Ausgabe 18/2014

Servus liebe Kollegen und Kolleginnen,

die Kündigungswelle geht weiter, es sollen mittlerweile weit über 160 Arbeiter_innen vor allem krankheitsbedingt gekündigt worden sein. Wir haben auf dieses Vorgehen der Personalabteilung schon in vergangenen Ausgaben hingewiesen und auch darauf, dass ihr bitte sofort zum_zur Anwalt_Anwältin geht und dagegen klagt. Bis jetzt wurden nach unseren Informationen fast alle Kündigungen gerichtlich wieder zurückgenommen. Auch solltet ihr zur Anhörung durch den Betriebsrat, denn dadurch wird die Chance weiterarbeiten zu können erheblich gesteigert. Das ist auch das einzige, was wir an der Betriebsratsarbeit der letzten Monate positiv heißen können. Ihr müsst dazu kein IG-Metallmitglied werden, auch wenn einige Betriebsräte (vor allem Leo) euch dazu drängen! Der Betriebsrat ist für alle Arbeiter_innen da und nicht im Auftrag der IG-Metall nur für IG-Metallmitglieder.
Gerade sind wieder ein Haufen Azubis mit der Ausbildung fertig geworden. Doch um eine unbefristete Übernahme zu bekommen, müssen sie 75% der Abschlussprüfung schaffen. Vor einigen Jahren hieß es noch, dass alle unbefristet übernommen werden, was schon nach kurzer Zeit durch einen Durchschnitt von 63% erschwert wurde. Nur durch das Nichtwissen der Belegschaft konnte sich der Betriebsrat mal wieder auf der Betriebsversammlung selbst loben. Denn eine solche Verschlechterung der Übernahmebedingungen ist alles andere als ein Fortschritt!
Gerade feiert sich die MAN wieder mal selbst, weil 88% am Stimmungsbarometer teilgenommen haben. Wie beim letzten mal, wollten auch dieses mal die Chefs eine hohe Beteiligung um nicht bei VW ins negative Licht zu rücken. Denn für VW sind die Stimmungsbarometer sehr wichtig, allerdings nur fürs Image um intern, als auch extern ein Bild der Mitbestimmung der Arbeiter_innen zu präsentieren. Verändern wird sich wie immer natürlich nichts. Auch wenn die Segmentleiter_innen den Druck auf uns weiterleiten, solltet ihr in den nächsten Jahren das Stimmungsbarometer boykottieren – denn echte Mitbestimmung sieht anders aus!
Wie ihr eventuell auch mitbekommen habt, wurde auch Scania jetzt komplett von VW gekauft. Das bedeutet also, dass VW ab jetzt komplett über MAN, Scania und VW-Nutzfahrzeuge herrscht und diese Unternehmen nach den eigenen Interessen verwalten kann. Vieles hat sich seit der Übernahme verändert. Aber das was wir bisher mitbekommen haben ist nur, dass der Druck auf uns Arbeiter_innen verstärkt wurde und wir unser Gehalt durch Leasing gleich im Konzern lassen sollen. Seit der Übernahme schickt die Personalabteilung auch sehr viele erkrankte Mitarbeiter_innen zu den Betriebsärzten_-ärztinnen. Der oben genannte Druck zum ausfüllen der Stimmungsbarometers, das M1-Projekt und die dazugehörige Arbeitsverdichtung sind nur wenige der Spuren, die die VW-Übernahme schon hinterlassen hat. Und wenn der Betriebsrat jetzt noch sagt, er könne uns versprechen, dass die Komplettübernahme von Scania durch VW keine negativen Auswirkungen auf uns haben wird, dann ist das schlicht gelogen! Wir werden uns auf große Veränderungen einstellen müssen!

Damit weiter zur Betriebsversammlung, auf der es auch um dieses Thema ging. Mit Scania und VW-Nutzfahrzeuge zusammen, will MAN Weltmarktführer werden. Was sich noch vor einem Jahr von dem angeblichen Arbeitnehmervertreter Jürgen Dorn nach einem Alleingang der MAN anhörte, wird dieses mal nicht weniger übertrieben, nur eben als dreier Konstellation angepriesen. Wir müssen wohl nichts mehr zu den obengenannten Punkten sagen, aber hier nur nochmal die Worte von Dorn selbst: „Niemand muss Angst haben, seinen Arbeitsplatz zu verlieren.“ und „[…] keine Stellen streichen um den Gewinn zu maximieren.“ Wenn das mal nicht ein Schlag ins Gesicht der über 160 gekündigten Arbeiter_innen ist und eine Lüge in die Gesichter der gesamten bei der Betriebsversammlung anwesenden Belegschaft! Aber die Kündigungen werden ja auch nicht von dem Herrn angesprochen, er füllt seine Rede lieber mit belanglosen Lückenfüllern wie „Falschparken im Werksgelände“ oder „umgebautes Casino“. Da wäre ja auch die Frage, warum Dorn selbst denn im Werksgelände parken darf, aber andere Mitarbeiter_innen nicht?! Fühlt sich da wer bessergestellt, also höherklassig als der unterklassige Rest der Belegschaft, die draußen Parken muss oder lieber gleich mit dem MVV kommen soll?
Am Ende feierte er sich, „seinen“ Betriebsrat und „seine“ IG-Metall nochmal kräftig. Seine durch die manipulierten Betriebsratswahlen mit der Tarnliste „Für Gerechtigkeit“ gewonnene IG-Metallliste sei ja ein so gut aufgestellter Betriebsrat, der die MAN stark im VW-Konzern vertritt. Und ohne IG-Metall gäbe es ja keine Fortschritte, die dann eh gleich wieder zurückgezogen werden (siehe Übernahme der Auszubildenden) oder einfach keine sind (Tarifrunden). Auch die Gewinnbeteiligung ist nichts wert, wenn nach Abzug dieser vom Gewinn immer noch ein (MAN-) Konzerngewinn von über 900 Millionen Euro zur Verfügung steht. Das Geld haben wir hart erarbeitet, es gehört einzig und allein der gesamten Belegschaft (weltweit)! Dann meint er noch allen Ernstes, dass wenn wir fleißiger arbeiten werden, wir auch eventuell einmal eine gute Gewinnbeteiligung bekommen!
Aufgrund solcher Aussagen verließen wir die Betriebsversammlung und wollen auch nicht mehr zu den anderen Redner_innen Stellung nehmen, da es sich sowieso immer um das gleiche Blabla handelt.

„MAN Compliance“ und was Korruption in der Gegenwart bedeutet:

Vor ein paar Jahren kam die Staatsanwaltschaft in unser Werksgelände und nahm etliche Beweise zwecks der damaligen Korruptionsvorwürfe in Beschlag. Seit dem wird ständig etwas zum Thema Korruption unter dem Titel „MAN Comliance“ vor allem im Intranet veröffentlicht. Man oder besser gesagt die MAN will ihr Image reinwaschen und dafür sorgen, dass nicht irgendwelche Mitarbeiter_innen die MAN wieder unter Korruptionsverdacht geraten lassen. Doch es geht hier vor allem um den Umgang mit externen Personen und wohl auch um eine Vorsichtsmaßnahme, dass die MAN eben nicht mehr so schnell unter Verdacht gerät.
Ganz anders sieht es da schon intern aus. Was in letzter Zeit massiv ausartet ist, ist die Korruption bei Betriebsrats und MAN. Seit Kerstin Kuhfahl weit oben im Betriebsrat an der Seite ihres Lebensgefährten Jürgen Dorn mitmischt, geriet die ganze Sache außer Kontrolle – und das nicht erst seit der letzten Betriebsratswahl. Wie wir schon öfters berichtet haben, hat sich Kerstin Kuhfahl ganz ungeniert an die Spitze des Betriebsrats und in den Aufsichtsrat gesetzt und dabei den gesamten Betriebsrat in seiner Arbeit noch mehr geschwächt, als er ohnehin schon war. Jürgen Dorn scheint wohl nichts dagegen zu haben, denn er hat nicht nur nichts dagegen getan bzw. ihr dabei geholfen, sondern sich währenddessen selbst sogar noch ein Amt im Aufsichtsrat des VW-Konzerns gesichert.
Im beruflichen Alltag (vor allem dieser beiden Vorsitzenden) des Betriebsrats sieht das ganze dann so aus: Während die jährlichen Klausuren des Betriebsrats früher noch im Gebäude A47 stattfanden, findet sie jetzt zum Beispiel in Luxushotels am Chiemsee oder in Villen am Starnberger See statt. Natürlich wird dabei unter anderem Hummer gespeist, bevor es dann ein nettes Abendprogramm zur Unterhaltung gibt. Ganz privat und doch beruflich fliegen die beiden auch gerne mal ins Ausland für Sprachreisen, natürlich in die feinsten Hotels. Während unsereins immer mehr dem Druck der Gewinnmaximierung ausgesetzt ist, schwitzen die beiden auch, aber in der Sauna bzw. dem Wellnessbereich des Luxushotels.
Wer zahlt das alles? Die MAN!
Warum tut die MAN das? Eventuell um Versetzungen, Einsparungen und Arbeitsverdichtungen zugestimmt zu bekommen. Vielleicht sogar mehr. Vielleicht ging es auch um die Zustimmung des Betriebsrats zur VW-Übernhame? Vielleicht in Zukunft um weitere Maßnahmen zur Gewinnmaximierung wie dem M1 Projekt und dem wohl angestrebten Einschichtbetrieb in der LKW-Monatge. Das alles wird viele Arbeitsplätze kosten und kann (so hoffen sie es) nur mit Hilfe des Betriebsrats reibungslos ablaufen. Der aber muss erstmal ordentlich geschmiert werden!
Aber aus welchem Grund passiert das ganze erst, seitdem Kerstin Kuhfahl im Betriebsrat mitmischt? Warum Kündigt Jürgen Dorn Mitarbeiter_innen? Wie zum Beispiel zwei junge Assistentinnen, die von ihm rausgeschmissen wurden, wohl weil Kuhfahl Druck auf ihn ausübte. Er bricht mit seiner Familie, mit Mitgliedern im Betriebsrat und nicht zuletzt mit seiner Belegschaft und das alles, seit dem sie da ist! Was hat sie gegen ihn in der Hand? Was will sie damit erreichen?
Ob die beiden auch mehr verdienen, als in ihrer Tätigkeit vor der Zugehörigkeit im Betriebsrat? Erlaubt wäre das nicht. Aber es ist kaum anders vorzustellen.
Nachdem Dienstbier zurückgetreten war, ist es nun auch der Kollege Remplewski zurückgetreten. Beide wohl zu gefährlich geworden für die beiden im Vorstand, nur weil sie ihre Meinung zu laut geäußert haben.

Wir werden der Sache auf den Grund gehen und fordern den gesamten Betriebsrat sowie Kerstin Kuhfahl und Jürgen Dorn dazu auf, Stellung zu beziehen!

Wenn ihr weitere Infos habt, dann mailt uns: werkerinfo@riseup.net

Mach mal Pause!

Schnel­ler! Mehr! Und kein Ende der Pro­fit­gier.
Lang­sam geht es aber nicht mehr. Vor allem nicht schnel­ler und auch nicht Mehr. Du bist schon er­schöpft, am Frei­tag am meis­ten. Nur das Wo­chen­en­de kannst du zur Er­ho­lung nutz­ten. Doch auch da hast du Dinge zu er­le­di­gen. Aber es sind nur zwei Tage, Sams­tag und Sonn­tag. Was ma­chen, wenn Sams­tag auch ge­ar­bei­tet wird? Jahre über Jahre ver­ge­hen und es wird schlim­mer. Rente noch weit weg, aber die chro­ni­schen Schmer­zen sind schon lang­sam zu spü­ren. Oder sie sind schon längst da.
Wer be­zahlt dir das? Ein ka­put­ter Kör­per. Ist der über­haupt zu be­zah­len? Wenn es eine Summe geben würde, dann wäre sie so hoch, dass kein_e Ar­beit­ge­ber_in sie je be­zah­len könn­te. Dein Kör­per geht ka­putt! Und kein Geld der Welt kann das wie­der gut ma­chen. Kein Mensch hat das Recht dir das an­zu­tun! Doch die Kol­le­gen/Kol­le­gin­nen ner­ven zum Teil wie Chefs: „Schnel­ler! Schnel­ler!“.
Dann mach trotz­dem lang­sam, nutz die Takt­zeit voll aus (oder auch mal mehr). Mach mal Pause!
Denn du hast es dir ver­dient!

Blick über den Tellerrand

Aufstand in Bosnien
Die Transformation bedeutet für das Proletariat in Osteuropa Verarmung. Die Streiks und Proteste in Bulgarien und Rumänien und die vielen Kämpfe um nicht bezahlte Löhne in Kroatien und Serbien zeigen, dass die Leute das nicht mehr hinnehmen wollen. Mit dem Aufstand in Slowenien, dem »entwickelsten« ex-jugoslawischen Land und ehemaligen eu-Modellstaat, kam die Transformation an ihr Ende.1 Nun überwinden auch die Leute in Bosnien-Herzegowina (bih) ihr Nachkriegstrauma.
Hinter dem dreitägigen Aufstand im Februar steht eine Arbeiterklasse, die sich oft und auch im Krieg trotz der nationalistischen Propaganda internationalistisch und widerständig verhalten hat. Dass sich die Leute nicht mehr in Muslime (»Bosniaken«), Serben und Kroaten spalten lassen, ist für die EU, den IWF und die nationale Bourgeoisie eine ernsthafte Gefahr.

Den gesamten Text findet ihr HIER

Schreibform mit Unterstrich

Wie euch schon aufgefallen ist, benutzen wir z.B. die Schreibform mit Unterstrich, mit der weiblichen Endung _in. Damit beziehen wir die weibliche Form bei sonst nur männlichen Formen von Wörtern mit ein. Das heißt z.B. „Arbeiter_in“. Hier ist der Arbeiter sowie die Arbeiterin gemeint. Da es aber auch Menschen gibt, die – aus welchem Grund auch immer – nicht in eine Geschlechterform eingliedert werden wollen oder können, benutzten wir für diese auch den Unterstrich.

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SOMMERURLAUB – genießt ihn und kommt erholt zurück :-)

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Wie gewohnt könnt ihr uns mailen: werkerinfo@riseup.net
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