Ausgabe 19/2014

Servus liebe Kollegen_Kolleginnen,
Wir hoffen ihr hattet einen erholsamen Urlaub und könnt noch ein bisschen ausharren. Denn nach dem Sommerurlaub, ist vor dem Weihnachtsurlaub und der ist nicht zu lang entfernt. Und in der Zwischenzeit tut sich auch wieder einiges.
Kaum aus dem Urlaub zurück, klatscht man uns diese „Ordnungsfibel“ auf den Tisch, die wir auch noch unterschreiben sollen. Damit bekommen wir nun endgültig das selbe Arbeitsklima wie in chinesischen Discountfabriken. Der Betriebsrat hat dem ganzen natürlich mal wieder ohne auch nur zu murren zugestimmt und uns somit endgültig der Abmahnungs- und Kündigungswelle ausgesetzt. Weder essen darf man, noch darf man telefonieren oder Musik per Kopfhörer hören und unsere Arbeitskleidung sollen wir auch noch mit stolz tragen.Wer das nicht einhält, droht mächtig ärger zu bekommen, denn wer unterschrieben hat, hat sich freiwillig dieser Frechheit ausgesetzt und damit auch der Bestrafung bei Nichteinhaltung. Aus eben diesen Gründen wollen wir ausdrücklich darauf hinweisen, dass ihr unbedingt einen Rechtsschutz (nicht von der IG-Metall!) haben solltet! Unterschreibt niemals solch eine Scheiße, ohne mit einem Anwalt_einer Anwältin gesprochen zu haben! Damit gleich weiter mit diesem unangenehmen Thema. Die Kündigungswelle geht ununterbrochen weiter. Wie viele schon eine Kündigung erhalten haben ist uns nicht ganz klar. Es sollen nur diese Jahr über 150, vielleicht sogar 200 Mitarbeiter_innen betroffen sein. Da uns von Lügengeschichten der Personalabteilung vor Gericht bekannt ist, bitten wir euch bei Verhandlungen evt. sogar Kollegen_Kolleginnen mitzunehmen, falls dies nötig ist. Es kann alle treffen, also seid solidarisch miteinander!
Aus hohen Betriebsratskreisen haben wir die Info erhalten, dass Betriebsrat und MAN-Vorstand an einem Plan für einen generellen Einschichtbetrieb in der LKW-Montage in unserem Werk in München arbeiten. Haltet also Augen und Ohren offen und legt euch eine Rechtsschutzversicherung zu! Zudem muss auch damit gerechnet werden, dass auch andere Werke mit massiven Einsparungen zu rechnen haben, wenn sich auch 2015 nichts massiv an den Auftragseingängen ändert. Und genau das ist nicht zu erwarten, denn allein der Konflikt mit Russland hat zu einem enormen Auftragsrückgang geführt. Das heißt konkret, dass Steyr und Salzgitter in Kurzarbeit gehen und wohl auch unser Werk bald betroffen sein wird. Der Betriebsrat meint mal wieder auf die Betriebsversammlung verzichten zu können und stellt stattdessen gleich mal die „Erfolgsmeldung“ ins Intranet, dass alle die in Kurzarbeit gehen, 90% ihres Gehalts bekommen werden. Natürlich ist die Aufstockung wichtig und richtig, aber die Art und Weise wie der Betriebsrat mal wieder die ganze Sache angeht ist alles andere als transparent. Wir werden hingehalten und wie wir es die letzten Jahre immer gesagt haben, jede Krise -ob wirkliche Krise oder nicht- ist eine Chance für die Unternehmen, ohne großen Gegenwind Personal abzubauen.
Wenn es auch keine Betriebsversammlung gab, gibt es trotzdem etwas zu berichten. Persönlich angeordnet wurde, dass die Betriebsräte bei Witzen von Kerstin Kuhfahl zu lachen haben. Auch probt das Königspaar fleißig vorm Spiegel, damit sie auf jeden Fall gut rüber kommen. Wenn das mal nicht wieder zeigt, wie lächerlich der ganze Haufen ist.
Fortsetzung folgt weiter unten!

Die ewige Krise
Ist der Gewinn nicht ständig um mehr als 1,5 Prozent steigend, so spricht man schon von einer Krise, auch wenn Gewinn da ist oder sogar steigt. Das ist kapitalistischer Wahnsinn, denn ständiger Gewinn ist unmöglich. Gerade in den letzten 20 Jahren werden aufgrund von immer liberaleren Märkten weltweit und dem immer schneller werdenden Handel, Firmen mehr und mehr zum Spielball von Spekulationen. Aktien werden oft schon in Millionstel Sekunden wieder verkauft und das Geschehen an den Börsen deshalb immer undurchsichtiger. Selbst große Konzerne spekulieren mit ihren Einnahmen und können sich so selbst in den Abgrund katapultieren.
Das Problem an der ganzen Sache ist jedoch, dass wie gesagt, der Gewinn ständig steigen muss. Spätestens zur Aktionär_innenversammlung müssen die Zahlen stimmen, denn spätestens da kann die Aktie nach längerer Zeit ohne spürbaren Erfolg einstürzen. Deshalb muss ein Unternehmen ständig sparen, um den Gewinn wenigstens so zu sichern. In Deutschland hat man das Prinzip des veränderten Marktes früher verstanden und ist mit der Agenda 2010 darauf eingegangen. Deutschland ist mittlerweile das Billiglohnland unter den Industriestaaten schlecht hin. Fallen die gutbezahlten Arbeitsplätze aufgrund der ständigen Personaleinsparungen weg, so können Menschen in geringer bzw. gering bezahlten Arbeitsplätzen eingestellt werden. Viele Firmen stellen aus und die alten Mitarbeiter_innen dann in Subunternehmen wieder ein. Damit lässt sich viel Geld sparen und das bestehende Personal zur Qualitätssicherung (falls man da noch von Qualität sprechen kann) beibehalten. Während auch bei uns in der MAN früher viel mehr Menschen in der Produktion gearbeitet haben, sind es heute viel weniger. Die Arbeitsplätze, die weggefallen sind, sind dafür an anderer Stelle durch Niedriglohn und Leiharbeit wieder entstanden. Wie weit sich die „Hauptsache Billig“ Spirale noch nach unten drehen lässt wird sich zeigen. Bisher läuft alles nach Plan für Staat und Kapital, doch wie siehts aus, wenn all die Billigverdiener_innen mal in Rente gehen werden und die Rente nicht reicht? Dann muss der Staat zahlen und Deutschland hat von allen Euro-Staaten die meisten Schulden. Und was ist, wenn die privaten Riester-Renten-Unternehmen ihr Geld verspekulieren?
Aber den Finger darf man eben nicht nur auf „die da oben“ zeigen, denn wir sind diejenigen, die alles in der Hand haben! Wir sagen wieder und wieder: Solidarität ist unsere Waffe! Es gibt ein Leben auch ohne Staat und Kapital. Wir können das Boot ganz schnell in eine andere, in eine soziale, gerechte und freiheitliche Richtung schwenken. Wir müssen es nur tun, wir müssen uns nur Organisieren!

Ich habe einen Traum…
…eines Tages arbeiten wir nicht mehr für irgendwelche Chefs und den Kapitalismus. Die Lohnarbeit wurde abgeschafft, die Arbeit ist jetzt gemeinnütziges Gut. Wir leben solidarisch und frei. Wäre das nicht schön?
Aber ich hör sie schon schwätzen, die Systemtreuen. Und ich meine damit noch nicht mal die Herrschenden bzw. die, die es werden wollen. Ich meine all die Neider und Pessimisten. All die, die nicht nur dem Glück anderer im Weg stehen wollen, sondern auch dem eigenen. All diejenigen, die zu Hunden erzogen wurden und ihr kleines Häufchen Elend namens Familie, Auto und Haus/Wohnung, also all ihren auf Egoismus erworbenen, kleinen Besitz vehement gegen jede kleine Veränderung absichern wollen. Nicht, dass ich was gegen Familien oder die eigenen vier Wände habe. Aber nicht so, wie es Gegenwärtig praktiziert wird. Der Kapitalismus hat uns zu Einzelkämpfern gemacht, wir sollen uns gegen die Anderen immer und überall durchsetzen und uns mit materialistischen oder anderen Konsumgütern „glücklich“ machen. Was für ein beschissenes Dasein auf diesem wundervollen Planeten.
Deshalb träume ich weiter von einer anderen Gesellschaft, einer anderen Welt. Wenn wir nur endlich anfangen frei zu denken und nicht zulassen, dass die in Schule und Medien vorgegebene Propaganda unsere Gedanken einschränkt. Wenn wir die Gesetze der Herrschenden nicht mehr akzeptieren, sondern stattdessen auf unser Gewissen und unseren Menschenverstand setzen und solidarisch zusammen leben. Wenn wir nicht mehr Schrott für die ewige Gewinnmaximierung, sondern qualitativ und umweltbewusst produzieren, sodass auch die nächsten Generationen was davon haben. Wenn wir nicht mehr nur an uns selbst denken und die Ellbogengesellschaft weiter am leben erhalten, sondern stattdessen teilen und helfen. Und wenn wir nicht mehr solche Individualisten sind, dass wir nicht mehr einsam durchs Leben gehen.
Es ist mehr nötig als zu träumen, um diese Gesellschaftsform zu erreichen. Aber wenn ich nicht träume, habe ich nichts wofür ich kämpfen kann. Also träume ich, genauso wie es viele tun. Ich versuche durch mein tägliches handeln die Welt um mich herum auf diese Art zu beeinflussen, bis der Moment kommt, an dem wir in den Fabriken, Stadtteilen und Häusern selbst entscheiden, wie unsere Zukunft aussehen soll.
Es lebe die Utopie – die Utopie leben!

Comp… was?
Compliance heißt das und darüber haben wir schon das letzte mal geschrieben. Ja lieber Betriebsrat, wir haben über eure Korrupten Strukturen geschrieben und sind noch nicht fertig! Aber wo fängt man da nur an? Vielleicht beim Auto vom König Dorn: Wie kann es sein, dass Jürgen Dorn ein Auto fährt, dass ein Werkswagen von Audi ist? „IN-AU-…“ steht auf dem Kennzeichen und das riecht erbärmlich nach Käuflichkeit. Bei der letzten Betriebsversammlung hat er den Astalosch auch noch so gefeiert, dass er gleich mit seiner Lebensgefährtin und deshalb ebenfalls Betriebsratsvorsitzende, sowie ausgewählten Betriebsräten, bei dessen Abschiedsessen eingeladen war. Und wenn wir schon dabei sind, warum machen die beiden denn einen LKW- und Busführerschein? Um seine Fahrkünste zu beweisen, wurde dann zum Weißwurstfrühstück eingeladen, natürlich alles auf MAN Kosten. Wiederrum andere Betriebsräte holen eine_n Verwandte_n nach der_dem anderen in die MAN und geben denen auch noch die schönsten Arbeitsplätze. Da sollen doch lieber die Alten mit Behinderungen weiter am Band leiden, als dass Kinder und Neffen_Nichten an den Bändern schwitzen müssen, wie alle anderen auch. Da haben wir also z.B. Geldwerter Vorteil, Unerlaubter Geschenkempfang und familiären Vorteil.
Meint ihr nicht, dass es jetzt endgültig reicht? Wir würden euch sowieso nichts glauben, auch wenn ihr euch mal zu diesem Thema zu Wort melden würdet. Ihr seid Verräter_innen und das einzige was wir wollen, ist eurer Abgang! Wir werden auch noch herausfinden, wie Jürgen Dorn an seinen Aufsichtsratsplatz im VW-Konzern gekommen ist, was er dafür tun bzw. zusagen musste und was er im Gegenzug erhalten hat. Dann wird er endgültig fallen und seine Lebensgefährtin gleich mit! Keine Gerechtigkeit – keinen Frieden!

Blick über den Tellerrand

Fordstreik 1973
Wir haben euch HIER einen längeren Text über den Ford Streik in Köln 1973 zur Verfügung gestellt. In diesem Text schreiben Leute die dabei waren, wie es zu dem wilden Streik kam, wie er verlief und wie er beendet wurde. Sehr Interessant und Leherreich.

Unabhängige Betriebsgruppe AmperKlinikum Dachau
Weil Gesundheit uns alle angeht und viele im Raum Dachau wohnen, HIER nochmal die Internetseite der Betriebsgruppe. Die Neuigkeiten lesen lohnt sich!

Fortsetzung:
Die Lage in der MAN scheint sich nun unwiderruflich zum schlechten zu Verändern. Der Betriebsrat hat mit der Zustimmung zur Übernahme durch den VW Konzern und seiner Arbeitsplatzpolitik alles dazu beigetragen, dass Mitarbeiter_innenrechte weiter abgeschafft werden konnten und der VW Konzern, wie gewünscht seinen Gewinn maximieren konnte. Auch für uns als „Werkerinfo“-Kollektiv hat sich somit einiges verändert. Aus verschiedenen Gründen, die wir hier aber nicht aufzählen wollen, beenden wir unsere Intervention im MAN Geschehen. Wir haben längere Zeit darüber nachgedacht und sind dann aber einstimmig zu dieser Entscheidung gekommen. Wir können das Aufatmen einiger Betriebsräte schon hören, aber genauso die Enttäuschung unter den vielen Leser_innen. Wir bedauern es sehr, dass wir unsere Arbeit nicht weiter fortsetzen können, aber es liegt eben auch nicht nur an uns, ob sich in der MAN was zum Guten verändert oder nicht.
Wir bedanken uns also an dieser Stelle für all die Unterstützung und Solidaritätsbekundungen! Wir danken allen, die uns beim verteilen geholfen haben. Und vor allem allen, die uns mit Infos gespeist haben und damit diese Betriebszeitung zu einem Blatt gemacht hat, dass unsere Stimmen vereint hat.
Es gibt bereits Interesse für ein Nachfolgeprojekt, wenn ihr mitmachen wollt bzw. weiterhin Infos habt, dann könnt ihr erstmal weiterhin uns anschreiben. Wir halten euch dann per Mail auf den neuesten Stand der Dinge, ob es das Nachfolgeprojekt wirklich geben wird und wie ihr die Leute erreicht.
Wir wünschen euch allen alles Gute.

Mach mal Pause!
Schnel­ler! Mehr! Und kein Ende der Pro­fit­gier.
Lang­sam geht es aber nicht mehr. Vor allem nicht schnel­ler und auch nicht Mehr. Du bist schon er­schöpft, am Frei­tag am meis­ten. Nur das Wo­chen­en­de kannst du zur Er­ho­lung nutz­ten. Doch auch da hast du Dinge zu er­le­di­gen. Aber es sind nur zwei Tage, Sams­tag und Sonn­tag. Was ma­chen, wenn Sams­tag auch ge­ar­bei­tet wird? Jahre über Jahre ver­ge­hen und es wird schlim­mer. Rente noch weit weg, aber die chro­ni­schen Schmer­zen sind schon lang­sam zu spü­ren. Oder sie sind schon längst da.
Wer be­zahlt dir das? Ein ka­put­ter Kör­per. Ist der über­haupt zu be­zah­len? Wenn es eine Summe geben würde, dann wäre sie so hoch, dass kein_e Ar­beit­ge­ber_in sie je be­zah­len könn­te. Dein Kör­per geht ka­putt! Und kein Geld der Welt kann das wie­der gut ma­chen. Kein Mensch hat das Recht dir das an­zu­tun! Doch die Kol­le­gen/Kol­le­gin­nen ner­ven zum Teil wie Chefs: „Schnel­ler! Schnel­ler!“.
Dann mach trotz­dem lang­sam, nutz die Takt­zeit voll aus (oder auch mal mehr). Mach mal Pause!
Denn du hast es dir ver­dient!

Schreib­form mit Un­ter­strich
Wie euch schon auf­ge­fal­len ist, be­nut­zen wir z.B. die Schreib­form mit Un­ter­strich, mit der weib­li­chen En­dung _in. Damit be­zie­hen wir die weib­li­che Form bei sonst nur männ­li­chen For­men von Wör­tern mit ein. Das heißt z.B. „Ar­bei­ter_in“. Hier ist der Ar­bei­ter sowie die Ar­bei­te­rin ge­meint. Da es aber auch Men­schen gibt, die – aus wel­chem Grund auch immer – nicht in eine Ge­schlech­ter­form ein­glie­dert wer­den wol­len oder kön­nen, be­nutz­ten wir für diese auch den Un­ter­strich.

Kontakt
Wir sind erstmal weiterhin (wenn auch seltener) über die Adresse werkerinfo@riseup.net erreichbar.
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