Archiv für September 2013

Ausgabe 14/2013

UPDATE:
Von offizieller Seite wurde uns jetzt bestätigt, dass es einige krankheitsbedingte Kündigungen gab und weiter geben wird.
Lasst euch nicht einschüchtern! Haltet die 3-wöchige Frist zur Kündigungsschutzklage ein und geht sofort zum Anwalt_zur Anwältin! Es können viele Kündigungen zurückgezogen werden, wenn man gerichtlich dagegen vorgeht. Es ist sehr wichtig, dass ihr das nicht einfach so hinnehmt, selbst wenn ihr die Firma verlassen wollt. Denn selbst wenn ihr die Firma verlassen wollt, könnt ihr nach einer Wiedereinstellung eine Abfindung fordern. Außerdem wird euch das gesamte Gehalt zwischen Kündigung und Wiedereinstellung nachgezahlt. Geht am besten zu einer Anwaltskanzlei, von der ihr Gutes gehört habt, nicht zu denen, die euch der Betriebsrat bzw. die Gewerkschaft empfiehlt!
Meldet euch bei uns, wenn ihr gekündigt wurdet oder etwas zu dem Thema sagen könnt.

Keine weiteren Einsparungen – Schluss mit den Kündigungen!
Organisieren wir den Widerstand!

Servus liebe Kolleginnen und Kollegen,
Es hat sich wieder einiges getan seit der letzten Ausgabe. Wir fangen erstmal mit den älteren Themen an und kommen dann auf die aktuellen Ereignisse zu sprechen.

Sie wurden wieder gewählt und haben uns bitter hintergangen! Die Rede ist vom bisherigen Betriebsrat, aber vor allem auch von Jürgen Dorn und Kerstin Kuhfahl. Die andere Liste war auch nur ein geschickter Trick und so war unsere (im nachhinein etwas naive) Hoffnung auf einen kämpferischen Kollegen verblasst.
Angefangen hat alles mit Gerüchten, dass der Betriebsrat eine Neuwahl anstrebt. Selbst wenn man die Betriebsräte darauf angesprochen hat, wollten sie dies aber nicht bestätigen, auch nicht am Tag der Betriebsversammlung, als die Neuwahlen verkündet wurden. Unsere Ausgabe wurde da leider schon veröffentlicht, als wir wenige Tage vor der Versammlung die Informationen aus verlässlicher Quelle bestätigt bekamen. So nahm die gut durchdachte und gut vorbereitete Hintergehung an unserer Mitbestimmung ihren Lauf. Die Bekanntmachungen wurden zu spät ausgehangen und mehrere Personen/Gruppen, die eine eigene Liste machen wollten, wurden von Betriebsräten belästigt und von einer eigenen Liste „abgeraten“. Die Tür zum Abgabezimmer war angeblich kaputt und das Betriebsratsmitglied Mintasch stand davor um Arbeiter_innen abzufangen. Und damit ein Desaster für Jürgen Dorn und Kerstin Kuhfahl erspart bleibt, wurde nur eine andere Liste mit nur einer Person zugelassen. Hätte es diese Liste nämlich nicht gegeben, hätten die beiden vielleicht sogar eine Pleite aufgrund zu weniger Stimmen hinnehmen müssen. So gab es zwei Listen, was bedeutete, dass nur die Listen und keine Personen gewählt wurden. Wir haben uns das schon vorher gedacht, nur waren auch wir (so ehrlich müssen wir sein) am Ende doch zu naiv zu glauben, dass diesem Kollegen wirklich was an unserem Wohl liegen würde. Damit bleibt am Ende fast alles wie es bisher war. Der Kollege aus der Liste „Für Gerechtigkeit“ wurde einfach nur gegen seinen Zwillingsbruder ausgetauscht und fiel bisher überhaupt nicht so positiv auf, wie es der Name seiner Liste besagt. Zu der Wahl muss außerdem gesagt werden, dass wenn es um ein gestärktes auftreten des MAN-Betriebsrats gegangen wäre, hätten in allen Werken Neuwahlen stattfinden müssen. Die gab es aber nicht und damit ein Beispiel mehr, dass es nur darum ging, die Machtverhältnisse für die Betriebsratsvorsitzenden auch für die nächsten Jahre zu sichern.
Kurz noch mal zu den zwei unheimlichen Führungsköpfen im Betriebsrat. Jürgen Dorn hat seine eigene Tochter (auch im Betriebsrat) vor den anderen Betriebsräten klein gemacht und dann nach Neufahrn versetzt, nur weil sie ihre Meinung über dessen Lebensgefährtin Kuhfahl (ohne besonderes und langjähriges Engagement im Betriebsratsvorstand) äußerte. Kerstin Kuhfahl wiederum bekam ihren lang ersehnten Aufsichtsratsitz, weil Jürgen Dorn den Kollegen Dienstbier nach der Beschwerde über seine Handlungsweisen aus dem Ausichtsrat kickte.
Wir erwarten nichts mehr von diesem Betriebsrat!

Erfreulich, auch ohne großen/geplanten Boykott, war die Meldung, dass bei der Mitarbeiter_innenbefragung „nur“ 83%, statt den erwünschten 97% mitmachten. Trotz Anweisungen von Vorstandseite, dass möglichst alle diese Befragung mitmachen sollen, um sie gut dastehen zu lassen und das Engagement der Mitarbeiter_innen zu zeigen, beteiligten sich am Ende einige Prozent weniger, als verlangt. Das ist nicht nur ein gutes Zeichen, dass viele Leute der verlogenen Firmenpolitik und deren falschen Mitbestimmung den Rücken kehren, sondern auch ein Zeichen der Hoffnung, dass sich die Menschen in der MAN nicht mehr alles diktieren lassen. Zu der Befragung muss auch gesagt werden, dass wenn sie personalisiert stattfindet, dann sich auch weniger Personen trauen, ihr schlechtes Bild von der MAN abzugeben.
Momentan gibt es auch wieder viele Aufträge. Das spüren vor allem diejenigen, die Samstagsschichten schieben müssen. Doch anstatt die Aufträge von Anfang an prozentual auf die Kapazitäten der gesamten MAN Werke zu verteilen, wird uns mal wieder der größte Anteil gegeben. Der Betriebsrat wird mal wieder davon erzählen, wie sehr er für uns in München kämpft, während er dann wieder in anderen Situationen von Solidarität redet. Doch dieses Verhalten ist alles andere als solidarisch! Die Arbeit muss gerecht aufgeteilt werden und nicht auf manche weniger und die anderen müssen dafür auch Samstags rein. Wir haben es schon mal gesagt: Kein Konkurrenzkampf zwischen den Standorten! Wir sind alle auf Arbeit angewiesen, weil wir auf das Geld zum (Über-)leben angewiesen sind. Egal in welchem Werk!
Aber nicht nur Samstage sind geplant, sondern sogar dritte Schichten z.B. am Fahrerhausband. Die mittlerweile ca. 400 Aufträge pro Tag sollen jetzt unbedingt alle geschafft werden, egal was das für uns bedeutet. Aber nicht nur, dass man uns bis zum Gehtnichtmehr hetzten will, indem der Takt soweit wie nur möglich gekürzt wird, sondern auch, indem immer mehr Druck erzeugt wird. Aufgrund der hohen Krankenquote wird vor allem der Druck auf die Krankmachenden immer weiter erhöht, um sie zum arbeiten zu zwingen. Egal aus welchem Grund sie krank machen, die Dauerkrise wird von der MAN voll ausgenutzt. Es sollen immer mehr Mitarbeiter_innen gekündigt worden sein, weil die Personalabteilung sie als Krankmacher_innen erkannt haben soll. Systematisch sollen jetzt alle Mitarbeiter_innenakten nach den letzten Krankheitstagen und -gründen überprüft werden, um so weitere Personaleinsparungen vorzunehmen. Die hohe Auftragslage soll mit Hilfe von Leiharbeiter_innen geschafft werden, das Stammpersonal für die Zukunft aber weiter abgebaut werden. Und der Betriebsrat? Macht mal wieder nichts! Trotz der massiven Angriffe gegen uns Arbeiter_innen, wollen wir in der Ausgabe nochmal klar und deutlich zum Krankmachen aufrufen. Wir sind keine Roboter, Schluss mit der Hetze!
Im Januar dürfen wir uns dann wohl alle auf Kurzarbeit freuen (oder auch nicht freuen), nachdem jetzt sehr viele Kunden noch schnell vor Jahresende einen Euro-5 kaufen…
Passend dazu: In der Achsproduktion dachten die Kapitalisten mal wieder, sie können einfach so den Takt verkürzen, mit gleicher Mitarbeiter_innenanzahl und ohne den Betriebsrat zu fragen. Aber dieses mal gabs eine Überraschung. Die Kolleginnen und Kollegen spielten nicht mit und unterbrachen ihre Arbeit. Weil der Hallenbetriebsrat nicht da war, gingen sie ins V2. Einen Moment lang konnten sie die Macht in ihren Händen spüren, sich als Menschen fühlen. Dieses Moment der Rebellion, als sie ihre Arbeit spontan niederlegten, um ihren Unmut auszudrücken, war das Moment, an dem die Kapitalisten Angst verspürten. Sofort wurde mehr Personal angeschafft, um schnell wieder Ruhe in die Situation zu bringen. Dazu sagen wir nur, Gut gemacht, weiter so!

Wir haben Mails von Kollegen aus dem MAN Werk in Wien bekommen. Wir möchten hiermit unsere Solidarität mit den kämpfenden ausdrücken und euch einen Auszug aus den Mails hier veröffentlichen:

Obwohl die Rheinmetall/MAN-Niederlassung in Wien erst vor kurzem den Zuschlag für einen 1,1 Milliarden großen Auftrag erhalten hat, ziehen die Kapitalisten die Daumenschrauben weiter an. Schon im April stellten sie neben Kurzarbeit auch Kündigungen in Aussicht, noch mit dem Verweis auf die angeblich so „schlechte Auftragslage“. Dieses von vorneherein demagogische Argument, bröselte ihnen mit dem neuen Auftrag unter den Fingern weg. Dennoch wollen sie nun ca. 147 Beschäftigte (es ist noch nicht bekant ob nur ArbeiterInnen oder auch Angestellte betroffen sein werden) vor die Türe setzen!
Unser Kollege Mesut Kimsesiz ist Betriebsrat bei Rm-MAN Wien. Er sieht sich im zehnköpfigen Betriebsrat als einziger seiner Liste einer Übermacht von sieben sozialdemokratischen und zwei freiheitlichen Betriebsräten gegnüber. Dennoch lässt er sich seinen Mund nicht verbieten. Seit heute hat er vor dem Werkseingang ein Zelt aufgeschlagen und ist in Hungerstreik gegen die Kündigungen getreten. Dies vorläufig bis 30.8. – da gibt es dann eine Betriebsversammlung, deren Ausgang aber noch vollkommen offen ist.
[…]
Kämpferische Grüße
Komitee kämpferischer ArbeterInnen (KkA)
Organisiert euch selbst zum Kampf, sonst werdet ihr geschlagen!
Komitee kämpferischer Arbeiter/innen (KkA)
www.arbeiterbasisgruppen.wordpress.com“

„INTERVIEW MIT BETRIEBSRAT MESUT KIMSESIZ ZUM HUNGERSTREIK GEGEN DIE GEPLANTEN KÜNDIGUNGEN BEI MAN WIEN.

/Mesut Kimsesiz ist unabhängiger Betriebsrat bei Rheinmetall-MAN in Wien. Von 26. Bis 28. August war er im Hungerstreik um gegen die
drohende Entlassung von 147 Kolleginnen und Kollegen zu protestieren. (Siehe dazu unsere ERKLÄRUNG). Hier bringen wir nun ein kurzes Interview mit Mesut, über seinen persönlichen Werdegang im Betrieb,/Leiharbeit, seinen Protest und die dabei gestecken Ziele. Anmerkung: Das Interview wurde am 28. August, dem letzten Tag des Hungerstreiks, geführt.

KKA: SEIT WANN BIST DU BEI RHEINMETALL-MAN UND WIE BIST DU DORT HIN GEKOMMEN?
MESUT KIMSESIZ (M.K.): Seit sieben Jahren. Zuerst war ich hier als Leiharbeiter beschäftigt, eineinhalb Jahre lang. Ich begann als Schweißer. Heute stehe ich am Band. Seit zwei Jahren bin ich in der Gewerkschaft aktiv und vor rund eineinhalb Jahren wurde ich zum…

/WEITER AUF: /
http://arbeiterbasisgruppen.wordpress.com/2013/08/29/man-wien-kundigungen-hungerstreik-betriebsversammlung/

Die Lüge vom Kampf
Die IG-Metall hat wie erwartet, kein hohes Ergebnis bei der letzten Tarifrunde erreicht. Anzeichen waren dafür wie schon von uns davor erwähnt, dass es kaum wirklich kämpferische Töne gegeben hat. Überrascht hat uns das Ergebnis am Ende alle nicht.
Die lauten Töne kamen erst, als es zu den Warnstreiks kam. Mit dem abwarten bis zur letzten Verhandlungsrunde und dem ewigen Gerede von richtigen und unbefristeten Streiks, war es das Selbe wie die Male davor auch. Damit will uns die IG-Metall klar machen, dass sie jederzeit kampfbereit ist und nicht vor Mitteln wie Streiks zurück schreckt. Damit soll auch denen Angst gemacht werden, die nicht Mitglied sind. Denn diese Arbeiter_innen würden kein Lohn bekommen, wenn sie mit streiken würden, oder sie müssten als Streikbrecher_innen vorbei an ihren Kollegen und Kolleginnen durchs Werkstor gehen. Und mit dem verteilen von IG-Metall Materialien wie z.B. die Mützen oder Plastikwesten, sollen wir das Gefühl bekommen, für das erreichen des Tarifergebnis ganz wichtig gewesen zu sein. Leider ließen sich auch dieses mal wieder zu viele von der Stimmung mitreißen und liefen mit dem Propagandamaterial der verlogenen Gewerkschaft mit.
Obwohl die IG-Metall mittlerweile weit über 3 Milliarden Euro Eigenkapital hat, überlässt sie uns immer mehr der Wirtschaft als billige Arbeitskraft. Richtige Streiks sucht man in den letzten Jahrzehnten fast schon vergebens. Anstatt weiter für Fortschritt zu kämpfen, horten die Gewerkschaftsbonzen Milliarden an, fahren mit Luxuslimousinen vor, bauen sich ein riesiges Gewerkschaftshaus in Frankfurt und kassieren selbst fast schon Managergehälter wie sie in Wirtschaftsunternehmen üblich sind. In vielen Betrieben, wie oft auch bei uns in der MAN, arbeiten die Menschen 40 oder mehr, statt die im Tarifvertrag stehenden 35 Stunden pro Woche. Die Leiharbeit und Befristung wurde durch die großen Gewerkschaften, allen voran die IG-Metall, vor Jahren massiv ausgeweitet. Mittlerweile will man einen Mindestlohn für Leihbeschäftigte, der bei 8,50 Euro liegt. Das ist kaum eine Verbesserung für die bisherigen Leiharbeiter_innen und das könnte (falls der gesetzliche Mindestlohn nicht kommt) fatale Auswirkungen auf den gesamten Arbeitsmarkt in Deutschland haben. Sind unsere Reallöhne seit Jahren schon ins minus gerutscht, wird man sich in Zukunft auch noch mit immer mehr unsicheren Arbeitsplätzen zufrieden geben müssen.
Wir denken, dass die IG-Metall erst auf ihre Geldreserven zurück greift, wenn sie ihre Existenz in Gefahr sieht. Solange aber die Menschen nicht (selbstbestimmt) rebellieren und sich mit dem was sie bekommen zufrieden geben, solange wird alles so weiter laufen wie bisher. Uns wird weiter eingeredet, wie wichtig es ist, dass „wir in Deutschland“ alle an einem Strang ziehen müssen, damit es uns gut geht. Dass mit „wir“ die deutsche Wirtschaft und damit allein nur ihre Interessen gemeint sind, sagt man uns so nicht. Wir sollen zufrieden sein, egal ob das was man uns gibt gerecht ist oder nicht. Und damit Deutschland nicht wegen anderen Euroländern in die Krise rutscht, wird den Menschen dort der selbe Sparzwang aufgedrückt, wie man es bei uns schon seit Jahren macht (Hartz IV, Leiharbeit, zu geringe Lohnerhöhungen, …). Hauptsache uns geht es „gut“, dass andere sich ab jetzt auch immer mehr kaputt arbeiten müssen, ist der deutschen Wirtschafts- und Politikelite egal. Erst wenn die IGM merkt, dass die Menschen für echte Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit kämpfen, werden sie das Geld dafür nutzen, andere, heute noch kleine Gewerkschaften durch ihr Geld außer Gefecht zu setzen. Aber dann ist es wohl auch schon zu spät, denn wenn die Menschen erstmal die Situation erkannt haben, werden sie nicht mehr zu den verräterischen Gewerkschaften wie der IG-Metall zurückkehren.
Uns sollte (und das passiert auch) allmählich klar werden, dass wir uns auf keine_n mehr verlassen können, außer auf uns selbst. Wir wissen selbst, was wir brauchen und was wir wollen. Wir sind es, die die Gewinne erarbeiten, also sollten wir die Gewinne bekommen! Wir brauchen keine Vorgesetzten um zu wissen, dass wir arbeiten müssen, damit am Ende ein guter LKW aus der Fabrik rollt! Wir brauchen sie auch nicht, damit sie uns hetzen und uns sagen, wie wir zu arbeiten haben!
Wir brauchen und wollen keine Unterdrücker_innen mehr! Und auch keine Gewerkschaft, die uns sagt, was gut für uns ist, ohne uns zu fragen!
Der einzige Weg aus der Krise ist die Organisierung der Arbeitenden selbst!
Das ist kein Aufruf auszutreten. Wer austreten will, soll das tun. An alle anderen verärgerten können wir nur sagen, macht den Mund auf bei den Treffen der IG-Metall und nehmt euch/uns die Gewerkschaft wieder zurück. Doch daran glauben wir nicht mehr, angesichts der mafiösen Strukturen alleine schon in den Betriebsräten, ganz zu schweigen von den Vorsitzenden der IGM.

Und damit direkt weiter zum nächsten Text, der sich mit der Frage der Selbstorganisierung bei uns Beschäftigten des Werks München befasst.

Gib mir irgendwas das bleibt!
Zum Teil erfolgreiche Aufrufe zum wilden Streik, Verhinderungsversuche der Wiederwahl von Jürgen Dorn und seinen Helfer_innen, Infos und Texte zu verschiedenen Themen für einen anderen Blickwinkel auf das Arbeitsleben, Informationsaustausch untereinander, brisante Geschichten und Infos veröffentlicht, und vieles mehr. Das ist das, was wir bisher gemacht und erreicht haben. Doch unser Ziel war und ist es nicht, alleine etwas zu verändern. Wir brauchen euch und wir wollen euch eine Plattform bieten, doch wollen wir euch nicht nur zum mitmachen oder sogar zum konsumieren von verschiedenen Widerstandsformen aufrufen. Das was wir bisher gemacht haben, war nur ein wachrütteln und Ausrufezeichen setzen, damit sich endlich was ändert. Wir hatten einfach keine Lust mehr, nur zu meckern und uns das gemeckere der Kolleginnen und Kollegen anzuhören. Deshalb haben wir uns entschlossen, diese Zeitung raus zu bringen, um nicht nur selbst unseren Unmut Ausdruck zu verleihen, sondern auch anderen eine Chance zu geben, etwas zu sagen, etwas zu verändern.
Wir beschäftigen uns schon länger mit der Frage, wie viel wir uns noch zutrauen und zumuten können. Wie weit wir noch gehen können und weit wir es schon geschafft haben. Es ist sehr wichtig selbstkritisch zu sein, um Fehler zu erkennen und damit zu wachsen. Für uns ist damit klar geworden, dass wir schon fast am Limit sind und deshalb mit diesem Text bzw. Aufruf das Begonnene nur mit euch gemeinsam weiter wachsen lassen können.
Aktionsformen gibt es viele um Widerstand zu leisten. Doch wie soll das in Zukunft geschehen?
Ideen unsererseits reichen von einem Internetforum, über lockere Treffen in einem Lokal, bis hin zu inoffiziellen Vertrauenskörperstrukturen, die sich regelmäßig irgendwo treffen.
Natürlich kann es mehrere Wege gleichzeitig geben, doch muss endlich ein weiterer Schritt zur Selbstorganisation der Arbeiter_innen im Werk München gemacht werden. Also schreibt uns an! Schreibt eure Ideen in paar Sätzen an uns und wir werden sie zur nächsten Ausgabe veröffentlichen.
Egal was es alles an Ideen gibt, klar muss allen sein, dass es ein wenig Mut braucht, um Dinge umzusetzten bzw. Dinge zu verändern! Deshalb lasst uns gemeinsam etwas Bewegen, denn gemeinsam sind wir stark!
Nochmal unsere Mailadresse: werkerinfo@riseup.net

Wenn sie dich stressen:
Sei schlau, mach blau!

Immer weniger Wert sind die Urlaubstage im Nachhinein, wenn du gleich ab dem ersten Arbeitstag nach einem Urlaub merkst, wie schnell der Alltag, aber vor allem die Arbeit dich wieder eingenommen hat. Sie frisst dich geradezu auf. Vor allem, wenn der nächste Urlaub noch in weiter ferne ist. Was also machen?
Was machen, wenn die Arbeit zur Qual wird? Wenn der Stress, die Schmerzen oder der Druck nicht aufhören?
Ganz einfach:
Mach einfach mal blau!

Ruf kurz vor Beginn der Arbeitszeit deine_n Vorgesetzte_n an und sag, dass du krank bist und noch nicht weißt, wann du wieder Arbeitsfähig bist. Sag einfach, du meldest dich, sobald du genaueres weißt. Dann gehst du zum Arzt bzw. Ärztin und lässt dich wegen Schmerzen oder der Psyche krank schreiben. Schick die Krankschreibung per Einschreiben an deine_n Vorgesetzte_n und du kannst dich ausruhen. Bei Depression kannst du sogar alles wie gewohnt weiter machen, denn alles was dir gut tut und dich Mental wieder aufbaut, hilft dir wieder gesund zu werden. Ruf rechtzeitig an, um zu sagen, dass du noch länger krank bist (falls du noch nicht zurück kommen möchtest). Wenn du wieder in der Arbeit bist, dann gib keinen Grund an und vor allem unterschreibe nichts!
Es ist nichts schlecht daran, krank zu machen! Du erhältst keinen Dank für den Stress. Das Gehalt ist auch nicht so hoch, dass es ein gerechter Anteil für deinen täglichen Arbeitsaufwand und die Milliardengewinne ist. Außerdem gibt es noch ein Leben außerhalb der Arbeit. Mit anderen Worten: Wir leben nicht um zu arbeiten, sondern wir arbeiten um zu leben. Wenn du Kinder oder sogar Enkel haben solltest, glaubst du nicht, dass sie sich freuen dich öfter zu sehen, als immer nur am Wochenende, wo du dann noch andere Dinge zu tun hast? Es gibt wohl noch 1000 Gründe mehr, die klar machen, warum die Arbeit nicht das einzige im Leben ist, was zählt.
Tu dir was Gutes, denn von MAN bekommst du es nicht!
Mach blau!
Hier noch zwei nützliche Internetseiten zu dem Thema:
http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Handbuch_Kuendigung_Krankheitsbedingt.html
http://www.krankheit-simulieren.de/

Schreibform mit Unterstrich
Wie euch schon aufgefallen ist, benutzen wir z.B. die Schreibform mit Unterstrich, mit der weiblichen Endung _in. Damit beziehen wir die weibliche Form bei sonst nur männlichen Formen von Wörtern mit ein. Das heißt z.B. „Arbeiter_in“. Hier ist der Arbeiter sowie die Arbeiterin gemeint. Da es aber auch Menschen gibt, die – aus welchem Grund auch immer – nicht in eine Geschlechterform eingliedert werden wollen oder können, benutzten wir für diese auch den Unterstrich.