So wie es ist, darf es nicht bleiben!

So wie es ist, darf es nicht bleiben!

Wir rufen wieder zum selbstorganisierten Streik auf, denn so wie es ist, darf es nicht bleiben!
Es wurden zwar viele der Befristeten übernommen, doch werden weiterhin Mitarbeiter_innen in der Produktion eingespart. Und weil sich in der Produktion die Arbeitszeiten für einen Arbeitsplatz gut berechnen und bestimmen lassen, werden wohl in den kommenden Jahren gerade hier weitere Einsparungen stattfinden. Auch weiterhin wird über unsere Köpfe hinweg entschieden, wie unsere Arbeitsplätze noch besser eingerichtet werden können, ganz egal, ob das zu unserem Vorteil ist, oder eben nicht. Es wird auch weiterhin (wie schon seit Jahren) von einem „schwierigen Marktumfeld“ gesprochen, obwohl die MAN-Gruppe auch 2012 fast 1 Milliarde Euro Gewinn gemacht hat. Auch unsere Nutzfahrzeugsparte machte über 450 Millionen Euro Gewinn, was mit dem Jahr 2011 zusammen eine Summe von über 1 Milliarden Euro Gewinn ausmacht; und das ohne MAN Latin America. Und mit dem M1 Projekt werden wir in unserem Werk in München noch mehr dem Erfolgsdruck und Größenwahn der Chefs ausgesetzt sein.
Dass die Chefs so eine Linie fahren ist im Kapitalismus Normalität, doch dass auch der Betriebsrat so eine Politik mit betreibt, war nicht immer so. Vor allem seit den 90er Jahren ist zu bemerken, wie die Gewerkschaften immer mehr auf eine möglichst umsatzstarke Wirtschaft Wert legen. Deutschland soll international mithalten können, aber Qualität allein reicht nicht mehr. Alles muss billig sein. Und so wird Deutschland auch immer mehr zum Niedriglohnland und in den Produktionsstätten wird immer weiter versucht, Personal einzusparen. Ob Maschinen Mitarbeiter_innen ersetzen, Maschinen das Arbeitstempo erhöhen oder ob immer weniger Mitarbeiter_innen, immer mehr Arbeitsschritte übernehmen. All das führt dazu, dass wir mehr und mehr unter Druck geraten und der wachsende Stress uns am Ende total krank macht.
Wir dürfen diese Zustände nicht weiter zulassen! Viele von uns haben diesen Prozess in den letzten 10-15 Jahren miterlebt: Mitarbeiter_innen wurden massiv eingespart, die Taktzeit erheblich verkürzt und moderne Anlagen lassen ohne Probleme immer kürzere Taktzeiten zu. Es werden Milliarden investiert um all das weiter zu betreiben und zu intensivieren, um immer noch profitabler zu werden. Statt uns Arbeiter_innen in den Mittelpunkt von Produktion und Qualität zu setzten und statt uns ein wirkliches Mitspracherecht zu garantieren, finden sie immer neue Wege, um mit allen (zum Teil unmenschlichen) Mitteln ihre Ziele umzusetzen.
Soll das so weitergehen, bis wir alle innerhalb von 20 Jahren arbeitsunfähig sind? Wollen wir weiterhin warten, bis uns eine_r hilft?
Wenn nein, dann bist DU jetzt gefragt. Sei beim nächsten Streik dabei – gib den Kollegen und Kolleginnen Bescheid und nimm Urlaub oder mach krank, Hauptsache die Produktion steht still!
Denn Streik ist die einzige Sprache, die sie verstehen!

Wir verlangen mit sofortiger Wirkung:
-Höchstens 7 Stunden arbeiten + 1 Stunde „geschenkt“ aufs Zeitkonto.*
-Nur 5 Tage-Arbeitswochen.*
-2 garantierte Springerpausen für alle Bandarbeiter_innen.*
-2 zusätzliche Pausen für Mitarbeiter_innen mit Behinderung ab 20%.*
-Schwerbehinderte weg von Bändern und taktgebundenen Arbeitsplätzen.*
-Keine Bandarbeit für Mitarbeiter_innen mit Behinderung.*
-Gleicher Grundlohn für alle + Zuschläge (Akkordzuschlag, ect.).*
-Keine weiteren Taktverkürzungen und Personaleinsparungen mehr.*
-Ein Vertrauenskörper in jeder Abteilung und pro Schicht.*
-AVP abschaffen.*
-Pausenplätze für die gesamte Achsmontage.
-Keine Militärfahrzeuge/-achsen mehr produzieren.*
Und nach Beendigung der Kurzarbeit:
-300 Neueinstellungen in der Produktion
-Altersteilzeit für alle die wollen (frei gewordene Stellen ersetzten).

*Fordern wir für alle MAN Produktionsstätten, weltweit!

Mehr gibt es dann wieder in der nächsten Ausgabe. Weitere Texte gibt es auch in den letzten Ausgaben, sowie unter „Wichtige Texte“.

Offener Brief an die Betriebsräte:

Liebe Kolleginnen und Kollegen vom Betriebsrat der MAN und des MAN Standorts München,

wie Ihr mitbekommen habt, gibt es eine Gruppe an Mitarbeiter_innen, die keine Lust mehr auf die derzeitige Firmenpolitik haben und sich entschlossen haben, eine Betriebszeitung zu gründen.
Wir wenden uns mit diesem offenen Brief an Euch alle, an Euch all unsere Kolleginnen und Kollegen vom Betriebsrat. Dieser Brief ist Teil der Kampagne „So wie es ist, darf es nicht bleiben!“, mit dieser soll nochmals ausdrücklich klargemacht werden, dass die herrschenden Zustände in unserem Konzern bzw. Werk München zum Teil schon unerträglich geworden sind.

Gerade Ihr als Betriebsratsmitglieder müsst für unsere Interessen eintreten, deshalb wurdet ihr gewählt! Doch das sehen wir als Belegschaft kaum mehr gegeben. Egal wo man sich in der Produktion umhört, sind es mittlerweile fast alle in der Belegschaft, die sich über die jetzigen Verhältnisse und Eure Arbeit beschweren. Es kann einfach nicht sein, dass es in der Halle 4 nach dem Umbau bis heute keine Pausenplätze an den Bändern gibt! Ebenso ist es uns schleierhaft, wie ein Betriebsrat das Verhören von Personal das krank geschrieben war zulassen kann. Das sind nur zwei Beispiele dafür, wie gravierend mittlerweile die Zustände sind. Das hat mit Arbeitnehmer-_innenvertretung einfach nichts mehr zu tun! Der Fortschritt der einst erkämpft wurde, wird jetzt einvernehmlich einfach hergegeben. Auch die Vetternwirtschaft, die nicht nur, aber vor allem mit erschütterndem Ausmaß unser Gesamtbetriebsratsvorsitzender betreibt, ist nicht hinnehmbar!

Uns ist es wichtig, die Probleme anzusprechen und sie auch (versuchen) zu verbessern. Wir haben keine Lust mehr, Mitarbeiter_innen 2 oder sogar 3 Klasse zu sein! Für uns sind die Dinge nicht einfach nur so wie sie sind, weil es halt so ist. Hinter allem steckt mindestens ein Kopf, der sich das ausgedacht hat. Und hinter jeder größeren Veränderung steht auch der Betriebsrat mit dabei. Doch Ihr lasst einfach viel zu viel durchgehen, obwohl die Belegschaft auf einiges keine Lust hat. Dabei seit Ihr unsere Vertretung, Ihr müsst unsere Interessen durchsetzten, dafür wurdet Ihr gewählt! Wir wissen, dass nur ein gut laufendes Unternehmen Arbeitsplätze langfristig erhalten oder sogar schaffen kann. Aber wenn das Menschliche nichts mehr zählt, dann wird eine Grenze überschritten, die wir nicht mehr hinnehmen wollen und können! Diese Grenze wurde überschritten und das in vielen Bereichen mehrmals.

Wie muss es also weitergehen? Wir wissen, dass es auch noch Vernünftige unter Euch gibt. Und gerade diese Vernünftigen müssen jetzt das Wort ergreifen und eine inhaltliche sowie grundsätzliche Diskussion über die Betriebsratsarbeit beginnen! Wir können das auf dieser Ebene nicht übernehmen, aber wir führen diese auf der Ebene der Basis, also den vielen Mitarbeiter_innen in der Produktion. Wir sind Menschen und haben den Drang nach Freiheit. Wir wollen uns nicht den ganzen Tag kaputt arbeiten! Wir arbeiten um das nötige Geld zum Leben zu verdienen, sehen aber, wie die Milliarden Gewinne an uns vorbei gehen. Mit diesem Geld könnten aber mehr Mitarbeiter_innen eingestellt werden und die Arbeitszeiten und der Stress reduziert werden, bei gleichbleibendem Gehalt! Macht auch etwas, bevor VW den Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag zu unserem Nachteil entscheidet!
Die Reaktionen der Kolleginnen und Kollegen sind klar, es muss sich was verändern, denn so wie es ist, darf es nicht bleiben!

Werkerinfo im März 2013, im Namen der Mitarbeiter_innen der MAN und vor allem des MAN-Werk München.

Neben Mobilisierungsaufklebern haben wir Zettel mit folgenden Inhalten verteilt:

-Glaubst du wirklich noch, dass der Betriebsrat oder sogar die Chefs uns helfen? Ihnen geht es um den Profit, nicht um unser wirkliches Wohl. Willst du warten bis sie was ändern, währenddessen du immer mehr kaputt gehst? WIR müssen was verändern – zusammen für ein wirklich gutes Leben!
So wie es ist, darf es nicht bleiben!

-Ständig Überstunden, Millionengewinne und fette Managergehälter. Und es herrscht Krise? Lass dich nicht verarschen! Denn für steigende Gewinne könnten sie auch dich einsparen. Deshalb gemeinsam ein deutliches Zeichen setzen!
So wie es ist, darf es nicht bleiben!

-Glaubst du deine Familie will, dass du krank und schwach nach hause kommst? Bei den ständigen Einsparungen wird der Stress immer größer und Stress macht krank. Niemand hat das Recht dich körperlich auszubeuten und dir deine Gesundheit zu rauben! Gegen den Stress und die, die ihn verursachen!
So wie es ist, darf es nicht bleiben!

-Sie reden von Respekt und behandeln uns wie Esel.
Sie reden von wichtigen Erfolgsfaktoren und „vergessen“ dabei uns Arbeiter_innen.
Sie reden von Krise und stecken sich Millionen in die eigenen Taschen.
Willst du wirklich, dass es so weiter geht?
So wie es ist, darf es nicht bleiben!

Termine:

Am 17. April beginnt in München der Prozess gegen Angehörige des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), denen mindestens 10 Morde, Bombenanschläge und Banküberfalle zur Last gelegt werden.
Deshalb wird es eine große Demonstration gegen Faschismus und alltäglichen, sowie staatlichen Rassismus in München geben.
Samstag, 13.04.2013, Auftaktkundgebung: Karlsplatz (Stachus), 13.00 Uhr
Mehr unter: www.nsuprozess.blogsport.de

1. Mai, DGB-Demonstration – klassenkämpferischer Block (im hinteren Teil der Demo)
Danach Kundgebung am Rindermarkt.

2. + 3. Mai, Streik – krank machen oder Urlaub nehmen, Hauptsache die Produktion steht still
(bei Betriebspause am 6. + 7. Mai)