Archiv für Mai 2013

Ausgabe 13/2013

UPDATE: Die Wahllisten sind jetzt veröffentlicht worden. Leider befindet sich neben der IG-Metall Liste nur eine andere, mit nur einer Person. Da wir den Namen der Liste (Für Gerechtigkeit) und die Beantragung einer eigenen Liste sehr mutig finden, meinen wir, dass dieser Kollege (Siedlitzki Renald) eine Stimme von uns allen verdient hat.
Bei der IG-Metall Wahlliste bleibt es bei unserer Meinung, Dorn und Kuhfahl müssen auf jeden Fall weg! Genauso wie alle anderen faulen Dummschwätzer_innen des bisherigen Betriebsrat!

Servus liebe Kolleginnen und Kollegen,

eine große Schweinerei ist zugange und deshalb gibt es bereits jetzt wieder eine neue Ausgabe. Es ist unbedingt wichtig, dass ihr die komplette Ausgabe lest! Wir werden diese Ausgabe mit der Betriebsratswahl beginnen und später noch andere Themen ansprechen.

Am 4. und 5. Juni finden die Betriebsratswahlen statt und das ist kein Zufall. Ein Grund dafür ist der, der auch auf der Betriebsversammlung genannt wurde. Am 6. Juni soll in einer Aktionärsversammlung über den Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag abgestimmt werden, der für uns die komplette Eingliederung in den VW Konzern bedeutet. Und nebenbei bedeutet das für unseren Betriebsratsvorsitzenden Jürgen Dorn, dass er weiter Karriere machen kann (er soll schon einen Posten im Betriebsratsvorstand bei VW in Aussicht haben). Der andere Grund ist, dass vor allem Jürgen Dorn, aber auch andere Betriebsräte zeigen wollen, dass doch alles so passt wie es ist. Doch das tut es nicht!
Der Text „Kein Vertrauen mehr“ in der Ausgabe 11, sorgte im Betriebsrat für ein Erdbeben, dass ein ungeahntes Ausmaß angenommen hat. Zudem hat auch der offene Brief an die Betriebsräte weiter Salz in die Wunde von Jürgen Dorn und seiner Lebensgefährtin Kerstin Kuhfahl (ebenfalls im Vorstand) gestreut. Den Betriebsräten wurde ein Sprechverbot erteilt, Sondersitzungen wurden einberufen und Strategien überlegt, wie man Schlimmeres verhindern kann. So traf sich der Betriebsrat nach unseren Informationen am 12.4.13 zu einer Sondersitzung, bei der von Jürgen Dorn die Auflösung und damit die Neuwahlen angekündigt würden. Aber anstatt diese Information sofort an die Belegschaft weiter zu geben, wurde weiter geschwiegen, von allen Betriebsräten. Die, die wir als unsere Interessensvertretung gewählt haben, verschweigen uns diese wichtigen Informationen aus Angst vor Machtverlust! Und damit nicht genug. Der Aushang mit den Informationen zur Wahl, wurde nicht wie es auf den Zetteln steht zum 17.4. ausgehangen, sondern erst in der Woche danach. Dabei ist der Betriebsrat verpflichtet, mindestens 2 Wochen vor Antragsende zur Aufstellung neuer Kandidaten und Kandidatinnen diese Informationen zu veröffentlichen und auszuhängen! Wie sollen sich denn in einem so kurzen Zeitraum genügend Leute finden, um eine neue Liste aufzustellen? Aber genau deshalb setzt der Betriebsrat auf diese Strategie, denn eine neue Liste mit neuen Leuten fürchten die meisten Betriebsräte. Wie im Betriebsrat zu dieser Wahl hin gearbeitet wird, ist auch auf den Zetteln zu lesen. Auf den Blättern steht „Wahlausschreiben am 18.4. erlassen“, darunter aber „auszuhängen am 17.4.“. Geändert wurden die Dateien im Intranet komischerweise auch nochmal zum 30.4.. Ob das ein Indiz dafür ist, dass da einfach nur schlampig gearbeitet wird oder es doch zeigt, dass da mehr dahinter steckt als irgendwelche Zufälle, können wir leider nur vermuten.
Eines kann auf jeden Fall sicher gesagt werden, mit dieser Wahl (falls der Betriebsrat so wieder gewählt werden sollte), sichert sich der bisherige Betriebsrat seine Macht nicht nur bis zum eigentlichen Wahltermin im März 2014, sondern sogar bis ins Jahr 2018. Bei einem Punkt hat der Betriebsrat und vor allem der Vorsitzende Jürgen Dorn aber nicht gelogen, man will gestärkt in die nächsten Jahre starten. Das heißt nichts anderes, als dass keine Querdenker in den Betriebsrat sollen. Mit der Auflösung hat wirklich keine_r gerechnet und so wird es kommen, wie es kommen sollte: Keine neue Liste, mit neuen Leuten, die etwas an der Politik des bestehenden Betriebsrat ändern könnten. Auch wir wurden völlig überrumpelt. Am Tag, als die letzte Ausgabe verteilt wurde, wurden wir über die brisanten Neuigkeiten informiert, davor haben wir das leider nur als Gerücht mitbekommen. So konnten auch wir kaum mehr auf Ereignisse eingehen. Der Betriebsrat, sein König (Jürgen Dorn) und seine Königin (Kerstin Kuhfahl) setzen alles daran, dass sich nichts ändert und ändern kann. Aber wir bleiben bei unserem Motto: So wie es ist, darf es nicht bleiben!
Frau Kufahl kam als Lebensgefährtin (war Sekretärin in Salzgitter) von Dorn und wurde einfach mal eben in den Betriebsrat und dann auch noch in den Vorstand gesetzt. Jürgen Dorn betreibt seit Jahren Arbeitnehmer_innenfreundliche Firmenpolitik hinter unserem Rücken und auf Kosten unserer Gesundheit und unserer Arbeitsplätze. Außerdem hat er seine Tochter (Yvonne Dorn) ohne Wahl in den Betriebsrat geholt, was sie für uns von Anfang an zu keiner vertrauenswürdigen Person macht. Dorn und Kuhfahl müssen weg! Ebenso viele andere Betriebsräte, vor allem die meisten von der IG-Metall Liste! Ihr wisst selbst, wer wirklich was für die Belegschaft, also uns alle macht und wer nicht. Und deshalb nutzt eure Stimme und wählt die Faulen und „Jasager“ ab!
Es kann übrigens jede_r zur Wahl gehen, egal ob ihr irgendeiner Gewerkschaft angehört oder nicht, so steht es im Betriebsverfassungsgesetz!
Wir können an dieser Stelle auch nur sagen, dass wir hoffen, dass bei der Wahl alles mit rechten Dingen zu geht. Schon bei der Vetrauenskörperwahl im vergangenen Jahr gab es merkwürdige Ergebnisse.

Jetzt wollen wir auf die Betriebsversammlung eingehen. Zuvor aber nochmal ein Kommentar den wir uns nicht verkneifen können. Die Betriebsversammlung ist immer noch eine Informationsveranstaltung und kein Volksfest. Danke für die kulinarische Verpflegung, aber eine Liveband braucht es wirklich nicht. Soll es bald auch noch Schießstände geben, damit es den Leuten nicht zu langweilig wird? Und auf der Bühne kann es ruhig die selben Getränke geben wie für alle Mitarbeiter_innen, oder sind wir Mitarbeiter_innen zweiter Klasse?
Dorn sprach über Managementfehler, aber nicht über eigene. So kam gleich beim nächsten Punkt das Thema altersgerechte Arbeitsplätze auf. Er sagte, dass es zu wenig Arbeitsplätze für ältere Mitarbeiter_innen gibt. Was er aber nicht sagte ist, dass der Betriebsrat dem stellenweisen Abbau dieser Arbeitsplätze in den letzten Jahren zustimmte. „Sein“ Betriebsrat ist mit Verantwortlich für diesen Missstand, aber um davon abzulenken, gibt er die Verantwortung und Schuld an die MAN Vorstände weiter. Dann sprach er über ein Gesundheitszentrum, dass in unserem Werk gebaut werden soll. Doch wir brauchen kein Gesundheitszentrum um den Krankenstand zu reduzieren, sondern wir brauchen Arbeitsplätze, die nicht krank machen! Beim letzten Thema veränderte Dorn seine Stimme und Haltung, er verkündete die Auflösung des Betriebsrats. Doch anstatt zu sagen, dass es im Betriebsrat brodelt und der Druck auf ihn und Kerstin Kuhfahl massiv gestiegen ist und unter anderem das der Grund der Auflösung ist, wurde stattdessen nur von einem neuen Zeitalter durch die VW Übernahme gesprochen. Ansprechen wollte er die wirklichen Gründe auch gar nicht, weil er meinte, dass was nur wenige wissen, macht auch nur wenige heiß. Doch an dieser Stelle hast du dich getäuscht Kollege. Unsere Zeitung wird in einer Auflage von mehreren hundert Stück verteilt und die Internetseite bekommt im Monat zum Teil weit über 1000 klicks. Die Wahrheit ist eine Gefahr für dich, deine Lebensgefährtin Kuhfahl und die Betriebsräte, die euch in den Arsch kriechen! Und deshalb tut ihr mittlerweile alles um an der Macht zu bleiben. Es ist an der Zeit, dass ihr abtretet – sofort!
Der zweite der sprach, war wie immer unser Kollege Stimoniaris, der auch zugleich auf das M1 Projekt und die Angst der Mitarbeiter_innen über weitere Einsparungen an den Arbeitsplätzen einging. So sehr wir seine nächsten Punkte zum Teil gut fanden, so müssen wir sagen, dass bisher schon so viele Arbeitsplätze unter den Augen des bisherigen Betriebsrat vernichtet wurden, dass wir in diesem Punkt dir/euch auch nicht mehr vertrauen! Hättet ihr schon frühzeitig was gegen die ständigen Rationalisierungen getan, wäre es nie soweit gekommen. Auch was die Situation von Leiharbeiter_innen in Dachau angeht, können wir nur den Kopf schütteln. Wenn es eine Vereinbarung zum Thema Leiharbeit gibt, dann muss diese umgesetzt werden, wenn nötig vor Gericht oder mit Streik. Wenn die MAN meint uns verarschen zu können, dann müsst ihr als unsere Vertretung alle rechtlichen Mittel ausnutzen, oder sie werden den Zorn der ganzen Belegschaft zu spüren bekommen (dazu später mehr*). Bei dem Punkt Entgelteinstufung ist es das selbe.
Dafür müssen wir jetzt aber auch mal ein Lob aussprechen. Die Punkte „Externe“ und Diskriminierung sind sehr wichtig und es war gut, dass sie angesprochen wurden. Externe Mitarbeiter_innen brauchen wir nicht, was wir brauchen sind Festangestellte, die eine sichere Zukunft haben und denen damit das Wohl der MAN am Herzen liegt. Auch das Zitat war genau richtig, mit Externen macht man die eigene Firma nur kaputt. Zum Thema Rassismus haben wir ja schon in der letzten Ausgabe Stellung bezogen. Jetzt wurde auf der Versammlung mit großem Applaus das Thema Schwulenfeindlichkeit angesprochen. Wir sehen es genauso wie es unser Kollege gesagt hat: Wer wen, wie liebt, bleibt jedem Mensch selbst überlassen und dumme Kommentare darüber sind überall fehl am Platz!
Zu Lischkas Rede über die IG-Metall sagen wir nur eines: Wer „fair zu den Arbeitgebern“ sein will und es zu keinem Streik kommen lassen will und deshalb keine hohen Forderungen stellt, bzw. sogar schon sagt, dass er sich mit 4% am 8. Mai zufrieden geben würde, handelt nicht für uns und in unserem Interesse!
Weiter wollen wir nicht auf die Betriebsversammlung eingehen, weil das ewig gleiche Gerede der Chefs von „Krise“ sowieso immer das gleiche ist.

Das wars zur Betriebsversammlung. Jetzt zu weiteren Themen.
Als erstes wollen wir uns bei allen bedanken, die uns unterstützen und sich mit uns solidarisieren! Damit auch viele solidarische und kämpferische Grüße an die Kollegen und Kolleginnen in den anderen MAN Werken, vor allem aber auch nach Salzgitter, von denen wir viele solidarische Mails bekommen haben!
Es ist eigentlich auch schon das immer gleiche, aber weils zum letzten Satz über die Betriebsversammlung passt sprechen wir es nochmal an. In einem Artikel im Intranet ist die Rede von „respektables operatives Ergebnis“ der MAN im Jahr 2012. Aber wo ist unsere respektable Gewinnbeteiligung für all das Schuften und all die Überstunden?

*In den letzten beiden Ausgaben haben wir zum „selbstorganisierten Streik“ aufgerufen, dazu wollen jetzt ein paar Worte aus unserer Sicht schreiben.
Der erste Aufruf galt für den 21.1.13, wurde aber erst 5 Tage vorher veröffentlicht und auch die Aufkleber wurden im Werk erst in den paar Tagen davor verklebt. Wegen der sehr kurzen Mobilisierungszeit kam es zu keinen nennenswerten Vorfällen, alles schien wie immer zu laufen. Also entschieden wir uns einen zweiten Anlauf zu nehmen und riefen erneut zum Streik auf. Dieses Mal für den 2. und 3. Mai, begleitet von einer kleinen Kampagne („So wie es ist, darf es nicht bleiben!“) und einer frühzeitig veröffentlichten/verteilten Ausgabe. Durch eine frühe und großflächige Mobilisierung sollte es dieses Mal einen erfolgreichen Versuch geben, die Arbeiter_innen in unserem Werk zu einem selbstbestimmten und unkontrollierbaren Streik zu bewegen. Trotz der ständigen Bemühung die Mobilisierung zu verhindern, konnte das Mögliche nicht mehr gestoppt werden. Schon am Montag den 29.4. zeichnete sich ein hoher Krankenstand ab, der an den beiden Streiktagen nochmals gestiegen war. Wir wollen und können das nicht komplett auf unsere Kappe nehmen, doch wir sind uns sicher, dass die Streikaufrufe auch ein Grund dafür sind, dass der Krankenstand so hoch wie schon lange nicht mehr war. Einige Abteilungen hatten einen Krankenstand von 7 Arbeiter_innen pro Schicht. Dass wir es geschafft haben, den bereits bestehenden Protest zu bündeln sehen wir als Erfolg. Eigentlich kann es sogar als großen Erfolg verstanden werden, weil es einen solchen Widerstand Jahrzehnte nicht mehr gegeben hat.
Mit dem fernbleiben vieler Kollegen und Kolleginnen stieg auch die Zahl der Fehler. Einerseits ist das das, was unserer Meinung nach sowieso in ein paar Jahren passieren wird; und zwar, dass durch das wegrationalisieren von Mitarbeiter_innen nur eine Verschlechterung der Qualität eintritt. Anderseits ist es ein weiteres klares Zeichen, dass unser Widerstand massive Auswirkungen auf den ganz normalen Wahnsinn an unseren Arbeitsplätzen hat. Am Montag erreichte die Direct-Run-Quote in der LKW-Montage ein Tiefstand von nur 4%. Das heißt, dass 96% der Fahrzeuge in Nachreparatur mussten. Die Prozentzahl liegt sowieso im Schnitt nur noch bei etwa 30 bis höchstens 50 %. Über 400 Fahrzeuge warten mittlerweile auf ihre Nachreparatur, was für die Kollegen und Kolleginnen in der Nacharbeit Sonderschichten sogar am gesamten Wochenende im Zweischichtbetrieb bedeutet. Deshalb rufen wir auch die Kolleginnen und Kollegen in der Nacharbeit auf krank zu machen, wenn ihr keine Lust auf Wochenendarbeit habt. Leistet auch Widerstand, bis Chefs und Betriebsrat kapieren, dass es so wie es ist, nicht bleiben darf!
Und sollte es wegen den minus Zahlen an den Bändern der letzten Tagen und Wochen zu einer Sonderschicht am Samstag kommen, rufen wir hiermit alle auf, diese zu verweigern. Denn nur so zeigt der Streik wirklich Wirkung! Und nur so verstehen es die Chefs mal, dass man mit uns nicht umgehen kann wie mit Eseln!
Streik ist die einzige Sprache, die sie verstehen!

Wir weisen aus Sicherheitsgründen nochmals darauf hin, dass ihr (wenn ihr krank seid/macht) immer zu beginn der Schicht vom ersten Tag an dem ihr krank seid anruft und die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung am besten auch am ersten Tag per einschreiben an euren Meister/Meisterin schickt.

Und jetzt ein schon mal veröffentlichter Text über die Qualität, weil es zu dem oberen Abschnitt passt.

Qualität. Aber für wen?
Manchmal stellt sich doch wirklich die Frage, für wen wir eigentlich die LKW’s bauen. Denn Qualität heißt nicht etwa, dass der LKW nach den ersten Kilometer auseinander fallen soll. Ok, das war jetzt etwas übertrieben, aber manchmal sieht es schon sehr danach aus.
Das Band darf nicht stehen, sondern soll am besten immer schneller laufen. Es ist sogar mittlerweile so schnell geworden, dass nicht selten Teile erst verspätet am Band, in einer anderen Abteilung oder sogar erst in der Nacharbeit eingebaut werden können. Das auch immer weniger Arbeiter_innen in den Abteilungen sind, ist auch nicht förderlich dafür, dass die Qualität besser wird. Und wird die Qualität bestimmter Teile mal öfter beanstandet, dann heißt es das „passt schon“. Aber was soll das? Geht es nur um die Stückzahl und den dadurch erzielten Gewinn? Klar braucht es eine gewisse Kapazität um mit anderen Unternehmen mithalten zu können. Aber die Stückzahl ist nicht alles! Nicht, dass dadurch „nur“ wie wir oft genug anprangern, die Arbeitsverhältnisse immer schlechter werden, sondern auch die Qualität nimmt stetig ab. Auch der Versuch, die Qualität durch Maßnahmen wie das Stempeln im Protokoll (mit dem die einzelnen Mitarbeiter_innen verpflichtet werden für ihre geleistete Arbeit einzustehen,) werden langfristig nicht zur Qualitätssicherung beitragen. Damit soll nur der Druck auf uns erhöht werden, trotz weniger Mitarbeiter_innen und schnelleren Takt, die Qualitätsanforderungen einzuhalten.
Wenn der Markt in Europa mehr oder weniger gesättigt ist, dann wird immer mehr versucht, Geld mit Serviceleistungen, wie z.B. Werkstattbesuche von Kunden zu verdienen. Aber irgendwann geht die Rechnung nicht mehr auf. Dann kommt nur noch Schrott aus der Fabrik. Wer will schon einen LKW, der nach ein paar tausend Kilometer nur noch in die Werkstatt muss?!
Es sollte wieder mehr Wert auf eine ordentliche Konstruktion und eine menschlichere Gestaltung der Arbeitsplätze gelegt werden. Davon würde die MAN und ihre Kunden viel stärker profitieren.

Blick über den Tellerrand

Der Einleitungsartikel einer Mitarbeiter_innenzeitung aus einem Daimler-Werk in Bremen:
Was ist das für eine Tarifrunde? Künstliche Aufregung darüber, dass der Einkommens Viertelmillionär, der IG Metall-Vorsitzende Huber, wieder mal rechtzeitig seine Vorgabe macht, die helfen soll, den Standort Deutschland als Billiglohnland zu erhalten, um so den Rest der Welt niederkonkurrieren zu können. Die dann auch brav von allen Tarifkommissionen ganz demokratisch so abgenickt wird.
Die Kollegen an den Bändern winken ab. Sie ballen die Faust in der Tasche und bleiben stumm. Warum bleiben sie stumm? Nicht, weil sie zufrieden sind. Sondern, weil sie nichts mehr erwarten von dieser abgekarteten Inszenierung. Und sie haben Recht, die Kollegen. Sie wissen sehr wohl, dass Millionen draußen vor dem Tor, stehen, die ihre Arbeitskraft nicht verkaufen können. Sie können sie nicht verkaufen, weil die Kapitalisten tagtäglich Tausende auf die Straße setzen. Weil sie Fabriken und Anlagen vernichten in dieser Weltwirtschaftskrise. Und weil sie die übrigen Arbeiter
arbeiten lassen bis zum Umfallen, weil sie den Arbeiter immer mehr zum Tagelöhner degradieren, zum Leiharbeiter unter der Regie eines Sklavenhändlers oder eines so genannten Werkvertrages. Sie haben Recht, die Kollegen, wenn sie nichts erwarten von dieser Tarifrundenzeremonie, weil sie wissen, dass es nicht die läppische Fünfeinhalb-Prozent-Forderung ist, die ihr Lohnarbeiterdasein erträglich macht. Müssten es nicht 20, 30 oder mehr Prozent sein, um über die Runden zu kommen und um vor allem nicht mehr zum Streikbrecher Europas gemacht zu werden?
Nein, ein solcher Kampf ist nicht zu gewinnen in dieser Krise. Worum müssen wir dann heute in erster Linie kämpfen, zumindest mit der Aussicht auf einen Sieg? Wir können und wir müssen streiken gegen die Leiharbeit, gegen die Vergabe von Arbeiten an Billigausbeuter (Werkverträge), gegen die Degradierung zum Zwangsarbeiter, der so flexibel geknetet wurde, dass er nicht mehr weiß, was ein normaler Arbeitstag ist, dass er nicht mehr weiß, wo vorne und hinten ist. Dieser Kampf kann nicht in einem einzelnen Betrieb gewonnen werden. Das ist es, was Aufgabe der IG Metall wäre, diesen Streik flächendeckend endlich zu organisieren.
Und genau da sind wir wieder beim Punkt: Sie tut es nicht und sie will es nicht tun, weil sie den Arbeitern vorgaukelt, dass sie in
diesem Kapitalismus doch noch irgendwie überleben können mit zarten Forderungen nach ein paar Cent mehr – trotz Krise, trotz einer riesigen Reservearmee vor den Toren. Ein Bertold Huber denkt gar nicht daran, gegen die Schließung von Opel in Bochum zu kämpfen. Er glaubt, den Kapitalismus dadurch zu retten, dass er einer Lohnkürzung nach der anderen, dass er “Standort-
Verträgen” zustimmt, die schon wieder gebrochen werden, bevor die Tinte drunter trocken ist. Der letzten Endes auch bereit ist, lebendige Arbeiter auf dem Altar des großen Geldes zu opfern, wenn das Kapital, in dessen Aufsichtsräten er sitzt, es verlangt.
Die IG Metall-Führung weiß sehr wohl, dass sie eine Lohnerhöhung, die den Namen tatsächlich verdient, so nicht durchsetzen kann. Sie haben Recht, die Kollegen, wenn sie unter solchen Bedingungen von dieser Tarifrunde nichts erwarten. Sie haben Recht, weil sie Realisten sind. Sie sehen, wie es das Kapital selbst ist, das die Lohnarbeit, also den freien Verkauf der Arbeitskraft, mehr und mehr aufhebt und durch Leiharbeit und Tagelöhnerei ersetzt, wie es in den “Srategiepapieren” des Daimler-Vorstands oder “Ideensammlungen” der Bremer Werkleitung zu lesen ist. Und weil die Kollegen Realisten sind, erkennen sie langsam aber sicher, dass es so nicht weiter geht mit diesem Wahnsinn namens Kapitalismus. Seien wir also Realisten und führen wir einen noch entschiedeneren Kampf gegen Leiharbeit und Werkverträge. Führen wir den Kampf
gegen dieses menschenvernichtende Lohnsystem. Es ist allerhöchste Zeit.

Schreibform mit Unterstrich
Wie euch schon aufgefallen ist, benutzen wir z.B. die Schreibform mit Unterstrich, mit der weiblichen Endung _in. Damit beziehen wir die weibliche Form bei sonst nur männlichen Formen von Wörtern mit ein. Das heißt z.B. „Arbeiter_in“. Hier ist der Arbeiter sowie die Arbeiterin gemeint. Da es aber auch Menschen gibt, die – aus welchem Grund auch immer – nicht in eine Geschlechterform eingliedert werden wollen oder können, benutzten wir für diese auch den Unterstrich.

Termine:
Betriebsratswahlen am 4. und 5. Juni:
Keine Stimme Jürgen Dorn und Kerstin Kuhfahl, sowie den vielen anderen faulen und „Jasagern“ auf der IG-Metall Liste! Es ist höchste Zeit, dass sie abtreten!
Weitersagen!

Falls es zu keine neue Ausgabe vor den Schließwochen im August geben sollte, wünschen wir allen alles Gute und einen schönen und erholsamen Urlaub!