Archiv für Dezember 2013

Ausgabe 15/2013

Servus liebe Kolleginnen und Kollegen,
die 15. Ausgabe ist raus und die Puste auch. Überstunden über Überstunden, alles für den Gewinn von VW und Vorstand. Was wir alles mitmachen sollen, damit es der Firma gut und den Vorständen noch besser geht, während wir an einen gerechten Anteil für diese ganze Extraschufterei gar nicht erst denken sollten… Es ist eine maßlose Frechheit von den Betriebsräten, Chefs und Planern, uns zu kommandieren, als wären wir Hochleistungsroboter!
Mit der Informationspflicht nimmts der sonst so kämpferische Betriebsrat (Achtung Ironie!) auch nicht sehr eng. Soll doch die Produktion weiter laufen, damit die Arbeiter_innen schön weiterarbeiten und die faulen Betriebsräte eine Betriebsversammlung weniger zum vorbereiten haben (im 3. Quartal fand keine statt). Naja, ganz so faul sind sie ja dann doch nicht. Soll schließlich einige geben, die auf Lehrgängen in den von allen IG Metall Mitgliedern bezahlten Hotels, hin und wieder zu tief ins Glas schauen. Oder einer, der gerne mal mit einem Chef am Fußballplatz seinen Spaß hat, ganz kämpferisch eben.
Währenddessen bekommen einige Kollegen und Kolleginnen mal Hautnah mit, was die Planer mit uns anstellen. In Workshops werden von denen die Zeiten einzelner Arbeitsplätze genau gestoppt und bemerkt, dass diese meistens viel länger sind, als der Takt es zulässt. Das stört dann aber auch nicht weiter, denn mehr Mitarbeiter_innen werden nicht zur Verfügung gestellt. Eher werden Springer und Gruko’s noch mehr gefordert, damit dieses Powerprogramm weiterhin mit so wenigen Mitarbeiter_innen wie möglich geschafft werden kann. Da hilft nur eines, langsam arbeiten – scheißt auf den Takt, schaut auf eure Gesundheit! Und weil die Planer ja meinen für die Karriere ständig irgendwas verändern zu müssen, lassen sie jetzt nach und nach Regale und Materialwägen durch „Item“ ersetzten. Dass dieses Bausystem (früher Creform) aber sehr teuer ist, stört dabei scheinbar niemand.
Auch die Segmentleiter_innen machen ihren Mund nicht auf, wenn es mal darum geht, von ihren Vorgesetzten mehr Personal zu verlangen. Aber Hauptsache nach Unten drücken und von den eigenen Mitarbeiter_innen immer noch mehr verlangen. Aber in dieser Firma gibt es eh keinen Respekt, es herrscht nur Angst.
Dass darunter die Qualität leidet, interessiert wohl auch keinen Menschen. Stückzahl ist inzwischen alles was zählt – und nicht zu vergessen: Sauberkeit und Ordnung. Aber solang die Nacharbeit brav am Sonntag zur Arbeit kommt, um das wieder auszubessern, was bei der Montage aufgrund der geringen Zeit alles falsch gemacht wurde, passt ja alles. Nur in den letzten zwei Arbeitswochen dieses Jahres, wurde die Stückzahl runtergesetzt, damit weniger Fehler gemacht werden und die Nacharbeit die hunderten Fehler schon produzierter LKWs auszubessern.
Apropos Sauberkeit und Ordnung, in den Besprechungsräumen der Segmentleiter_innen wurden Listen aufgehangen, in denen die einzelnen Segmente eintragen müssen, wie viele Mitarbeiter_innen länger bleiben um zu putzen. Wird kein Name eingetragen, so müssen Mitarbeiter_innen während der Arbeit nebenher sauber machen. Lasst euch auf solche Erpressungen nicht ein! Besprecht euch in euren Abteilungen und sprecht auch mit Kollegen und Kolleginnen anderer Abteilungen, wie die mit der Situation umgehen!
Und warum wurden wir so gestresst? Weil ein Sesselfurzer von VW im Werk zu Besuch war! An diesem Tag zeigten die Bildschirme komischerweise (wie bei jedem „hochrangigen“ Besuch) eine um einiges höhere Qualität an, als an allen anderen Tagen – durchgehend 58%.

In der Werksinternen Propaganda namens „MAN People“ vom Oktober 2013 heißt es im Artikel „M1 wird Wirklichkeit“, dass „mit begeisterten Mitarbeiteren […] Produkte in höchster Qualität“ hergestellt werden können. Wenn das so sein soll, dann ist das aber eine realitätslose Wahrnehmung der Wirklichkeit. „Im Mittelpunkt von M1 steht schließlich der Mensch“ schreiben sie weiter, oder auch, dass Planer mit uns und auf unsere Arbeit abgestimmt, die Arbeitsplätze umgestalten – dazu haben wir oben schon geschrieben. Dann wird noch einige Sätze lang von „Respekt“ und ähnlichen nicht existierenden Umgangsformen geschrieben. Der nächste Absatz wird fast noch unverschämter, da wird uns was von „Spaß“ und „Überzeugung“ erzählt, die wir haben sollen. Auch von gesteigerter Qualität wird geschrieben, bei zum Teil 7(!) Prozent LKWs, ohne Nacharbeit – naja. Gekrönt wird das ganze mit einem Zitat vom Hallenbetriebsrat aus der LKW-Produktion, den wohl viele unter dem Vornamen Nico kennen. Also gerade der, der überhaupt keine Ahnung vom Arbeiten hat und abhaut, wenns Probleme am Band gibt, kann den Mund mal wieder nicht halten um sich zu profilieren. Nico, lass dir eines gesagt sein: Reden ist Silber, aber schweigen in deinem Fall Gold!
Um kurz von unserer Seite aus auf M1 einzugehen, eine kurze Zusammenfassung der Umbauaktion.
Alles soll heller gestaltet werden, weil das bei VW auch so ist. Warum genau, können wir auch nicht sagen, gibt einige Gründe, aber das wird sich mal wieder irgendein studierter Mensch ausgedacht haben, der selbst noch nie am Band gearbeitet hat. Die Regale müssen alle niedriger sein, damit alle Mitarbeiter_innen gesehen werden können, das nennen sie dann Übersichtlichkeit. Laufwege sollen verkürzt werden, um die Zeiten der Arbeitsplätze weiter zu drücken. Außerdem sollen alle enger nebeneinander bzw. zusammenarbeiten. Das soll den Vorteil haben, dass die die gerade weniger zu tun haben, denen helfen können, die mehr zu tun haben. So lässt sich wieder Zeit sparen. Mit Qualität hat das nichts zu tun, sondern nur mit mehr Effizienz.
M1 heißt Überwachung und Ausbeutung!

Wie wir mitbekommen haben will MAN, dass wir in München ab 2015 oder 2016 mit einem 5,X Minuten Takt in der LKW-Montage fahren, die Fahrerhaus- und Achsmontage wird auch mehr Leistung bringen müssen. Ob das ein Teil von M1 ist wissen wir momentan auch nicht genau, ahnen es aber. Was wir alle aus der Vergangenheit wissen ist, dass wir dafür keine neuen Kollegen und Kolleginnen bekommen werden. Deshalb wird ja alles umgebaut und immer noch „ergonomischer“.

Wir haben schon lang die Schnauze voll, so wie die meisten in unserem Werk!
Lasst uns ein deutliches und effektives Zeichen gegen M1, dem Wahn und der Arroganz der Vorstände setzen!
Nimmt alle Urlaub, oder macht krank in der Woche vom 28.4. – 2.5.14! Sollen sie mal schauen, wie sie mit den vom Stress ausgebeuteten Arbeiter_innen ihren Gewinn erzielen!

Forderungen stellen oder Selbstverwaltung erkämpfen?

In der Sommerpause haben wir viel diskutiert und gelesen. Gelesen von wilden Streiks und Besetzungen ganzer Fabriken in der Vergangenheit. Die Frage war neben dem Wie, auch die Frage „was wollen wir“. Mit dem „Wir“ haben wir uns nur auf uns (Werkerinfo-Kollektiv) bezogen, denn die Frage, wie unsere Fabrik aussehen soll, muss gemeinschaftlich (also mit allen Kollegen und Kolleginnen) entschieden werden. Dieser Text ist ein Teil unseres Lernprozesses, den wir gerne mit euch Teilen wollen. Er ist aber auch als Diskussionspapier zu sehen, weil wir uns nur zusammen wehren und etwas verändern können.
In den 70er Jahren gab es große Werksbesetzungen und wilde Streiks in Deutschland (z.B. der „Fordstreik“), aber auch in anderen Ländern. In Deutschland stellten vor allem die nicht festangestellten Gastarbeiter_innen einen Großteil der Kämpfenden dar, Anfangs solidarisierten sich auch einige deutsche Festangestellte in den Fabriken. Gestreikt wurde, um Forderungen erfüllt zu bekommen. Forderungen, die vor allem den Gastarbeiter_innen ein besseres und menschenwürdigeres Gehalt und Arbeiten bringen sollten, aber immer als Forderungen für alle Mitarbeiter_innen gestellt wurden. Um den Druck zu erhöhen und um zu zeigen, dass sie es ernst meinten, wurden zum Teil ganze Werkshallen über Tage besetzt und bestreikt. Schnell war den Kapitalisten klar, dass die Situation ernst ist, nachdem das erste minimale Entgegenkommen nicht angenommen wurde. Also versuchten sie die beliebte Taktik der Spaltung, um den Kreis der Unterstützenden (die Festangestellten) zu verkleinern und die Kämpfenden (Gastarbeiter_innen) zu verunsichern bzw. ebenfalls zu spalten. Dies gelang ihnen auch, weil den Festangestellten gedroht wurde und ihnen über die Medien so lange eine Gehirnwäsche verpasst wurde, bis auch diese glaubten, dass ihre kämpfenden Kolleginnen und Kollegen Kriminelle wären. Nach einigen Tagen waren sich selbst die Kämpfenden nicht mehr sicher, wie sie weiter machen sollen und wie viele noch in einigen Tagen dabei sein werden. Das zerrte an den Kräften, bis schließlich Meister, Wachpersonal und Polizei die besetzten Hallen stürmten und die Streiks beendeten. Viele der Streikenden wurden gekündigt, viele unter harten Bedingungen wieder eingestellt, aber viele wollten auch nie wieder zurück und verließen zum Teil auch das Land. Und wer sich jetzt fragt, welche Rolle die Gewerkschaften hatten, allen voran die IG Metall; die stand auf der Seite der Kapitalisten und rief zum Ende der Streiks auf!
Warum diese Geschichte? Weil sie als eines von sehr vielen Beispielen wilder Streiks ist. Weil sie uns zeigt, wie so ein offener und selbstorganisierter Kampf ablaufen kann und als Erinnerung an Zeiten, als es in Deutschland noch wirklichen Widerstand gab.
Also, Forderungen stellen oder Selbstverwaltung erkämpfen? Für uns ist es mittlerweile ganz klar: Selbstverwaltung erkämpfen! Wir Arbeiter_innen haben das Wissen aus unserer täglichen Arbeit und zusammen mit der Entwicklung können wir es auch selbst. Wir brauchen keine Vorgesetzten, die nur dafür da sind, uns zu überwachen und ständig den Druck zu erhöhen. Stellen wir Forderungen, so akzeptieren wir einerseits unsere Unterdrücker_innen als Teil unserer Arbeit bzw. unseres Lebens, andererseits müssen wir in vielen Punkten Kompromisse eingehen, die wir untereinander nicht mal diskutieren würden. Jetzt werden wahrscheinlich viele von euch denken „Spinner“ oder „Träumer“, aber das hat es schon alles gegeben und gibt es immer noch (siehe die Texte bei „Blick über den Tellerrand“) und ist damit nicht nur ein Traum. Sehr viele sind frustriert und wollen, dass sich was ändert. Aber es ändert sich nichts, wenn man ruhig bleibt. Forderungen zu stellen heißt also, sich gemeinschaftlich von wenigen unterdrücken zu lassen und mit Kompromissen, sowie leeren Versprechen frustriert leben zu müssen. Wenn wir die wirklich nötige Arbeit leisten, damit am Ende ein fertiger LKW aus der Fabrik rollt, dann sollten wir auch darüber entscheiden wie wir arbeiten und wir sollten die geernteten Früchte unserer Arbeit untereinander gleich verteilen!
Aber dafür braucht es Zeit. Von Heute auf Morgen, wird das nicht klappen. Wir sollten daher endlich anfangen, uns zu organisieren! Einzelaktionen verlaufen oft ins nichts, oder die Reaktionen von Chefs darauf schrecken die anderen nur noch mehr ab. Zusammen können wir es deshalb nur schaffen, aber nur, wenn wir mehr tun, als am Stammtisch zu meckern! Und genau deshalb wollen wir nicht vorschreiben, wie wir uns zu organisieren haben, denn das müssen wir alle gemeinsam entscheiden (siehe nächster Text)!
Wir stellen keine Forderungen mehr, wir wollen nicht, dass unsere Situation besser, sondern endlich gut wird! Auf dass die Träume für die wir kämpfen wahr werden – in den Fabriken, den Städten und auf der ganzen Welt!

Nochmal zur Erinnerung der Text aus der letzten Ausgabe:

Gib mir irgendwas das bleibt!

Zum Teil erfolgreiche Aufrufe zum wilden Streik, Verhinderungsversuche der Wiederwahl von Jürgen Dorn und seinen Helfer_innen, Infos und Texte zu verschiedenen Themen für einen anderen Blickwinkel auf das Arbeitsleben, Informationsaustausch untereinander, brisante Geschichten und Infos veröffentlicht und vieles mehr. Das ist das, was wir bisher gemacht und erreicht haben. Doch unser Ziel war und ist es nicht, alleine etwas zu verändern. Wir brauchen euch und wir wollen euch eine Plattform bieten, doch wollen wir euch nicht nur zum mitmachen oder sogar zum konsumieren von verschiedenen Widerstandsformen aufrufen. Das was wir bisher gemacht haben, war nur ein wachrütteln und Ausrufezeichen setzen, damit sich endlich was ändert. Wir hatten einfach keine Lust mehr, nur zu meckern und uns das gemeckere der Kolleginnen und Kollegen anzuhören. Deshalb haben wir uns entschlossen, diese Zeitung raus zu bringen, um nicht nur selbst unseren Unmut Ausdruck zu verleihen, sondern auch anderen eine Chance zu geben, etwas zu sagen, etwas zu verändern.
Wir beschäftigen uns schon länger mit der Frage, wie viel wir uns noch zutrauen und zumuten können. Wie weit wir noch gehen können und wie weit wir es schon geschafft haben. Es ist sehr wichtig selbstkritisch zu sein, um Fehler zu erkennen und damit zu wachsen. Für uns ist damit klar geworden, dass wir schon fast am Limit sind und deshalb mit diesem Text bzw. Aufruf das Begonnene nur mit euch gemeinsam weiter wachsen lassen können.
Aktionsformen gibt es viele um Widerstand zu leisten. Doch wie soll das in Zukunft geschehen?

Ideen unsererseits reichen von einem Internetforum, über lockere Treffen in einem Lokal, bis hin zu inoffiziellen Vertrauenskörperstrukturen, die sich regelmäßig irgendwo treffen.
Natürlich kann es mehrere Wege gleichzeitig geben, doch muss endlich ein weiterer Schritt zur Selbstorganisation der Arbeiter_innen im Werk München gemacht werden. Also schreibt uns an! Schreibt eure Ideen in paar Sätzen an uns und wir werden sie zur nächsten Ausgabe veröffentlichen.

Egal was es alles an Ideen gibt, klar muss allen sein, dass es ein wenig Mut braucht, um Dinge umzusetzten bzw. zu verändern! Deshalb lasst uns gemeinsam etwas Bewegen, denn gemeinsam sind wir stark!

Nochmal unsere Mailadresse: werkerinfo@riseup.net

Blick über den Tellerrand

Ein Text aus der „Wildcat“ (Internetadresse siehe bei „Links“)

Update vom 2.11.2013: Krise und Klassenspaltung in Südosteuropa
Seit dem Erscheinen des Slowenien-Artikels trafen wir uns zwei Mal mit Hafenarbeitern aus Koper. Vor einigen Monaten standen die Chancen gut, um bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Aber mit der Bestellung eines neuen Managers, den die slowenische Regierung schickte, um die stockende Privatisierung und Expansion wieder voranzutreiben – größere Terminals, mehr Lagerfläche und Gleise, »um im Wettbewerb mit den Nordhäfen bestehen zu können« –, erhöht sich der Druck auf die Hafenarbeiter. Sie versuchen dagegen anzugehen – bis jetzt ohne Streiks. Das könnte sich schnell ändern, wenn sich die Bedingungen weiter verschlechtern. Denn die Regierung braucht dringend Geld, wenn sie ihre Agenda durchsetzen und nicht unter dem »Diktat der Troika« enden will. Die Privatisierungen sollen das hereinspülen, ohne diese wird sie die (Banken-)Verschuldung nicht in den Griff bekommen. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer in einem Land, dessen Konsum aufgrund der drastisch steigenden Arbeitslosigkeit sinkt, wird die so dringend gebrauchten Summen nicht einspielen können. Die Einführung einer Grundsteuer ist ebenso festgefahren, aber der Zank zwischen den Parteien um eine schrittweise Einführung soll in erster Linie Zeit für die Vermögensbesitzer gewinnen, um ihr Kapital in Sicherheit zu bringen.
Die Herrschenden sind also blockiert und ihnen bleibt nur der direkte Angriff auf die ArbeiterInnen, aber was kommt »von unten« nach den Streiks und Protesten in den letzten Jahren? Die Demos vor kurzem gegen die Sparpolitik am 29. Oktober mit je ca. 600 Leuten in Maribor und Ljubljana sind jedenfalls nichts im Vergleich zum »Aufstand« von 2012.
Ein Problem, das die Klassenspaltung vertieft, ist die Hoffnung der ArbeiterInnen auf »Investoren«. Als Ende April die ArbeiterInnen der Metall-Fabrik MLM in Maribor, die Sanitärteile produzieren und die schon zwei Monate keine Löhne mehr bezahlt bekamen, von der Schließung ihrer Abteilungen erfuhren und 226 ArbeiterInnen gekündigt wurde, traten sie in den Streik. Die StreikführerInnen organisierten zusammen mit UnterstützerInnen zusätzlich eine Demo. Nicht nur, dass die ArbeiterInnen der Abteilungen, die bestehen bleiben sollen, sich zurück hielten – auch zur Demo kam nur ein Teil derjenigen, die der Jobverlust trifft. Das Management hatte zuvor die Hoffnung geschürt, dass eventuell ein Investor einige ArbeiterInnen wieder anstellen würde. So beugte sich der Protest dem Konkursverfahren, was für die anfangs enthusiastischen StreikführerInnen und auch für die UnterstützerInnen aus der anarchosyndikalistischen Szene zu Frust führte.
Ein tragischer Fall ereignete sich Mitte Oktober: Ein Arbeiter aus Albanien erschoss seinen Chef in Maribor, dessen Sohn und sich selbst, weil er seinen Lohn die letzten Monate nicht ausbezahlt bekam. Die Stimmung geht nun aber nicht in Richtung Rassismus gegen »Albaner«, stattdessen sagen slowenische ArbeiterInnen, dass sie dies verstehen, weil vor allem im Nordosten des Landes jedeR jemanden kennt, dem es gerade genau so geht mit nicht ausbezahlten Löhnen. Es betrifft alle!
An dieser Flanke entzünden sich schon länger und gerade auch aktuell Konflikte in den anderen Ländern Südosteuropas: Am 16. Oktober streikten 500 von 2400 Werftarbeiter in Split (Kroatien) wild und stürmten die Werftzentrale, weil ihnen der Lohn gekürzt und verspätet ausbezahlt wurde. Am 17. Oktober protestierten ehemalige Zastava-Arbeiter vor den Toren der neuen Fiat-Fabrik in Kragujevac (Serbien) für ihre Wiedereinstellung, die ihnen vertraglich zugesichert wurde, als sie gekündigt wurden, damit Fiat die Fabrik adaptieren kann. Am selben Tag fingen Arbeiter eines serbischen Busunternehmens in Kragujevac an, Eisenbahngleise zu blockieren, um ihre Löhne einzufordern. So konnten sie einen Zug stoppen, der Autos aus der neuen Fiat-Fabrik zum Montenegriner Hafen Bar liefern sollte, von wo sie exportiert werden. 1000 ArbeiterInnen der LKW-Fabrik FAP in Priboj machten das am 28. Oktober nach. Sie blockierten ebenfalls einen Abschnitt auf der gleichen Strecke, weil nicht nur Löhne ausständig sind, sondern ihnen auch die Krankenversicherung gekürzt wurde.
Rund um den Balkan bekämpft die Klasse die »Transformation«. Aber wie sich zeigt, geht es oft zunächst um das eigene Überleben. Das »Ende der Transformation« bedeutet insofern erst mal »Durchhalten« und noch keine gemeinsame Offensive gegen das Kapital.

Schreibform mit Unterstrich
Wie euch schon aufgefallen ist, benutzen wir z.B. die Schreibform mit Unterstrich, mit der weiblichen Endung _in. Damit beziehen wir die weibliche Form bei sonst nur männlichen Formen von Wörtern mit ein. Das heißt z.B. „Arbeiter_in“. Hier ist der Arbeiter sowie die Arbeiterin gemeint. Da es aber auch Menschen gibt, die – aus welchem Grund auch immer – nicht in eine Geschlechterform eingliedert werden wollen oder können, benutzten wir für diese auch den Unterstrich.

Termine:

1. Februar: Demonstration gegen die Nato-“Sicherheitskonferenz“

28.4.-2.5.14 selbstorganisierter Streik – weiter sagen, mit machen!

Wir wünschen euch allen einen erholsamen Urlaub