Archiv für Februar 2014

Ausgabe 16/2014

Servus liebe Kollegen und Kolleginnen,

in Teilen unseres Werks läufts etwas ruhiger, in anderen immer noch stressig. Wohin die Reise führt weiß bisher noch keine_r, weil sich Vorstände und Betriebsräte mit Informationen sehr bedeckt halten. Was wir wissen ist, dass die Auftragslage nicht sehr gut ist, aber auch nicht schlecht. Es gab vor kurzem ein Treffen führender Betriebsräte aus verschiedenen MAN Werken Europas, um über die Zukunft der Werke zu reden. Weil wir jetzt komplett zu VW gehören, musste auch über die Zukunft der Produktion im VW-Konzern gesprochen werden, weshalb auch Betriebsräte von VW dabei waren. Was dabei rausgekommen ist wissen wir leider im Moment noch nicht, da scheinen die Betriebsräte mal wieder ganz als MAN Funktionäre zu arbeiten, statt Informationen aus erster Hand direkt an uns alle weiter zu leiten und mit uns zusammen eine Gegenstrategie zum ständige Stress und eine bessere Zukunft zu erarbeiten.
Und weil es gerade eben nicht so schlecht läuft wie es manche erwartet haben, können wir davon ausgehen, dass es ab dem Sommer wieder stressiger werden wird in der Produktion. Auch in der letzten Betriebsversammlung wurde vom Vorstand diese Prognose geäußert. Damit auch gleich weiter mit der letzten BV. Als erstes können wir uns einen Kommentar zur Leiterin der BV nicht sparen. So toll du deine Lebensgefährtin auch finden magst, aber lieber Dorn, deine Kerstin Kuhfahl ist mit ihren schlechten Kommentaren und noch schlechteren Witzen alles andere als geeignet für dieses Amt! Ihr Verhalten ist einfach nur peinlich und wenn sie ihre Arbeit als Betriebsratsvorsitzende genauso schlecht macht, na dann endgültig gute Nacht. Wir Arbeiter_innen sind „an die Grenzen gegangen“ so Dorn am Anfang seiner Rede. Das hat er ja gut erkannt, doch warum hat er es dann zugelassen? Ganz einfach: Ein aufmuckender Betriebsrat(svorsitzender) schadet nur dem Gewinn des Unternehmens und damit seiner eigenen Karriere. Und wenn er behauptet, wir hätten immer noch die Lederhosn an, dann lügt er. Wir haben uns längst komplett an VW verkauft. Wir geben schön brav unseren Gewinn ab und erhalten (außer die höheren Vorstandskreise) keine vergleichbare Gewinnbeteiligung wie unsere Kollegen und Kolleginnen in den VW Werken. Das einzige was wir bekommen sind Leasingangebote, damit unser hart erarbeitetes Geld im VW Konzern bleibt. Und diese Umstände, plus wachsendem Druck für einen immer steigenden Gewinn, will der uns dann noch für gut verkaufen. Die Rede von Stimuniaris können wir dieses mal überwiegend loben. Zum Gehalt haben wir allerdings eine andere Meinung. Wir denken, dass alle Mitarbeiter_innen (zumindest mal die, die direkt oder indirekt mit der Produktion zu tun haben) das gleiche Gehalt bekommen sollen, plus einen Akkordzuschlag für alle direkt an der Produktion beteiligten Arbeiter_innen. Zum IG-Metall Propagandist Wechsler sagen wir nur, dass die Betriebsversammlung keine SPD Wahlveranstaltung ist, 8,50 Euro sind bei weitem auch kein guter Mindestlohn wie behauptet und der Satz, dass wir in den letzten Monaten „unmenschliches geleistet“ haben, hätte er sich auch sparen können, denn seine ach so tolle IG-Metall hat ja nur zugeschaut.

In der LKW-Montage ist die Qualität derart schlecht geworden, dass der Qualitätschef Aigner sogar gedroht hat, die Montage zu stoppen. In Audit-Fahrzeugen war noch eine so hohe Fehlerzahl zu finden, dass selbst MAN mal gemerkt hat, dass man so einen Schrott nicht verkaufen kann. Wir haben zu dem Thema schonmal einen Text veröffentlicht, indem wir auf die schlechte Qualität aufmerksam gemacht haben. Es geht eben schon lange nicht mehr um das, was Kunden und Kundinnen wollen, sondern um den eigenen Gewinn. Die LKWs fahren nur noch aus dem Werk raus, damit Geld reinkommt. Welchen Nutzen die LKWs haben sollen, ist egal. Hauptsache man bzw. MAN kann mit der Konkurrenz mithalten und mit guten Geschäftszahlen protzen. Wenn sich nicht endlich mal die Personalpolitik ändert, dann wird sich auch an der Qualität nichts ändern. Und wer meint, mit Drohungen und Sanktionen eine bessere Qualität erzwingen zu müssen, wird Krankenmeldungen und spontane Arbeitsniederlegungen bekommen!

Wir können uns also -wie die letzten Monate und die letzte Betriebsversammlung gezeigt haben- nicht auf Betriebsräte und Gewerkschaft verlassen. Nichts ist besser geworden und die Auftragslage kann sich auch jederzeit wieder erhöhen und damit der Stress auch. Wir dürfen nicht weiter den Mund halten und zähneknierschend alles hinnehmen. Wenn wir uns nicht wehren, werden wir weiter Spielball des Kapitals sein!
Deshalb rufen wir alle auf, sich am selbstorganisierten Streik zu beteiligen! Nehmt vom 28.4. bis 2.5.14 Urlaub oder macht krank – weitersagen! Die letzten Monate sollten Grund genug sein mit den herrschenden Verhältnissen endlich zu brechen.

„Diese Dreckschweine, Hauptsache die Leute ficken!“

Eine Diskussion irgendwo am Band bei MAN in München. Eine Diskussion, wie sie wohl alle schon oft in ihrer Abteilung hatten und noch oft haben werden. Viele sind sauer, wollen, dass sich was ändert und trauen dem Betriebsrat auch schon lange nichts mehr zu.
In vielen Abteilungen ist der Betriebsrat nur eine Marionette, die genutzt wird, um sich bei Offiziellen Luft zu machen und manchmal auch, um die Arbeit mal für einen Augenblick liegen zu lassen und damit die ganze Produktion ins stocken zu bringen. Wir haben von Abteilungen mitbekommen, die fast alle (also ohne die Arschkriecher_innen) während der Arbeitszeit zum Betriebsrat gegangen sind, um ihre Forderungen durchzusetzen. Dabei war natürlich nicht das Entscheidende, dass sie genau zum Betriebsrat gegangen sind, denn der Hilft sowieso nicht. Sondern sie haben mit dem gemeinsamen Verlassen des Arbeitsplatzes die größtmögliche Angst ausgelöst, die man auslösen kann: Stillstand der Produktion. Damit war der Druck so groß, dass ihre Anliegen durchgesetzt wurden; und zwar nicht vom Betriebsrat, sondern von den Arbeiter_innen selbst. Denn der BR -wie wir alle wissen- steht auf der Seite der MAN und sah sich dadurch nur gezwungen die Situation zu bereinigen. Wer glaubt, dass solche kleinen aber wichtigen Auseinandersetzungen kaum vorkommen, irrt. Und dabei sind sie noch viel häufiger möglich, wenn auch in anderen Abteilungen endlich mal etwas Mut aufgebracht wird.
Die, um die es in der Überschrift ging, sind die Vorstände. Für sie sind wir nur produktive Ware, mit der gehandelt wird, als wären wir Roboter. Ihre eigenen Arbeitsplätze werden bei der ganzen Rechnung nicht hinterfragt, sondern lediglich die Personen in den Posten gewechselt. Unsere Arbeitsplätze dagegen werden ständig neu nach ihrer Wirtschaftlichkeit hin überprüft. In erster Linie geht es dabei um die Anzahl der benötigten Mitarbeiter_innen selbst, um die Produktion so zu ermöglichen, dass sie so flexibel wie nötig und dabei so effizient wie möglich ist. Als zweites zählt dann die Produktivität des_der einzelnen Arbeiter_in, also Krankheiten, Behinderungen, Lernfähigkeit/Wissen, Arbeitsmoral, ect.. Funktionieren Menschen nicht so, wie es in der Kosten-Nutzen-Rechnung vorgegeben wird um möglichst billig zu produzieren, dann müssen diese Störfaktoren behoben werden. Die MAN versucht es immer wieder, erkrankte Mitarbeiter_innen mit einer Kündigung loszuwerden. Die, die dagegen Klage eingereicht haben, haben in den letzten Jahren fast immer gewonnen. Trotzdem versucht es die Personalabteilung immer wieder. Doch umso mehr wir uns wehren, umso schwieriger wird es für sie, uns zu austauschbaren Arbeitsmaschinen zu machen!
Viel Kraft allen, die sich nicht unterdrücken lassen und zusammen Kämpfen!
Solidarität ist unsere Waffe!

Blick über den Tellerrand

Interview von Herbert Schedlbauer mit Gerhard Kupfer, Mitglied des Betriebsrates und Vertrauensleutekörpers bei Daimler in Bremen, in Unsere Zeit, Februar 2014

UZ: Daimler lässt immer mehr Autos von Leiharbeitern oder mit Werkverträgen bauen. Dabei geht es dem Konzern um weitere  Lohndrückerei und Entrechtung sowie einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. Vier Streiks, fast 9.000 Beschäftigte im Werk Bremen haben gezeigt, dass Auslagerungen und Erpressungen nicht kampflos hingenommen werden. Begonnen hat es im Jahre 2012. Was brachte das Fass zum überlaufen?

Gerhard Kupfer: Nach mehreren kleineren Fremdvergaben ging es im Jahre 2012 konkret um die Logistik, die ausgegliedert werden sollte. Dagegen haben wir spontan Unterschriften am Werkstor gesammelt. Innerhalb weniger Stunden bekamen wir 5.000 Unterschriften. Damit zeigte sich, dass bereits eine Stimmung gegen die Unternehmenspläne bestand und ein gutes Stück Mobilisierung für gemeinsame Aktionen möglich war.

UZ: Leiharbeit macht Arbeit noch billiger. Gesetzliche Regelungen sichern den Unternehmern Höchstprofite. Eine weitere Maßnahme ist der Einsatz von Beschäftigten über Werkverträge. Wie ist die Situation im Bremer Werk?

Gerhard Kupfer: Daimler steigt jetzt gerade um, von direkter Leiharbeit, der sogenannten Arbeitnehmerüberlassung. Unter diesen Bedingungen arbeiten zurzeit rund 650 Kolleginnen und Kollegen an den Bändern in Bremen. Geplant ist nun eine massive Fremdvergabe ganzer Produktionsabläufe. Die sollen dann mit Werkverträgen gefahren werden. Die Subunternehmer beschäftigten bedeutend mehr Leiharbeiter, als wir im Moment im Werk haben. Die jetzige Größenordnung ist bei Daimler per Betriebsvereinbarung auf 8 Prozent im gesamten Konzern begrenzt. Trotz vieler Versuche des Konzerns ist es uns gelungen, die Erhöhung der Quote der direkten Leiharbeit zu verhindern.

UZ: Konnten Sie durch diese Betriebsvereinbarung Übernahmen in feste Arbeitsverhältnisse erreichen?

Gerhard Kupfer: Durch die Betriebsvereinbarung ist sicherlich keine direkte Übernahme erreicht worden. Wenn Leiharbeiter feste Arbeitsverträge bekamen, dann aufgrund der boomenden Autoproduktion. Die Zahl ist allerdings gering. Sie bewegt sich bei etwa 290 Festeinstellungen in mehreren Jahren.

UZ: Eine Gegenwehr des Betriebsrates war die Verweigerung von Überstunden. Arbeitszeitverlängerungen und Sonderschichten. Reicht dies als Druckmittel zur Verhinderung weiterer betrieblicher Ausgliederungen aus?

Gerhard Kupfer: Nein. Wir hatten sehr eskalierte Situationen. Die Werksleitung wollte mit dem Betriebsrat gemeinsam ein Projekt starten. Hintergrund war eine älter werdende Belegschaft. Dabei wurde klar, dass genau diese Arbeitsplätze fremdvergeben werden sollten. Das stieß auf großes Unverständnis nicht nur bei den Betroffenen. Durch viel Kleinarbeit, persönlichen Gesprächen mit den Beschäftigten solidarisierten sich viele Arbeiter. So gelang uns die Mobilisierung der Belegschaft.

UZ: Die Aktionen gegen die Fremdvergabe im letzten Sommer führte dazu, dass die Unternehmensseite nicht ungestört höchste Produktionszahlen erreichte. Welche Möglichkeiten sehen Sie, den Gegendruck auch außerhalb von Daimler zu vergrößern?

Gerhard Kupfer: Unser Konzept war immer, diese Auseinandersetzung nicht im Werk alleine zu belassen. Die Arbeitsbedingungen, die Werkspolitik öffentlich zu machen. Leiharbeit, Werkverträge und prekäre Beschäftigung so zu nennen, wie sie sind. Ein Skandal! Schlicht und einfach! Leiharbeit muss öffentlich gebrandmarkt werden. Der Steuerzahler zahlt das Lohndumping der Unternehmer. Die Aufstocker, die nicht vom verdienten Geld leben können. Im September letzten Jahres hatten wir im DGB-Haus eine sehr gut besuchte Veranstaltung mit einigen prominenten Rednern, wie Professor Däubler. Geholfen hat uns auch Karl Heinz Roth, der ein Daimler Benz Buch geschrieben hat. Darin den Bogen spannt zur Zwangsarbeit des Konzerns während der Nazizeit. Ein weiterer wichtiger Punkt ist: Alleine werden wir diesen Kampf hier nicht gewinnen. Geplant ist bei VW eine Veranstaltung zu machen. Über unsere Situation aufzuklären. Auch dort gibt es Leiharbeit.

UZ: Von BMW Beschäftigten gab es Zustimmung und Solidarität. Ebenso aus Regensburg, Nürnberg und Frankfurt solidarisierten sich die bayrischen Autobauer mit dem Abwehrkampf der Bremer Daimler Belegschaft.

Gerhard Kupfer: Ja, das tut gut und wird dringend gebraucht. Wir fahren auch nach BMW. Um unsere Erfahrungen weiterzugeben. Die Solidarität aus anderen Automobilfabriken hat uns sehr geholfen. Aus dem Ausland, den dortigen Daimler Betrieben, gab es viel Sympathie für uns. Zahlreiche Resolutionen von Leitungen der Vertrauensleute aller Daimler Werke aus dem Ausland.

UZ: Wie war die Unterstützung der IG Metall in Bremen oder über das Daimler Werk hinaus?

Gerhard Kupfer: Wir haben keinerlei Unterstützung erfahren. Nein. Absolut nicht. Es gab keine Informationen in Bremen oder über die Stadt hinaus. Die IG Metall hat nichts über unseren Kampf im Betrieb gegen die Werksleitung verbreitet. Lediglich im Betrieb ist die Unterstützung des Vertrauensleutekörpers ein Stück vorhanden gewesen. Weil die Kollegen es angeschoben und  nicht locker gelassen haben. Alles was im Werk passierte und außerhalb bewegt wurde und wird, ist die Initiative von Teilen des Betriebsrates und von Vertrauensleuten.

UZ: Spielen die Betriebsratswahlen in diesem Jahr bei der Auseinandersetzung eine Rolle?

Gerhard Kupfer: Es bestätigt sich, dass konsequente Interessenvertretung von der Belegschaft honoriert wird. Die Kollegen, die den Kampf aufgenommen haben gegen Leiharbeit und Fremdvergabe, sind auf den vorderen Plätzen. Gegenüber den letzten Wahlen sehr weit auf der Kandidatenliste nach vorne gerückt.

UZ: Die Große Koalition verhält sich inkonsequent bei Lohndumping und Leiharbeit. Nachzulesen im Koalitionsvertrag. Von den Herrschenden in diesem Land ist keine Unterstützung zu erwarten. Wie kann Ihrer Meinung der Druck um die Abschaffung von prekärer Arbeit auf die CDU und SPD verstärkt werden?

Gerhard Kupfer:Wenn der Druck nicht aus den Betrieben kommt, werden die Regierenden auch nicht handeln. Wir sind ausdrücklich nicht damit einverstanden, die Leiharbeit kosmetisch zu reparieren. Sie gehört verboten. Unsere Losung zum 1. Mai heißt „Schluss mit der Zuhälterei bei Daimler – und anderswo“. Alle die in der Politik mit Leiharbeit zu tun haben, diese befürworten, müssen mit Gefängnis bestraft werden. Nicht unter fünf Jahren.

Gefunden bei labournet.de

Termine:

28.4. bis 2.5.14 selbstorganisierter Streik
Nehmt Urlaub oder macht krank – weitersagen!