Die Mitarbeiter_innenzeitung „Werkerinfo“ des MAN-Werk München
Eine Analyse nach über 4 Jahren Fabrikintervention

Nach dem Aus der unabhängigen Mitarbeiter_innenzeitung „Werkerinfo“ möchten wir noch einmal die letzten 4 Jahre Revue passieren lassen, unser Engagement kritisch Hinterfragen und andere dazu ermutigen, aktiv zu werden.

Die Idee
Als ein Kollege, der von BMW kam erzählte, dass es dort eine Mitarbeiter_innenzeitung gibt, die die Arbeiter_innen sofort nach dem Verteilen lasen und untereinander weiter gaben, kam die Idee zum ersten mal auf. Also private Kontakte genutzt und versucht an eine Ausgabe zu kommen. Wir merkten schnell, warum die Zeitung so beliebt war. Denn die Infos, die da drin standen, waren wohl aus erster Hand von einigen Leuten aus dem Betriebsrat. Da war die Ernüchterung natürlich sofort zu spüren, denn niemand von uns konnte solche Informationen aus erster Hand -und vor allem das noch regelmäßig- einholen. Doch irgendwie wollte niemand ganz von der Idee loslassen. Und so entschlossen wir uns, eine Zeitung zu machen, die sowohl (bestenfalls) alle über die Missstände der jeweiligen Hallen informiert, andererseits auch einfach den Frust rauslassen sollte. Aber sie sollte nicht allein unser Werk sein, sondern eine Zeitung von und für alle. Alle sollten sich ermutigt fühlen aktiv zu werden, egal ob durch Infos bzw. eigene Texte oder durch das Verbreiten der Zeitung.

Der Anfang
…ja der Anfang ist wohl immer das Schwierigste. Ideen haben wir alle viele, aber sie umzusetzen erfordert etwas Mut und wirklichen Willen das auch zu tun, was man vor hat. Wir waren Kollegen_Kolleginnen, die sich schon vorher kannten und bei denen klar war, dass wir ähnlich dachten. Jede_r nahm die Mitarbeiter_innenzeitung von BMW mal mit nach Hause um sie zu lesen. Einer konnte sogar erfahren, dass es auch bei MAN mal Widerstand gegen die damaligen Baracken gab, in denen einige Arbeiter_innen wohnten. Wir beschlossen uns also nun endlich aktiv werden zu wollen und überlegten uns ein kleines Konzept, welche Infos wir reinstellen wollen, wie die Zeitung aussehen soll und wie wir auftreten wollen.
Schnell war klar, dass wir keine Infos hatten, wie die MAN damit umgehen würde und so sagten wir erstmal anonym bleiben zu wollen, nicht dass es dann mächtig Ärger gibt. Denn, dass es in der MAN keine wirkliche Meinungsfreiheit gibt, war uns schon lange klar. Außerdem gab es dann auch noch die aktionistischen Gedanken, die von wilden Streiks, auch wenn das noch Utopie zu sein schien.
Uns gefiel von Anfang an auch der Gedanke, dass es eine Druckausgabe sein soll, die die Kollegen_Kolleginnen untereinander weiter geben und darüber an den Arbeitsplätzen diskutieren. Über eine Internetseite haben wir nur nachgedacht, aber es war klar, dass wir Druckausgaben brauchten, die vor den Toren verteilt werden sollen. Nur eine Emailadresse soll den Kontakt zu uns schaffen, so können wir als auch unsere Unterstützer_innen anonym bleiben. Nur noch ein einfaches Logo ausdenken, um den Wiedererkennungswert zu steigern und es kann losgehen.
Die erste Ausgabe wurde von uns heimlich während der Arbeitszeit an den Pausenplätzen, an den Bändern verteilt und auf die Reaktion sehnsüchtig bis zur Pause gewartet. In allen Abteilungen waren große Fragezeichen in den Gesichtern zu sehen, manche sprachen schnell von Propaganda (negativ gemeint), andere wollten sich das erstmal durchlesen, denn schließlich sei es ja „von Kollegen“.
Wir haben es geschafft, die erste Ausgabe war unter die Mitarbeiter_innen gebracht worden und unbedingt mussten wir nachlegen, um im Gedächtnis zu bleiben. Nach der zweiten Ausgabe merkten wir, dass es langfristig eine große Gefahr für uns darstellt, falls wir die Zeitungen weiterhin selbst im Werk verteilen sollten. Bei der ersten Ausgabe machte uns die Freude wohl weniger sensibel für dieses Problem. Also beschlossen wir, von außerhalb Hilfe fürs verteilen zu holen. Das war nicht leicht, denn mussten zu den Zeiten (bei Schichtwechsel zwischen Früh- und Spätschicht) doch die Meisten selbst arbeiten. Aber irgendwie klappte dann doch alles.

Die Kollegen_Kolleginnen
Nach nur wenigen Ausgaben kamen erste Mails mit meist freudigen Inhalten und Solidaritätsbekundungen, sogar aus anderen Werken. Auch ein paar weniger freundliche Mails waren dabei, die wir freundlich beantworteten, aber nicht weiter ernst nahmen, weil es eh nur Argumentationslose Pöbeleien waren – was soll´s, wir wurden wahrgenommen.
Mit einigen der Kollegen_Kolleginnen hatten wir dann bis zum Schluss Kontakt, ob aus München oder anderen Werken. Wir bekamen Infos oder tauschten uns einfach aus, einige wollten auch einfach nur bisschen über ihre Situation schreiben und Tipps bekommen. Wir entschlossen uns aufgrund der immer größer werdenden Arbeit übers Internet, eine Internetseite einzurichten, damit wir Texte und Infos jederzeit zugänglich machen können. Mit der Internetseite konnten wir dann auch endgültig sehen, wie hoch das Interesse an der Zeitung ist. Zum zweiten Streikaufruf stieg die Zahl der Klicks auf fast 2000(!) im Monat und blieb in den Monaten nach dem Streik auf einem konstant hohem Wert. Das war natürlich überragend, denn das Verteilen vor den Toren und die Aufkleber im Werk zahlten sich nun endgültig sichtbar aus.
Aber nicht nur im Web bekamen wir das Interesse der Kollegen_Kolleginnen zu Gesicht, sondern auch im Werk und vor allem auch bei unserer Recherche. Mitarbeiter_innen kopierten eigenmächtig in den Meisterbüros Flyer und entfernten sich von ihrer betriebsratsfreundlichen Meinung. Andere wiederum ließen uns auch Brisante Infos aus erster Hand zukommen. Es waren eben genau die Infos, von denen wir dachten, sie nie bekommen zu können. Dafür danken wir hier nochmals ausdrücklich allen „Lecks“ im sonst dichten und intransparenten Betriebsrat!
Ansonsten arbeiteten wir unauffällig mit unseren Kollegen_Kolleginnen an den Arbeitsplätzen zusammen, ohne dass die was von all dem wussten. Diskutiert haben wir trotzdem gern, denn gemeckert wird ja fast immer und überall, wenn es um die Arbeit geht. Das diskutieren haben wir uns dann nicht nehmen lassen und dazu haben wir ja auch immer aufgerufen.

Linke Gruppen/ andere Betriebsgruppen
Mit der Zeit haben wir auch Mails von linken Gruppen bzw. anderen Betriebsgruppen außerhalb der MAN bekommen, und sind mit manchen in regelmäßigem Kontakt geblieben. Wirkliches Interesse bestand aber eher bei anderen Betriebsgruppen, als bei irgendwelchen Linken. Mehr als Austausch und eine Rede bei einer linksradikalen 1. Mai Kundgebung in München gab es allerdings nicht. Das liegt wohl daran, dass wir dann doch zu weit weg voneinander sind, um uns bei unserer eigenen täglichen Auseinandersetzung mit den herrschenden Verhältnissen in den jeweiligen Betrieben zu helfen. Und ist man in einem Unternehmen nur Beschäftigte_r, so muss man nicht nur aufpassen, dass man bei all dem Stress selbst unter die Räder kommt, sondern auch, dass man noch bei den Kollegen_Kolleginnen Interesse weckt und sie zum Kampf ermutigt. Es ist unserer Meinung nach aber auch nicht so wichtig, ständig alles von anderen Betriebsgruppen zu erfahren, denn die meiste Zeit ist nicht viel aufregendes geboten. Dafür finden wir es umso wichtiger, den eigenen Alltag als einen Revolutionären Moment wahr zu nehmen. Ab und zu die Kollegen_Kolleginnen auf Missstände aufmerksam machen, Zusammenhänge erklären und Lösungsvorschläge in die Diskussionen einbringen, das ist unserer Meinung nach der Weg zur sozialen Revolution.
So manche kommunistischen Gruppen glauben allerdings immer noch, mit 30er Jahre Ästhetik und für die Meisten alltagsfremden/uninteressanten Themen, die „Arbeiterklasse“ zur Revolution diktieren zu können. Zwar haben wir gehört, dass selbst von den unermüdlichen Verteiler_innen solcher Flyer schon einige mitbekommen haben, dass deren Flyer kaum wen interessieren, trotzdem wird nicht ernsthaft hinterfragt, warum das so ist.
Auch die FAU -deren Ansichten wir teilen- zeigte kam ernsthaftes Interesse. Deshalb beschlossen wir erstmal weiter unseren Weg zu gehen und nur im Falle einer Kandidatur zur Betriebsratswahl auf die FAU zuzugehen. Weitere Gruppen, vor allem aus dem linksradikalen Spektrum meldeten sich überhaupt nicht bzw. interessieren sich auch überhaupt nicht ernsthaft für die Belange der arbeitenden Klasse, selbst wenn sie Worte wie „Klassenkampf“ unzählige male in ihren Aufrufen stehen haben. Und gerade wegen der leider oftmals nur sehr theoretischen Auseinandersetzung mit dem Alltag der Menschen, haben wir von unserer Seite aus nicht den ersten Schritt für eine Zusammenarbeit gewagt.

Der Betriebsrat
Zurück in den Konzern der MAN bzw. Volkswagen-AG. Der Betriebsrat hat sich uns gegenüber völlig desinteressiert gezeigt, auch wenn der Vorstandsvorsitzende einmal indirekt uns auf der Betriebsversammlung ansprach. Aus verschiedensten Quellen wissen wir aber, dass nach uns gesucht wurde. Wir waren mit der Zeit nicht nur ein ernsthaftes Problem für die Korrupte Bande geworden, sondern auch für das gesamte Werk. Doch es schien so, als hätte MAN dem Betriebsrat die Schuld für unseren Aufruhr in die Schuhe geschoben. Denn die einzigen, die nervös waren, waren die Betriebsräte, allen voran die Vorsitzenden und nicht irgendwelche höheren Tiere der MAN. Es verwundert uns allerdings, dass keine_r der Betriebsräte die Chance ergriff und sich von der IG-Metallliste loslöste. Trotz offenen Brief und Mails an alle Betriebsräte, trotz offen erteiltem Maulkorb von den Betriebsratsvorsitzenden, trotz der Wahrheit, die durch uns Massenweise ans Tageslicht kam und trotz des spürbaren Unmuts der Beschäftigten, hatte keine_r den Mut, sein Maul aufzumachen! Aber sie konnten wenigstens nur mit größerem Aufwand den längst überfälligen Zerfall des bestehenden Betriebsrats verhindern.
Der Betriebsrat gehört aufgelöst und es darf keine Mehrheit für Gewerkschaften wie die IG-Metall mehr geben! Habt den Mut und macht eine eigene Liste zum Wohle der gesamten Belegschaft! Es müssen unbedingt auch funktionierende Vertrauenskörperstrukturen aufgebaut werden! Vertrauenskörper, die nur in den Abteilungen und jeweiligen Schichten selbst gewählt werden, sich regelmäßig treffen und mit dem Betriebsrat eng zusammen arbeiten, aber nicht von ihm beeinflusst werden.

Das Unternehmen
Bis auf das ständige Entfernen von Aufklebern und der Internetadresse auf den Toiletten, ist uns nichts bekannt. Wie oben geschrieben denken wir, dass die MAN dem Betriebsrat die Schuld für die Unruhe in die Schuhe geschoben hat. Denn der Betriebsrat soll uns ruhig stimmen und dem Unternehmen einen reibungslosen Betriebsablauf garantieren.

Unser Alltag am Arbeitsplatz
Der Alltag beginnt schon alleine mit dem ständigen in die Arbeit kommen, was nur von Wochenenden, Urlaub oder Krank machen unterbrochen wurde. So tristlos das klingen mag, aber das war es leider auch, bis man dann wieder seine Kollegen_Kolleginnen traf. Neben den Blödeleien, die man trotz des hohen Arbeitstempos noch miteinander machen konnte, kamen auch etliche gute Diskussionen zu Stande. Auch wenn es sich manchmal wie eine Kassette in Endlosschleife anhörte, mit dem Vorleben des gesagten, kam es bei einigen dann doch zum Aha-Effekt. Viel darf man dann allerdings nicht erwarten, denn zu sehr stoppt die Angst vor dem Verlust des Erreichten (regelmäßiges, überdurchschnittliches Gehalt/ Auto/ Haus/ ect.), den Mut zur Auflehnung und der Veränderung. Doch wenn sie nicht mehr arbeiten wie hörige Sklaven, dann ist ein Anfang gemacht.
Neben dem normalen Arbeitsalltag in unseren Abteilungen, haben wir uns regelmäßig getroffen um uns auszutauschen und Ideen zu besprechen. Viel diskutieren mussten wir allerdings selten, denn Aufgaben waren nach anfänglichem Ausprobieren nach Lust und Laune verteilt und wurden so recht eigenständig erledigt.
Wir empfehlen allen, die auch eine Betriebsgruppe gründen wollen, sich auch über die eigenen Ängste auszutauschen! Es bringt nichts, sich oder andere zu irgendwas zu zwingen, weder was Aufgaben, noch was Aktionen angeht. Auch allein ist es möglich was zu bewegen, evt. finden sich nach einiger Zeit ein paar ernsthafte Helfer_innen.
Probieren geht über studieren, also nur zu!

Höhepunkte
Höhepunkte waren mit Sicherheit unser zweiter Streikaufruf und die durch uns vorgezogenen Neuwahlen des Betriebsrats.
Wer von uns hätte Anfangs an einen Aufruf zum wilden Streik geglaubt? Es kam einfach der Zeitpunkt, an dem wir dachten, es ist an der Zeit die Leute zum mitmachen aufzufordern und unsere gemeinsame Wut über die Zustände in der MAN den Kampf anzusagen. So wie wir mal begannen unseren Unmut auf praktische Weiße kund zu tun, so wollten wir auch unsere Kollegen_Kolleginnen auffordern, endlich ihren Unmut praktisch zu äußern. Nachdem uns beim ersten Aufruf etwas dämlich anstellten, war klar, dass es ein zweites mal geben muss. Also riefen wir dieses mal viel früher zum „selbstorganisierten Streik“ auf und machten mobilisierend dazu noch die Kampagne „So wie es ist, darf es nicht bleiben!“. Zahlreiche Aufkleber und Flyer machten auf den Streikaufruf aufmerksam und bescherten unserer Internetseite einen Besucher_innenrekord. Schon vor dem ersten Streiktag war der Krankenstand so hoch, dass uns den ganzen Tag ein Lächeln im Gesicht stand. Die ganze Arbeit hat sich gelohnt, die Leute waren wie aufgefordert „krank“ und das gesamte Werk war unterbesetzt, was zu einer sehr hohen Fehlerquote und einem Minus in der Stückzahl führte.
Der zweite Höhepunkt war das Beben das wir auslösten, als wir über Betriebsratsinterne Auseinandersetzungen und Schweinereien berichteten. Wir sprachen aus, was nicht ausgesprochen werden durfte. Wir haben nach dem riesigen Erfolg des wilden Streiks einen weiteren empfindlichen Nerv getroffen. Nachdem ein Maulkorb verhängt wurde, wurden still und heimlich Neuwahlen vorbereitet. Es blieb kaum Zeit um eigene Listen zu machen und die, die eine machen wollten, wurden von Betriebsratsmitgliedern daran gehindert und klein gemacht. Es war eine große Schweinerei, aber nichts anderes war zu erwarten. Die Wahrheit war raus, die Angst im Betriebsrat aber nicht. Anders als bei dem Streik war es nicht die Masse der Arbeiter_innen, sondern einzelne Betriebsräte, die unsere Worte zu einem Beben machten. Denn die Ungewissheit, wer Verräter_in ist und wer nicht, lies die Monarchen an der Betriebsratsspitze zittern. Doch die Chance haben die letzten noch ehrlichen Betriebsräte verpasst und so konnten die wahren Verräter_innen wieder einmal ungeschoren davon kommen.
Diese kurzen Augenblicke der Unkontrollierbarkeit waren Zeichen dafür, dass es nur wen braucht, der_die den Mut hat, einen Weg zur Lösung aufzuzeigen und ihn gemeinsam gehen zu wollen.

Was lief gut?
Nach all den Erzählungen braucht es unserer Meinung nach keine weiteren Beispiele oder Aufzählungen mehr über unsere Arbeit. Wir wollen viel mehr klar machen, dass wir uns stetig selbst reflektiert haben und versucht haben unsere Lehren zu ziehen. Dazu zählte neben dem internen Austausch auch das lesen anderer Zeitungen, Zeitschriften und Internetseiten, sowie das durchstöbern alter Texte rund um das Thema Arbeit(skämpfe). Das wichtigste was wir gelernt haben ist, dass wir keine Forderungen mehr stellen dürfen. Denn damit akzeptiert man die Herrschenden als solche an und versucht mit ihnen eine gemeinsame Lösung zu finden. Diese wird aber nie zum Wohle der Arbeiter_innen sein. Das ist alleine schon an Gewerkschaften wie der IG-Metall zu sehen, deren Kompromisse nie zu wirklich guten Verhältnissen führen wird. Der Kapitalismus braucht seine Knechte und er braucht stetigen Gewinn. Gibt es keinen Stetigen Gewinn, so steht er schon in der Krise. Wo soll da noch Platz für die Menschen sein, die für diesen ewigen Durst nach Gewinnmaximierung schuften müssen?
Wer Forderungen stellt, wird krumme Kompromisse und Gegenforderungen bekommen. Wer Forderungen stellt, provoziert damit eine Spaltung und damit Verlust der Einheit und Kraft der kämpfenden Bewegung. Für unser Ziel, eine solidarische und befreite Gesellschaft aufzubauen, bedarf es keine Kompromisse, sondern nur unseren geschlossen Willen, diese Utopie Wirklichkeit werden zu lassen!

Was lief schlecht?
Wir haben auch Fehler gemacht, doch es ist im Nachhinein schwer zu sagen, was in so manchen Situationen das Richtige gewesen wäre. Was uns am meisten beschäftigte, waren und sind eigentlich folgende Themen:
-Hätten wir offener sein sollen? Wir wussten, dass wir anonym bleiben mussten, doch bei einem regelmäßigen, offenen Treffpunkt hätte es gereicht, wenn immer eine_r von uns dagewesen wäre, ohne sich zu outen. Damit wäre ein Austausch möglich gewesen, auch wenn dieser von MAN und Betriebsräten sicherlich ausspioniert worden wäre. Das wäre wohl auch einladender als ein Internetforum gewesen, welches wir geplant haben und das wenigstens mehr Anonymität vermittelt hätte. Doch wie viele hätten sich beteiligt? Das bleibt für uns eine Frage, die nicht mehr zu beantworten ist, aber derer sich andere stellen sollten.
-Ebenfalls war es ein Fehler, dass keine Druckausgaben mehr verteilt wurden. Das lag zum einen daran, dass uns die praktische Unterstützung immer mehr fehlte. Zum anderen lag es aber auch daran, dass wir nach dem zweiten Streikaufruf diese Arbeit keinem_keiner mehr zumuten konnten und wollten. Der Ärger lag in der Luft, eine unangenehme Situation für eine_n Unterstützer_in hätten wir uns nicht verziehen. Das Verteilen ist aber mit das Wichtigste an der ganzen Arbeit! Deshalb im nächsten Abschnitt einen kleine Idee dazu.
-Eine Sache, die nicht an uns lag, aber uns mit der Zeit doch etwas mehr nervte und beschäftigte, als wir wollten: Du kannst schreiben so viel du willst, deine Ideen finden anklang bei so vielen Leuten, nach all dem gemeckere tun die Leute so, als sehnen sie sich nach einer Lösung, doch was bleibt ist Leere. Dass so viele beim wilden Streik mitgemacht haben ist immer noch sehr erfreulich, aber warum danach nicht mehr zustande kam, ist uns ein Rätsel. Haben es doch viele geschafft, dem Streikaufruf zu folgen, doch einen gemeinsamen weiteren Weg wollte dann kein_er gehen. Auf unsere Frage, wie es weiter gehen soll, kamen erstaunlicherweise null(!) Antworten.
Wie bekommt man die Leute dazu, sich aktiv zu beteiligen? Hätten wir mehr über den Gedanken der Autonomen Bewegung oder des Anarchosyndikalismus schreiben sollen? Hätten wir einfach ein offenes Treffen anbieten sollen? Oder ist die Zeit einfach noch nicht reif, bzw. das Elend noch nicht groß genug? Und: Wie viel kann/soll man eigentlich erwarten, wenn man eine Betriebszeitung macht?

Kleiner Tipp für alle Nachahmer_innen
Solltest du bzw. ihr auch gerne den radikaleren Weg des Widerstands in Wort und Tat gehen wollen, dann haben wir einen kleinen Tipp.
Anstatt nur eine eher auf wirklichen Widerstand ausgelegte Mitarbeiter_innenzeitung zu machen, könnte man auch noch eine weniger radikale Variante in den Umlauf bringen, deren Verteilen weit weniger Konsequenzen hat. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass weder beleidigt wird, noch interne Geheimnisse an die Öffentlichkeit gelangen, die zu Schwierigkeiten führen. Ebenfalls sollte zu keinen Unternehmensschädigenden Aktionen aufgerufen werden. Damit wäre der Weg frei, offen verteilen zu können, sowie offene Treffen stattfinden zu lassen. Da du bzw. ihr die Zeitung schreibt, kann sie vom Gedanken her die selbe Botschaft vermitteln wie die subversive Variante, auf die darin natürlich schon aufmerksam gemacht werden darf.
Uns ist diese Idee leider zu spät eingefallen, sonst hätten wir sie wohl selbst verwirklicht.

Zum Schluss
Habt den Mut, etwas zu verändern!
Nichts ist einfach so wie es ist, alles ist so wie es ist, weil Menschen es so machen. Und solange nicht alle Menschen endlich frei Denken und damit selbstbestimmt Leben, solange werden weiterhin wenige herrschen und diktieren. Dann wird weiterhin alles so bleiben wie es ist.
Eine andere Welt ist möglich! Für einen revolutionären Alltag

Werkerinfo 2014