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E-Mails

Die E-Mails werden nur noch sehr unregelmäßig gelesen. Deshalb bitte nichts dringendes an uns schreiben.

Ausgabe 19/2014

Servus liebe Kollegen_Kolleginnen,
Wir hoffen ihr hattet einen erholsamen Urlaub und könnt noch ein bisschen ausharren. Denn nach dem Sommerurlaub, ist vor dem Weihnachtsurlaub und der ist nicht zu lang entfernt. Und in der Zwischenzeit tut sich auch wieder einiges.
Kaum aus dem Urlaub zurück, klatscht man uns diese „Ordnungsfibel“ auf den Tisch, die wir auch noch unterschreiben sollen. Damit bekommen wir nun endgültig das selbe Arbeitsklima wie in chinesischen Discountfabriken. Der Betriebsrat hat dem ganzen natürlich mal wieder ohne auch nur zu murren zugestimmt und uns somit endgültig der Abmahnungs- und Kündigungswelle ausgesetzt. Weder essen darf man, noch darf man telefonieren oder Musik per Kopfhörer hören und unsere Arbeitskleidung sollen wir auch noch mit stolz tragen.Wer das nicht einhält, droht mächtig ärger zu bekommen, denn wer unterschrieben hat, hat sich freiwillig dieser Frechheit ausgesetzt und damit auch der Bestrafung bei Nichteinhaltung. Aus eben diesen Gründen wollen wir ausdrücklich darauf hinweisen, dass ihr unbedingt einen Rechtsschutz (nicht von der IG-Metall!) haben solltet! Unterschreibt niemals solch eine Scheiße, ohne mit einem Anwalt_einer Anwältin gesprochen zu haben! Damit gleich weiter mit diesem unangenehmen Thema. Die Kündigungswelle geht ununterbrochen weiter. Wie viele schon eine Kündigung erhalten haben ist uns nicht ganz klar. Es sollen nur diese Jahr über 150, vielleicht sogar 200 Mitarbeiter_innen betroffen sein. Da uns von Lügengeschichten der Personalabteilung vor Gericht bekannt ist, bitten wir euch bei Verhandlungen evt. sogar Kollegen_Kolleginnen mitzunehmen, falls dies nötig ist. Es kann alle treffen, also seid solidarisch miteinander!
Aus hohen Betriebsratskreisen haben wir die Info erhalten, dass Betriebsrat und MAN-Vorstand an einem Plan für einen generellen Einschichtbetrieb in der LKW-Montage in unserem Werk in München arbeiten. Haltet also Augen und Ohren offen und legt euch eine Rechtsschutzversicherung zu! Zudem muss auch damit gerechnet werden, dass auch andere Werke mit massiven Einsparungen zu rechnen haben, wenn sich auch 2015 nichts massiv an den Auftragseingängen ändert. Und genau das ist nicht zu erwarten, denn allein der Konflikt mit Russland hat zu einem enormen Auftragsrückgang geführt. Das heißt konkret, dass Steyr und Salzgitter in Kurzarbeit gehen und wohl auch unser Werk bald betroffen sein wird. Der Betriebsrat meint mal wieder auf die Betriebsversammlung verzichten zu können und stellt stattdessen gleich mal die „Erfolgsmeldung“ ins Intranet, dass alle die in Kurzarbeit gehen, 90% ihres Gehalts bekommen werden. Natürlich ist die Aufstockung wichtig und richtig, aber die Art und Weise wie der Betriebsrat mal wieder die ganze Sache angeht ist alles andere als transparent. Wir werden hingehalten und wie wir es die letzten Jahre immer gesagt haben, jede Krise -ob wirkliche Krise oder nicht- ist eine Chance für die Unternehmen, ohne großen Gegenwind Personal abzubauen.
Wenn es auch keine Betriebsversammlung gab, gibt es trotzdem etwas zu berichten. Persönlich angeordnet wurde, dass die Betriebsräte bei Witzen von Kerstin Kuhfahl zu lachen haben. Auch probt das Königspaar fleißig vorm Spiegel, damit sie auf jeden Fall gut rüber kommen. Wenn das mal nicht wieder zeigt, wie lächerlich der ganze Haufen ist.
Fortsetzung folgt weiter unten!

Die ewige Krise
Ist der Gewinn nicht ständig um mehr als 1,5 Prozent steigend, so spricht man schon von einer Krise, auch wenn Gewinn da ist oder sogar steigt. Das ist kapitalistischer Wahnsinn, denn ständiger Gewinn ist unmöglich. Gerade in den letzten 20 Jahren werden aufgrund von immer liberaleren Märkten weltweit und dem immer schneller werdenden Handel, Firmen mehr und mehr zum Spielball von Spekulationen. Aktien werden oft schon in Millionstel Sekunden wieder verkauft und das Geschehen an den Börsen deshalb immer undurchsichtiger. Selbst große Konzerne spekulieren mit ihren Einnahmen und können sich so selbst in den Abgrund katapultieren.
Das Problem an der ganzen Sache ist jedoch, dass wie gesagt, der Gewinn ständig steigen muss. Spätestens zur Aktionär_innenversammlung müssen die Zahlen stimmen, denn spätestens da kann die Aktie nach längerer Zeit ohne spürbaren Erfolg einstürzen. Deshalb muss ein Unternehmen ständig sparen, um den Gewinn wenigstens so zu sichern. In Deutschland hat man das Prinzip des veränderten Marktes früher verstanden und ist mit der Agenda 2010 darauf eingegangen. Deutschland ist mittlerweile das Billiglohnland unter den Industriestaaten schlecht hin. Fallen die gutbezahlten Arbeitsplätze aufgrund der ständigen Personaleinsparungen weg, so können Menschen in geringer bzw. gering bezahlten Arbeitsplätzen eingestellt werden. Viele Firmen stellen aus und die alten Mitarbeiter_innen dann in Subunternehmen wieder ein. Damit lässt sich viel Geld sparen und das bestehende Personal zur Qualitätssicherung (falls man da noch von Qualität sprechen kann) beibehalten. Während auch bei uns in der MAN früher viel mehr Menschen in der Produktion gearbeitet haben, sind es heute viel weniger. Die Arbeitsplätze, die weggefallen sind, sind dafür an anderer Stelle durch Niedriglohn und Leiharbeit wieder entstanden. Wie weit sich die „Hauptsache Billig“ Spirale noch nach unten drehen lässt wird sich zeigen. Bisher läuft alles nach Plan für Staat und Kapital, doch wie siehts aus, wenn all die Billigverdiener_innen mal in Rente gehen werden und die Rente nicht reicht? Dann muss der Staat zahlen und Deutschland hat von allen Euro-Staaten die meisten Schulden. Und was ist, wenn die privaten Riester-Renten-Unternehmen ihr Geld verspekulieren?
Aber den Finger darf man eben nicht nur auf „die da oben“ zeigen, denn wir sind diejenigen, die alles in der Hand haben! Wir sagen wieder und wieder: Solidarität ist unsere Waffe! Es gibt ein Leben auch ohne Staat und Kapital. Wir können das Boot ganz schnell in eine andere, in eine soziale, gerechte und freiheitliche Richtung schwenken. Wir müssen es nur tun, wir müssen uns nur Organisieren!

Ich habe einen Traum…
…eines Tages arbeiten wir nicht mehr für irgendwelche Chefs und den Kapitalismus. Die Lohnarbeit wurde abgeschafft, die Arbeit ist jetzt gemeinnütziges Gut. Wir leben solidarisch und frei. Wäre das nicht schön?
Aber ich hör sie schon schwätzen, die Systemtreuen. Und ich meine damit noch nicht mal die Herrschenden bzw. die, die es werden wollen. Ich meine all die Neider und Pessimisten. All die, die nicht nur dem Glück anderer im Weg stehen wollen, sondern auch dem eigenen. All diejenigen, die zu Hunden erzogen wurden und ihr kleines Häufchen Elend namens Familie, Auto und Haus/Wohnung, also all ihren auf Egoismus erworbenen, kleinen Besitz vehement gegen jede kleine Veränderung absichern wollen. Nicht, dass ich was gegen Familien oder die eigenen vier Wände habe. Aber nicht so, wie es Gegenwärtig praktiziert wird. Der Kapitalismus hat uns zu Einzelkämpfern gemacht, wir sollen uns gegen die Anderen immer und überall durchsetzen und uns mit materialistischen oder anderen Konsumgütern „glücklich“ machen. Was für ein beschissenes Dasein auf diesem wundervollen Planeten.
Deshalb träume ich weiter von einer anderen Gesellschaft, einer anderen Welt. Wenn wir nur endlich anfangen frei zu denken und nicht zulassen, dass die in Schule und Medien vorgegebene Propaganda unsere Gedanken einschränkt. Wenn wir die Gesetze der Herrschenden nicht mehr akzeptieren, sondern stattdessen auf unser Gewissen und unseren Menschenverstand setzen und solidarisch zusammen leben. Wenn wir nicht mehr Schrott für die ewige Gewinnmaximierung, sondern qualitativ und umweltbewusst produzieren, sodass auch die nächsten Generationen was davon haben. Wenn wir nicht mehr nur an uns selbst denken und die Ellbogengesellschaft weiter am leben erhalten, sondern stattdessen teilen und helfen. Und wenn wir nicht mehr solche Individualisten sind, dass wir nicht mehr einsam durchs Leben gehen.
Es ist mehr nötig als zu träumen, um diese Gesellschaftsform zu erreichen. Aber wenn ich nicht träume, habe ich nichts wofür ich kämpfen kann. Also träume ich, genauso wie es viele tun. Ich versuche durch mein tägliches handeln die Welt um mich herum auf diese Art zu beeinflussen, bis der Moment kommt, an dem wir in den Fabriken, Stadtteilen und Häusern selbst entscheiden, wie unsere Zukunft aussehen soll.
Es lebe die Utopie – die Utopie leben!

Comp… was?
Compliance heißt das und darüber haben wir schon das letzte mal geschrieben. Ja lieber Betriebsrat, wir haben über eure Korrupten Strukturen geschrieben und sind noch nicht fertig! Aber wo fängt man da nur an? Vielleicht beim Auto vom König Dorn: Wie kann es sein, dass Jürgen Dorn ein Auto fährt, dass ein Werkswagen von Audi ist? „IN-AU-…“ steht auf dem Kennzeichen und das riecht erbärmlich nach Käuflichkeit. Bei der letzten Betriebsversammlung hat er den Astalosch auch noch so gefeiert, dass er gleich mit seiner Lebensgefährtin und deshalb ebenfalls Betriebsratsvorsitzende, sowie ausgewählten Betriebsräten, bei dessen Abschiedsessen eingeladen war. Und wenn wir schon dabei sind, warum machen die beiden denn einen LKW- und Busführerschein? Um seine Fahrkünste zu beweisen, wurde dann zum Weißwurstfrühstück eingeladen, natürlich alles auf MAN Kosten. Wiederrum andere Betriebsräte holen eine_n Verwandte_n nach der_dem anderen in die MAN und geben denen auch noch die schönsten Arbeitsplätze. Da sollen doch lieber die Alten mit Behinderungen weiter am Band leiden, als dass Kinder und Neffen_Nichten an den Bändern schwitzen müssen, wie alle anderen auch. Da haben wir also z.B. Geldwerter Vorteil, Unerlaubter Geschenkempfang und familiären Vorteil.
Meint ihr nicht, dass es jetzt endgültig reicht? Wir würden euch sowieso nichts glauben, auch wenn ihr euch mal zu diesem Thema zu Wort melden würdet. Ihr seid Verräter_innen und das einzige was wir wollen, ist eurer Abgang! Wir werden auch noch herausfinden, wie Jürgen Dorn an seinen Aufsichtsratsplatz im VW-Konzern gekommen ist, was er dafür tun bzw. zusagen musste und was er im Gegenzug erhalten hat. Dann wird er endgültig fallen und seine Lebensgefährtin gleich mit! Keine Gerechtigkeit – keinen Frieden!

Blick über den Tellerrand

Fordstreik 1973
Wir haben euch HIER einen längeren Text über den Ford Streik in Köln 1973 zur Verfügung gestellt. In diesem Text schreiben Leute die dabei waren, wie es zu dem wilden Streik kam, wie er verlief und wie er beendet wurde. Sehr Interessant und Leherreich.

Unabhängige Betriebsgruppe AmperKlinikum Dachau
Weil Gesundheit uns alle angeht und viele im Raum Dachau wohnen, HIER nochmal die Internetseite der Betriebsgruppe. Die Neuigkeiten lesen lohnt sich!

Fortsetzung:
Die Lage in der MAN scheint sich nun unwiderruflich zum schlechten zu Verändern. Der Betriebsrat hat mit der Zustimmung zur Übernahme durch den VW Konzern und seiner Arbeitsplatzpolitik alles dazu beigetragen, dass Mitarbeiter_innenrechte weiter abgeschafft werden konnten und der VW Konzern, wie gewünscht seinen Gewinn maximieren konnte. Auch für uns als „Werkerinfo“-Kollektiv hat sich somit einiges verändert. Aus verschiedenen Gründen, die wir hier aber nicht aufzählen wollen, beenden wir unsere Intervention im MAN Geschehen. Wir haben längere Zeit darüber nachgedacht und sind dann aber einstimmig zu dieser Entscheidung gekommen. Wir können das Aufatmen einiger Betriebsräte schon hören, aber genauso die Enttäuschung unter den vielen Leser_innen. Wir bedauern es sehr, dass wir unsere Arbeit nicht weiter fortsetzen können, aber es liegt eben auch nicht nur an uns, ob sich in der MAN was zum Guten verändert oder nicht.
Wir bedanken uns also an dieser Stelle für all die Unterstützung und Solidaritätsbekundungen! Wir danken allen, die uns beim verteilen geholfen haben. Und vor allem allen, die uns mit Infos gespeist haben und damit diese Betriebszeitung zu einem Blatt gemacht hat, dass unsere Stimmen vereint hat.
Es gibt bereits Interesse für ein Nachfolgeprojekt, wenn ihr mitmachen wollt bzw. weiterhin Infos habt, dann könnt ihr erstmal weiterhin uns anschreiben. Wir halten euch dann per Mail auf den neuesten Stand der Dinge, ob es das Nachfolgeprojekt wirklich geben wird und wie ihr die Leute erreicht.
Wir wünschen euch allen alles Gute.

Mach mal Pause!
Schnel­ler! Mehr! Und kein Ende der Pro­fit­gier.
Lang­sam geht es aber nicht mehr. Vor allem nicht schnel­ler und auch nicht Mehr. Du bist schon er­schöpft, am Frei­tag am meis­ten. Nur das Wo­chen­en­de kannst du zur Er­ho­lung nutz­ten. Doch auch da hast du Dinge zu er­le­di­gen. Aber es sind nur zwei Tage, Sams­tag und Sonn­tag. Was ma­chen, wenn Sams­tag auch ge­ar­bei­tet wird? Jahre über Jahre ver­ge­hen und es wird schlim­mer. Rente noch weit weg, aber die chro­ni­schen Schmer­zen sind schon lang­sam zu spü­ren. Oder sie sind schon längst da.
Wer be­zahlt dir das? Ein ka­put­ter Kör­per. Ist der über­haupt zu be­zah­len? Wenn es eine Summe geben würde, dann wäre sie so hoch, dass kein_e Ar­beit­ge­ber_in sie je be­zah­len könn­te. Dein Kör­per geht ka­putt! Und kein Geld der Welt kann das wie­der gut ma­chen. Kein Mensch hat das Recht dir das an­zu­tun! Doch die Kol­le­gen/Kol­le­gin­nen ner­ven zum Teil wie Chefs: „Schnel­ler! Schnel­ler!“.
Dann mach trotz­dem lang­sam, nutz die Takt­zeit voll aus (oder auch mal mehr). Mach mal Pause!
Denn du hast es dir ver­dient!

Schreib­form mit Un­ter­strich
Wie euch schon auf­ge­fal­len ist, be­nut­zen wir z.B. die Schreib­form mit Un­ter­strich, mit der weib­li­chen En­dung _in. Damit be­zie­hen wir die weib­li­che Form bei sonst nur männ­li­chen For­men von Wör­tern mit ein. Das heißt z.B. „Ar­bei­ter_in“. Hier ist der Ar­bei­ter sowie die Ar­bei­te­rin ge­meint. Da es aber auch Men­schen gibt, die – aus wel­chem Grund auch immer – nicht in eine Ge­schlech­ter­form ein­glie­dert wer­den wol­len oder kön­nen, be­nutz­ten wir für diese auch den Un­ter­strich.

Kontakt
Wir sind erstmal weiterhin (wenn auch seltener) über die Adresse werkerinfo@riseup.net erreichbar.
Inhalte der Internetseite können für unkommerzielle Zwecke genutzt werden. Die Internetseite bleibt weiterhin online.

Ausgabe 18/2014

Servus liebe Kollegen und Kolleginnen,

die Kündigungswelle geht weiter, es sollen mittlerweile weit über 160 Arbeiter_innen vor allem krankheitsbedingt gekündigt worden sein. Wir haben auf dieses Vorgehen der Personalabteilung schon in vergangenen Ausgaben hingewiesen und auch darauf, dass ihr bitte sofort zum_zur Anwalt_Anwältin geht und dagegen klagt. Bis jetzt wurden nach unseren Informationen fast alle Kündigungen gerichtlich wieder zurückgenommen. Auch solltet ihr zur Anhörung durch den Betriebsrat, denn dadurch wird die Chance weiterarbeiten zu können erheblich gesteigert. Das ist auch das einzige, was wir an der Betriebsratsarbeit der letzten Monate positiv heißen können. Ihr müsst dazu kein IG-Metallmitglied werden, auch wenn einige Betriebsräte (vor allem Leo) euch dazu drängen! Der Betriebsrat ist für alle Arbeiter_innen da und nicht im Auftrag der IG-Metall nur für IG-Metallmitglieder.
Gerade sind wieder ein Haufen Azubis mit der Ausbildung fertig geworden. Doch um eine unbefristete Übernahme zu bekommen, müssen sie 75% der Abschlussprüfung schaffen. Vor einigen Jahren hieß es noch, dass alle unbefristet übernommen werden, was schon nach kurzer Zeit durch einen Durchschnitt von 63% erschwert wurde. Nur durch das Nichtwissen der Belegschaft konnte sich der Betriebsrat mal wieder auf der Betriebsversammlung selbst loben. Denn eine solche Verschlechterung der Übernahmebedingungen ist alles andere als ein Fortschritt!
Gerade feiert sich die MAN wieder mal selbst, weil 88% am Stimmungsbarometer teilgenommen haben. Wie beim letzten mal, wollten auch dieses mal die Chefs eine hohe Beteiligung um nicht bei VW ins negative Licht zu rücken. Denn für VW sind die Stimmungsbarometer sehr wichtig, allerdings nur fürs Image um intern, als auch extern ein Bild der Mitbestimmung der Arbeiter_innen zu präsentieren. Verändern wird sich wie immer natürlich nichts. Auch wenn die Segmentleiter_innen den Druck auf uns weiterleiten, solltet ihr in den nächsten Jahren das Stimmungsbarometer boykottieren – denn echte Mitbestimmung sieht anders aus!
Wie ihr eventuell auch mitbekommen habt, wurde auch Scania jetzt komplett von VW gekauft. Das bedeutet also, dass VW ab jetzt komplett über MAN, Scania und VW-Nutzfahrzeuge herrscht und diese Unternehmen nach den eigenen Interessen verwalten kann. Vieles hat sich seit der Übernahme verändert. Aber das was wir bisher mitbekommen haben ist nur, dass der Druck auf uns Arbeiter_innen verstärkt wurde und wir unser Gehalt durch Leasing gleich im Konzern lassen sollen. Seit der Übernahme schickt die Personalabteilung auch sehr viele erkrankte Mitarbeiter_innen zu den Betriebsärzten_-ärztinnen. Der oben genannte Druck zum ausfüllen der Stimmungsbarometers, das M1-Projekt und die dazugehörige Arbeitsverdichtung sind nur wenige der Spuren, die die VW-Übernahme schon hinterlassen hat. Und wenn der Betriebsrat jetzt noch sagt, er könne uns versprechen, dass die Komplettübernahme von Scania durch VW keine negativen Auswirkungen auf uns haben wird, dann ist das schlicht gelogen! Wir werden uns auf große Veränderungen einstellen müssen!

Damit weiter zur Betriebsversammlung, auf der es auch um dieses Thema ging. Mit Scania und VW-Nutzfahrzeuge zusammen, will MAN Weltmarktführer werden. Was sich noch vor einem Jahr von dem angeblichen Arbeitnehmervertreter Jürgen Dorn nach einem Alleingang der MAN anhörte, wird dieses mal nicht weniger übertrieben, nur eben als dreier Konstellation angepriesen. Wir müssen wohl nichts mehr zu den obengenannten Punkten sagen, aber hier nur nochmal die Worte von Dorn selbst: „Niemand muss Angst haben, seinen Arbeitsplatz zu verlieren.“ und „[…] keine Stellen streichen um den Gewinn zu maximieren.“ Wenn das mal nicht ein Schlag ins Gesicht der über 160 gekündigten Arbeiter_innen ist und eine Lüge in die Gesichter der gesamten bei der Betriebsversammlung anwesenden Belegschaft! Aber die Kündigungen werden ja auch nicht von dem Herrn angesprochen, er füllt seine Rede lieber mit belanglosen Lückenfüllern wie „Falschparken im Werksgelände“ oder „umgebautes Casino“. Da wäre ja auch die Frage, warum Dorn selbst denn im Werksgelände parken darf, aber andere Mitarbeiter_innen nicht?! Fühlt sich da wer bessergestellt, also höherklassig als der unterklassige Rest der Belegschaft, die draußen Parken muss oder lieber gleich mit dem MVV kommen soll?
Am Ende feierte er sich, „seinen“ Betriebsrat und „seine“ IG-Metall nochmal kräftig. Seine durch die manipulierten Betriebsratswahlen mit der Tarnliste „Für Gerechtigkeit“ gewonnene IG-Metallliste sei ja ein so gut aufgestellter Betriebsrat, der die MAN stark im VW-Konzern vertritt. Und ohne IG-Metall gäbe es ja keine Fortschritte, die dann eh gleich wieder zurückgezogen werden (siehe Übernahme der Auszubildenden) oder einfach keine sind (Tarifrunden). Auch die Gewinnbeteiligung ist nichts wert, wenn nach Abzug dieser vom Gewinn immer noch ein (MAN-) Konzerngewinn von über 900 Millionen Euro zur Verfügung steht. Das Geld haben wir hart erarbeitet, es gehört einzig und allein der gesamten Belegschaft (weltweit)! Dann meint er noch allen Ernstes, dass wenn wir fleißiger arbeiten werden, wir auch eventuell einmal eine gute Gewinnbeteiligung bekommen!
Aufgrund solcher Aussagen verließen wir die Betriebsversammlung und wollen auch nicht mehr zu den anderen Redner_innen Stellung nehmen, da es sich sowieso immer um das gleiche Blabla handelt.

„MAN Compliance“ und was Korruption in der Gegenwart bedeutet:

Vor ein paar Jahren kam die Staatsanwaltschaft in unser Werksgelände und nahm etliche Beweise zwecks der damaligen Korruptionsvorwürfe in Beschlag. Seit dem wird ständig etwas zum Thema Korruption unter dem Titel „MAN Comliance“ vor allem im Intranet veröffentlicht. Man oder besser gesagt die MAN will ihr Image reinwaschen und dafür sorgen, dass nicht irgendwelche Mitarbeiter_innen die MAN wieder unter Korruptionsverdacht geraten lassen. Doch es geht hier vor allem um den Umgang mit externen Personen und wohl auch um eine Vorsichtsmaßnahme, dass die MAN eben nicht mehr so schnell unter Verdacht gerät.
Ganz anders sieht es da schon intern aus. Was in letzter Zeit massiv ausartet ist, ist die Korruption bei Betriebsrats und MAN. Seit Kerstin Kuhfahl weit oben im Betriebsrat an der Seite ihres Lebensgefährten Jürgen Dorn mitmischt, geriet die ganze Sache außer Kontrolle – und das nicht erst seit der letzten Betriebsratswahl. Wie wir schon öfters berichtet haben, hat sich Kerstin Kuhfahl ganz ungeniert an die Spitze des Betriebsrats und in den Aufsichtsrat gesetzt und dabei den gesamten Betriebsrat in seiner Arbeit noch mehr geschwächt, als er ohnehin schon war. Jürgen Dorn scheint wohl nichts dagegen zu haben, denn er hat nicht nur nichts dagegen getan bzw. ihr dabei geholfen, sondern sich währenddessen selbst sogar noch ein Amt im Aufsichtsrat des VW-Konzerns gesichert.
Im beruflichen Alltag (vor allem dieser beiden Vorsitzenden) des Betriebsrats sieht das ganze dann so aus: Während die jährlichen Klausuren des Betriebsrats früher noch im Gebäude A47 stattfanden, findet sie jetzt zum Beispiel in Luxushotels am Chiemsee oder in Villen am Starnberger See statt. Natürlich wird dabei unter anderem Hummer gespeist, bevor es dann ein nettes Abendprogramm zur Unterhaltung gibt. Ganz privat und doch beruflich fliegen die beiden auch gerne mal ins Ausland für Sprachreisen, natürlich in die feinsten Hotels. Während unsereins immer mehr dem Druck der Gewinnmaximierung ausgesetzt ist, schwitzen die beiden auch, aber in der Sauna bzw. dem Wellnessbereich des Luxushotels.
Wer zahlt das alles? Die MAN!
Warum tut die MAN das? Eventuell um Versetzungen, Einsparungen und Arbeitsverdichtungen zugestimmt zu bekommen. Vielleicht sogar mehr. Vielleicht ging es auch um die Zustimmung des Betriebsrats zur VW-Übernhame? Vielleicht in Zukunft um weitere Maßnahmen zur Gewinnmaximierung wie dem M1 Projekt und dem wohl angestrebten Einschichtbetrieb in der LKW-Monatge. Das alles wird viele Arbeitsplätze kosten und kann (so hoffen sie es) nur mit Hilfe des Betriebsrats reibungslos ablaufen. Der aber muss erstmal ordentlich geschmiert werden!
Aber aus welchem Grund passiert das ganze erst, seitdem Kerstin Kuhfahl im Betriebsrat mitmischt? Warum Kündigt Jürgen Dorn Mitarbeiter_innen? Wie zum Beispiel zwei junge Assistentinnen, die von ihm rausgeschmissen wurden, wohl weil Kuhfahl Druck auf ihn ausübte. Er bricht mit seiner Familie, mit Mitgliedern im Betriebsrat und nicht zuletzt mit seiner Belegschaft und das alles, seit dem sie da ist! Was hat sie gegen ihn in der Hand? Was will sie damit erreichen?
Ob die beiden auch mehr verdienen, als in ihrer Tätigkeit vor der Zugehörigkeit im Betriebsrat? Erlaubt wäre das nicht. Aber es ist kaum anders vorzustellen.
Nachdem Dienstbier zurückgetreten war, ist es nun auch der Kollege Remplewski zurückgetreten. Beide wohl zu gefährlich geworden für die beiden im Vorstand, nur weil sie ihre Meinung zu laut geäußert haben.

Wir werden der Sache auf den Grund gehen und fordern den gesamten Betriebsrat sowie Kerstin Kuhfahl und Jürgen Dorn dazu auf, Stellung zu beziehen!

Wenn ihr weitere Infos habt, dann mailt uns: werkerinfo@riseup.net

Mach mal Pause!

Schnel­ler! Mehr! Und kein Ende der Pro­fit­gier.
Lang­sam geht es aber nicht mehr. Vor allem nicht schnel­ler und auch nicht Mehr. Du bist schon er­schöpft, am Frei­tag am meis­ten. Nur das Wo­chen­en­de kannst du zur Er­ho­lung nutz­ten. Doch auch da hast du Dinge zu er­le­di­gen. Aber es sind nur zwei Tage, Sams­tag und Sonn­tag. Was ma­chen, wenn Sams­tag auch ge­ar­bei­tet wird? Jahre über Jahre ver­ge­hen und es wird schlim­mer. Rente noch weit weg, aber die chro­ni­schen Schmer­zen sind schon lang­sam zu spü­ren. Oder sie sind schon längst da.
Wer be­zahlt dir das? Ein ka­put­ter Kör­per. Ist der über­haupt zu be­zah­len? Wenn es eine Summe geben würde, dann wäre sie so hoch, dass kein_e Ar­beit­ge­ber_in sie je be­zah­len könn­te. Dein Kör­per geht ka­putt! Und kein Geld der Welt kann das wie­der gut ma­chen. Kein Mensch hat das Recht dir das an­zu­tun! Doch die Kol­le­gen/Kol­le­gin­nen ner­ven zum Teil wie Chefs: „Schnel­ler! Schnel­ler!“.
Dann mach trotz­dem lang­sam, nutz die Takt­zeit voll aus (oder auch mal mehr). Mach mal Pause!
Denn du hast es dir ver­dient!

Blick über den Tellerrand

Aufstand in Bosnien
Die Transformation bedeutet für das Proletariat in Osteuropa Verarmung. Die Streiks und Proteste in Bulgarien und Rumänien und die vielen Kämpfe um nicht bezahlte Löhne in Kroatien und Serbien zeigen, dass die Leute das nicht mehr hinnehmen wollen. Mit dem Aufstand in Slowenien, dem »entwickelsten« ex-jugoslawischen Land und ehemaligen eu-Modellstaat, kam die Transformation an ihr Ende.1 Nun überwinden auch die Leute in Bosnien-Herzegowina (bih) ihr Nachkriegstrauma.
Hinter dem dreitägigen Aufstand im Februar steht eine Arbeiterklasse, die sich oft und auch im Krieg trotz der nationalistischen Propaganda internationalistisch und widerständig verhalten hat. Dass sich die Leute nicht mehr in Muslime (»Bosniaken«), Serben und Kroaten spalten lassen, ist für die EU, den IWF und die nationale Bourgeoisie eine ernsthafte Gefahr.

Den gesamten Text findet ihr HIER

Schreibform mit Unterstrich

Wie euch schon aufgefallen ist, benutzen wir z.B. die Schreibform mit Unterstrich, mit der weiblichen Endung _in. Damit beziehen wir die weibliche Form bei sonst nur männlichen Formen von Wörtern mit ein. Das heißt z.B. „Arbeiter_in“. Hier ist der Arbeiter sowie die Arbeiterin gemeint. Da es aber auch Menschen gibt, die – aus welchem Grund auch immer – nicht in eine Geschlechterform eingliedert werden wollen oder können, benutzten wir für diese auch den Unterstrich.

Termine:

SOMMERURLAUB – genießt ihn und kommt erholt zurück :-)

Kontakt:
Wie gewohnt könnt ihr uns mailen: werkerinfo@riseup.net
Und wie gewohnt bleibt ihr natürlich anonym!

Ausgabe 17/2014 + Streikaufruf Nr. 3

Streik! 28.4. – 2.5.14
Urlaub nehmen oder krank machen!
Weiter sagen – mitmachen!

Die Situation wird immer beschissener, aber auch gefährlicher – vor allem für die Kollegen_Kolleginnen in der LKW-Montage. In den 2 Osterwochen soll eine Stückzahl von 95(!) LKWs erreicht werden. Selbst vor Weihnachten waren es nicht einmal so viele und damals (das mussten auch Vorstände und Betriebsrat zugeben) war das schon eine „unmenschliche“ Arbeit, trotz Leiharbeiter_innen. Es kann nur einen Grund geben, warum wir eine so hohe Stückzahl fahren werden: es wird der Einschichtbetrieb getestet. Gerüchte über ein solches Vorhaben sind schon einige Jahre alt, aber dieses mal scheinen sie ernst zu machen. Wir haben nicht so viele Aufträge wie es manche glauben und der Hof steht auch voller LKWs. Auch in der Achsmontage wird weniger produziert als sonst. Wenn es wirklich zum Einschichtbetrieb in der LKW-Montage kommt, dann wird das sehr viele Arbeitsplätze kosten und den Stress für alle in der Halle massiv erhöhen!
Lasst uns dieses Vorhaben verhindern! Solidarisiert euch alle, egal aus welcher Halle – es kann uns alle treffen!

Wir rufen alle Kollegen_Kolleginnen der LKW-Montage dazu auf, auch in den 2 Wochen nicht zur Arbeit zu erscheinen und damit das Vorhaben zu sabotieren! Auch wenn es für viele Problematisch werden könnte, es immer noch besser jetzt zu kämpfen, als den Arbeitsplatz endgültig zu verlieren!

UPDATE: Die Stückzahl von 95 pro Schicht wurde auf 80 reduziert, was aber immer noch zu viel ist! Außerdem soll nicht 8, sondern sogar 8,5 Stunden gearbeitet werden. Das ist unverantwortlich!

Servus liebe Kolleginnen und Kollegen,

wie sollen wir in diesen Zeiten noch mit schönen Worten beginnen, wenn es um unsere Gesundheit und Arbeitsplätze immer gefährlicher wird? Es werden immer noch Mitarbeiter_innen gekündigt und der Druck auf alle massiv erhöht. Was gerade in der LKW-Montage passiert ist mit nichts in den vergangenen Jahren zu vergleichen. Sie drohen mit einem längerem Bandstopp, falls die Qualität nicht besser wird und einer Vergabe der Aufträge an andere Werke. Auch wenn wir die Warnschüsse für Propaganda seitens der Vorstände halten, so ist die Situation dennoch alles andere als gut oder übersichtlich. Keine_r weiß genau, wie es weiter läuft, es wird uns immer nur Angst um unsere Arbeitsplätze gemacht. Eines ist klar, das Werk in München wird nicht schließen, kein Konzern kann es sich leisten das Mutterwerk aufzugeben. Aber Veränderungen wie ein Einschichtbetrieb in der LKW-Montage werden erhebliche Konsequenzen für uns alle im Werk haben! Wer soll in Zukunft noch Arbeiten (wollen), wenn ältere Arbeiter_innen die Arbeit nur aushalten, weil sie noch die Zeit bis zur Rente überbrücken wollen, ohne gekündigt zu werden und jüngere keine Lust mehr haben, weil sie wissen, dass sie bei dem Stress nicht bis zur Rente aushalten werden?! Wir sind moderne Sklaven geworden, die für bisschen Geld immer mehr aushalten müssen bis wir nicht mehr können, um dann ausgetauscht zu werden. Ein Leben neben der Arbeit ist bei einigen unter der Woche kaum noch denkbar. Viele wollen nur ihre Ruhe und entspannen, weil die Arbeit ihre letzte Kraft genommen hat. Wir müssen das ändern!

Zur Betriebsversammlung:
Euch ist bestimmt auch schon mal aufgefallen, wie viele Kollegen_Kolleginnen zum Teil weit vor dem Rentenalter jeden Monat sterben. Ist das wirklich noch normal/natürlich? Es sollte uns eine Mahnung sein! An die Verstorbenen: Ruht in Frieden!
Die Betriebsversammlung als Propagandamittel von Betriebsrat und SPD, internationaler Frauentag und Wahlveranstaltung. Wir sind für eine Gleichstellung von Mann und Frau, nein wir sind dafür dass das Geschlecht einfach keine Rolle mehr spielt! Aber was sollte das auf dieser Versammlung werden? Eine Kerstin Kuhfahl, die nur im Vorsand sitzt, weil ihr Lebensgefährte Jürgen Dorn heißt und bei den Wahlen nur eine zweite Tarnliste zugelassen wurde, damit Leute wie sie überhaupt eine Chance haben in den Betriebsrat zu kommen, erzählen uns was von fortschrittlich?! Schnell hat der Betriebsrat Quotenfrauen gefunden um dann gegen die Frauenquote zu lästern. Wir sind auch gegen eine Frauenquote, aber auch gegen 1-2 Quotenfrauen á la Kuhfahl! Abgesehen davon, dass wir überhaupt keine Lust haben von irgendeinem Menschen beherrscht zu werden. Dann der neue Oberbürgermeister Dieter Reiter, der natürlich nur eingeladen war, weil er Wirtschaftsreferent war. Natürlich wollte man auch nichts von Wahlveranstaltung wissen, ihm nur ein wenig Glück wünschen und ihn reden lassen. Horst Lischka (der sich auch für die SPD hat aufstellen lassen) bescherte uns auch wieder eine grandiose Rede, zu der wir nichts sagen werden, weil inhaltslose Reden nur Zeitverschwendung sind.
Damit weiter zu Jürgen Dorn. Der hatte mal wieder Werbung für das Stimmungsbarometer gemacht, weil „wer mitwählt, kann auch mitreden“. Erstens die Befragung hat noch nie positive Veränderungen gebracht (warum auch, soll ja nur das Gefühl geben, eine Stimme zu haben) und zweitens, wir sind gegen personalisierte Umfragen, die können eine Gefahr für Mitarbeiter_innen sein. Außerdem zeigte er unverschönt seine zweite Seite als Manager für die MAN und VW. Wie kann ein Betriebsrat sagen, dass die Arbeiter_innen weiter anziehen müssen, obwohl er in der selben Rede selbst nochmal gesagt hat, dass es vor Weihnachten zu stressig war? Das Projekt M1 wird weitere Arbeitsplätze und Menschenleben kosten und dafür ist auch der Betriebsratsvorsitzende mit Schuld – Schluss mit dem Arbeitswahn! Der Kollege Saki hat dann erstmal mit Werbung für die SPD begonnen, was wir als große Enttäuschung sehen, da seine Reden in letzter Zeit eher besser geworden sind. Auch der Rest war nicht sehr berauschend und so war für uns dann schnell klar, warum die Versammlung genau auf diesen Tag gesetzt wurde: Frauentag und Stadtratswahl.
Der Vorstand hat dann noch eine Gewinnbeteiligung von knapp 20 Prozent verkündet, die jetzt durch den Betriebsrat um 10 Prozent erhöht wurde. Das sieht eher nach einem abgemachten Deal aus, bei dem sich die Konzernführung als dankbar und der Betriebsrat als einen würdigen Arbeitnehmer_innenvertreter fühlen kann. Jetzt sagen einige natürlich mal wieder „besser wie nichts“, aber wir sagen, dass es bei fast einer halben Milliarde Gewinn mehr hätte geben müssen. Und was bekommen unsere Kollegen_Kolleginnen aus den anderen Werken auf der Welt? Warum arbeiten manche immer noch 6 Tage in der Woche? Verdienen alle wirklich genug für ein einigermaßen würdiges Leben in diesem System?

In andern Werken wurde mittlerweile auch der Betriebsrat gewählt. In Salzgitter gibt es enttäuschte Gesichter, denn viel kann man nicht von den meisten neuen/alten erwarten. Wir wünschen allen nicht Betriebsnahen Kollegen_Kolleginnen viel Kraft im täglichen Kampf um ein würdiges Leben und einen guten Arbeitsplatz!
In Nürnberg steigt den Arbeiter_innen der neue Euro6 Motor zu Kopf. Der viel kompliziertere Motor soll natürlich mit höchstens genauso vielen Mitarbeiter_innen produziert werden, wie der Euro5. Das geht aber nicht und doch versuchen auch da die Vorstände mit aller Macht ihre Vorstellungen umzusetzen. Die Geschichte in Nürnberg ähnelt doch sehr der von uns im Münchner Werk. Vieles hat mit dem Projekt M1 zu tun. Ein Projekt, das unmöglich erscheint, aber ohne Rücksicht auf die Mitarbeiter_innen umgesetzt werden soll. Wir sind Meilen davon entfernt, Daimler zu überholen. Aber vielleicht ist es auch nicht das Ziel bester LKW Hersteller zu werden, sondern MAN soll sich im Volkswagenkonzern gegen Scania behaupten, Vorstände Karriere machen und VW zu ihrem Ziel verhelfen, größter Automobilhersteller zu werden. Das wie schon geschrieben, auf Kosten der Mitarbeiter_innen. Auch auf dem Rücken der Kollegen_Kolleginnen von Scania, die diesen Sinnlosen Wahn dann auch beginnen müssen.

Wir hoffen auf eine erneute, große Beteiligung von euch allen, evt. sogar auch aus anderen Werken. Wir können nur zusammen für ein wirklich gutes Leben kämpfen und Solidarität ist unsere Waffe! Streik ist die einzige Sprache die sie verstehen, also sprechen wir eine deutliche Sprache, damit sie wissen, dass sie mit uns nicht machen können was sie wollen!
Sagt allen Bescheid, macht alle mit!

Der 1. Mai

Auch dieses Jahr werden wieder Millionen von Arbeiter_innen auf der ganzen Welt zum 1. Mai auf die Straße gehen. Wie jedes Jahr tragen wir damit einerseits unsere Belange an die Öffentlichkeit und feiern andererseits die Errungenschaften jahrzehntelanger Kämpfe. Bereits 1890 wurden der 1. Mai von der internationalen Arbeiter_innenbewegung zum „Kampftag der Arbeiterklasse“ ausgerufen und seitdem jedes Jahr überall auf der Welt begangen. Der Tag wurde gewählt, weil einige Jahre zuvor auf einer Arbeiter_innenversammlung in Chicago (USA) mehrere Arbeiter_innen willkürlich von der Polizei verhaftet wurden und anschließend grundlos zum Tode verurteilt wurden. Der 1. Mai ist also ein traditionelles Symbol des Kampfes gegen die Unterdrückung und Erniedrigung, der lohnabhängige Arbeiter_innen tagtäglich ausgesetzt sind. In Deutschland wurde der 1. Mai im Jahre 1919 nach der Novemberrevolution von der sozialdemokratischen und kommunistischen Mehrheit im Parlament zum ersten Mal zum Staatsfeiertag ausgerufen. Als die linken Parteien ihre Mehrheit bei den darauf folgenden Wahlen wieder verloren, wurde dieser Beschluss wieder aufgehoben. Die Nationalsozialisten machten den 1. Mai ab 1933 als „Tag der deutschen Arbeit“ scheinheilig wieder zum Staatsfeiertag – und begannen gleich darauf am 2. Mai 1933 mit der Zerschlagung der Gewerkschaften und der unabhängigen Arbeiter_innenorganisationen.
In der Bundesrepublik Deutschland ist der 1. Mai als „Tag der Arbeit“ seit dem Krieg zwar auch ein offizieller Staatsfeiertag. Doch der Ursprung und Sinn des Ganzen wird dabei völlig verdreht – auch von den DGB-Gewerkschaften. Es kann für uns nicht darum gehen, die Lohnarbeit und die damit verbundene Ausbeutung zu feiern. Statt dessen sollte es darum gehen, für eine Gesellschaft einzutreten, in der wir Arbeiter_innen den Reichtum, den wir tagtäglich produzieren, endlich selbst behalten können und nicht an die Besitzenden abtreten müssen. Gerade in der jetzigen Wirtschaftskrise zahlen wir die Zeche für das Versagen des Kapitalismus, ob nun unsere Gehälter gekürzt werden, soziale Rechte und Leistungen abgebaut werden, oder ob wir gleich arbeitslos werden. Der verheerenden kapitalistischen Logik müssen gerade am 1. Mai Werte wie Freiheit, Solidarität, Gleichheit und radikale Demokratie entgegengehalten werden, um die Ausbeutung eines großen Teils der Menschheit endlich zu beenden. Nur mit der vereinten Kraft von uns allen, ob schwarz oder weiß, Mann oder Frau, alt oder jung, fest oder auf Leihbasis angestellt, erwerbstätig oder arbeitslos, kann sich einmal wirklich etwas ändern! Beteiligen wir uns in diesem Sinne alle gemeinsam an den Aktivitäten zum 1. Mai in München, um ein starkes Zeichen zu setzen!

Blick über den Tellerrand

Zum ersten Mai wieder ein paar Texte zu verschiedenen Themen rund um das Thema Arbeit und Leben.

„Wir müssen aussortieren.“ – Helios will Stellen abbauen

Das hat ja lange gedauert. Am 28.2.2014 verkündete die Helios GmbH die vollzogene Übernahme von 38 Rhön-Kliniken und 11 Rhön-MVZ (Medizinische Versorgungszentren). Einen Tag später, am 1.3.2014, erklärte Helios-Chef Francesco DeMeo gegenüber der FAZ, dass geplant sei, Stellen abzubauen. Und zwar in der Regionalverwaltung.
Bereits Anfang Dezember hieß es, Helios wolle seine Gewinnspanne von 8 auf 15% fast verdoppeln, um das für die übernommene Rhön ausgegebene Geld wieder reinzuholen. Die Frage nach dem wie ist nun beantwortet und wenig überraschend.
3,07 Milliarden Euro hat sich die Fresenius-Tochter Helios die Übernahme der Rhön Klinikum AG kosten lassen. Damit ist Helios der europaweit größte Klinikkonzern. Zwei Rhön-Kliniken in Salzgitter und Wiesbaden sollen noch dazu kommen. Dort steht die Zustimmung von Mitgesellschaftern noch aus. Konkrete Pläne für den Stellenabbau „in kleinem Maße“ gebe es noch nicht, da man sich die Kliniken bislang nicht im Detail habe anschauen können. Das klingt wenig beruhigend. Auch die Aussage, dass es in Deutschland zu viele Krankenhäuser gebe. DeMeo: „Wir müssen aussortieren.“

Mehr in der neusten Ausgabe der Betriebsgruppe am Klinikum in Dachau:
http://betriebsgruppen.de/bgak/index.html

Eingangstürensuche – Ein Besuch bei der selbstverwalteten Baustofffabrik VIO.ME in Thessaloniki

Lauwarm schlägt uns der Fahrtwind entgegen, während wir durch eine Mischung aus Industrie- und Gewerbegebiet am Rande Thessalonikis fahren und Ausschau nach IKEA halten. Dort in der Nähe sollen wir die besetzte und selbstverwaltete VIO.ME-Fabrik finden. Ein kleines verrostetes Schild an einer Ecke verweist uns glücklicherweise auf VIO.ME. Wir fahren vorbei an kleinen Wohnhäuschen, kleinen, offenbar bestellten Feldern und immer mal wieder kleineren verrosteten Fabrikanlagen. Eine andere Art Industriegebiet, als man das vielleicht kennt. Wir kurven suchend um eine größere Fabrikanlage, an welcher wir zwar einen Parkplatz mit dem Schriftzug VIO.ME entdecken können, nicht aber einen Eingang. An anderer Stelle des Geländes befindet sich ein Pförtner, der uns erklärt, dass verschiedene Firmen (drei verschiedene Produktionszweige und damit drei verschiedene Firmen) auf diesem Gelände arbeiten und wir zu dem Parkplatz zurückkehren sollten. Dort parken wir und suchen nach einem Eingang. Ein provisorisch aussehendes Tor soll doch wohl nicht der Werkseingang sein? Wir rufen einen der Arbeiter direkt an und er holt uns am Parkplatz ab. Und doch: Es ist das Werkstor, der Eingang zur Welt von VIO.ME – ein provisorisch errichtetes eigenes Werkstor. Später werden wir auch die Geschichte dazu hören, wie das neue Werkstor errichtet worden ist, und was es mit den drei (Tochter-)Firmen auf sich hat.

Hier weiterlesen: www.labournet.de

Für ein Leben ohne Chefs!

Aktion In Istanbul halten TextilarbeiterInnen ihre Fabrik besetzt und produzieren Pullover auf eigene Rechnung

Seit mehr als 200 Tagen leisten 94 ArbeiterInnen der Kazova-Textilfabrik in Istanbul Widerstand. Am 31. Januar 2013 wurden sie für eine Woche in unbezahlten Urlaub geschickt – danach fanden sie eine leergeräumte Fabrik vor. Da ihnen vier Monate lang kein Lohn gezahlt worden war, blieb nur der Kampf für die eigenen Rechte.
»Das ist ein Produkt des Kazova-Widerstandes!« – mit diesem Etikett versehen die ArbeiterInnen der besetzten Textilfabrik ihre selbstproduzierten Pullover. Am 31. August fand der Übergang von der Besetzungsphase in die Produktionsphase statt. Die Fabrik liegt nicht weit vom Taksim-Platz, in einer Gegend, wo sich die Produktionswerkstätten mehrerer Firmen befinden. Geschmückt ist die Fabrik mit Bannern: »Wir werden uns nicht von den Inhabern der Kazova-Textilfabrik, Ümit Somuncu und Mustafa Somuncu, ausbeuten lassen«.

Der gesamte Text: http://www.workerscontrol.net/de/authors/fuer-ein-leben-ohne-chefs

Was passiert in Bosnien?

Seit Beginn der jüngsten Auseinandersetzungen in Bosnien wurde ich von vielen westlichen Genossen gefragt, was eigentlich gerade passiert und welchen Charakter die Bewegung hat. Anfangs wollte ich nichts zu Bosnien sagen, da ich nicht genug Informationen habe, um eine tiefergehenden Analyse zu leisten. Dieser Artikel ist deshalb eher eine kurze Einschätzung. Also, was ist los in Bosnien ?

Vom Arbeiterkampf zu Riots
Alles begann in Tuzla mit Demonstrationen der ArbeiterInnen von fünf Fabriken: Dita, Polihem, Poliolhem, GUMARA und Konjuh. Die ArbeiterInnen protestierten gegen die Privatisierung der Firmen, die zu Konkurs und Aussperrung führten. Bis zu diesem Punkt war es eine weitere typische Arbeitererfahrung [workers‘ story] in Ex-Jugoslawien. Solche Fälle sind sehr verbreitet. Aber die ArbeiterInnen ließen sich nicht unterkriegen. Deshalb griff die Polizei ein und verprügelte und verhaftete viele ArbeiterInnen. Dieser Polizeieinsatz war der Funke, der aus den Protesten einen Steppenbrand machte.
Am 7. Februar war ganz Bosnien auf den Beinen, um gegen die korrupte Regierung, die Arbeitslosigkeit und die allgemeine soziale Situation zu protestieren. In Tuzla gab die Polizei den Demonstranten nach und ließ die Massen die Gebäude stürmen. Die Demonstranten brannten das Tuzlaer Rathaus und die Stadtverwaltung nieder. Die ArbeiterInnen der fünf Fabriken stellten in Tuzla ihre Forderungen:
1. Die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung durch die Zusammenarbeit von Bürgern, Polizei und Katastrophenschutz, um jegliche Kriminalisierung , Politisierung und Manipulation der Proteste zu vermeiden.
2. Den Aufbau einer technischen Regierung, die sich aus professionellen, nicht parteigebundenen, nicht kompromittieren Menschen zusammensetzt, die bisher kein Mandat auf einer Ebene der Regierung hatten. Diese soll den Kanton Tuzla bis zur Wahl 2014 führen. Diese Regierung verpflichtet sich, Wochenpläne aufzustellen und über ihre Tätigkeit und den Fortschritt im Erreichen der  angestrebten Ziele zu berichten. Die Arbeit der Regierung soll von allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern überwacht werden.
3. In einem Dringlichkeitsverfahren soll Ordnungsmäßigkeit der Privatisierung der folgenden Unternehmen überprüft werden: Dita, Polihem, Poliolhem, GUMARA und Konjuh. Außerdem:
Festsetzung der Dauer der Produktion und garantierte Gesundheitsversorgung der ArbeiterInnen;
Verfolgung der Wirtschaftsverbrecher und aller anderen Beteiligten;
Beschlagnahme illegal erworbenen Vermögens;
Aufhebung der Privatisierungsverträge;
Rücknahme der Privatisierungen;
Rückgabe der Fabriken an die die ArbeiterInnen, Übergabe der Kontrolle an öffentliche Behörden, die das öffentliche Interesse schützen, und Wiederaufnahme der Produktion in diesen Fabriken, wo es möglich ist.
4. Begrenzung der Gehälter der Regierungsvertreter auf die Gehälter der Beschäftigten im öffentlichen und privaten Sektor .
5. Abschaffung der zusätzlichen Zahlungen an Vertreter der Regierung, uns zwar sowohl persönliche Einkünfte für die Teilnahme an Kommissionen , Ausschüssen und anderen Gremien, als auch andere unvernünftige und ungerechtfertigte Vergütungen die ArbeiterInnen im öffentlichen und Privatsektor nicht haben.
6. Die Abschaffung der Fortzahlung der Bezüge an MinisterInnen und möglicherweise auch andere Regierungsbeamte nach Ende ihres des Mandats.
In Sarajevo zündeten Demonstranten die Hauptquartiere der Präsidentschaft von Bosnien und Herzegowina sowie der Katonsregierung von Sarajewo an; außerdem verschiedene Autos. Die Fenster die Hypo Bank wurden zerschlagen, das Archiv von Bosnien und Herzegowina fing Feuer, Teile der Bestände wurden zerstört. Der Brand war Zufall und nicht, wie die Medien behaupteten, Absicht. Die Medien haben diesen Vorfall verwendet, um die Demonstrationen zu diskreditieren.
In Mostar stürmten Demonstranten den Sitz der Kantonalregierung von Herzegowina-Neretva und brannten ihn nieder. Danach zündeten sie den Sitz der Stadtverwaltung und die Büros der Kroatisch-Demokratischen Union (Hrvatska demokratska zajednica, HDZ) und der Partei der Demokratischen Aktion (Stranka demokratske akcije, SDA) an. Die Polizei griff nicht ein, da der Posten des regionalen Polizeidirektors seit ein Monaten nicht besetzt ist. Nur er kann die Spezialeinheiten einschalten. An diesen Demonstrationen haben Demonstranten von »beiden Seiten des Flusses« (sowohl Bosniaken und Kroaten) teilgenommen.
In Zenica stürmten DemonstrantInnen das Büro des Bürgermeisters. Er bot seinen Rücktritt an, wenn das helfen würde, die Krise zu lösen. Auch der Ministerpräsident des Kantons Tuzla Sead Čaušević bot seinen Rücktritt an. War das ein erster Sieg für die Bewegung?
Laut der kroatischen Zeitung Jutarnji List wurden bei den Protesten in Sarajevo 93 Menschen verletzt, davon 73 Polizisten und 20 Zivilisten. Insgesamt ging die Polizei sehr hart vor, das war ein Auslöser für diese Unruhen. Es gibt zahlreiche Videos von Polizisten, die Leute verprügeln oder in den Fluss werfen. Einige Politiker der Europäischen Union drohten eine bewaffnete Intervention an, wenn die Unruhen nicht gestoppt werden. Das ist keine leere Drohung, Himzo Selimovic, der Direktor zur Koordinierung der Polizeieinheiten in der Bosnischen Föderation, fragte eine bewaffnete Intervention der EU und der internationalen Gemeinschaft an, falls die Ausschreitungen weiter gehen. Danach bot er seinen Rücktritt an. Weiter ist wichtig, dass die russische Regierung die EU für die Verurteilung der Unruhen angriff und Bosnien dazu verwendete, um den Fokus noch einmal auf die Unterstützung der Unruhen in der Ukraine durch die EU zu bringen. Werden wir wirklich eine bewaffnete Intervention in Bosnien erleben?
Viele Menschen waren von dem Ausbruch an Wut und Gewalt in so kurzer Zeit überrascht. Aber ist es wirklich überraschend, nach dem »arabischen Frühling«, Griechenland und anderen ähnlichen Kämpfen in letzter Zeit? Dass sich vor allem junge Menschen an den Riots beteiligten, ist nicht überraschend, bei einer jungen Generation, die in Ex-Jugoslawien buchstäblich keine Zukunft hat.
Außerdem war es keine sinnlose Gewalt. Die Demonstranten griffen nur die Symbole der Korruption und der Macht an. Also Orte, die für ihre Situation verantwortlich sind. Die Unruhen hörten dann auf, aber Kampf ging weiter – jetzt in anderen Formen.

Ein kurzer Kommentar zur Berichterstattung
Während der Unruhen versuchten die bosnischen Medien, die Demonstranten als wilden Haufen von Hooligans und Vandalen hinzustellen, die nicht die Unterstützung der bosnischen Bürger haben. Das verbrannte Archivs half ihnen, dieses Bild zu malen. Al Jazeera – eines der wichtigsten Medienunternehmen – riet den Bürgern: »Verlasst das Haus nur, wenn es nötig ist!« Es gab Interviews mit Gewerkschaftern, die die Polizei aufriefen, sich besser zu organisieren, um die Randale zu beenden. Ziel war es, die Behauptung, dass die Unruhen durch Arbeiter gestartet wurden, zu diskreditieren.
Die serbischen und kroatischen Medien versuchten, die Unruhen als bosnische Verschwörung darzustellen. Nur die wenigen links-liberalen Medien berichteten objektiv oder zeigten sogar Sympathie für die Proteste. Außerdem sind in den Protesten eine Menge Facebook-Gruppen entstanden, die versuchen, eine »Alternative« zu den Mainstreammedien zu bieten.

Zum weiterlesen auf diese Seite gehen: http://www.wildcat-www.de/aktuell/a097_bosnien.html

Termine:

Streik: 28.4.-2.5.14 – weitersagen, mitmachen!

1. Mai:
- 9:30 Uhr DGB Demo vor dem Gewerkschaftshaus (Schwanthalerstraße 64, U4/5 Theresienwiese), kommt in den antikapitalistischen Block im hinteren Teil der Demo.
- Danach Kundgebung der FAU am Rindermarkt (Infos bald HIER)

Ausgabe 16/2014

Servus liebe Kollegen und Kolleginnen,

in Teilen unseres Werks läufts etwas ruhiger, in anderen immer noch stressig. Wohin die Reise führt weiß bisher noch keine_r, weil sich Vorstände und Betriebsräte mit Informationen sehr bedeckt halten. Was wir wissen ist, dass die Auftragslage nicht sehr gut ist, aber auch nicht schlecht. Es gab vor kurzem ein Treffen führender Betriebsräte aus verschiedenen MAN Werken Europas, um über die Zukunft der Werke zu reden. Weil wir jetzt komplett zu VW gehören, musste auch über die Zukunft der Produktion im VW-Konzern gesprochen werden, weshalb auch Betriebsräte von VW dabei waren. Was dabei rausgekommen ist wissen wir leider im Moment noch nicht, da scheinen die Betriebsräte mal wieder ganz als MAN Funktionäre zu arbeiten, statt Informationen aus erster Hand direkt an uns alle weiter zu leiten und mit uns zusammen eine Gegenstrategie zum ständige Stress und eine bessere Zukunft zu erarbeiten.
Und weil es gerade eben nicht so schlecht läuft wie es manche erwartet haben, können wir davon ausgehen, dass es ab dem Sommer wieder stressiger werden wird in der Produktion. Auch in der letzten Betriebsversammlung wurde vom Vorstand diese Prognose geäußert. Damit auch gleich weiter mit der letzten BV. Als erstes können wir uns einen Kommentar zur Leiterin der BV nicht sparen. So toll du deine Lebensgefährtin auch finden magst, aber lieber Dorn, deine Kerstin Kuhfahl ist mit ihren schlechten Kommentaren und noch schlechteren Witzen alles andere als geeignet für dieses Amt! Ihr Verhalten ist einfach nur peinlich und wenn sie ihre Arbeit als Betriebsratsvorsitzende genauso schlecht macht, na dann endgültig gute Nacht. Wir Arbeiter_innen sind „an die Grenzen gegangen“ so Dorn am Anfang seiner Rede. Das hat er ja gut erkannt, doch warum hat er es dann zugelassen? Ganz einfach: Ein aufmuckender Betriebsrat(svorsitzender) schadet nur dem Gewinn des Unternehmens und damit seiner eigenen Karriere. Und wenn er behauptet, wir hätten immer noch die Lederhosn an, dann lügt er. Wir haben uns längst komplett an VW verkauft. Wir geben schön brav unseren Gewinn ab und erhalten (außer die höheren Vorstandskreise) keine vergleichbare Gewinnbeteiligung wie unsere Kollegen und Kolleginnen in den VW Werken. Das einzige was wir bekommen sind Leasingangebote, damit unser hart erarbeitetes Geld im VW Konzern bleibt. Und diese Umstände, plus wachsendem Druck für einen immer steigenden Gewinn, will der uns dann noch für gut verkaufen. Die Rede von Stimuniaris können wir dieses mal überwiegend loben. Zum Gehalt haben wir allerdings eine andere Meinung. Wir denken, dass alle Mitarbeiter_innen (zumindest mal die, die direkt oder indirekt mit der Produktion zu tun haben) das gleiche Gehalt bekommen sollen, plus einen Akkordzuschlag für alle direkt an der Produktion beteiligten Arbeiter_innen. Zum IG-Metall Propagandist Wechsler sagen wir nur, dass die Betriebsversammlung keine SPD Wahlveranstaltung ist, 8,50 Euro sind bei weitem auch kein guter Mindestlohn wie behauptet und der Satz, dass wir in den letzten Monaten „unmenschliches geleistet“ haben, hätte er sich auch sparen können, denn seine ach so tolle IG-Metall hat ja nur zugeschaut.

In der LKW-Montage ist die Qualität derart schlecht geworden, dass der Qualitätschef Aigner sogar gedroht hat, die Montage zu stoppen. In Audit-Fahrzeugen war noch eine so hohe Fehlerzahl zu finden, dass selbst MAN mal gemerkt hat, dass man so einen Schrott nicht verkaufen kann. Wir haben zu dem Thema schonmal einen Text veröffentlicht, indem wir auf die schlechte Qualität aufmerksam gemacht haben. Es geht eben schon lange nicht mehr um das, was Kunden und Kundinnen wollen, sondern um den eigenen Gewinn. Die LKWs fahren nur noch aus dem Werk raus, damit Geld reinkommt. Welchen Nutzen die LKWs haben sollen, ist egal. Hauptsache man bzw. MAN kann mit der Konkurrenz mithalten und mit guten Geschäftszahlen protzen. Wenn sich nicht endlich mal die Personalpolitik ändert, dann wird sich auch an der Qualität nichts ändern. Und wer meint, mit Drohungen und Sanktionen eine bessere Qualität erzwingen zu müssen, wird Krankenmeldungen und spontane Arbeitsniederlegungen bekommen!

Wir können uns also -wie die letzten Monate und die letzte Betriebsversammlung gezeigt haben- nicht auf Betriebsräte und Gewerkschaft verlassen. Nichts ist besser geworden und die Auftragslage kann sich auch jederzeit wieder erhöhen und damit der Stress auch. Wir dürfen nicht weiter den Mund halten und zähneknierschend alles hinnehmen. Wenn wir uns nicht wehren, werden wir weiter Spielball des Kapitals sein!
Deshalb rufen wir alle auf, sich am selbstorganisierten Streik zu beteiligen! Nehmt vom 28.4. bis 2.5.14 Urlaub oder macht krank – weitersagen! Die letzten Monate sollten Grund genug sein mit den herrschenden Verhältnissen endlich zu brechen.

„Diese Dreckschweine, Hauptsache die Leute ficken!“

Eine Diskussion irgendwo am Band bei MAN in München. Eine Diskussion, wie sie wohl alle schon oft in ihrer Abteilung hatten und noch oft haben werden. Viele sind sauer, wollen, dass sich was ändert und trauen dem Betriebsrat auch schon lange nichts mehr zu.
In vielen Abteilungen ist der Betriebsrat nur eine Marionette, die genutzt wird, um sich bei Offiziellen Luft zu machen und manchmal auch, um die Arbeit mal für einen Augenblick liegen zu lassen und damit die ganze Produktion ins stocken zu bringen. Wir haben von Abteilungen mitbekommen, die fast alle (also ohne die Arschkriecher_innen) während der Arbeitszeit zum Betriebsrat gegangen sind, um ihre Forderungen durchzusetzen. Dabei war natürlich nicht das Entscheidende, dass sie genau zum Betriebsrat gegangen sind, denn der Hilft sowieso nicht. Sondern sie haben mit dem gemeinsamen Verlassen des Arbeitsplatzes die größtmögliche Angst ausgelöst, die man auslösen kann: Stillstand der Produktion. Damit war der Druck so groß, dass ihre Anliegen durchgesetzt wurden; und zwar nicht vom Betriebsrat, sondern von den Arbeiter_innen selbst. Denn der BR -wie wir alle wissen- steht auf der Seite der MAN und sah sich dadurch nur gezwungen die Situation zu bereinigen. Wer glaubt, dass solche kleinen aber wichtigen Auseinandersetzungen kaum vorkommen, irrt. Und dabei sind sie noch viel häufiger möglich, wenn auch in anderen Abteilungen endlich mal etwas Mut aufgebracht wird.
Die, um die es in der Überschrift ging, sind die Vorstände. Für sie sind wir nur produktive Ware, mit der gehandelt wird, als wären wir Roboter. Ihre eigenen Arbeitsplätze werden bei der ganzen Rechnung nicht hinterfragt, sondern lediglich die Personen in den Posten gewechselt. Unsere Arbeitsplätze dagegen werden ständig neu nach ihrer Wirtschaftlichkeit hin überprüft. In erster Linie geht es dabei um die Anzahl der benötigten Mitarbeiter_innen selbst, um die Produktion so zu ermöglichen, dass sie so flexibel wie nötig und dabei so effizient wie möglich ist. Als zweites zählt dann die Produktivität des_der einzelnen Arbeiter_in, also Krankheiten, Behinderungen, Lernfähigkeit/Wissen, Arbeitsmoral, ect.. Funktionieren Menschen nicht so, wie es in der Kosten-Nutzen-Rechnung vorgegeben wird um möglichst billig zu produzieren, dann müssen diese Störfaktoren behoben werden. Die MAN versucht es immer wieder, erkrankte Mitarbeiter_innen mit einer Kündigung loszuwerden. Die, die dagegen Klage eingereicht haben, haben in den letzten Jahren fast immer gewonnen. Trotzdem versucht es die Personalabteilung immer wieder. Doch umso mehr wir uns wehren, umso schwieriger wird es für sie, uns zu austauschbaren Arbeitsmaschinen zu machen!
Viel Kraft allen, die sich nicht unterdrücken lassen und zusammen Kämpfen!
Solidarität ist unsere Waffe!

Blick über den Tellerrand

Interview von Herbert Schedlbauer mit Gerhard Kupfer, Mitglied des Betriebsrates und Vertrauensleutekörpers bei Daimler in Bremen, in Unsere Zeit, Februar 2014

UZ: Daimler lässt immer mehr Autos von Leiharbeitern oder mit Werkverträgen bauen. Dabei geht es dem Konzern um weitere  Lohndrückerei und Entrechtung sowie einer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. Vier Streiks, fast 9.000 Beschäftigte im Werk Bremen haben gezeigt, dass Auslagerungen und Erpressungen nicht kampflos hingenommen werden. Begonnen hat es im Jahre 2012. Was brachte das Fass zum überlaufen?

Gerhard Kupfer: Nach mehreren kleineren Fremdvergaben ging es im Jahre 2012 konkret um die Logistik, die ausgegliedert werden sollte. Dagegen haben wir spontan Unterschriften am Werkstor gesammelt. Innerhalb weniger Stunden bekamen wir 5.000 Unterschriften. Damit zeigte sich, dass bereits eine Stimmung gegen die Unternehmenspläne bestand und ein gutes Stück Mobilisierung für gemeinsame Aktionen möglich war.

UZ: Leiharbeit macht Arbeit noch billiger. Gesetzliche Regelungen sichern den Unternehmern Höchstprofite. Eine weitere Maßnahme ist der Einsatz von Beschäftigten über Werkverträge. Wie ist die Situation im Bremer Werk?

Gerhard Kupfer: Daimler steigt jetzt gerade um, von direkter Leiharbeit, der sogenannten Arbeitnehmerüberlassung. Unter diesen Bedingungen arbeiten zurzeit rund 650 Kolleginnen und Kollegen an den Bändern in Bremen. Geplant ist nun eine massive Fremdvergabe ganzer Produktionsabläufe. Die sollen dann mit Werkverträgen gefahren werden. Die Subunternehmer beschäftigten bedeutend mehr Leiharbeiter, als wir im Moment im Werk haben. Die jetzige Größenordnung ist bei Daimler per Betriebsvereinbarung auf 8 Prozent im gesamten Konzern begrenzt. Trotz vieler Versuche des Konzerns ist es uns gelungen, die Erhöhung der Quote der direkten Leiharbeit zu verhindern.

UZ: Konnten Sie durch diese Betriebsvereinbarung Übernahmen in feste Arbeitsverhältnisse erreichen?

Gerhard Kupfer: Durch die Betriebsvereinbarung ist sicherlich keine direkte Übernahme erreicht worden. Wenn Leiharbeiter feste Arbeitsverträge bekamen, dann aufgrund der boomenden Autoproduktion. Die Zahl ist allerdings gering. Sie bewegt sich bei etwa 290 Festeinstellungen in mehreren Jahren.

UZ: Eine Gegenwehr des Betriebsrates war die Verweigerung von Überstunden. Arbeitszeitverlängerungen und Sonderschichten. Reicht dies als Druckmittel zur Verhinderung weiterer betrieblicher Ausgliederungen aus?

Gerhard Kupfer: Nein. Wir hatten sehr eskalierte Situationen. Die Werksleitung wollte mit dem Betriebsrat gemeinsam ein Projekt starten. Hintergrund war eine älter werdende Belegschaft. Dabei wurde klar, dass genau diese Arbeitsplätze fremdvergeben werden sollten. Das stieß auf großes Unverständnis nicht nur bei den Betroffenen. Durch viel Kleinarbeit, persönlichen Gesprächen mit den Beschäftigten solidarisierten sich viele Arbeiter. So gelang uns die Mobilisierung der Belegschaft.

UZ: Die Aktionen gegen die Fremdvergabe im letzten Sommer führte dazu, dass die Unternehmensseite nicht ungestört höchste Produktionszahlen erreichte. Welche Möglichkeiten sehen Sie, den Gegendruck auch außerhalb von Daimler zu vergrößern?

Gerhard Kupfer: Unser Konzept war immer, diese Auseinandersetzung nicht im Werk alleine zu belassen. Die Arbeitsbedingungen, die Werkspolitik öffentlich zu machen. Leiharbeit, Werkverträge und prekäre Beschäftigung so zu nennen, wie sie sind. Ein Skandal! Schlicht und einfach! Leiharbeit muss öffentlich gebrandmarkt werden. Der Steuerzahler zahlt das Lohndumping der Unternehmer. Die Aufstocker, die nicht vom verdienten Geld leben können. Im September letzten Jahres hatten wir im DGB-Haus eine sehr gut besuchte Veranstaltung mit einigen prominenten Rednern, wie Professor Däubler. Geholfen hat uns auch Karl Heinz Roth, der ein Daimler Benz Buch geschrieben hat. Darin den Bogen spannt zur Zwangsarbeit des Konzerns während der Nazizeit. Ein weiterer wichtiger Punkt ist: Alleine werden wir diesen Kampf hier nicht gewinnen. Geplant ist bei VW eine Veranstaltung zu machen. Über unsere Situation aufzuklären. Auch dort gibt es Leiharbeit.

UZ: Von BMW Beschäftigten gab es Zustimmung und Solidarität. Ebenso aus Regensburg, Nürnberg und Frankfurt solidarisierten sich die bayrischen Autobauer mit dem Abwehrkampf der Bremer Daimler Belegschaft.

Gerhard Kupfer: Ja, das tut gut und wird dringend gebraucht. Wir fahren auch nach BMW. Um unsere Erfahrungen weiterzugeben. Die Solidarität aus anderen Automobilfabriken hat uns sehr geholfen. Aus dem Ausland, den dortigen Daimler Betrieben, gab es viel Sympathie für uns. Zahlreiche Resolutionen von Leitungen der Vertrauensleute aller Daimler Werke aus dem Ausland.

UZ: Wie war die Unterstützung der IG Metall in Bremen oder über das Daimler Werk hinaus?

Gerhard Kupfer: Wir haben keinerlei Unterstützung erfahren. Nein. Absolut nicht. Es gab keine Informationen in Bremen oder über die Stadt hinaus. Die IG Metall hat nichts über unseren Kampf im Betrieb gegen die Werksleitung verbreitet. Lediglich im Betrieb ist die Unterstützung des Vertrauensleutekörpers ein Stück vorhanden gewesen. Weil die Kollegen es angeschoben und  nicht locker gelassen haben. Alles was im Werk passierte und außerhalb bewegt wurde und wird, ist die Initiative von Teilen des Betriebsrates und von Vertrauensleuten.

UZ: Spielen die Betriebsratswahlen in diesem Jahr bei der Auseinandersetzung eine Rolle?

Gerhard Kupfer: Es bestätigt sich, dass konsequente Interessenvertretung von der Belegschaft honoriert wird. Die Kollegen, die den Kampf aufgenommen haben gegen Leiharbeit und Fremdvergabe, sind auf den vorderen Plätzen. Gegenüber den letzten Wahlen sehr weit auf der Kandidatenliste nach vorne gerückt.

UZ: Die Große Koalition verhält sich inkonsequent bei Lohndumping und Leiharbeit. Nachzulesen im Koalitionsvertrag. Von den Herrschenden in diesem Land ist keine Unterstützung zu erwarten. Wie kann Ihrer Meinung der Druck um die Abschaffung von prekärer Arbeit auf die CDU und SPD verstärkt werden?

Gerhard Kupfer:Wenn der Druck nicht aus den Betrieben kommt, werden die Regierenden auch nicht handeln. Wir sind ausdrücklich nicht damit einverstanden, die Leiharbeit kosmetisch zu reparieren. Sie gehört verboten. Unsere Losung zum 1. Mai heißt „Schluss mit der Zuhälterei bei Daimler – und anderswo“. Alle die in der Politik mit Leiharbeit zu tun haben, diese befürworten, müssen mit Gefängnis bestraft werden. Nicht unter fünf Jahren.

Gefunden bei labournet.de

Termine:

28.4. bis 2.5.14 selbstorganisierter Streik
Nehmt Urlaub oder macht krank – weitersagen!