Archiv für April 2013

Ausgabe 12/2013 + Streikaufruf Nr. 2

AUF GEHT‘S!
ZUSAMMEN URLAUB NEHMEN ODER KRANK MACHEN!

Raus aus der Hilflosigkeit, raus aus der Fabrik und rein in den zweitägigen Streik! Last uns nicht weiter alles hinnehmen! Wir dürfen nicht so lange warten, bis wir mit dem Rücken zur Wand stehen! Willst du warten, bis sie dich kündigen wollen und erst dann aktiv werden, wenn es schon beschlossene Sache ist?
Durch VW steht MAN massiv unter Druck, jedes Jahr gute Gewinne zu erzielen. Sollte das MAN nicht von alleine schaffen, dann wird VW rigoros durchgreifen. Mit diesem Argument versucht man uns zu erpressen und gibt uns Arbeiter_innen damit vor, die volle Verantwortung über unsere Zukunft zu haben. Immer billiger (Personaleinsparungen), immer mehr, immer länger, immer bessere Qualität und am besten keine Fehltage. Dabei sind es nicht wir, die eine Übernahme durch VW wollten und es sind auch nicht wir, die sich freiwillig in diese Situation gebracht haben. Es ist der Größenwahn der Chefs und der Betriebsräte, der uns in diese Situation gebracht hat. Jetzt müssen wir für ihren Gewinn bezahlen.
Wir müssen jetzt Handeln, bevor es zu spät ist!
Streik ist die einzige Sprache die sie verstehen!

Wir verlangen mit sofortiger Wirkung:
-Höchstens 7 Stunden arbeiten + 1 Stunde „geschenkt“ aufs Zeitkonto.*
-Nur 5 Tage-Arbeitswochen.*
-2 garantierte Springerpausen für alle Bandarbeiter_innen.*
-2 zusätzliche Pausen für Mitarbeiter_innen mit Behinderung ab 20%.*
-Schwerbehinderte weg von Bändern und taktgebundenen Arbeitsplätzen.*
-Keine Bandarbeit für Mitarbeiter_innen mit Behinderung.*
-Gleicher Grundlohn für alle + Zuschläge (Akkordzuschlag, ect.).*
-Keine weiteren Taktverkürzungen und Personaleinsparungen mehr.*
-Ein Vertrauenskörper in jeder Abteilung und pro Schicht.*
-AVP abschaffen.*
-Pausenplätze für die gesamte Achsmontage.
-Keine Militärfahrzeuge/-achsen mehr produzieren.*
Und nach Beendigung der Kurzarbeit:
-300 Neueinstellungen in der Produktion
-Altersteilzeit für alle die wollen (frei gewordene Stellen ersetzten).
*Fordern wir für alle MAN Produktionsstätten, weltweit!

Servus liebe Kolleginnen und Kollegen,
in dieser Ausgabe findet ihr wieder reichlich Artikel zu verschieden Themen die uns alle betreffen.
Seit der letzten Ausgabe hat sich auch wieder etwas getan. Die IGM fordert 5,5% mehr Lohn in der nächsten Tarifrunde, die Euro Krise ist bei weitem noch nicht überstanden, auch wenn von Griechenland (und den dortigen Arbeitskämpfen) kaum mehr berichtet wird. Aber auch wir wollen erneut den herrschenden Zuständen mit einem selbstorganisierten Streik Widerstand leisten.
Jetzt erstmal zur MAN und unserem Werk. Die MAN hat auch 2012 wieder hunderte Millionen Gewinn gemacht, nicht nur als gesamter MAN Konzern sondern auch unsere Nutzfahrzeugsparte. Während im abgeschotteten kleinen Schloss auf unserem Werksgelände noch immer gefressen wird, als gäbe es anscheinend was zu feiern, wird bei uns in der Produktion auf Grund des „schwierigen Marktumfeld“ immer weiter abgespeckt. Und das ist erst der Anfang von unserer ganz eigenen Krise. Wir wollen nichts herbei schwören, aber wenn die Politik der konkurrierenden Werke und Hersteller innerhalb des VW Konzerns weiterhin so zu nimmt, dann wird es nicht mehr sehr lange dauern, bis Werke geschlossen werden. Wenn selbst der Betriebsrat (der von Anfang an ganz begeistert von der Übernahme war) sagt, dass wir uns innerhalb des Konzerns nicht nur als Marke MAN, sondern auch als Werk München beweisen müssen, dann heißt dass nichts anderes, als dass wir uns in einem Teufelskreis befinden. Wir wurden also in eine noch viel beschissenere Situation gebracht, als wir es vorher waren. Anders gesagt: Vorher wurde wenigstens noch überlegt, wo was gebaut werden kann bzw. soll. Jetzt sind wir mit Scania als Partner in der Situation, dass vieles doppelt vorhanden ist und damit weitere riesige Einsparungen getroffen werden (können). Das wird langfristig Arbeitsplätze kosten. Vielleicht bekommen wir den Auftrag, auch die Achsen für Scania zu bauen, aber dann werden wir auch was abgeben müssen. Wir werden uns noch viel mehr anstrengen müssen, um größtmöglichen Schaden abzuwenden. Das aber bedeutet, dass wir billiger und besser werden müssen (auch eine Aussage eines Betriebsrates). Also: Personal abbauen und den Druck auf die Arbeitskräfte erhöhen. Wenn ein Werk geschlossen werden soll, dann ist zwar erst mal nur dieses Werk betroffen, aber gemeint sind damit alle. Alle kann es treffen, auch uns in München! Solidarität statt Konkurrenzkampf unter uns Arbeiter_innen!
Der VW Konzern hat übrigens (auch dank MAN) einen neuen Rekordgewinn von 22 Milliarden(!) Euro eingefahren. Die deutschen VW Werke werden mit über 7000 Euro pro Mitarbeiter_in belohnt; und wir?
Mittlerweile wurde uns gesagt, dass wir im Mai und Juni die seit 1.1.13 aufgebauten Überstunden abbauen müssen, dabei läuft die Kurzarbeit offiziell bis Ende Juni. Der Hintergrund ist, dass das Arbeitsamt die Zeitkonten der Mitarbeiter_innen vom 31.12.2012 und vom 30.6.2013 vergleichen will, weil in der Kurzarbeit keine Überstunden gemacht werden dürfen. Aber anstatt uns nur 7 Stunden arbeiten zu lassen, werden wir jetzt gezwungen frei zu nehmen, wann es der Firma passt. Und anstatt wenigstens ab jetzt überall in der Produktion nur noch 7 Stunden zu fahren, wird weiterhin 8 Stunden gearbeitet. Das Geld, das sich die MAN vom Staat eingeschoben hat, werden wir dagegen nie zu Gesicht bekommen. Aber Hauptsache wir sollen korrekt unsere Arbeit machen… die Ehrlichen sind leider auch immer die Dummen.
Auch auf die Ergebnisbeteiligung können wir wohl noch lange warten. Auch wenn besser als nichts, ist es nicht unsere Mentalität, uns mit den mickrigen 30% zufrieden zu geben. Wir haben die Gewinne erarbeitet und wir sollten im vollen Umfang daran beteiligt werden, alle mit dem selben Betrag!

In München wurde mit dem M1 Projekt bereits begonnen. Was das unter anderem heißt ist gerade in einem Teil der LKW-Montage zu erkennen. Andere Materialanordnung, ein genormtes Erscheinungsbild und ein weißer Boden. Was das uns in Zukunft bringen soll, außer weitere Personaleinsparungen durch Ergonomisierung der Arbeitsplätze ist uns schleierhaft. Jedenfalls werden dafür wieder Millionen ausgegeben. Ganze neu gebaute Bandabschnitte sollen wieder neu gestaltet werden und auch der bereits neu gemachte weiße Boden soll wieder neu gestrichen werden, weil der Lack nicht ganz passt. Was überhaupt weißer Boden in einer Fabrik zu suchen hat, ist und auch unerklärlich. Aber Hauptsache für solchen Scheiß wird das Geld wieder aus dem Fenster geschmissen.
Währenddessen hat sich in der LKW-Montage der neue Modulleiter bei den Mitarbeiter_innen mit den Worten „ich verlange von Ihnen 1. Disziplin, 2. Disziplin und 3. Disziplin“ vorgestellt. Ob er auch die Disziplin mitbring sein Büro selbst zu putzen, oder ob das für ihn nicht doch eine Putzkraft macht ist sehr fraglich. Aber selbst wenn, wer sich mit solchen Worten bei der Belegschaft vorstellt, den heißen wir nicht Willkommen, denn Diktatoren und ein Umgang wie beim Militär wollen wir nicht!
Auf was wir auch schon mal hingewiesen haben, ist das Ideenmanagement. Schreibt keine KVP’s! Damit Schaden wir uns nur selbst! 2012 wurden 4.408 Vorschläge von 2.109 Mitarbeiter_innen eingereicht, was einen Erstjahresnutzen von 3,99 Millionen Euro erbrachte. Davon wurden aber nur 854.717 Euro als Belohnung ausgezahlt. Das nutzt langfristig nur der MAN! Damit bekommst du vielleicht mal eine Prämie, aber dafür werden viele Arbeitsplätze eingespart. Und wehe eine_r spart mal an deinem Arbeitsplatz, dann ist das Geschrei groß. Also lasst bitte diesen Blödsinn. Einen ausführlicheren Text findet ihr auf unserer Internet Seite unter „Wichtige Texte“.
Was uns auch bedauerlicher Weiße aufgefallen ist, ist wie Aufkleber und Schriftzüge die auf uns aufmerksam machen sollen zum Teil sehr schnell entfernt werden, aber andere Sachen die daneben sind nicht. Das wäre an sich nicht so schlimm, aber wenn ein Schriftzug (der mit Edding geschrieben wurde) entfernt wird, aber Hakenkreuze nicht, auch wenn sie z.B. mal mit Bleistift gezeichnet wurden, dann ist das nur noch beschämend für die MAN!
Im Betriebsrat kümmert man sich derweil eher um andere Probleme. So hat der Artikel in der letzten Ausgabe („Kein Vertrauen mehr!“) für sehr viel Wirbel gesorgt. Doch damit der Wirbel nicht unkontrolliert wirbeln kann und für Veränderungen sorgt, wurde erstmal ein Maulkorb verpasst. Unser lieber Kollege Dorn hat wohl Angst um seinen Thron. Aber vielleicht wird er ja wie gefordert etwas dazu in der nächsten Betriebsversammlung (die hätte eigentlich spätestens im März stattfinden müssen!) sagen – wir gehen aber nicht davon aus, warum sollte er denn auch? Im Moment ist man eher damit beschäftigt, das schwarze Schaf unter den Betriebsräten und Vertrauenskörpern zu finden, das Infos an uns weiter gibt. Dabei ist das schwarze Schaf schon längst gefunden, es ist der Gesamtbetriebsratsvoritzende Dorn selbst und nicht die „Informanten“. Wir hoffen, dass sich jetzt mal was verändert im Betriebsrat. Wohin das führt weiß aber wohl niemand. Wird sich jetzt der Betriebsrat selbst zerfleischen oder wird die Gunst der Stunde genutzt, um die längst Notwendigen Personal und firmenpolitischen Veränderungen herbei zu führen? Wir haben an die Betriebsräten in München einen offenen Brief geschrieben, was der allerdings gebracht hat, wissen wir leider nicht. Jedenfalls stehen wir auf der Seite derjenigen, die auf der Seite der Arbeiter_innen stehen und nicht auf der Seite des Kapitals!
Wut zu Widerstand – Streik!

Zum kommenden Tarifkonflikt
Die IGM erklärt sich mal wieder – zwar nicht sehr kämpferisch, aber Arbeitnehmer_innenfreundlich – zur starken Kraft im jetzigen Tarifkonflikt. „5,5% mehr und 60 Euro für die Azubis“, das sind ihre größten Forderungen.
Schauen wir aber mal kurz zurück. Vor 10 Jahren wurde mit Hilfe der großen Gewerkschaften die Agenda 2010 umgesetzt. Damit wurde der Niedriglohnsektor und die Leiharbeit massiv ausgebaut. Seit dem hat sich die Situation der Arbeitnehmer_innen in Deutschland verschlechtert, von der Altersarmut nicht zu sprechen. Im Krisenjahr 2009 haben sich die Gewerkschaften wieder mit der Politik zusammengeschlossen und die Abwrackprämie, sowie eine erweiterte Kurzarbeitszeit umgesetzt. Gefeiert wurde das als Riesen Errungenschaft, doch es hat die Aufmerksamkeit von den eigentlichen Problemen abgelenkt. Denn mit Abwrackprämie und Kurzarbeit lassen sich nicht ewig Krisen „meistern“. Solang die großen Gewerkschaften der Politik und Wirtschaft die Hände reichen, wird sich von denen aus gar nichts ändern und die Spirale der Gewinnmaximierung wird sich immer weiter drehen!
Wieder zurück in die Gegenwart. Auffällig war bis jetzt, dass Anfang Februar eigentlich erst in den Unternehmen und Bezirken besprochen werden sollte, was denn gefordert werden soll. Stattdessen stand da schon fest, dass es 5,5% werden. Klingt nicht wirklich nach einem basisdemokratischen Umgang innerhalb der IGM. Anders als beim letzten mal steht auch nicht mehr die Leiharbeit im Vordergrund. Das kommt daher, dass die IGM einfach beschlossen hat, dass das Thema doch anders behandelt werden soll als propagiert. Nun will man sich auf 8,50 Euro pro Stunde als Lohnuntergrenze einigen. So wird mittlerweile bei der IGM gearbeitet, still und heimlich. Aber was ist auch von denen zu erwarten, wenn nicht die Abschaffung sondern nur eine faire Leiharbeit gefordert wird…
Nachdem die Forderungen wie erwähnt auch nicht so kämpferisch ausfallen, ist auch kein hoher Tarifabschluss zu erwarten. Und während in den südeuropäischen Staaten die Gewerkschaften mit dafür verantwortlich gemacht werden, dass durch ihre soziale und kämpferische Politik die Wirtschaft zusammen gebrochen ist, werden hier mit der wirtschaftstreuen Politik die Menschen zum zusammenbrechen getrieben. Nach den vielen größeren und kleineren Krisen der letzten Jahrzehnte müsste doch endlich mal klar sein, dass der Kapitalismus das Übel ist. Solange man diesen als Arbeiter_in mit trägt, bleibt alles wie es ist. Die Armen bleiben arm und die Mächtigen bereichern sich weiter an unserer Arbeitskraft.
Schluss mit der wirtschaftstreuen Politik!

Deshalb rufen wir auch dieses mal wieder dazu auf, die IG-Metall Materialien zu boykottieren!
Wir sind keine IG-Metall Marionetten!
Streik, Gewerkschaft und Betriebsrat ja, aber nicht so!

Rassismus ist keine Lösung!
Immer wieder hören wir rassistische Äußerungen über bestimmte Menschen und ihrem Verhalten. „Die Türken haben so eine Mentalität, die Griechen sind so und die Deutschen haben so eine Kultur.“ In den Klos stehen rassistische Sprüche und aus der „BILD“ wird der größte Scheiß verbreitet. Liebe Kolleginnen und Kollegen, so darf das nicht weiter gehen!
Wenn die „BILD“ schreibt, wir zahlen für die faulen Griechen, heißt das nicht, dass das so ist und vor allem nicht, dass deshalb alle Griechen faul sind, weder in Griechenland noch bei der MAN! Wenn Türken und Araber mal wieder in den Medien als die Bösen dargestellt werden, heißt das nicht, dass man dieses Schubladendenken übernehmen muss! In erster Linie sind wir alle Menschen, mit den selben Bedürfnissen, egal welcher Abstammung! Wir arbeiten zusammen, lachen über den selben Blödsinn, haben alle fast die selben Probleme und so weiter. Warum sollten wir uns gegenseitig das Leben schwer machen, in dem wir andere nur wegen unserem eigenen intoleranten Denken verurteilen? Warum sollten wir uns selber in eine Schublade stecken und uns damit selber von anderen abgrenzen?
Ein Staat ist nur dafür da, die Menschen besser zu kontrollieren und ein ungerechtes System (Kapitalismus) durchzusetzen. Das Zugehörigkeitsgefühl für eine Nation ist nur dafür da, dass wir uns als Teil eines Staates sehen, bzw. glauben, erst dann eine (auch gemeinschaftliche) Identität zu haben. Wir haben eine individuelle und persönliche Identität als Mensch und brauchen keine nationale/rassistische Identität. Und wenn uns die Medien sagen, dass es uns nur wegen den Anderen schlechter geht, bzw. es den Anderen nur wegen uns besser geht, dann liegt das nicht an der Nationalität/Kultur, sondern am Kapitalismus, der für die Unterschiede verantwortlich ist! Auch zu sagen, die „XY“ haben keine oder eine schlechte Kultur ist ein rassistisches Schubladendenken. Ein Beispiel, auch in arabischen Ländern gibt es Frauenrechte und ein friedliches zusammenleben zwischen Moslems und Christen bzw. Juden, auch wenn uns immer nur ein andres Bild gezeigt wird.
Gerade in Krisenzeiten wird die Schuld in „kulturell anders lebenden“ Menschen gesucht und sie für die Probleme verantwortlich gemacht. Denn die kann man ja schnell unter einen Hut stecken (z.B. „die Juden“) und behaupten, solch eine Mentalität hätte man selbst nicht, weil da wo man her kommt andere Regeln oder Werte herrschen. Wir müssen aufhören die Menschen in Kulturen und Nationen zu unterteilen! Denn wir sind alle Menschen mit eigenen bzw. individuellen Interessen und Gedanken, egal von woher wir kommen! Und am Ende haben wir doch alle die gleichen Bedürfnisse und Probleme.
Und stell dir vor, du müsstet für „dein“ Land in den Krieg ziehen und stehst auf einmal deinen besten Freunden/Freundinnen und Kollegen/Kolleginnen gegenüber. Hättest du Lust auf sie zu schießen, nur weil sie eine andere Staatsangehörigkeit haben?
Weil der Mensch ein Mensch ist – Klassenkampf statt Vaterland!

Blick über den Tellerrand

Die Fabrik Viomichaniki Metaleftiki eröffnet und beginnt mit der Produktion in den Händen der
Arbeiter

Wir sind die, die den Teig bereiten und kein Brot haben, wir sind die, die die Kohle schürfen und denen kalt ist.
Wir sind die, die nichts haben und wir sind gekommen uns die Welt zu holen.
Tassos Livaditis

Im Herzen der Krise versetzen die Arbeiter von VIO.ME Ausbeutung und Privatbesitz einen vernichtenden Schlag.
Bei einer auf 30% gestiegenen Arbeitslosigkeit, sinkenden Löhnen, abgespeist mit leeren Worten, Versprechungen und Steuerraub, nicht entlohnt seit Mai 2011, einem Produktionsstillstand in einer von den Arbeitgebern verlassenen Fabrik, haben die Arbeiter von Viomichaniki Metaleftiki- auf der Basis einer Resolution der gewerkschaftlichen Vollversammlung – beschlossen, sich nicht mit einer sicherlich lang dauernden Arbeitslosigkeit abzufinden, sondern dafür zu kämpfen, die Fabrik zu übernehmen und selbst wieder zu betreiben. Seit Oktober 2011 haben sie durch formale Angebote ihren Anspruch bekundet, eine Arbeiterkooperative zu errichten, die vollständig ihrer Kontrolle unterliegt. Sie haben auch die gesetzliche Anerkennung sowohl für ihr eigenes als auch für ähnliche Vorhaben gefordert, die ihrem Beispiel folgen würden. Gleichzeitig haben sie auch Anspruch auf jene Geldsumme erhoben, die notwendig ist, um den Start des Fabrikbetriebs zu ermöglichen, naturgemäß ihr Geld, da sie ja den gesellschaftlichen Reichtum produzieren. Staat und Gewerkschaftsbürokratie begegneten dem ursprünglich entworfenen Plan mit absoluter Gleichgültigkeit, von sozialen AktivistInnen wurde er jedoch enthusiastisch begrüßt. Mit Hilfe der`offenen Solidaritätsinitiative in Thessaloniki` und in der Folge weiterer ähnlicher Initiativen in verschiedenen Städten des Landes wird seit mindestens sechs Monaten versucht, auf breiter Basis die Botschaft von VioMe in der griechischen Gesellschaft bekannt zu machen.
Jetzt ist die Zeit von VioMe gekommen!
Die Arbeiter können nicht länger auf leere Worte eines bankrotten Staat warten, um ihre Pläne umzusetzen (nicht einmal die 1000 Euro besonderer Zuwendung, die der Arbeitsminister versprochen hatte, sind ausbezahlt worden aufgrund der fehlenden Unterschrift des Wirtschaftsministers, Stournaras!)
Die Zeit für eine Wiederinbetriebnahme von VioMe ist gekommen- genauso wie für jede andere Fabrik, die geschlossen wurde, in Konkurs gegangen ist, oder ihre ArbeiterInnen feuert – aber diesmal durch die ArbeiterInnen selbst und nicht durch alte oder neue Bosse. Dieser Kampf darf nicht nur auf VioMe beschränkt bleiben, sondern er muss sich auf alle Fabriken und Geschäfte ausweiten, um landesweit Bedeutung zu erlangen und siegreich zu sein; nur durch ein Netzwerk von besetzten und selbstverwalteten Betrieben wird VioMe das Überleben gelingen. Nur so kann es zu einem `Baumeister` einer anderen Organisation von Produktion und Wirtschaft werden. Einer Organisation, die Ausbeutung, Ungleichheit und Hierarchie abschafft. Wenn eine Fabrik nach der anderen zusperrt, die ungefähr zwei Millionen Arbeitslosen und die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung seitens der Troikaregierung von ND, PASOK und Demokratischer Linker genau wie schon von ihren Vorgängern zu Armut und Elend `verurteilt` werden, dann ist die Forderung nach der Übergabe der Fabriken an die ArbeiterInnen die notwendige Antwort auf die täglich erfahrbare Zerstörung und die einzige Antwort auf
Arbeitslosigkeit. Daher ist der Kampf von VioMe auch ein Kampf von uns allen.
Wir laden alle Arbeitslosen und alle in einem Arbeitsverhältnis stehenden Menschen ein sowie alle, die am eigenen Leib die Krise erfahren haben, die ArbeiterInnen von VioMe zu unterstützen. Jetzt, da sie daran gehen, in der Praxis zu beweisen, dass wir, die ArbeiterInnen es auch ohne Bosse schaffen! Wir laden sie ein, an der entgegengesetzten Karawane des Kampfes und der Solidarität teilzunehmen, die mit dreitägigen Veranstaltungen des Widerstands in Thessaloniki enden wird. Wir laden sie ein, am Kampf teilzunehmen und den Kampf zu organisieren, wo immer sie leben und arbeiten, mit Versammlungen, die direkte Demokratie praktizieren, ohne Bürokraten, um alle, die unser Leben zerstören, mit einem unbefristeten politischen Generalstreik zu stürzen! Damit die Fabriken und die gesamte Produktion in die Hände der ArbeiterInnen übergeben werden und damit wir eine Wirtschaft und Gesellschaft organisieren, die wir wollen: eine Gesellschaft ohne Herren!
Die Zeit von Vio.Me ist gekommen! Lasst uns an die Arbeit gehen!
Wir bereiten den Weg für ArbeiterInnenselbstverwaltung!
Wir bereiten den Weg für eine Gesellschaft ohne Bosse!
Aus labournet.de
Einen weiteren Text („Vereinbarung für die Selbstverwaltung und die ArbeiterInnenkontrolle der Fabrik“) darüber findet ihr im Internet unter „Blick über den Tellerrand“.

Die Flexi-Streik-Taktik wird auch in Rotenburg kritisiert
An die Bremer Unterstützer der Streikenden von Neupack Ende März 2013
Nach Beginn der Flexi-Streiktaktik in Rotenburg sagten die KollegInnen bei unseren Besuchen zunächst, „wenn es was bringt, ist es gut“. Jetzt – nach wochenlangen Erfahrungen mit mehr Arbeits- und weniger Streiktagen 2013 sehen sie das nicht mehr so und finden es richtiger, wenn wieder voll gestreikt wird. Die Gespräche mit Krüger ́s dauern an und das ist für sie Hinhaltetaktik. Sie haben eine Liste ausgehängt, auf der eingetragen ist, wann gestreikt und wann gearbeitet wurde. Das macht visuell sichtbar, dass seit Beginn des Flexistreiks mehr gearbeitet als gestreikt wurde und das wird kommentiert mit: „Wir arbeiten dafür, dass die Läger voll werden und dann können wir wieder 3 Monate streiken, damit sie leer werden“. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Maschineneinrichter alles durch ihre Arbeit optimiert haben und mögliche Störungen der Produktion als Druckmittel entfallen. Das Ziel der Streikenden ist unbeirrt ein Tarifvertrag und keine einseitige Erklärung vom Unternehmer. Damit soll dem willkürlichen Handeln ihnen gegenüber eine Grenze gesetzt werden. Auch die Rücknahme aller Prozesse – die Maßregelungsklausel – muss durchgesetzt werden. Von den Gesprächen der IG BCE mit den Krüger ́s werden mehr und schnellere Informationen eingefordert, z.B. durch Mitgliederversammlungen (Inzwischen geschehen).
Sie meinen, dass durch die lange Arbeitsperiode die harte Linie der Krügers und ihrer Manager nicht geändert werden konnte. Dagegen sehen sie ein nur tageweises Arbeiten und tageweises Streiken als Überraschungsmoment und damit besseres Druckmittel an, weil das für die Durchführung der Produktion unberechenbar wäre. Sofort sollte auch aktiv gestreikt werden, wenn ein Mobbing-Fall oder irgendeine Schikane auftritt. Dann müsse man sofort rausgehen.
Für den Unternehmer ist die Flexi-Taktik teurer denn er muss auch die polnischen Streikbrecher bezahlen, er hat mehr Belegschaft. Doch diese Kosten steckt er weg, materiell stehen Krüger ́s wohl nicht unter Druck bisher.
Sie – Streikende in Rotenburg – akzeptieren, dass die IG BCE bestimmt, was sie machen, aber eben nicht widerspruchslos und sagen das den SekretärInnen der IG BCE auch offen. Dabei ist festzustellen, dass bestimmt die Hälfte der im Arbeitskampf befindlichen vierzig Leute sich nicht äußern, nicht mitdiskutieren (einige sprechen nur wenig deutsch). Was die WortführerInnen sagen wird aber gestützt, dazu wird genickt.
Aus labournet.de
Das war nur der Anfang eines längeren Textes. Der gesamte Text ist im Internet unter „Blick über den Tellerrand“.

Peugeot-Arbeiter: „Die Fabrik gehört uns“
Lokalaugenschein: In der bestreikten und von der Schließung bedrohten Fabrik Aulnay herrscht Hochspannung
„Ein Funke genügt“, raunt der junge Flugblattverteiler den Arbeitern zu, die durch die Drehtore die PSA-Fabrik verlassen. Es ist 14 Uhr, Schichtwechsel in der PSA-Fabrik von Aulnay-sous-Bois, einem trostlosen Vorort von Paris. Die Wolken hängen tief, die Gesichter sind verschlossen. Kaum jemand greift sich das Flugblatt mit der Überschrift „L‘étincelle“ (der Funke), auf dem Hammer und Sichel prangen.
Zu einer kleinen Revolution wären die Kumpel allemal bereit. Seit drei Wochen bestreiken sie die Fabrik. Ihr Protest richtet sich gegen die für 2014 angekündigte Schließung dieser Werkstätte, einer der ältesten von Peugeot-Citroën – und Sinnbild für den brutalen Einbruch der französischen Autoindustrie: Wegen der sinkenden Nachfrage streicht PSA insgesamt 8000 Stellen, Renault deren 8200.
Soziale Spannung
Die soziale Spannung überträgt sich auf das ganze Land. In Aulnay könnte der Funke als Erstes zünden. Wütend streiken die Arbeiter für die Beibehaltung der Fabrik. Das Werk, ein Hangar von so riesigen Ausmaßen, dass man in der Mitte nicht einmal die Seitenwände sieht, steht bereits weitgehend still. Auf den Fließbändern warten halb fertige Karosserien des Citroën-Modells C3. Wie in einem Filmriss: Nichts bewegt sich.
Bis auf eine surreale Szene. Mitten in dieser erstarrten Fabriklandschaft stehen sich auf einem Vorplatz zwei Gruppen gegenüber – auf der einen Seite Arbeiter mit Gewerkschaftsklebern auf den Lederjacken, auf der anderen Seite PSA-Kader mit Helmen und leuchtend gelben Fabrikwesten.
Gewerkschafter François: „Wir wollen die Fabrik besetzen, und sie wollen uns daran hindern. Seither schauen wir uns in die Augen.“ Vor einigen Tagen hatten die Streikenden Mobiliar zerstört, Streikparolen gesprayt; sie bewarfen die Arbeitswilligen mit Eiern und Schrauben. Fast zündete der Funke. Die Direktion ließ Gerichtsvollzieher kommen, um die Schäden festzustellen, und will gegen die streikende „Minderheit“, wie sie sagt, Klage einreichen.
„Zermürbungstaktik“
Als wäre die Lage noch nicht absurd genug, erklingt plötzlich ein Trommelwirbel. „Das Spektakel beginnt“, verkündet François mit zusammengebissenen Zähnen. Zwei Arbeiter treten mit umgeschnallten Blechtrommeln auf. Sie dreschen wie wild auf das Fell und stürmen auf die Westenträger zu, um Zentimeter vor ihnen zu bremsen. Ein Arbeiter röhrt mit einem Nebelhorn, einer zündet einen Knallfrosch.
„Zermürbungstaktik“, schreit François durch das Inferno. „Wir machen Lärm, um sie zu vertreiben. Sie sind nur noch zwei Dutzend – halb so viele wie am Anfang.“ Die PSA-Kader, mit verschränkten Armen und Pfropfen in den Ohren, rühren sich allerdings nicht vom Fleck.
Irgendwann unterbrechen die Trommler ihren höllischen Karneval. „Wir werden nicht lockerlassen, die Fabrik gehört uns“, ruft Abdel, der eine Frau, drei Kinder und einen Bandscheibenvorfall hat. Das komme vom jahrelangen Schuften am Fließband, meint er und erzählt, wie er im vergangenen Juli, als die Fabrikschließung bekanntgegeben wurde, in Ohnmacht fiel.
Leben auf Arbeit ausgerichtet
François hat noch neun Jahre zu arbeiten. „Und zwar hier!“, wettert der 54-Jährige, der das PSA-Angebot, in eine andere Fabrik zu übersiedeln, ablehnt: „Die meisten von uns haben in der Nähe ein Häuschen gebaut oder von ihren Eltern geerbt. Wenn PSA die Fabrik schließt, bleibt im ganzen Department kein größerer Industriebetrieb übrig.“
Inzwischen herrscht in der Fabrik fast wieder Ruhe. Nur der zornige Rap des Fabrikarbeiters Franck Jautee ist noch aus einem Handy zu hören. Er reimt PSA auf „Patron Saboteur d‘Avenir“ – Zukunftsverbauer.
Der Zustand der Autoindustrie spricht dagegen. PSA und Renault verzeichnen vor allem in Südeuropa zweistellige Absatzeinbrüche. Schuld sind die Krise, die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit französischer Produkte, die koreanische Billigkonkurrenz. In Aulnay wurde die Belegschaft seit 2004 bereits von 6500 auf die Hälfte reduziert. Die Überkapazitäten bleiben. Renault erklärte jüngst, seine Produktion in Frankreich nur mit Lohnsenkungen und Mehrarbeit behalten zu können.

Weitere Texte findet Ihr unter „Blick über den Tellerrand“.

Der 1. Mai
Auch dieses Jahr werden wieder Millionen von Arbeiter_innen auf der ganzen Welt zum 1. Mai auf die Straße gehen. Wie jedes Jahr tragen wir damit einerseits unsere Belange an die Öffentlichkeit und feiern andererseits die Errungenschaften jahrzehntelanger Kämpfe. Bereits 1890 wurden der 1. Mai von der internationalen Arbeiter_innenbewegung zum „Kampftag der Arbeiterklasse“ ausgerufen und seitdem jedes Jahr überall auf der Welt begangen. Der Tag wurde gewählt, weil einige Jahre zuvor auf einer Arbeiter_innenversammlung in Chicago (USA) mehrere Arbeiter_innen willkürlich von der Polizei verhaftet wurden und anschließend grundlos zum Tode verurteilt wurden. Der 1. Mai ist also ein traditionelles Symbol des Kampfes gegen die Unterdrückung und Erniedrigung, der lohnabhängige Arbeiter_innen tagtäglich ausgesetzt sind. In Deutschland wurde der 1. Mai im Jahre 1919 nach der Novemberrevolution von der sozialdemokratischen und kommunistischen Mehrheit im Parlament zum ersten Mal zum Staatsfeiertag ausgerufen. Als die linken Parteien ihre Mehrheit bei den darauf folgenden Wahlen wieder verloren, wurde dieser Beschluss wieder aufgehoben. Die Nationalsozialisten machten den 1. Mai ab 1933 als „Tag der deutschen Arbeit“ scheinheilig wieder zum Staatsfeiertag – und begannen gleich darauf am 2. Mai 1933 mit der Zerschlagung der Gewerkschaften und der unabhängigen Arbeiter_innenorganisationen.
In der Bundesrepublik Deutschland ist der 1. Mai als „Tag der Arbeit“ seit dem Krieg zwar auch ein offizieller Staatsfeiertag. Doch der Ursprung und Sinn des Ganzen wird dabei völlig verdreht – auch von den DGB-Gewerkschaften. Es kann für uns nicht darum gehen, die Lohnarbeit und die damit verbundene Ausbeutung zu feiern. Statt dessen sollte es darum gehen, für eine Gesellschaft einzutreten, in der wir Arbeiter_innen den Reichtum, den wir tagtäglich produzieren, endlich selbst behalten können und nicht an die Besitzenden abtreten müssen. Gerade in der jetzigen Wirtschaftskrise zahlen wir die Zeche für das Versagen des Kapitalismus, ob nun unsere Gehälter gekürzt werden, soziale Rechte und Leistungen abgebaut werden, oder ob wir gleich arbeitslos werden. Der verheerenden kapitalistischen Logik müssen gerade am 1. Mai Werte wie Freiheit, Solidarität, Gleichheit und radikale Demokratie entgegengehalten werden, um die Ausbeutung eines großen Teils der Menschheit endlich zu beenden. Nur mit der vereinten Kraft von uns allen, ob schwarz oder weiß, Mann oder Frau, alt oder jung, fest oder auf Leihbasis angestellt, erwerbstätig oder arbeitslos, kann sich einmal wirklich etwas ändern! Beteiligen wir uns in diesem Sinne alle gemeinsam an den Aktivitäten zum 1. Mai in München, um ein starkes Zeichen zu setzen!

Wir möchten euch gerne noch auf die Internetseite labournet.de und die Zeitschrift „Wildcat“ aufmerksam machen. Dort findet ihr viele Informationen und Hintergrundtexte zu den verschiedensten Bereichen zum Thema Arbeit. Auf werkerinfo.tk findet ihr direkte links zu den Internetseiten

Termine
1. Mai: DGB Demonstration – klassenkämpferischer Block (im hinteren Teil der Demo)
9.45 Uhr vor dem Gewerkschaftshaus in der Schwanthalerstraße 64 (U4/5 Theresienwiese)

2. + 3. Mai: STREIK! (bei Betriebsruhe am 6. + 7. Mai)
Krank machen oder Urlaub nehmen. Hauptsache die Produktion steht still!