten und die aufgrund des geringen Umfangs bzw. Arbeitsinhalts schnell zu wiederholen sind. Grundlage der Aufteilung der Arbeit in diese kleinsten Einheiten sind Zeit- und Bewegungsstudien. Funktionsmeister übernehmen die Einteilung und Koordination der Arbeiten. Der Mensch wird lediglich als Produktionsfaktor gesehen, den es optimal zu nutzen gilt. Die Einwegkommunikation mit festgelegten und engen Inhalten sollte dabei als klare Anweisungen gesehen und eingehalten werden.
Taylor ging davon aus, dass eine geregelte Tätigkeit den Menschen zufrieden stellt. Zur Arbeitsmotivation dienen zusätzlich v.a. Finanzielle Anreize: Ein spezielles Lohnsystem (Leistungslohn) soll zur Steigerung der subjektiven Arbeitsleistung führen.

Blick über den Tellerrand

Genk: gegen Arbeitsplatzvernichtung

Ford möchte u.a. in Genk (Belgien) mehrere hundert Stelle „abbauen“. Die Betreoffenen Arbeiter*innen wollen sich das jedoch nicht ohne Widestand gefallen lassen. Am 07.11.2012 besuchten sie deshalb schon unangekündigt und überraschend das Ford Werk in Köln-Niehl. Dort fand eine Sitzungs der europäischen Firmenleitung zusammen mit dem Betriebsrat statt.
Das belgische Werk ist von massivem Stellenabbau und Schließung bedroht. Darum kamen fünf Busse aus Belgien um den Bossen in Deutschland zu zeigen, dass sie sich nicht kampflos den Entscheidungen der weißen Kragen beugen werden.
Wie die Presse berichtet, haben die Kolleg*innen ganz offensichtlich zu einer Sprache gegriffen die die Bosse verstehen. So ließen sich die Arbeiter*innen nicht davon abhalten „illegal“ das Betriebsgelände zu betreten. Während der Anwesenheit der der Kolleg*innen scheinen auch einige Reifen in Flammen aufgegangen zu sein. Das in vielen Ländern typische benutzen von Feuerwerkskörpern irritierte die deutsche Polizei natürlich sehr. Es kam zu Ausschreitungen und es steht zu befürchten das die ausschreitende Polizei eine ganze Reihe Arbeier*innen verletzt hat.

Weitere Texte findet ihr auf unserer Internetseite: www.werkerinfo.tk.
Themen unter anderem: „Krise der Autogesellschaft“ und ein Text zu Sonderwirtschaftszonen in Europa.

Termine:
Großdemonstration gegen die „NATO-Sicherheitskonferenz“ (ein Treffen von hochrangigen Politikern, Militärs und Waffenlobbyisten im Bayerischen Hof)
Samstag, 2. Februar 2013 – 13:00 Uhr – Stachus

Nazis morden, der Staat lädt nach… – Demo zum NSU Prozess.
Am Samstag vor dem Prozessbeginn in München.
Kein vergeben, kein Vergessen!
Infos unter: www.almuc.blogsport.eu