Allgemein

Ausgabe 15/2013

Servus liebe Kolleginnen und Kollegen,
die 15. Ausgabe ist raus und die Puste auch. Überstunden über Überstunden, alles für den Gewinn von VW und Vorstand. Was wir alles mitmachen sollen, damit es der Firma gut und den Vorständen noch besser geht, während wir an einen gerechten Anteil für diese ganze Extraschufterei gar nicht erst denken sollten… Es ist eine maßlose Frechheit von den Betriebsräten, Chefs und Planern, uns zu kommandieren, als wären wir Hochleistungsroboter!
Mit der Informationspflicht nimmts der sonst so kämpferische Betriebsrat (Achtung Ironie!) auch nicht sehr eng. Soll doch die Produktion weiter laufen, damit die Arbeiter_innen schön weiterarbeiten und die faulen Betriebsräte eine Betriebsversammlung weniger zum vorbereiten haben (im 3. Quartal fand keine statt). Naja, ganz so faul sind sie ja dann doch nicht. Soll schließlich einige geben, die auf Lehrgängen in den von allen IG Metall Mitgliedern bezahlten Hotels, hin und wieder zu tief ins Glas schauen. Oder einer, der gerne mal mit einem Chef am Fußballplatz seinen Spaß hat, ganz kämpferisch eben.
Währenddessen bekommen einige Kollegen und Kolleginnen mal Hautnah mit, was die Planer mit uns anstellen. In Workshops werden von denen die Zeiten einzelner Arbeitsplätze genau gestoppt und bemerkt, dass diese meistens viel länger sind, als der Takt es zulässt. Das stört dann aber auch nicht weiter, denn mehr Mitarbeiter_innen werden nicht zur Verfügung gestellt. Eher werden Springer und Gruko’s noch mehr gefordert, damit dieses Powerprogramm weiterhin mit so wenigen Mitarbeiter_innen wie möglich geschafft werden kann. Da hilft nur eines, langsam arbeiten – scheißt auf den Takt, schaut auf eure Gesundheit! Und weil die Planer ja meinen für die Karriere ständig irgendwas verändern zu müssen, lassen sie jetzt nach und nach Regale und Materialwägen durch „Item“ ersetzten. Dass dieses Bausystem (früher Creform) aber sehr teuer ist, stört dabei scheinbar niemand.
Auch die Segmentleiter_innen machen ihren Mund nicht auf, wenn es mal darum geht, von ihren Vorgesetzten mehr Personal zu verlangen. Aber Hauptsache nach Unten drücken und von den eigenen Mitarbeiter_innen immer noch mehr verlangen. Aber in dieser Firma gibt es eh keinen Respekt, es herrscht nur Angst.
Dass darunter die Qualität leidet, interessiert wohl auch keinen Menschen. Stückzahl ist inzwischen alles was zählt – und nicht zu vergessen: Sauberkeit und Ordnung. Aber solang die Nacharbeit brav am Sonntag zur Arbeit kommt, um das wieder auszubessern, was bei der Montage aufgrund der geringen Zeit alles falsch gemacht wurde, passt ja alles. Nur in den letzten zwei Arbeitswochen dieses Jahres, wurde die Stückzahl runtergesetzt, damit weniger Fehler gemacht werden und die Nacharbeit die hunderten Fehler schon produzierter LKWs auszubessern.
Apropos Sauberkeit und Ordnung, in den Besprechungsräumen der Segmentleiter_innen wurden Listen aufgehangen, in denen die einzelnen Segmente eintragen müssen, wie viele Mitarbeiter_innen länger bleiben um zu putzen. Wird kein Name eingetragen, so müssen Mitarbeiter_innen während der Arbeit nebenher sauber machen. Lasst euch auf solche Erpressungen nicht ein! Besprecht euch in euren Abteilungen und sprecht auch mit Kollegen und Kolleginnen anderer Abteilungen, wie die mit der Situation umgehen!
Und warum wurden wir so gestresst? Weil ein Sesselfurzer von VW im Werk zu Besuch war! An diesem Tag zeigten die Bildschirme komischerweise (wie bei jedem „hochrangigen“ Besuch) eine um einiges höhere Qualität an, als an allen anderen Tagen – durchgehend 58%.

In der Werksinternen Propaganda namens „MAN People“ vom Oktober 2013 heißt es im Artikel „M1 wird Wirklichkeit“, dass „mit begeisterten Mitarbeiteren […] Produkte in höchster Qualität“ hergestellt werden können. Wenn das so sein soll, dann ist das aber eine realitätslose Wahrnehmung der Wirklichkeit. „Im Mittelpunkt von M1 steht schließlich der Mensch“ schreiben sie weiter, oder auch, dass Planer mit uns und auf unsere Arbeit abgestimmt, die Arbeitsplätze umgestalten – dazu haben wir oben schon geschrieben. Dann wird noch einige Sätze lang von „Respekt“ und ähnlichen nicht existierenden Umgangsformen geschrieben. Der nächste Absatz wird fast noch unverschämter, da wird uns was von „Spaß“ und „Überzeugung“ erzählt, die wir haben sollen. Auch von gesteigerter Qualität wird geschrieben, bei zum Teil 7(!) Prozent LKWs, ohne Nacharbeit – naja. Gekrönt wird das ganze mit einem Zitat vom Hallenbetriebsrat aus der LKW-Produktion, den wohl viele unter dem Vornamen Nico kennen. Also gerade der, der überhaupt keine Ahnung vom Arbeiten hat und abhaut, wenns Probleme am Band gibt, kann den Mund mal wieder nicht halten um sich zu profilieren. Nico, lass dir eines gesagt sein: Reden ist Silber, aber schweigen in deinem Fall Gold!
Um kurz von unserer Seite aus auf M1 einzugehen, eine kurze Zusammenfassung der Umbauaktion.
Alles soll heller gestaltet werden, weil das bei VW auch so ist. Warum genau, können wir auch nicht sagen, gibt einige Gründe, aber das wird sich mal wieder irgendein studierter Mensch ausgedacht haben, der selbst noch nie am Band gearbeitet hat. Die Regale müssen alle niedriger sein, damit alle Mitarbeiter_innen gesehen werden können, das nennen sie dann Übersichtlichkeit. Laufwege sollen verkürzt werden, um die Zeiten der Arbeitsplätze weiter zu drücken. Außerdem sollen alle enger nebeneinander bzw. zusammenarbeiten. Das soll den Vorteil haben, dass die die gerade weniger zu tun haben, denen helfen können, die mehr zu tun haben. So lässt sich wieder Zeit sparen. Mit Qualität hat das nichts zu tun, sondern nur mit mehr Effizienz.
M1 heißt Überwachung und Ausbeutung!

Wie wir mitbekommen haben will MAN, dass wir in München ab 2015 oder 2016 mit einem 5,X Minuten Takt in der LKW-Montage fahren, die Fahrerhaus- und Achsmontage wird auch mehr Leistung bringen müssen. Ob das ein Teil von M1 ist wissen wir momentan auch nicht genau, ahnen es aber. Was wir alle aus der Vergangenheit wissen ist, dass wir dafür keine neuen Kollegen und Kolleginnen bekommen werden. Deshalb wird ja alles umgebaut und immer noch „ergonomischer“.

Wir haben schon lang die Schnauze voll, so wie die meisten in unserem Werk!
Lasst uns ein deutliches und effektives Zeichen gegen M1, dem Wahn und der Arroganz der Vorstände setzen!
Nimmt alle Urlaub, oder macht krank in der Woche vom 28.4. – 2.5.14! Sollen sie mal schauen, wie sie mit den vom Stress ausgebeuteten Arbeiter_innen ihren Gewinn erzielen!

Forderungen stellen oder Selbstverwaltung erkämpfen?

In der Sommerpause haben wir viel diskutiert und gelesen. Gelesen von wilden Streiks und Besetzungen ganzer Fabriken in der Vergangenheit. Die Frage war neben dem Wie, auch die Frage „was wollen wir“. Mit dem „Wir“ haben wir uns nur auf uns (Werkerinfo-Kollektiv) bezogen, denn die Frage, wie unsere Fabrik aussehen soll, muss gemeinschaftlich (also mit allen Kollegen und Kolleginnen) entschieden werden. Dieser Text ist ein Teil unseres Lernprozesses, den wir gerne mit euch Teilen wollen. Er ist aber auch als Diskussionspapier zu sehen, weil wir uns nur zusammen wehren und etwas verändern können.
In den 70er Jahren gab es große Werksbesetzungen und wilde Streiks in Deutschland (z.B. der „Fordstreik“), aber auch in anderen Ländern. In Deutschland stellten vor allem die nicht festangestellten Gastarbeiter_innen einen Großteil der Kämpfenden dar, Anfangs solidarisierten sich auch einige deutsche Festangestellte in den Fabriken. Gestreikt wurde, um Forderungen erfüllt zu bekommen. Forderungen, die vor allem den Gastarbeiter_innen ein besseres und menschenwürdigeres Gehalt und Arbeiten bringen sollten, aber immer als Forderungen für alle Mitarbeiter_innen gestellt wurden. Um den Druck zu erhöhen und um zu zeigen, dass sie es ernst meinten, wurden zum Teil ganze Werkshallen über Tage besetzt und bestreikt. Schnell war den Kapitalisten klar, dass die Situation ernst ist, nachdem das erste minimale Entgegenkommen nicht angenommen wurde. Also versuchten sie die beliebte Taktik der Spaltung, um den Kreis der Unterstützenden (die Festangestellten) zu verkleinern und die Kämpfenden (Gastarbeiter_innen) zu verunsichern bzw. ebenfalls zu spalten. Dies gelang ihnen auch, weil den Festangestellten gedroht wurde und ihnen über die Medien so lange eine Gehirnwäsche verpasst wurde, bis auch diese glaubten, dass ihre kämpfenden Kolleginnen und Kollegen Kriminelle wären. Nach einigen Tagen waren sich selbst die Kämpfenden nicht mehr sicher, wie sie weiter machen sollen und wie viele noch in einigen Tagen dabei sein werden. Das zerrte an den Kräften, bis schließlich Meister, Wachpersonal und Polizei die besetzten Hallen stürmten und die Streiks beendeten. Viele der Streikenden wurden gekündigt, viele unter harten Bedingungen wieder eingestellt, aber viele wollten auch nie wieder zurück und verließen zum Teil auch das Land. Und wer sich jetzt fragt, welche Rolle die Gewerkschaften hatten, allen voran die IG Metall; die stand auf der Seite der Kapitalisten und rief zum Ende der Streiks auf!
Warum diese Geschichte? Weil sie als eines von sehr vielen Beispielen wilder Streiks ist. Weil sie uns zeigt, wie so ein offener und selbstorganisierter Kampf ablaufen kann und als Erinnerung an Zeiten, als es in Deutschland noch wirklichen Widerstand gab.
Also, Forderungen stellen oder Selbstverwaltung erkämpfen? Für uns ist es mittlerweile ganz klar: Selbstverwaltung erkämpfen! Wir Arbeiter_innen haben das Wissen aus unserer täglichen Arbeit und zusammen mit der Entwicklung können wir es auch selbst. Wir brauchen keine Vorgesetzten, die nur dafür da sind, uns zu überwachen und ständig den Druck zu erhöhen. Stellen wir Forderungen, so akzeptieren wir einerseits unsere Unterdrücker_innen als Teil unserer Arbeit bzw. unseres Lebens, andererseits müssen wir in vielen Punkten Kompromisse eingehen, die wir untereinander nicht mal diskutieren würden. Jetzt werden wahrscheinlich viele von euch denken „Spinner“ oder „Träumer“, aber das hat es schon alles gegeben und gibt es immer noch (siehe die Texte bei „Blick über den Tellerrand“) und ist damit nicht nur ein Traum. Sehr viele sind frustriert und wollen, dass sich was ändert. Aber es ändert sich nichts, wenn man ruhig bleibt. Forderungen zu stellen heißt also, sich gemeinschaftlich von wenigen unterdrücken zu lassen und mit Kompromissen, sowie leeren Versprechen frustriert leben zu müssen. Wenn wir die wirklich nötige Arbeit leisten, damit am Ende ein fertiger LKW aus der Fabrik rollt, dann sollten wir auch darüber entscheiden wie wir arbeiten und wir sollten die geernteten Früchte unserer Arbeit untereinander gleich verteilen!
Aber dafür braucht es Zeit. Von Heute auf Morgen, wird das nicht klappen. Wir sollten daher endlich anfangen, uns zu organisieren! Einzelaktionen verlaufen oft ins nichts, oder die Reaktionen von Chefs darauf schrecken die anderen nur noch mehr ab. Zusammen können wir es deshalb nur schaffen, aber nur, wenn wir mehr tun, als am Stammtisch zu meckern! Und genau deshalb wollen wir nicht vorschreiben, wie wir uns zu organisieren haben, denn das müssen wir alle gemeinsam entscheiden (siehe nächster Text)!
Wir stellen keine Forderungen mehr, wir wollen nicht, dass unsere Situation besser, sondern endlich gut wird! Auf dass die Träume für die wir kämpfen wahr werden – in den Fabriken, den Städten und auf der ganzen Welt!

Nochmal zur Erinnerung der Text aus der letzten Ausgabe:

Gib mir irgendwas das bleibt!

Zum Teil erfolgreiche Aufrufe zum wilden Streik, Verhinderungsversuche der Wiederwahl von Jürgen Dorn und seinen Helfer_innen, Infos und Texte zu verschiedenen Themen für einen anderen Blickwinkel auf das Arbeitsleben, Informationsaustausch untereinander, brisante Geschichten und Infos veröffentlicht und vieles mehr. Das ist das, was wir bisher gemacht und erreicht haben. Doch unser Ziel war und ist es nicht, alleine etwas zu verändern. Wir brauchen euch und wir wollen euch eine Plattform bieten, doch wollen wir euch nicht nur zum mitmachen oder sogar zum konsumieren von verschiedenen Widerstandsformen aufrufen. Das was wir bisher gemacht haben, war nur ein wachrütteln und Ausrufezeichen setzen, damit sich endlich was ändert. Wir hatten einfach keine Lust mehr, nur zu meckern und uns das gemeckere der Kolleginnen und Kollegen anzuhören. Deshalb haben wir uns entschlossen, diese Zeitung raus zu bringen, um nicht nur selbst unseren Unmut Ausdruck zu verleihen, sondern auch anderen eine Chance zu geben, etwas zu sagen, etwas zu verändern.
Wir beschäftigen uns schon länger mit der Frage, wie viel wir uns noch zutrauen und zumuten können. Wie weit wir noch gehen können und wie weit wir es schon geschafft haben. Es ist sehr wichtig selbstkritisch zu sein, um Fehler zu erkennen und damit zu wachsen. Für uns ist damit klar geworden, dass wir schon fast am Limit sind und deshalb mit diesem Text bzw. Aufruf das Begonnene nur mit euch gemeinsam weiter wachsen lassen können.
Aktionsformen gibt es viele um Widerstand zu leisten. Doch wie soll das in Zukunft geschehen?

Ideen unsererseits reichen von einem Internetforum, über lockere Treffen in einem Lokal, bis hin zu inoffiziellen Vertrauenskörperstrukturen, die sich regelmäßig irgendwo treffen.
Natürlich kann es mehrere Wege gleichzeitig geben, doch muss endlich ein weiterer Schritt zur Selbstorganisation der Arbeiter_innen im Werk München gemacht werden. Also schreibt uns an! Schreibt eure Ideen in paar Sätzen an uns und wir werden sie zur nächsten Ausgabe veröffentlichen.

Egal was es alles an Ideen gibt, klar muss allen sein, dass es ein wenig Mut braucht, um Dinge umzusetzten bzw. zu verändern! Deshalb lasst uns gemeinsam etwas Bewegen, denn gemeinsam sind wir stark!

Nochmal unsere Mailadresse: werkerinfo@riseup.net

Blick über den Tellerrand

Ein Text aus der „Wildcat“ (Internetadresse siehe bei „Links“)

Update vom 2.11.2013: Krise und Klassenspaltung in Südosteuropa
Seit dem Erscheinen des Slowenien-Artikels trafen wir uns zwei Mal mit Hafenarbeitern aus Koper. Vor einigen Monaten standen die Chancen gut, um bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Aber mit der Bestellung eines neuen Managers, den die slowenische Regierung schickte, um die stockende Privatisierung und Expansion wieder voranzutreiben – größere Terminals, mehr Lagerfläche und Gleise, »um im Wettbewerb mit den Nordhäfen bestehen zu können« –, erhöht sich der Druck auf die Hafenarbeiter. Sie versuchen dagegen anzugehen – bis jetzt ohne Streiks. Das könnte sich schnell ändern, wenn sich die Bedingungen weiter verschlechtern. Denn die Regierung braucht dringend Geld, wenn sie ihre Agenda durchsetzen und nicht unter dem »Diktat der Troika« enden will. Die Privatisierungen sollen das hereinspülen, ohne diese wird sie die (Banken-)Verschuldung nicht in den Griff bekommen. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer in einem Land, dessen Konsum aufgrund der drastisch steigenden Arbeitslosigkeit sinkt, wird die so dringend gebrauchten Summen nicht einspielen können. Die Einführung einer Grundsteuer ist ebenso festgefahren, aber der Zank zwischen den Parteien um eine schrittweise Einführung soll in erster Linie Zeit für die Vermögensbesitzer gewinnen, um ihr Kapital in Sicherheit zu bringen.
Die Herrschenden sind also blockiert und ihnen bleibt nur der direkte Angriff auf die ArbeiterInnen, aber was kommt »von unten« nach den Streiks und Protesten in den letzten Jahren? Die Demos vor kurzem gegen die Sparpolitik am 29. Oktober mit je ca. 600 Leuten in Maribor und Ljubljana sind jedenfalls nichts im Vergleich zum »Aufstand« von 2012.
Ein Problem, das die Klassenspaltung vertieft, ist die Hoffnung der ArbeiterInnen auf »Investoren«. Als Ende April die ArbeiterInnen der Metall-Fabrik MLM in Maribor, die Sanitärteile produzieren und die schon zwei Monate keine Löhne mehr bezahlt bekamen, von der Schließung ihrer Abteilungen erfuhren und 226 ArbeiterInnen gekündigt wurde, traten sie in den Streik. Die StreikführerInnen organisierten zusammen mit UnterstützerInnen zusätzlich eine Demo. Nicht nur, dass die ArbeiterInnen der Abteilungen, die bestehen bleiben sollen, sich zurück hielten – auch zur Demo kam nur ein Teil derjenigen, die der Jobverlust trifft. Das Management hatte zuvor die Hoffnung geschürt, dass eventuell ein Investor einige ArbeiterInnen wieder anstellen würde. So beugte sich der Protest dem Konkursverfahren, was für die anfangs enthusiastischen StreikführerInnen und auch für die UnterstützerInnen aus der anarchosyndikalistischen Szene zu Frust führte.
Ein tragischer Fall ereignete sich Mitte Oktober: Ein Arbeiter aus Albanien erschoss seinen Chef in Maribor, dessen Sohn und sich selbst, weil er seinen Lohn die letzten Monate nicht ausbezahlt bekam. Die Stimmung geht nun aber nicht in Richtung Rassismus gegen »Albaner«, stattdessen sagen slowenische ArbeiterInnen, dass sie dies verstehen, weil vor allem im Nordosten des Landes jedeR jemanden kennt, dem es gerade genau so geht mit nicht ausbezahlten Löhnen. Es betrifft alle!
An dieser Flanke entzünden sich schon länger und gerade auch aktuell Konflikte in den anderen Ländern Südosteuropas: Am 16. Oktober streikten 500 von 2400 Werftarbeiter in Split (Kroatien) wild und stürmten die Werftzentrale, weil ihnen der Lohn gekürzt und verspätet ausbezahlt wurde. Am 17. Oktober protestierten ehemalige Zastava-Arbeiter vor den Toren der neuen Fiat-Fabrik in Kragujevac (Serbien) für ihre Wiedereinstellung, die ihnen vertraglich zugesichert wurde, als sie gekündigt wurden, damit Fiat die Fabrik adaptieren kann. Am selben Tag fingen Arbeiter eines serbischen Busunternehmens in Kragujevac an, Eisenbahngleise zu blockieren, um ihre Löhne einzufordern. So konnten sie einen Zug stoppen, der Autos aus der neuen Fiat-Fabrik zum Montenegriner Hafen Bar liefern sollte, von wo sie exportiert werden. 1000 ArbeiterInnen der LKW-Fabrik FAP in Priboj machten das am 28. Oktober nach. Sie blockierten ebenfalls einen Abschnitt auf der gleichen Strecke, weil nicht nur Löhne ausständig sind, sondern ihnen auch die Krankenversicherung gekürzt wurde.
Rund um den Balkan bekämpft die Klasse die »Transformation«. Aber wie sich zeigt, geht es oft zunächst um das eigene Überleben. Das »Ende der Transformation« bedeutet insofern erst mal »Durchhalten« und noch keine gemeinsame Offensive gegen das Kapital.

Schreibform mit Unterstrich
Wie euch schon aufgefallen ist, benutzen wir z.B. die Schreibform mit Unterstrich, mit der weiblichen Endung _in. Damit beziehen wir die weibliche Form bei sonst nur männlichen Formen von Wörtern mit ein. Das heißt z.B. „Arbeiter_in“. Hier ist der Arbeiter sowie die Arbeiterin gemeint. Da es aber auch Menschen gibt, die – aus welchem Grund auch immer – nicht in eine Geschlechterform eingliedert werden wollen oder können, benutzten wir für diese auch den Unterstrich.

Termine:

1. Februar: Demonstration gegen die Nato-“Sicherheitskonferenz“

28.4.-2.5.14 selbstorganisierter Streik – weiter sagen, mit machen!

Wir wünschen euch allen einen erholsamen Urlaub

Ausgabe 14/2013

UPDATE:
Von offizieller Seite wurde uns jetzt bestätigt, dass es einige krankheitsbedingte Kündigungen gab und weiter geben wird.
Lasst euch nicht einschüchtern! Haltet die 3-wöchige Frist zur Kündigungsschutzklage ein und geht sofort zum Anwalt_zur Anwältin! Es können viele Kündigungen zurückgezogen werden, wenn man gerichtlich dagegen vorgeht. Es ist sehr wichtig, dass ihr das nicht einfach so hinnehmt, selbst wenn ihr die Firma verlassen wollt. Denn selbst wenn ihr die Firma verlassen wollt, könnt ihr nach einer Wiedereinstellung eine Abfindung fordern. Außerdem wird euch das gesamte Gehalt zwischen Kündigung und Wiedereinstellung nachgezahlt. Geht am besten zu einer Anwaltskanzlei, von der ihr Gutes gehört habt, nicht zu denen, die euch der Betriebsrat bzw. die Gewerkschaft empfiehlt!
Meldet euch bei uns, wenn ihr gekündigt wurdet oder etwas zu dem Thema sagen könnt.

Keine weiteren Einsparungen – Schluss mit den Kündigungen!
Organisieren wir den Widerstand!

Servus liebe Kolleginnen und Kollegen,
Es hat sich wieder einiges getan seit der letzten Ausgabe. Wir fangen erstmal mit den älteren Themen an und kommen dann auf die aktuellen Ereignisse zu sprechen.

Sie wurden wieder gewählt und haben uns bitter hintergangen! Die Rede ist vom bisherigen Betriebsrat, aber vor allem auch von Jürgen Dorn und Kerstin Kuhfahl. Die andere Liste war auch nur ein geschickter Trick und so war unsere (im nachhinein etwas naive) Hoffnung auf einen kämpferischen Kollegen verblasst.
Angefangen hat alles mit Gerüchten, dass der Betriebsrat eine Neuwahl anstrebt. Selbst wenn man die Betriebsräte darauf angesprochen hat, wollten sie dies aber nicht bestätigen, auch nicht am Tag der Betriebsversammlung, als die Neuwahlen verkündet wurden. Unsere Ausgabe wurde da leider schon veröffentlicht, als wir wenige Tage vor der Versammlung die Informationen aus verlässlicher Quelle bestätigt bekamen. So nahm die gut durchdachte und gut vorbereitete Hintergehung an unserer Mitbestimmung ihren Lauf. Die Bekanntmachungen wurden zu spät ausgehangen und mehrere Personen/Gruppen, die eine eigene Liste machen wollten, wurden von Betriebsräten belästigt und von einer eigenen Liste „abgeraten“. Die Tür zum Abgabezimmer war angeblich kaputt und das Betriebsratsmitglied Mintasch stand davor um Arbeiter_innen abzufangen. Und damit ein Desaster für Jürgen Dorn und Kerstin Kuhfahl erspart bleibt, wurde nur eine andere Liste mit nur einer Person zugelassen. Hätte es diese Liste nämlich nicht gegeben, hätten die beiden vielleicht sogar eine Pleite aufgrund zu weniger Stimmen hinnehmen müssen. So gab es zwei Listen, was bedeutete, dass nur die Listen und keine Personen gewählt wurden. Wir haben uns das schon vorher gedacht, nur waren auch wir (so ehrlich müssen wir sein) am Ende doch zu naiv zu glauben, dass diesem Kollegen wirklich was an unserem Wohl liegen würde. Damit bleibt am Ende fast alles wie es bisher war. Der Kollege aus der Liste „Für Gerechtigkeit“ wurde einfach nur gegen seinen Zwillingsbruder ausgetauscht und fiel bisher überhaupt nicht so positiv auf, wie es der Name seiner Liste besagt. Zu der Wahl muss außerdem gesagt werden, dass wenn es um ein gestärktes auftreten des MAN-Betriebsrats gegangen wäre, hätten in allen Werken Neuwahlen stattfinden müssen. Die gab es aber nicht und damit ein Beispiel mehr, dass es nur darum ging, die Machtverhältnisse für die Betriebsratsvorsitzenden auch für die nächsten Jahre zu sichern.
Kurz noch mal zu den zwei unheimlichen Führungsköpfen im Betriebsrat. Jürgen Dorn hat seine eigene Tochter (auch im Betriebsrat) vor den anderen Betriebsräten klein gemacht und dann nach Neufahrn versetzt, nur weil sie ihre Meinung über dessen Lebensgefährtin Kuhfahl (ohne besonderes und langjähriges Engagement im Betriebsratsvorstand) äußerte. Kerstin Kuhfahl wiederum bekam ihren lang ersehnten Aufsichtsratsitz, weil Jürgen Dorn den Kollegen Dienstbier nach der Beschwerde über seine Handlungsweisen aus dem Ausichtsrat kickte.
Wir erwarten nichts mehr von diesem Betriebsrat!

Erfreulich, auch ohne großen/geplanten Boykott, war die Meldung, dass bei der Mitarbeiter_innenbefragung „nur“ 83%, statt den erwünschten 97% mitmachten. Trotz Anweisungen von Vorstandseite, dass möglichst alle diese Befragung mitmachen sollen, um sie gut dastehen zu lassen und das Engagement der Mitarbeiter_innen zu zeigen, beteiligten sich am Ende einige Prozent weniger, als verlangt. Das ist nicht nur ein gutes Zeichen, dass viele Leute der verlogenen Firmenpolitik und deren falschen Mitbestimmung den Rücken kehren, sondern auch ein Zeichen der Hoffnung, dass sich die Menschen in der MAN nicht mehr alles diktieren lassen. Zu der Befragung muss auch gesagt werden, dass wenn sie personalisiert stattfindet, dann sich auch weniger Personen trauen, ihr schlechtes Bild von der MAN abzugeben.
Momentan gibt es auch wieder viele Aufträge. Das spüren vor allem diejenigen, die Samstagsschichten schieben müssen. Doch anstatt die Aufträge von Anfang an prozentual auf die Kapazitäten der gesamten MAN Werke zu verteilen, wird uns mal wieder der größte Anteil gegeben. Der Betriebsrat wird mal wieder davon erzählen, wie sehr er für uns in München kämpft, während er dann wieder in anderen Situationen von Solidarität redet. Doch dieses Verhalten ist alles andere als solidarisch! Die Arbeit muss gerecht aufgeteilt werden und nicht auf manche weniger und die anderen müssen dafür auch Samstags rein. Wir haben es schon mal gesagt: Kein Konkurrenzkampf zwischen den Standorten! Wir sind alle auf Arbeit angewiesen, weil wir auf das Geld zum (Über-)leben angewiesen sind. Egal in welchem Werk!
Aber nicht nur Samstage sind geplant, sondern sogar dritte Schichten z.B. am Fahrerhausband. Die mittlerweile ca. 400 Aufträge pro Tag sollen jetzt unbedingt alle geschafft werden, egal was das für uns bedeutet. Aber nicht nur, dass man uns bis zum Gehtnichtmehr hetzten will, indem der Takt soweit wie nur möglich gekürzt wird, sondern auch, indem immer mehr Druck erzeugt wird. Aufgrund der hohen Krankenquote wird vor allem der Druck auf die Krankmachenden immer weiter erhöht, um sie zum arbeiten zu zwingen. Egal aus welchem Grund sie krank machen, die Dauerkrise wird von der MAN voll ausgenutzt. Es sollen immer mehr Mitarbeiter_innen gekündigt worden sein, weil die Personalabteilung sie als Krankmacher_innen erkannt haben soll. Systematisch sollen jetzt alle Mitarbeiter_innenakten nach den letzten Krankheitstagen und -gründen überprüft werden, um so weitere Personaleinsparungen vorzunehmen. Die hohe Auftragslage soll mit Hilfe von Leiharbeiter_innen geschafft werden, das Stammpersonal für die Zukunft aber weiter abgebaut werden. Und der Betriebsrat? Macht mal wieder nichts! Trotz der massiven Angriffe gegen uns Arbeiter_innen, wollen wir in der Ausgabe nochmal klar und deutlich zum Krankmachen aufrufen. Wir sind keine Roboter, Schluss mit der Hetze!
Im Januar dürfen wir uns dann wohl alle auf Kurzarbeit freuen (oder auch nicht freuen), nachdem jetzt sehr viele Kunden noch schnell vor Jahresende einen Euro-5 kaufen…
Passend dazu: In der Achsproduktion dachten die Kapitalisten mal wieder, sie können einfach so den Takt verkürzen, mit gleicher Mitarbeiter_innenanzahl und ohne den Betriebsrat zu fragen. Aber dieses mal gabs eine Überraschung. Die Kolleginnen und Kollegen spielten nicht mit und unterbrachen ihre Arbeit. Weil der Hallenbetriebsrat nicht da war, gingen sie ins V2. Einen Moment lang konnten sie die Macht in ihren Händen spüren, sich als Menschen fühlen. Dieses Moment der Rebellion, als sie ihre Arbeit spontan niederlegten, um ihren Unmut auszudrücken, war das Moment, an dem die Kapitalisten Angst verspürten. Sofort wurde mehr Personal angeschafft, um schnell wieder Ruhe in die Situation zu bringen. Dazu sagen wir nur, Gut gemacht, weiter so!

Wir haben Mails von Kollegen aus dem MAN Werk in Wien bekommen. Wir möchten hiermit unsere Solidarität mit den kämpfenden ausdrücken und euch einen Auszug aus den Mails hier veröffentlichen:

Obwohl die Rheinmetall/MAN-Niederlassung in Wien erst vor kurzem den Zuschlag für einen 1,1 Milliarden großen Auftrag erhalten hat, ziehen die Kapitalisten die Daumenschrauben weiter an. Schon im April stellten sie neben Kurzarbeit auch Kündigungen in Aussicht, noch mit dem Verweis auf die angeblich so „schlechte Auftragslage“. Dieses von vorneherein demagogische Argument, bröselte ihnen mit dem neuen Auftrag unter den Fingern weg. Dennoch wollen sie nun ca. 147 Beschäftigte (es ist noch nicht bekant ob nur ArbeiterInnen oder auch Angestellte betroffen sein werden) vor die Türe setzen!
Unser Kollege Mesut Kimsesiz ist Betriebsrat bei Rm-MAN Wien. Er sieht sich im zehnköpfigen Betriebsrat als einziger seiner Liste einer Übermacht von sieben sozialdemokratischen und zwei freiheitlichen Betriebsräten gegnüber. Dennoch lässt er sich seinen Mund nicht verbieten. Seit heute hat er vor dem Werkseingang ein Zelt aufgeschlagen und ist in Hungerstreik gegen die Kündigungen getreten. Dies vorläufig bis 30.8. – da gibt es dann eine Betriebsversammlung, deren Ausgang aber noch vollkommen offen ist.
[…]
Kämpferische Grüße
Komitee kämpferischer ArbeterInnen (KkA)
Organisiert euch selbst zum Kampf, sonst werdet ihr geschlagen!
Komitee kämpferischer Arbeiter/innen (KkA)
www.arbeiterbasisgruppen.wordpress.com“

„INTERVIEW MIT BETRIEBSRAT MESUT KIMSESIZ ZUM HUNGERSTREIK GEGEN DIE GEPLANTEN KÜNDIGUNGEN BEI MAN WIEN.

/Mesut Kimsesiz ist unabhängiger Betriebsrat bei Rheinmetall-MAN in Wien. Von 26. Bis 28. August war er im Hungerstreik um gegen die
drohende Entlassung von 147 Kolleginnen und Kollegen zu protestieren. (Siehe dazu unsere ERKLÄRUNG). Hier bringen wir nun ein kurzes Interview mit Mesut, über seinen persönlichen Werdegang im Betrieb,/Leiharbeit, seinen Protest und die dabei gestecken Ziele. Anmerkung: Das Interview wurde am 28. August, dem letzten Tag des Hungerstreiks, geführt.

KKA: SEIT WANN BIST DU BEI RHEINMETALL-MAN UND WIE BIST DU DORT HIN GEKOMMEN?
MESUT KIMSESIZ (M.K.): Seit sieben Jahren. Zuerst war ich hier als Leiharbeiter beschäftigt, eineinhalb Jahre lang. Ich begann als Schweißer. Heute stehe ich am Band. Seit zwei Jahren bin ich in der Gewerkschaft aktiv und vor rund eineinhalb Jahren wurde ich zum…

/WEITER AUF: /
http://arbeiterbasisgruppen.wordpress.com/2013/08/29/man-wien-kundigungen-hungerstreik-betriebsversammlung/

Die Lüge vom Kampf
Die IG-Metall hat wie erwartet, kein hohes Ergebnis bei der letzten Tarifrunde erreicht. Anzeichen waren dafür wie schon von uns davor erwähnt, dass es kaum wirklich kämpferische Töne gegeben hat. Überrascht hat uns das Ergebnis am Ende alle nicht.
Die lauten Töne kamen erst, als es zu den Warnstreiks kam. Mit dem abwarten bis zur letzten Verhandlungsrunde und dem ewigen Gerede von richtigen und unbefristeten Streiks, war es das Selbe wie die Male davor auch. Damit will uns die IG-Metall klar machen, dass sie jederzeit kampfbereit ist und nicht vor Mitteln wie Streiks zurück schreckt. Damit soll auch denen Angst gemacht werden, die nicht Mitglied sind. Denn diese Arbeiter_innen würden kein Lohn bekommen, wenn sie mit streiken würden, oder sie müssten als Streikbrecher_innen vorbei an ihren Kollegen und Kolleginnen durchs Werkstor gehen. Und mit dem verteilen von IG-Metall Materialien wie z.B. die Mützen oder Plastikwesten, sollen wir das Gefühl bekommen, für das erreichen des Tarifergebnis ganz wichtig gewesen zu sein. Leider ließen sich auch dieses mal wieder zu viele von der Stimmung mitreißen und liefen mit dem Propagandamaterial der verlogenen Gewerkschaft mit.
Obwohl die IG-Metall mittlerweile weit über 3 Milliarden Euro Eigenkapital hat, überlässt sie uns immer mehr der Wirtschaft als billige Arbeitskraft. Richtige Streiks sucht man in den letzten Jahrzehnten fast schon vergebens. Anstatt weiter für Fortschritt zu kämpfen, horten die Gewerkschaftsbonzen Milliarden an, fahren mit Luxuslimousinen vor, bauen sich ein riesiges Gewerkschaftshaus in Frankfurt und kassieren selbst fast schon Managergehälter wie sie in Wirtschaftsunternehmen üblich sind. In vielen Betrieben, wie oft auch bei uns in der MAN, arbeiten die Menschen 40 oder mehr, statt die im Tarifvertrag stehenden 35 Stunden pro Woche. Die Leiharbeit und Befristung wurde durch die großen Gewerkschaften, allen voran die IG-Metall, vor Jahren massiv ausgeweitet. Mittlerweile will man einen Mindestlohn für Leihbeschäftigte, der bei 8,50 Euro liegt. Das ist kaum eine Verbesserung für die bisherigen Leiharbeiter_innen und das könnte (falls der gesetzliche Mindestlohn nicht kommt) fatale Auswirkungen auf den gesamten Arbeitsmarkt in Deutschland haben. Sind unsere Reallöhne seit Jahren schon ins minus gerutscht, wird man sich in Zukunft auch noch mit immer mehr unsicheren Arbeitsplätzen zufrieden geben müssen.
Wir denken, dass die IG-Metall erst auf ihre Geldreserven zurück greift, wenn sie ihre Existenz in Gefahr sieht. Solange aber die Menschen nicht (selbstbestimmt) rebellieren und sich mit dem was sie bekommen zufrieden geben, solange wird alles so weiter laufen wie bisher. Uns wird weiter eingeredet, wie wichtig es ist, dass „wir in Deutschland“ alle an einem Strang ziehen müssen, damit es uns gut geht. Dass mit „wir“ die deutsche Wirtschaft und damit allein nur ihre Interessen gemeint sind, sagt man uns so nicht. Wir sollen zufrieden sein, egal ob das was man uns gibt gerecht ist oder nicht. Und damit Deutschland nicht wegen anderen Euroländern in die Krise rutscht, wird den Menschen dort der selbe Sparzwang aufgedrückt, wie man es bei uns schon seit Jahren macht (Hartz IV, Leiharbeit, zu geringe Lohnerhöhungen, …). Hauptsache uns geht es „gut“, dass andere sich ab jetzt auch immer mehr kaputt arbeiten müssen, ist der deutschen Wirtschafts- und Politikelite egal. Erst wenn die IGM merkt, dass die Menschen für echte Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit kämpfen, werden sie das Geld dafür nutzen, andere, heute noch kleine Gewerkschaften durch ihr Geld außer Gefecht zu setzen. Aber dann ist es wohl auch schon zu spät, denn wenn die Menschen erstmal die Situation erkannt haben, werden sie nicht mehr zu den verräterischen Gewerkschaften wie der IG-Metall zurückkehren.
Uns sollte (und das passiert auch) allmählich klar werden, dass wir uns auf keine_n mehr verlassen können, außer auf uns selbst. Wir wissen selbst, was wir brauchen und was wir wollen. Wir sind es, die die Gewinne erarbeiten, also sollten wir die Gewinne bekommen! Wir brauchen keine Vorgesetzten um zu wissen, dass wir arbeiten müssen, damit am Ende ein guter LKW aus der Fabrik rollt! Wir brauchen sie auch nicht, damit sie uns hetzen und uns sagen, wie wir zu arbeiten haben!
Wir brauchen und wollen keine Unterdrücker_innen mehr! Und auch keine Gewerkschaft, die uns sagt, was gut für uns ist, ohne uns zu fragen!
Der einzige Weg aus der Krise ist die Organisierung der Arbeitenden selbst!
Das ist kein Aufruf auszutreten. Wer austreten will, soll das tun. An alle anderen verärgerten können wir nur sagen, macht den Mund auf bei den Treffen der IG-Metall und nehmt euch/uns die Gewerkschaft wieder zurück. Doch daran glauben wir nicht mehr, angesichts der mafiösen Strukturen alleine schon in den Betriebsräten, ganz zu schweigen von den Vorsitzenden der IGM.

Und damit direkt weiter zum nächsten Text, der sich mit der Frage der Selbstorganisierung bei uns Beschäftigten des Werks München befasst.

Gib mir irgendwas das bleibt!
Zum Teil erfolgreiche Aufrufe zum wilden Streik, Verhinderungsversuche der Wiederwahl von Jürgen Dorn und seinen Helfer_innen, Infos und Texte zu verschiedenen Themen für einen anderen Blickwinkel auf das Arbeitsleben, Informationsaustausch untereinander, brisante Geschichten und Infos veröffentlicht, und vieles mehr. Das ist das, was wir bisher gemacht und erreicht haben. Doch unser Ziel war und ist es nicht, alleine etwas zu verändern. Wir brauchen euch und wir wollen euch eine Plattform bieten, doch wollen wir euch nicht nur zum mitmachen oder sogar zum konsumieren von verschiedenen Widerstandsformen aufrufen. Das was wir bisher gemacht haben, war nur ein wachrütteln und Ausrufezeichen setzen, damit sich endlich was ändert. Wir hatten einfach keine Lust mehr, nur zu meckern und uns das gemeckere der Kolleginnen und Kollegen anzuhören. Deshalb haben wir uns entschlossen, diese Zeitung raus zu bringen, um nicht nur selbst unseren Unmut Ausdruck zu verleihen, sondern auch anderen eine Chance zu geben, etwas zu sagen, etwas zu verändern.
Wir beschäftigen uns schon länger mit der Frage, wie viel wir uns noch zutrauen und zumuten können. Wie weit wir noch gehen können und weit wir es schon geschafft haben. Es ist sehr wichtig selbstkritisch zu sein, um Fehler zu erkennen und damit zu wachsen. Für uns ist damit klar geworden, dass wir schon fast am Limit sind und deshalb mit diesem Text bzw. Aufruf das Begonnene nur mit euch gemeinsam weiter wachsen lassen können.
Aktionsformen gibt es viele um Widerstand zu leisten. Doch wie soll das in Zukunft geschehen?
Ideen unsererseits reichen von einem Internetforum, über lockere Treffen in einem Lokal, bis hin zu inoffiziellen Vertrauenskörperstrukturen, die sich regelmäßig irgendwo treffen.
Natürlich kann es mehrere Wege gleichzeitig geben, doch muss endlich ein weiterer Schritt zur Selbstorganisation der Arbeiter_innen im Werk München gemacht werden. Also schreibt uns an! Schreibt eure Ideen in paar Sätzen an uns und wir werden sie zur nächsten Ausgabe veröffentlichen.
Egal was es alles an Ideen gibt, klar muss allen sein, dass es ein wenig Mut braucht, um Dinge umzusetzten bzw. Dinge zu verändern! Deshalb lasst uns gemeinsam etwas Bewegen, denn gemeinsam sind wir stark!
Nochmal unsere Mailadresse: werkerinfo@riseup.net

Wenn sie dich stressen:
Sei schlau, mach blau!

Immer weniger Wert sind die Urlaubstage im Nachhinein, wenn du gleich ab dem ersten Arbeitstag nach einem Urlaub merkst, wie schnell der Alltag, aber vor allem die Arbeit dich wieder eingenommen hat. Sie frisst dich geradezu auf. Vor allem, wenn der nächste Urlaub noch in weiter ferne ist. Was also machen?
Was machen, wenn die Arbeit zur Qual wird? Wenn der Stress, die Schmerzen oder der Druck nicht aufhören?
Ganz einfach:
Mach einfach mal blau!

Ruf kurz vor Beginn der Arbeitszeit deine_n Vorgesetzte_n an und sag, dass du krank bist und noch nicht weißt, wann du wieder Arbeitsfähig bist. Sag einfach, du meldest dich, sobald du genaueres weißt. Dann gehst du zum Arzt bzw. Ärztin und lässt dich wegen Schmerzen oder der Psyche krank schreiben. Schick die Krankschreibung per Einschreiben an deine_n Vorgesetzte_n und du kannst dich ausruhen. Bei Depression kannst du sogar alles wie gewohnt weiter machen, denn alles was dir gut tut und dich Mental wieder aufbaut, hilft dir wieder gesund zu werden. Ruf rechtzeitig an, um zu sagen, dass du noch länger krank bist (falls du noch nicht zurück kommen möchtest). Wenn du wieder in der Arbeit bist, dann gib keinen Grund an und vor allem unterschreibe nichts!
Es ist nichts schlecht daran, krank zu machen! Du erhältst keinen Dank für den Stress. Das Gehalt ist auch nicht so hoch, dass es ein gerechter Anteil für deinen täglichen Arbeitsaufwand und die Milliardengewinne ist. Außerdem gibt es noch ein Leben außerhalb der Arbeit. Mit anderen Worten: Wir leben nicht um zu arbeiten, sondern wir arbeiten um zu leben. Wenn du Kinder oder sogar Enkel haben solltest, glaubst du nicht, dass sie sich freuen dich öfter zu sehen, als immer nur am Wochenende, wo du dann noch andere Dinge zu tun hast? Es gibt wohl noch 1000 Gründe mehr, die klar machen, warum die Arbeit nicht das einzige im Leben ist, was zählt.
Tu dir was Gutes, denn von MAN bekommst du es nicht!
Mach blau!
Hier noch zwei nützliche Internetseiten zu dem Thema:
http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsrecht_Handbuch_Kuendigung_Krankheitsbedingt.html
http://www.krankheit-simulieren.de/

Schreibform mit Unterstrich
Wie euch schon aufgefallen ist, benutzen wir z.B. die Schreibform mit Unterstrich, mit der weiblichen Endung _in. Damit beziehen wir die weibliche Form bei sonst nur männlichen Formen von Wörtern mit ein. Das heißt z.B. „Arbeiter_in“. Hier ist der Arbeiter sowie die Arbeiterin gemeint. Da es aber auch Menschen gibt, die – aus welchem Grund auch immer – nicht in eine Geschlechterform eingliedert werden wollen oder können, benutzten wir für diese auch den Unterstrich.

Ausgabe 13/2013

UPDATE: Die Wahllisten sind jetzt veröffentlicht worden. Leider befindet sich neben der IG-Metall Liste nur eine andere, mit nur einer Person. Da wir den Namen der Liste (Für Gerechtigkeit) und die Beantragung einer eigenen Liste sehr mutig finden, meinen wir, dass dieser Kollege (Siedlitzki Renald) eine Stimme von uns allen verdient hat.
Bei der IG-Metall Wahlliste bleibt es bei unserer Meinung, Dorn und Kuhfahl müssen auf jeden Fall weg! Genauso wie alle anderen faulen Dummschwätzer_innen des bisherigen Betriebsrat!

Servus liebe Kolleginnen und Kollegen,

eine große Schweinerei ist zugange und deshalb gibt es bereits jetzt wieder eine neue Ausgabe. Es ist unbedingt wichtig, dass ihr die komplette Ausgabe lest! Wir werden diese Ausgabe mit der Betriebsratswahl beginnen und später noch andere Themen ansprechen.

Am 4. und 5. Juni finden die Betriebsratswahlen statt und das ist kein Zufall. Ein Grund dafür ist der, der auch auf der Betriebsversammlung genannt wurde. Am 6. Juni soll in einer Aktionärsversammlung über den Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag abgestimmt werden, der für uns die komplette Eingliederung in den VW Konzern bedeutet. Und nebenbei bedeutet das für unseren Betriebsratsvorsitzenden Jürgen Dorn, dass er weiter Karriere machen kann (er soll schon einen Posten im Betriebsratsvorstand bei VW in Aussicht haben). Der andere Grund ist, dass vor allem Jürgen Dorn, aber auch andere Betriebsräte zeigen wollen, dass doch alles so passt wie es ist. Doch das tut es nicht!
Der Text „Kein Vertrauen mehr“ in der Ausgabe 11, sorgte im Betriebsrat für ein Erdbeben, dass ein ungeahntes Ausmaß angenommen hat. Zudem hat auch der offene Brief an die Betriebsräte weiter Salz in die Wunde von Jürgen Dorn und seiner Lebensgefährtin Kerstin Kuhfahl (ebenfalls im Vorstand) gestreut. Den Betriebsräten wurde ein Sprechverbot erteilt, Sondersitzungen wurden einberufen und Strategien überlegt, wie man Schlimmeres verhindern kann. So traf sich der Betriebsrat nach unseren Informationen am 12.4.13 zu einer Sondersitzung, bei der von Jürgen Dorn die Auflösung und damit die Neuwahlen angekündigt würden. Aber anstatt diese Information sofort an die Belegschaft weiter zu geben, wurde weiter geschwiegen, von allen Betriebsräten. Die, die wir als unsere Interessensvertretung gewählt haben, verschweigen uns diese wichtigen Informationen aus Angst vor Machtverlust! Und damit nicht genug. Der Aushang mit den Informationen zur Wahl, wurde nicht wie es auf den Zetteln steht zum 17.4. ausgehangen, sondern erst in der Woche danach. Dabei ist der Betriebsrat verpflichtet, mindestens 2 Wochen vor Antragsende zur Aufstellung neuer Kandidaten und Kandidatinnen diese Informationen zu veröffentlichen und auszuhängen! Wie sollen sich denn in einem so kurzen Zeitraum genügend Leute finden, um eine neue Liste aufzustellen? Aber genau deshalb setzt der Betriebsrat auf diese Strategie, denn eine neue Liste mit neuen Leuten fürchten die meisten Betriebsräte. Wie im Betriebsrat zu dieser Wahl hin gearbeitet wird, ist auch auf den Zetteln zu lesen. Auf den Blättern steht „Wahlausschreiben am 18.4. erlassen“, darunter aber „auszuhängen am 17.4.“. Geändert wurden die Dateien im Intranet komischerweise auch nochmal zum 30.4.. Ob das ein Indiz dafür ist, dass da einfach nur schlampig gearbeitet wird oder es doch zeigt, dass da mehr dahinter steckt als irgendwelche Zufälle, können wir leider nur vermuten.
Eines kann auf jeden Fall sicher gesagt werden, mit dieser Wahl (falls der Betriebsrat so wieder gewählt werden sollte), sichert sich der bisherige Betriebsrat seine Macht nicht nur bis zum eigentlichen Wahltermin im März 2014, sondern sogar bis ins Jahr 2018. Bei einem Punkt hat der Betriebsrat und vor allem der Vorsitzende Jürgen Dorn aber nicht gelogen, man will gestärkt in die nächsten Jahre starten. Das heißt nichts anderes, als dass keine Querdenker in den Betriebsrat sollen. Mit der Auflösung hat wirklich keine_r gerechnet und so wird es kommen, wie es kommen sollte: Keine neue Liste, mit neuen Leuten, die etwas an der Politik des bestehenden Betriebsrat ändern könnten. Auch wir wurden völlig überrumpelt. Am Tag, als die letzte Ausgabe verteilt wurde, wurden wir über die brisanten Neuigkeiten informiert, davor haben wir das leider nur als Gerücht mitbekommen. So konnten auch wir kaum mehr auf Ereignisse eingehen. Der Betriebsrat, sein König (Jürgen Dorn) und seine Königin (Kerstin Kuhfahl) setzen alles daran, dass sich nichts ändert und ändern kann. Aber wir bleiben bei unserem Motto: So wie es ist, darf es nicht bleiben!
Frau Kufahl kam als Lebensgefährtin (war Sekretärin in Salzgitter) von Dorn und wurde einfach mal eben in den Betriebsrat und dann auch noch in den Vorstand gesetzt. Jürgen Dorn betreibt seit Jahren Arbeitnehmer_innenfreundliche Firmenpolitik hinter unserem Rücken und auf Kosten unserer Gesundheit und unserer Arbeitsplätze. Außerdem hat er seine Tochter (Yvonne Dorn) ohne Wahl in den Betriebsrat geholt, was sie für uns von Anfang an zu keiner vertrauenswürdigen Person macht. Dorn und Kuhfahl müssen weg! Ebenso viele andere Betriebsräte, vor allem die meisten von der IG-Metall Liste! Ihr wisst selbst, wer wirklich was für die Belegschaft, also uns alle macht und wer nicht. Und deshalb nutzt eure Stimme und wählt die Faulen und „Jasager“ ab!
Es kann übrigens jede_r zur Wahl gehen, egal ob ihr irgendeiner Gewerkschaft angehört oder nicht, so steht es im Betriebsverfassungsgesetz!
Wir können an dieser Stelle auch nur sagen, dass wir hoffen, dass bei der Wahl alles mit rechten Dingen zu geht. Schon bei der Vetrauenskörperwahl im vergangenen Jahr gab es merkwürdige Ergebnisse.

Jetzt wollen wir auf die Betriebsversammlung eingehen. Zuvor aber nochmal ein Kommentar den wir uns nicht verkneifen können. Die Betriebsversammlung ist immer noch eine Informationsveranstaltung und kein Volksfest. Danke für die kulinarische Verpflegung, aber eine Liveband braucht es wirklich nicht. Soll es bald auch noch Schießstände geben, damit es den Leuten nicht zu langweilig wird? Und auf der Bühne kann es ruhig die selben Getränke geben wie für alle Mitarbeiter_innen, oder sind wir Mitarbeiter_innen zweiter Klasse?
Dorn sprach über Managementfehler, aber nicht über eigene. So kam gleich beim nächsten Punkt das Thema altersgerechte Arbeitsplätze auf. Er sagte, dass es zu wenig Arbeitsplätze für ältere Mitarbeiter_innen gibt. Was er aber nicht sagte ist, dass der Betriebsrat dem stellenweisen Abbau dieser Arbeitsplätze in den letzten Jahren zustimmte. „Sein“ Betriebsrat ist mit Verantwortlich für diesen Missstand, aber um davon abzulenken, gibt er die Verantwortung und Schuld an die MAN Vorstände weiter. Dann sprach er über ein Gesundheitszentrum, dass in unserem Werk gebaut werden soll. Doch wir brauchen kein Gesundheitszentrum um den Krankenstand zu reduzieren, sondern wir brauchen Arbeitsplätze, die nicht krank machen! Beim letzten Thema veränderte Dorn seine Stimme und Haltung, er verkündete die Auflösung des Betriebsrats. Doch anstatt zu sagen, dass es im Betriebsrat brodelt und der Druck auf ihn und Kerstin Kuhfahl massiv gestiegen ist und unter anderem das der Grund der Auflösung ist, wurde stattdessen nur von einem neuen Zeitalter durch die VW Übernahme gesprochen. Ansprechen wollte er die wirklichen Gründe auch gar nicht, weil er meinte, dass was nur wenige wissen, macht auch nur wenige heiß. Doch an dieser Stelle hast du dich getäuscht Kollege. Unsere Zeitung wird in einer Auflage von mehreren hundert Stück verteilt und die Internetseite bekommt im Monat zum Teil weit über 1000 klicks. Die Wahrheit ist eine Gefahr für dich, deine Lebensgefährtin Kuhfahl und die Betriebsräte, die euch in den Arsch kriechen! Und deshalb tut ihr mittlerweile alles um an der Macht zu bleiben. Es ist an der Zeit, dass ihr abtretet – sofort!
Der zweite der sprach, war wie immer unser Kollege Stimoniaris, der auch zugleich auf das M1 Projekt und die Angst der Mitarbeiter_innen über weitere Einsparungen an den Arbeitsplätzen einging. So sehr wir seine nächsten Punkte zum Teil gut fanden, so müssen wir sagen, dass bisher schon so viele Arbeitsplätze unter den Augen des bisherigen Betriebsrat vernichtet wurden, dass wir in diesem Punkt dir/euch auch nicht mehr vertrauen! Hättet ihr schon frühzeitig was gegen die ständigen Rationalisierungen getan, wäre es nie soweit gekommen. Auch was die Situation von Leiharbeiter_innen in Dachau angeht, können wir nur den Kopf schütteln. Wenn es eine Vereinbarung zum Thema Leiharbeit gibt, dann muss diese umgesetzt werden, wenn nötig vor Gericht oder mit Streik. Wenn die MAN meint uns verarschen zu können, dann müsst ihr als unsere Vertretung alle rechtlichen Mittel ausnutzen, oder sie werden den Zorn der ganzen Belegschaft zu spüren bekommen (dazu später mehr*). Bei dem Punkt Entgelteinstufung ist es das selbe.
Dafür müssen wir jetzt aber auch mal ein Lob aussprechen. Die Punkte „Externe“ und Diskriminierung sind sehr wichtig und es war gut, dass sie angesprochen wurden. Externe Mitarbeiter_innen brauchen wir nicht, was wir brauchen sind Festangestellte, die eine sichere Zukunft haben und denen damit das Wohl der MAN am Herzen liegt. Auch das Zitat war genau richtig, mit Externen macht man die eigene Firma nur kaputt. Zum Thema Rassismus haben wir ja schon in der letzten Ausgabe Stellung bezogen. Jetzt wurde auf der Versammlung mit großem Applaus das Thema Schwulenfeindlichkeit angesprochen. Wir sehen es genauso wie es unser Kollege gesagt hat: Wer wen, wie liebt, bleibt jedem Mensch selbst überlassen und dumme Kommentare darüber sind überall fehl am Platz!
Zu Lischkas Rede über die IG-Metall sagen wir nur eines: Wer „fair zu den Arbeitgebern“ sein will und es zu keinem Streik kommen lassen will und deshalb keine hohen Forderungen stellt, bzw. sogar schon sagt, dass er sich mit 4% am 8. Mai zufrieden geben würde, handelt nicht für uns und in unserem Interesse!
Weiter wollen wir nicht auf die Betriebsversammlung eingehen, weil das ewig gleiche Gerede der Chefs von „Krise“ sowieso immer das gleiche ist.

Das wars zur Betriebsversammlung. Jetzt zu weiteren Themen.
Als erstes wollen wir uns bei allen bedanken, die uns unterstützen und sich mit uns solidarisieren! Damit auch viele solidarische und kämpferische Grüße an die Kollegen und Kolleginnen in den anderen MAN Werken, vor allem aber auch nach Salzgitter, von denen wir viele solidarische Mails bekommen haben!
Es ist eigentlich auch schon das immer gleiche, aber weils zum letzten Satz über die Betriebsversammlung passt sprechen wir es nochmal an. In einem Artikel im Intranet ist die Rede von „respektables operatives Ergebnis“ der MAN im Jahr 2012. Aber wo ist unsere respektable Gewinnbeteiligung für all das Schuften und all die Überstunden?

*In den letzten beiden Ausgaben haben wir zum „selbstorganisierten Streik“ aufgerufen, dazu wollen jetzt ein paar Worte aus unserer Sicht schreiben.
Der erste Aufruf galt für den 21.1.13, wurde aber erst 5 Tage vorher veröffentlicht und auch die Aufkleber wurden im Werk erst in den paar Tagen davor verklebt. Wegen der sehr kurzen Mobilisierungszeit kam es zu keinen nennenswerten Vorfällen, alles schien wie immer zu laufen. Also entschieden wir uns einen zweiten Anlauf zu nehmen und riefen erneut zum Streik auf. Dieses Mal für den 2. und 3. Mai, begleitet von einer kleinen Kampagne („So wie es ist, darf es nicht bleiben!“) und einer frühzeitig veröffentlichten/verteilten Ausgabe. Durch eine frühe und großflächige Mobilisierung sollte es dieses Mal einen erfolgreichen Versuch geben, die Arbeiter_innen in unserem Werk zu einem selbstbestimmten und unkontrollierbaren Streik zu bewegen. Trotz der ständigen Bemühung die Mobilisierung zu verhindern, konnte das Mögliche nicht mehr gestoppt werden. Schon am Montag den 29.4. zeichnete sich ein hoher Krankenstand ab, der an den beiden Streiktagen nochmals gestiegen war. Wir wollen und können das nicht komplett auf unsere Kappe nehmen, doch wir sind uns sicher, dass die Streikaufrufe auch ein Grund dafür sind, dass der Krankenstand so hoch wie schon lange nicht mehr war. Einige Abteilungen hatten einen Krankenstand von 7 Arbeiter_innen pro Schicht. Dass wir es geschafft haben, den bereits bestehenden Protest zu bündeln sehen wir als Erfolg. Eigentlich kann es sogar als großen Erfolg verstanden werden, weil es einen solchen Widerstand Jahrzehnte nicht mehr gegeben hat.
Mit dem fernbleiben vieler Kollegen und Kolleginnen stieg auch die Zahl der Fehler. Einerseits ist das das, was unserer Meinung nach sowieso in ein paar Jahren passieren wird; und zwar, dass durch das wegrationalisieren von Mitarbeiter_innen nur eine Verschlechterung der Qualität eintritt. Anderseits ist es ein weiteres klares Zeichen, dass unser Widerstand massive Auswirkungen auf den ganz normalen Wahnsinn an unseren Arbeitsplätzen hat. Am Montag erreichte die Direct-Run-Quote in der LKW-Montage ein Tiefstand von nur 4%. Das heißt, dass 96% der Fahrzeuge in Nachreparatur mussten. Die Prozentzahl liegt sowieso im Schnitt nur noch bei etwa 30 bis höchstens 50 %. Über 400 Fahrzeuge warten mittlerweile auf ihre Nachreparatur, was für die Kollegen und Kolleginnen in der Nacharbeit Sonderschichten sogar am gesamten Wochenende im Zweischichtbetrieb bedeutet. Deshalb rufen wir auch die Kolleginnen und Kollegen in der Nacharbeit auf krank zu machen, wenn ihr keine Lust auf Wochenendarbeit habt. Leistet auch Widerstand, bis Chefs und Betriebsrat kapieren, dass es so wie es ist, nicht bleiben darf!
Und sollte es wegen den minus Zahlen an den Bändern der letzten Tagen und Wochen zu einer Sonderschicht am Samstag kommen, rufen wir hiermit alle auf, diese zu verweigern. Denn nur so zeigt der Streik wirklich Wirkung! Und nur so verstehen es die Chefs mal, dass man mit uns nicht umgehen kann wie mit Eseln!
Streik ist die einzige Sprache, die sie verstehen!

Wir weisen aus Sicherheitsgründen nochmals darauf hin, dass ihr (wenn ihr krank seid/macht) immer zu beginn der Schicht vom ersten Tag an dem ihr krank seid anruft und die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung am besten auch am ersten Tag per einschreiben an euren Meister/Meisterin schickt.

Und jetzt ein schon mal veröffentlichter Text über die Qualität, weil es zu dem oberen Abschnitt passt.

Qualität. Aber für wen?
Manchmal stellt sich doch wirklich die Frage, für wen wir eigentlich die LKW’s bauen. Denn Qualität heißt nicht etwa, dass der LKW nach den ersten Kilometer auseinander fallen soll. Ok, das war jetzt etwas übertrieben, aber manchmal sieht es schon sehr danach aus.
Das Band darf nicht stehen, sondern soll am besten immer schneller laufen. Es ist sogar mittlerweile so schnell geworden, dass nicht selten Teile erst verspätet am Band, in einer anderen Abteilung oder sogar erst in der Nacharbeit eingebaut werden können. Das auch immer weniger Arbeiter_innen in den Abteilungen sind, ist auch nicht förderlich dafür, dass die Qualität besser wird. Und wird die Qualität bestimmter Teile mal öfter beanstandet, dann heißt es das „passt schon“. Aber was soll das? Geht es nur um die Stückzahl und den dadurch erzielten Gewinn? Klar braucht es eine gewisse Kapazität um mit anderen Unternehmen mithalten zu können. Aber die Stückzahl ist nicht alles! Nicht, dass dadurch „nur“ wie wir oft genug anprangern, die Arbeitsverhältnisse immer schlechter werden, sondern auch die Qualität nimmt stetig ab. Auch der Versuch, die Qualität durch Maßnahmen wie das Stempeln im Protokoll (mit dem die einzelnen Mitarbeiter_innen verpflichtet werden für ihre geleistete Arbeit einzustehen,) werden langfristig nicht zur Qualitätssicherung beitragen. Damit soll nur der Druck auf uns erhöht werden, trotz weniger Mitarbeiter_innen und schnelleren Takt, die Qualitätsanforderungen einzuhalten.
Wenn der Markt in Europa mehr oder weniger gesättigt ist, dann wird immer mehr versucht, Geld mit Serviceleistungen, wie z.B. Werkstattbesuche von Kunden zu verdienen. Aber irgendwann geht die Rechnung nicht mehr auf. Dann kommt nur noch Schrott aus der Fabrik. Wer will schon einen LKW, der nach ein paar tausend Kilometer nur noch in die Werkstatt muss?!
Es sollte wieder mehr Wert auf eine ordentliche Konstruktion und eine menschlichere Gestaltung der Arbeitsplätze gelegt werden. Davon würde die MAN und ihre Kunden viel stärker profitieren.

Blick über den Tellerrand

Der Einleitungsartikel einer Mitarbeiter_innenzeitung aus einem Daimler-Werk in Bremen:
Was ist das für eine Tarifrunde? Künstliche Aufregung darüber, dass der Einkommens Viertelmillionär, der IG Metall-Vorsitzende Huber, wieder mal rechtzeitig seine Vorgabe macht, die helfen soll, den Standort Deutschland als Billiglohnland zu erhalten, um so den Rest der Welt niederkonkurrieren zu können. Die dann auch brav von allen Tarifkommissionen ganz demokratisch so abgenickt wird.
Die Kollegen an den Bändern winken ab. Sie ballen die Faust in der Tasche und bleiben stumm. Warum bleiben sie stumm? Nicht, weil sie zufrieden sind. Sondern, weil sie nichts mehr erwarten von dieser abgekarteten Inszenierung. Und sie haben Recht, die Kollegen. Sie wissen sehr wohl, dass Millionen draußen vor dem Tor, stehen, die ihre Arbeitskraft nicht verkaufen können. Sie können sie nicht verkaufen, weil die Kapitalisten tagtäglich Tausende auf die Straße setzen. Weil sie Fabriken und Anlagen vernichten in dieser Weltwirtschaftskrise. Und weil sie die übrigen Arbeiter
arbeiten lassen bis zum Umfallen, weil sie den Arbeiter immer mehr zum Tagelöhner degradieren, zum Leiharbeiter unter der Regie eines Sklavenhändlers oder eines so genannten Werkvertrages. Sie haben Recht, die Kollegen, wenn sie nichts erwarten von dieser Tarifrundenzeremonie, weil sie wissen, dass es nicht die läppische Fünfeinhalb-Prozent-Forderung ist, die ihr Lohnarbeiterdasein erträglich macht. Müssten es nicht 20, 30 oder mehr Prozent sein, um über die Runden zu kommen und um vor allem nicht mehr zum Streikbrecher Europas gemacht zu werden?
Nein, ein solcher Kampf ist nicht zu gewinnen in dieser Krise. Worum müssen wir dann heute in erster Linie kämpfen, zumindest mit der Aussicht auf einen Sieg? Wir können und wir müssen streiken gegen die Leiharbeit, gegen die Vergabe von Arbeiten an Billigausbeuter (Werkverträge), gegen die Degradierung zum Zwangsarbeiter, der so flexibel geknetet wurde, dass er nicht mehr weiß, was ein normaler Arbeitstag ist, dass er nicht mehr weiß, wo vorne und hinten ist. Dieser Kampf kann nicht in einem einzelnen Betrieb gewonnen werden. Das ist es, was Aufgabe der IG Metall wäre, diesen Streik flächendeckend endlich zu organisieren.
Und genau da sind wir wieder beim Punkt: Sie tut es nicht und sie will es nicht tun, weil sie den Arbeitern vorgaukelt, dass sie in
diesem Kapitalismus doch noch irgendwie überleben können mit zarten Forderungen nach ein paar Cent mehr – trotz Krise, trotz einer riesigen Reservearmee vor den Toren. Ein Bertold Huber denkt gar nicht daran, gegen die Schließung von Opel in Bochum zu kämpfen. Er glaubt, den Kapitalismus dadurch zu retten, dass er einer Lohnkürzung nach der anderen, dass er “Standort-
Verträgen” zustimmt, die schon wieder gebrochen werden, bevor die Tinte drunter trocken ist. Der letzten Endes auch bereit ist, lebendige Arbeiter auf dem Altar des großen Geldes zu opfern, wenn das Kapital, in dessen Aufsichtsräten er sitzt, es verlangt.
Die IG Metall-Führung weiß sehr wohl, dass sie eine Lohnerhöhung, die den Namen tatsächlich verdient, so nicht durchsetzen kann. Sie haben Recht, die Kollegen, wenn sie unter solchen Bedingungen von dieser Tarifrunde nichts erwarten. Sie haben Recht, weil sie Realisten sind. Sie sehen, wie es das Kapital selbst ist, das die Lohnarbeit, also den freien Verkauf der Arbeitskraft, mehr und mehr aufhebt und durch Leiharbeit und Tagelöhnerei ersetzt, wie es in den “Srategiepapieren” des Daimler-Vorstands oder “Ideensammlungen” der Bremer Werkleitung zu lesen ist. Und weil die Kollegen Realisten sind, erkennen sie langsam aber sicher, dass es so nicht weiter geht mit diesem Wahnsinn namens Kapitalismus. Seien wir also Realisten und führen wir einen noch entschiedeneren Kampf gegen Leiharbeit und Werkverträge. Führen wir den Kampf
gegen dieses menschenvernichtende Lohnsystem. Es ist allerhöchste Zeit.

Schreibform mit Unterstrich
Wie euch schon aufgefallen ist, benutzen wir z.B. die Schreibform mit Unterstrich, mit der weiblichen Endung _in. Damit beziehen wir die weibliche Form bei sonst nur männlichen Formen von Wörtern mit ein. Das heißt z.B. „Arbeiter_in“. Hier ist der Arbeiter sowie die Arbeiterin gemeint. Da es aber auch Menschen gibt, die – aus welchem Grund auch immer – nicht in eine Geschlechterform eingliedert werden wollen oder können, benutzten wir für diese auch den Unterstrich.

Termine:
Betriebsratswahlen am 4. und 5. Juni:
Keine Stimme Jürgen Dorn und Kerstin Kuhfahl, sowie den vielen anderen faulen und „Jasagern“ auf der IG-Metall Liste! Es ist höchste Zeit, dass sie abtreten!
Weitersagen!

Falls es zu keine neue Ausgabe vor den Schließwochen im August geben sollte, wünschen wir allen alles Gute und einen schönen und erholsamen Urlaub!

Ausgabe 12/2013 + Streikaufruf Nr. 2

AUF GEHT‘S!
ZUSAMMEN URLAUB NEHMEN ODER KRANK MACHEN!

Raus aus der Hilflosigkeit, raus aus der Fabrik und rein in den zweitägigen Streik! Last uns nicht weiter alles hinnehmen! Wir dürfen nicht so lange warten, bis wir mit dem Rücken zur Wand stehen! Willst du warten, bis sie dich kündigen wollen und erst dann aktiv werden, wenn es schon beschlossene Sache ist?
Durch VW steht MAN massiv unter Druck, jedes Jahr gute Gewinne zu erzielen. Sollte das MAN nicht von alleine schaffen, dann wird VW rigoros durchgreifen. Mit diesem Argument versucht man uns zu erpressen und gibt uns Arbeiter_innen damit vor, die volle Verantwortung über unsere Zukunft zu haben. Immer billiger (Personaleinsparungen), immer mehr, immer länger, immer bessere Qualität und am besten keine Fehltage. Dabei sind es nicht wir, die eine Übernahme durch VW wollten und es sind auch nicht wir, die sich freiwillig in diese Situation gebracht haben. Es ist der Größenwahn der Chefs und der Betriebsräte, der uns in diese Situation gebracht hat. Jetzt müssen wir für ihren Gewinn bezahlen.
Wir müssen jetzt Handeln, bevor es zu spät ist!
Streik ist die einzige Sprache die sie verstehen!

Wir verlangen mit sofortiger Wirkung:
-Höchstens 7 Stunden arbeiten + 1 Stunde „geschenkt“ aufs Zeitkonto.*
-Nur 5 Tage-Arbeitswochen.*
-2 garantierte Springerpausen für alle Bandarbeiter_innen.*
-2 zusätzliche Pausen für Mitarbeiter_innen mit Behinderung ab 20%.*
-Schwerbehinderte weg von Bändern und taktgebundenen Arbeitsplätzen.*
-Keine Bandarbeit für Mitarbeiter_innen mit Behinderung.*
-Gleicher Grundlohn für alle + Zuschläge (Akkordzuschlag, ect.).*
-Keine weiteren Taktverkürzungen und Personaleinsparungen mehr.*
-Ein Vertrauenskörper in jeder Abteilung und pro Schicht.*
-AVP abschaffen.*
-Pausenplätze für die gesamte Achsmontage.
-Keine Militärfahrzeuge/-achsen mehr produzieren.*
Und nach Beendigung der Kurzarbeit:
-300 Neueinstellungen in der Produktion
-Altersteilzeit für alle die wollen (frei gewordene Stellen ersetzten).
*Fordern wir für alle MAN Produktionsstätten, weltweit!

Servus liebe Kolleginnen und Kollegen,
in dieser Ausgabe findet ihr wieder reichlich Artikel zu verschieden Themen die uns alle betreffen.
Seit der letzten Ausgabe hat sich auch wieder etwas getan. Die IGM fordert 5,5% mehr Lohn in der nächsten Tarifrunde, die Euro Krise ist bei weitem noch nicht überstanden, auch wenn von Griechenland (und den dortigen Arbeitskämpfen) kaum mehr berichtet wird. Aber auch wir wollen erneut den herrschenden Zuständen mit einem selbstorganisierten Streik Widerstand leisten.
Jetzt erstmal zur MAN und unserem Werk. Die MAN hat auch 2012 wieder hunderte Millionen Gewinn gemacht, nicht nur als gesamter MAN Konzern sondern auch unsere Nutzfahrzeugsparte. Während im abgeschotteten kleinen Schloss auf unserem Werksgelände noch immer gefressen wird, als gäbe es anscheinend was zu feiern, wird bei uns in der Produktion auf Grund des „schwierigen Marktumfeld“ immer weiter abgespeckt. Und das ist erst der Anfang von unserer ganz eigenen Krise. Wir wollen nichts herbei schwören, aber wenn die Politik der konkurrierenden Werke und Hersteller innerhalb des VW Konzerns weiterhin so zu nimmt, dann wird es nicht mehr sehr lange dauern, bis Werke geschlossen werden. Wenn selbst der Betriebsrat (der von Anfang an ganz begeistert von der Übernahme war) sagt, dass wir uns innerhalb des Konzerns nicht nur als Marke MAN, sondern auch als Werk München beweisen müssen, dann heißt dass nichts anderes, als dass wir uns in einem Teufelskreis befinden. Wir wurden also in eine noch viel beschissenere Situation gebracht, als wir es vorher waren. Anders gesagt: Vorher wurde wenigstens noch überlegt, wo was gebaut werden kann bzw. soll. Jetzt sind wir mit Scania als Partner in der Situation, dass vieles doppelt vorhanden ist und damit weitere riesige Einsparungen getroffen werden (können). Das wird langfristig Arbeitsplätze kosten. Vielleicht bekommen wir den Auftrag, auch die Achsen für Scania zu bauen, aber dann werden wir auch was abgeben müssen. Wir werden uns noch viel mehr anstrengen müssen, um größtmöglichen Schaden abzuwenden. Das aber bedeutet, dass wir billiger und besser werden müssen (auch eine Aussage eines Betriebsrates). Also: Personal abbauen und den Druck auf die Arbeitskräfte erhöhen. Wenn ein Werk geschlossen werden soll, dann ist zwar erst mal nur dieses Werk betroffen, aber gemeint sind damit alle. Alle kann es treffen, auch uns in München! Solidarität statt Konkurrenzkampf unter uns Arbeiter_innen!
Der VW Konzern hat übrigens (auch dank MAN) einen neuen Rekordgewinn von 22 Milliarden(!) Euro eingefahren. Die deutschen VW Werke werden mit über 7000 Euro pro Mitarbeiter_in belohnt; und wir?
Mittlerweile wurde uns gesagt, dass wir im Mai und Juni die seit 1.1.13 aufgebauten Überstunden abbauen müssen, dabei läuft die Kurzarbeit offiziell bis Ende Juni. Der Hintergrund ist, dass das Arbeitsamt die Zeitkonten der Mitarbeiter_innen vom 31.12.2012 und vom 30.6.2013 vergleichen will, weil in der Kurzarbeit keine Überstunden gemacht werden dürfen. Aber anstatt uns nur 7 Stunden arbeiten zu lassen, werden wir jetzt gezwungen frei zu nehmen, wann es der Firma passt. Und anstatt wenigstens ab jetzt überall in der Produktion nur noch 7 Stunden zu fahren, wird weiterhin 8 Stunden gearbeitet. Das Geld, das sich die MAN vom Staat eingeschoben hat, werden wir dagegen nie zu Gesicht bekommen. Aber Hauptsache wir sollen korrekt unsere Arbeit machen… die Ehrlichen sind leider auch immer die Dummen.
Auch auf die Ergebnisbeteiligung können wir wohl noch lange warten. Auch wenn besser als nichts, ist es nicht unsere Mentalität, uns mit den mickrigen 30% zufrieden zu geben. Wir haben die Gewinne erarbeitet und wir sollten im vollen Umfang daran beteiligt werden, alle mit dem selben Betrag!

In München wurde mit dem M1 Projekt bereits begonnen. Was das unter anderem heißt ist gerade in einem Teil der LKW-Montage zu erkennen. Andere Materialanordnung, ein genormtes Erscheinungsbild und ein weißer Boden. Was das uns in Zukunft bringen soll, außer weitere Personaleinsparungen durch Ergonomisierung der Arbeitsplätze ist uns schleierhaft. Jedenfalls werden dafür wieder Millionen ausgegeben. Ganze neu gebaute Bandabschnitte sollen wieder neu gestaltet werden und auch der bereits neu gemachte weiße Boden soll wieder neu gestrichen werden, weil der Lack nicht ganz passt. Was überhaupt weißer Boden in einer Fabrik zu suchen hat, ist und auch unerklärlich. Aber Hauptsache für solchen Scheiß wird das Geld wieder aus dem Fenster geschmissen.
Währenddessen hat sich in der LKW-Montage der neue Modulleiter bei den Mitarbeiter_innen mit den Worten „ich verlange von Ihnen 1. Disziplin, 2. Disziplin und 3. Disziplin“ vorgestellt. Ob er auch die Disziplin mitbring sein Büro selbst zu putzen, oder ob das für ihn nicht doch eine Putzkraft macht ist sehr fraglich. Aber selbst wenn, wer sich mit solchen Worten bei der Belegschaft vorstellt, den heißen wir nicht Willkommen, denn Diktatoren und ein Umgang wie beim Militär wollen wir nicht!
Auf was wir auch schon mal hingewiesen haben, ist das Ideenmanagement. Schreibt keine KVP’s! Damit Schaden wir uns nur selbst! 2012 wurden 4.408 Vorschläge von 2.109 Mitarbeiter_innen eingereicht, was einen Erstjahresnutzen von 3,99 Millionen Euro erbrachte. Davon wurden aber nur 854.717 Euro als Belohnung ausgezahlt. Das nutzt langfristig nur der MAN! Damit bekommst du vielleicht mal eine Prämie, aber dafür werden viele Arbeitsplätze eingespart. Und wehe eine_r spart mal an deinem Arbeitsplatz, dann ist das Geschrei groß. Also lasst bitte diesen Blödsinn. Einen ausführlicheren Text findet ihr auf unserer Internet Seite unter „Wichtige Texte“.
Was uns auch bedauerlicher Weiße aufgefallen ist, ist wie Aufkleber und Schriftzüge die auf uns aufmerksam machen sollen zum Teil sehr schnell entfernt werden, aber andere Sachen die daneben sind nicht. Das wäre an sich nicht so schlimm, aber wenn ein Schriftzug (der mit Edding geschrieben wurde) entfernt wird, aber Hakenkreuze nicht, auch wenn sie z.B. mal mit Bleistift gezeichnet wurden, dann ist das nur noch beschämend für die MAN!
Im Betriebsrat kümmert man sich derweil eher um andere Probleme. So hat der Artikel in der letzten Ausgabe („Kein Vertrauen mehr!“) für sehr viel Wirbel gesorgt. Doch damit der Wirbel nicht unkontrolliert wirbeln kann und für Veränderungen sorgt, wurde erstmal ein Maulkorb verpasst. Unser lieber Kollege Dorn hat wohl Angst um seinen Thron. Aber vielleicht wird er ja wie gefordert etwas dazu in der nächsten Betriebsversammlung (die hätte eigentlich spätestens im März stattfinden müssen!) sagen – wir gehen aber nicht davon aus, warum sollte er denn auch? Im Moment ist man eher damit beschäftigt, das schwarze Schaf unter den Betriebsräten und Vertrauenskörpern zu finden, das Infos an uns weiter gibt. Dabei ist das schwarze Schaf schon längst gefunden, es ist der Gesamtbetriebsratsvoritzende Dorn selbst und nicht die „Informanten“. Wir hoffen, dass sich jetzt mal was verändert im Betriebsrat. Wohin das führt weiß aber wohl niemand. Wird sich jetzt der Betriebsrat selbst zerfleischen oder wird die Gunst der Stunde genutzt, um die längst Notwendigen Personal und firmenpolitischen Veränderungen herbei zu führen? Wir haben an die Betriebsräten in München einen offenen Brief geschrieben, was der allerdings gebracht hat, wissen wir leider nicht. Jedenfalls stehen wir auf der Seite derjenigen, die auf der Seite der Arbeiter_innen stehen und nicht auf der Seite des Kapitals!
Wut zu Widerstand – Streik!

Zum kommenden Tarifkonflikt
Die IGM erklärt sich mal wieder – zwar nicht sehr kämpferisch, aber Arbeitnehmer_innenfreundlich – zur starken Kraft im jetzigen Tarifkonflikt. „5,5% mehr und 60 Euro für die Azubis“, das sind ihre größten Forderungen.
Schauen wir aber mal kurz zurück. Vor 10 Jahren wurde mit Hilfe der großen Gewerkschaften die Agenda 2010 umgesetzt. Damit wurde der Niedriglohnsektor und die Leiharbeit massiv ausgebaut. Seit dem hat sich die Situation der Arbeitnehmer_innen in Deutschland verschlechtert, von der Altersarmut nicht zu sprechen. Im Krisenjahr 2009 haben sich die Gewerkschaften wieder mit der Politik zusammengeschlossen und die Abwrackprämie, sowie eine erweiterte Kurzarbeitszeit umgesetzt. Gefeiert wurde das als Riesen Errungenschaft, doch es hat die Aufmerksamkeit von den eigentlichen Problemen abgelenkt. Denn mit Abwrackprämie und Kurzarbeit lassen sich nicht ewig Krisen „meistern“. Solang die großen Gewerkschaften der Politik und Wirtschaft die Hände reichen, wird sich von denen aus gar nichts ändern und die Spirale der Gewinnmaximierung wird sich immer weiter drehen!
Wieder zurück in die Gegenwart. Auffällig war bis jetzt, dass Anfang Februar eigentlich erst in den Unternehmen und Bezirken besprochen werden sollte, was denn gefordert werden soll. Stattdessen stand da schon fest, dass es 5,5% werden. Klingt nicht wirklich nach einem basisdemokratischen Umgang innerhalb der IGM. Anders als beim letzten mal steht auch nicht mehr die Leiharbeit im Vordergrund. Das kommt daher, dass die IGM einfach beschlossen hat, dass das Thema doch anders behandelt werden soll als propagiert. Nun will man sich auf 8,50 Euro pro Stunde als Lohnuntergrenze einigen. So wird mittlerweile bei der IGM gearbeitet, still und heimlich. Aber was ist auch von denen zu erwarten, wenn nicht die Abschaffung sondern nur eine faire Leiharbeit gefordert wird…
Nachdem die Forderungen wie erwähnt auch nicht so kämpferisch ausfallen, ist auch kein hoher Tarifabschluss zu erwarten. Und während in den südeuropäischen Staaten die Gewerkschaften mit dafür verantwortlich gemacht werden, dass durch ihre soziale und kämpferische Politik die Wirtschaft zusammen gebrochen ist, werden hier mit der wirtschaftstreuen Politik die Menschen zum zusammenbrechen getrieben. Nach den vielen größeren und kleineren Krisen der letzten Jahrzehnte müsste doch endlich mal klar sein, dass der Kapitalismus das Übel ist. Solange man diesen als Arbeiter_in mit trägt, bleibt alles wie es ist. Die Armen bleiben arm und die Mächtigen bereichern sich weiter an unserer Arbeitskraft.
Schluss mit der wirtschaftstreuen Politik!

Deshalb rufen wir auch dieses mal wieder dazu auf, die IG-Metall Materialien zu boykottieren!
Wir sind keine IG-Metall Marionetten!
Streik, Gewerkschaft und Betriebsrat ja, aber nicht so!

Rassismus ist keine Lösung!
Immer wieder hören wir rassistische Äußerungen über bestimmte Menschen und ihrem Verhalten. „Die Türken haben so eine Mentalität, die Griechen sind so und die Deutschen haben so eine Kultur.“ In den Klos stehen rassistische Sprüche und aus der „BILD“ wird der größte Scheiß verbreitet. Liebe Kolleginnen und Kollegen, so darf das nicht weiter gehen!
Wenn die „BILD“ schreibt, wir zahlen für die faulen Griechen, heißt das nicht, dass das so ist und vor allem nicht, dass deshalb alle Griechen faul sind, weder in Griechenland noch bei der MAN! Wenn Türken und Araber mal wieder in den Medien als die Bösen dargestellt werden, heißt das nicht, dass man dieses Schubladendenken übernehmen muss! In erster Linie sind wir alle Menschen, mit den selben Bedürfnissen, egal welcher Abstammung! Wir arbeiten zusammen, lachen über den selben Blödsinn, haben alle fast die selben Probleme und so weiter. Warum sollten wir uns gegenseitig das Leben schwer machen, in dem wir andere nur wegen unserem eigenen intoleranten Denken verurteilen? Warum sollten wir uns selber in eine Schublade stecken und uns damit selber von anderen abgrenzen?
Ein Staat ist nur dafür da, die Menschen besser zu kontrollieren und ein ungerechtes System (Kapitalismus) durchzusetzen. Das Zugehörigkeitsgefühl für eine Nation ist nur dafür da, dass wir uns als Teil eines Staates sehen, bzw. glauben, erst dann eine (auch gemeinschaftliche) Identität zu haben. Wir haben eine individuelle und persönliche Identität als Mensch und brauchen keine nationale/rassistische Identität. Und wenn uns die Medien sagen, dass es uns nur wegen den Anderen schlechter geht, bzw. es den Anderen nur wegen uns besser geht, dann liegt das nicht an der Nationalität/Kultur, sondern am Kapitalismus, der für die Unterschiede verantwortlich ist! Auch zu sagen, die „XY“ haben keine oder eine schlechte Kultur ist ein rassistisches Schubladendenken. Ein Beispiel, auch in arabischen Ländern gibt es Frauenrechte und ein friedliches zusammenleben zwischen Moslems und Christen bzw. Juden, auch wenn uns immer nur ein andres Bild gezeigt wird.
Gerade in Krisenzeiten wird die Schuld in „kulturell anders lebenden“ Menschen gesucht und sie für die Probleme verantwortlich gemacht. Denn die kann man ja schnell unter einen Hut stecken (z.B. „die Juden“) und behaupten, solch eine Mentalität hätte man selbst nicht, weil da wo man her kommt andere Regeln oder Werte herrschen. Wir müssen aufhören die Menschen in Kulturen und Nationen zu unterteilen! Denn wir sind alle Menschen mit eigenen bzw. individuellen Interessen und Gedanken, egal von woher wir kommen! Und am Ende haben wir doch alle die gleichen Bedürfnisse und Probleme.
Und stell dir vor, du müsstet für „dein“ Land in den Krieg ziehen und stehst auf einmal deinen besten Freunden/Freundinnen und Kollegen/Kolleginnen gegenüber. Hättest du Lust auf sie zu schießen, nur weil sie eine andere Staatsangehörigkeit haben?
Weil der Mensch ein Mensch ist – Klassenkampf statt Vaterland!

Blick über den Tellerrand

Die Fabrik Viomichaniki Metaleftiki eröffnet und beginnt mit der Produktion in den Händen der
Arbeiter

Wir sind die, die den Teig bereiten und kein Brot haben, wir sind die, die die Kohle schürfen und denen kalt ist.
Wir sind die, die nichts haben und wir sind gekommen uns die Welt zu holen.
Tassos Livaditis

Im Herzen der Krise versetzen die Arbeiter von VIO.ME Ausbeutung und Privatbesitz einen vernichtenden Schlag.
Bei einer auf 30% gestiegenen Arbeitslosigkeit, sinkenden Löhnen, abgespeist mit leeren Worten, Versprechungen und Steuerraub, nicht entlohnt seit Mai 2011, einem Produktionsstillstand in einer von den Arbeitgebern verlassenen Fabrik, haben die Arbeiter von Viomichaniki Metaleftiki- auf der Basis einer Resolution der gewerkschaftlichen Vollversammlung – beschlossen, sich nicht mit einer sicherlich lang dauernden Arbeitslosigkeit abzufinden, sondern dafür zu kämpfen, die Fabrik zu übernehmen und selbst wieder zu betreiben. Seit Oktober 2011 haben sie durch formale Angebote ihren Anspruch bekundet, eine Arbeiterkooperative zu errichten, die vollständig ihrer Kontrolle unterliegt. Sie haben auch die gesetzliche Anerkennung sowohl für ihr eigenes als auch für ähnliche Vorhaben gefordert, die ihrem Beispiel folgen würden. Gleichzeitig haben sie auch Anspruch auf jene Geldsumme erhoben, die notwendig ist, um den Start des Fabrikbetriebs zu ermöglichen, naturgemäß ihr Geld, da sie ja den gesellschaftlichen Reichtum produzieren. Staat und Gewerkschaftsbürokratie begegneten dem ursprünglich entworfenen Plan mit absoluter Gleichgültigkeit, von sozialen AktivistInnen wurde er jedoch enthusiastisch begrüßt. Mit Hilfe der`offenen Solidaritätsinitiative in Thessaloniki` und in der Folge weiterer ähnlicher Initiativen in verschiedenen Städten des Landes wird seit mindestens sechs Monaten versucht, auf breiter Basis die Botschaft von VioMe in der griechischen Gesellschaft bekannt zu machen.
Jetzt ist die Zeit von VioMe gekommen!
Die Arbeiter können nicht länger auf leere Worte eines bankrotten Staat warten, um ihre Pläne umzusetzen (nicht einmal die 1000 Euro besonderer Zuwendung, die der Arbeitsminister versprochen hatte, sind ausbezahlt worden aufgrund der fehlenden Unterschrift des Wirtschaftsministers, Stournaras!)
Die Zeit für eine Wiederinbetriebnahme von VioMe ist gekommen- genauso wie für jede andere Fabrik, die geschlossen wurde, in Konkurs gegangen ist, oder ihre ArbeiterInnen feuert – aber diesmal durch die ArbeiterInnen selbst und nicht durch alte oder neue Bosse. Dieser Kampf darf nicht nur auf VioMe beschränkt bleiben, sondern er muss sich auf alle Fabriken und Geschäfte ausweiten, um landesweit Bedeutung zu erlangen und siegreich zu sein; nur durch ein Netzwerk von besetzten und selbstverwalteten Betrieben wird VioMe das Überleben gelingen. Nur so kann es zu einem `Baumeister` einer anderen Organisation von Produktion und Wirtschaft werden. Einer Organisation, die Ausbeutung, Ungleichheit und Hierarchie abschafft. Wenn eine Fabrik nach der anderen zusperrt, die ungefähr zwei Millionen Arbeitslosen und die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung seitens der Troikaregierung von ND, PASOK und Demokratischer Linker genau wie schon von ihren Vorgängern zu Armut und Elend `verurteilt` werden, dann ist die Forderung nach der Übergabe der Fabriken an die ArbeiterInnen die notwendige Antwort auf die täglich erfahrbare Zerstörung und die einzige Antwort auf
Arbeitslosigkeit. Daher ist der Kampf von VioMe auch ein Kampf von uns allen.
Wir laden alle Arbeitslosen und alle in einem Arbeitsverhältnis stehenden Menschen ein sowie alle, die am eigenen Leib die Krise erfahren haben, die ArbeiterInnen von VioMe zu unterstützen. Jetzt, da sie daran gehen, in der Praxis zu beweisen, dass wir, die ArbeiterInnen es auch ohne Bosse schaffen! Wir laden sie ein, an der entgegengesetzten Karawane des Kampfes und der Solidarität teilzunehmen, die mit dreitägigen Veranstaltungen des Widerstands in Thessaloniki enden wird. Wir laden sie ein, am Kampf teilzunehmen und den Kampf zu organisieren, wo immer sie leben und arbeiten, mit Versammlungen, die direkte Demokratie praktizieren, ohne Bürokraten, um alle, die unser Leben zerstören, mit einem unbefristeten politischen Generalstreik zu stürzen! Damit die Fabriken und die gesamte Produktion in die Hände der ArbeiterInnen übergeben werden und damit wir eine Wirtschaft und Gesellschaft organisieren, die wir wollen: eine Gesellschaft ohne Herren!
Die Zeit von Vio.Me ist gekommen! Lasst uns an die Arbeit gehen!
Wir bereiten den Weg für ArbeiterInnenselbstverwaltung!
Wir bereiten den Weg für eine Gesellschaft ohne Bosse!
Aus labournet.de
Einen weiteren Text („Vereinbarung für die Selbstverwaltung und die ArbeiterInnenkontrolle der Fabrik“) darüber findet ihr im Internet unter „Blick über den Tellerrand“.

Die Flexi-Streik-Taktik wird auch in Rotenburg kritisiert
An die Bremer Unterstützer der Streikenden von Neupack Ende März 2013
Nach Beginn der Flexi-Streiktaktik in Rotenburg sagten die KollegInnen bei unseren Besuchen zunächst, „wenn es was bringt, ist es gut“. Jetzt – nach wochenlangen Erfahrungen mit mehr Arbeits- und weniger Streiktagen 2013 sehen sie das nicht mehr so und finden es richtiger, wenn wieder voll gestreikt wird. Die Gespräche mit Krüger ́s dauern an und das ist für sie Hinhaltetaktik. Sie haben eine Liste ausgehängt, auf der eingetragen ist, wann gestreikt und wann gearbeitet wurde. Das macht visuell sichtbar, dass seit Beginn des Flexistreiks mehr gearbeitet als gestreikt wurde und das wird kommentiert mit: „Wir arbeiten dafür, dass die Läger voll werden und dann können wir wieder 3 Monate streiken, damit sie leer werden“. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Maschineneinrichter alles durch ihre Arbeit optimiert haben und mögliche Störungen der Produktion als Druckmittel entfallen. Das Ziel der Streikenden ist unbeirrt ein Tarifvertrag und keine einseitige Erklärung vom Unternehmer. Damit soll dem willkürlichen Handeln ihnen gegenüber eine Grenze gesetzt werden. Auch die Rücknahme aller Prozesse – die Maßregelungsklausel – muss durchgesetzt werden. Von den Gesprächen der IG BCE mit den Krüger ́s werden mehr und schnellere Informationen eingefordert, z.B. durch Mitgliederversammlungen (Inzwischen geschehen).
Sie meinen, dass durch die lange Arbeitsperiode die harte Linie der Krügers und ihrer Manager nicht geändert werden konnte. Dagegen sehen sie ein nur tageweises Arbeiten und tageweises Streiken als Überraschungsmoment und damit besseres Druckmittel an, weil das für die Durchführung der Produktion unberechenbar wäre. Sofort sollte auch aktiv gestreikt werden, wenn ein Mobbing-Fall oder irgendeine Schikane auftritt. Dann müsse man sofort rausgehen.
Für den Unternehmer ist die Flexi-Taktik teurer denn er muss auch die polnischen Streikbrecher bezahlen, er hat mehr Belegschaft. Doch diese Kosten steckt er weg, materiell stehen Krüger ́s wohl nicht unter Druck bisher.
Sie – Streikende in Rotenburg – akzeptieren, dass die IG BCE bestimmt, was sie machen, aber eben nicht widerspruchslos und sagen das den SekretärInnen der IG BCE auch offen. Dabei ist festzustellen, dass bestimmt die Hälfte der im Arbeitskampf befindlichen vierzig Leute sich nicht äußern, nicht mitdiskutieren (einige sprechen nur wenig deutsch). Was die WortführerInnen sagen wird aber gestützt, dazu wird genickt.
Aus labournet.de
Das war nur der Anfang eines längeren Textes. Der gesamte Text ist im Internet unter „Blick über den Tellerrand“.

Peugeot-Arbeiter: „Die Fabrik gehört uns“
Lokalaugenschein: In der bestreikten und von der Schließung bedrohten Fabrik Aulnay herrscht Hochspannung
„Ein Funke genügt“, raunt der junge Flugblattverteiler den Arbeitern zu, die durch die Drehtore die PSA-Fabrik verlassen. Es ist 14 Uhr, Schichtwechsel in der PSA-Fabrik von Aulnay-sous-Bois, einem trostlosen Vorort von Paris. Die Wolken hängen tief, die Gesichter sind verschlossen. Kaum jemand greift sich das Flugblatt mit der Überschrift „L‘étincelle“ (der Funke), auf dem Hammer und Sichel prangen.
Zu einer kleinen Revolution wären die Kumpel allemal bereit. Seit drei Wochen bestreiken sie die Fabrik. Ihr Protest richtet sich gegen die für 2014 angekündigte Schließung dieser Werkstätte, einer der ältesten von Peugeot-Citroën – und Sinnbild für den brutalen Einbruch der französischen Autoindustrie: Wegen der sinkenden Nachfrage streicht PSA insgesamt 8000 Stellen, Renault deren 8200.
Soziale Spannung
Die soziale Spannung überträgt sich auf das ganze Land. In Aulnay könnte der Funke als Erstes zünden. Wütend streiken die Arbeiter für die Beibehaltung der Fabrik. Das Werk, ein Hangar von so riesigen Ausmaßen, dass man in der Mitte nicht einmal die Seitenwände sieht, steht bereits weitgehend still. Auf den Fließbändern warten halb fertige Karosserien des Citroën-Modells C3. Wie in einem Filmriss: Nichts bewegt sich.
Bis auf eine surreale Szene. Mitten in dieser erstarrten Fabriklandschaft stehen sich auf einem Vorplatz zwei Gruppen gegenüber – auf der einen Seite Arbeiter mit Gewerkschaftsklebern auf den Lederjacken, auf der anderen Seite PSA-Kader mit Helmen und leuchtend gelben Fabrikwesten.
Gewerkschafter François: „Wir wollen die Fabrik besetzen, und sie wollen uns daran hindern. Seither schauen wir uns in die Augen.“ Vor einigen Tagen hatten die Streikenden Mobiliar zerstört, Streikparolen gesprayt; sie bewarfen die Arbeitswilligen mit Eiern und Schrauben. Fast zündete der Funke. Die Direktion ließ Gerichtsvollzieher kommen, um die Schäden festzustellen, und will gegen die streikende „Minderheit“, wie sie sagt, Klage einreichen.
„Zermürbungstaktik“
Als wäre die Lage noch nicht absurd genug, erklingt plötzlich ein Trommelwirbel. „Das Spektakel beginnt“, verkündet François mit zusammengebissenen Zähnen. Zwei Arbeiter treten mit umgeschnallten Blechtrommeln auf. Sie dreschen wie wild auf das Fell und stürmen auf die Westenträger zu, um Zentimeter vor ihnen zu bremsen. Ein Arbeiter röhrt mit einem Nebelhorn, einer zündet einen Knallfrosch.
„Zermürbungstaktik“, schreit François durch das Inferno. „Wir machen Lärm, um sie zu vertreiben. Sie sind nur noch zwei Dutzend – halb so viele wie am Anfang.“ Die PSA-Kader, mit verschränkten Armen und Pfropfen in den Ohren, rühren sich allerdings nicht vom Fleck.
Irgendwann unterbrechen die Trommler ihren höllischen Karneval. „Wir werden nicht lockerlassen, die Fabrik gehört uns“, ruft Abdel, der eine Frau, drei Kinder und einen Bandscheibenvorfall hat. Das komme vom jahrelangen Schuften am Fließband, meint er und erzählt, wie er im vergangenen Juli, als die Fabrikschließung bekanntgegeben wurde, in Ohnmacht fiel.
Leben auf Arbeit ausgerichtet
François hat noch neun Jahre zu arbeiten. „Und zwar hier!“, wettert der 54-Jährige, der das PSA-Angebot, in eine andere Fabrik zu übersiedeln, ablehnt: „Die meisten von uns haben in der Nähe ein Häuschen gebaut oder von ihren Eltern geerbt. Wenn PSA die Fabrik schließt, bleibt im ganzen Department kein größerer Industriebetrieb übrig.“
Inzwischen herrscht in der Fabrik fast wieder Ruhe. Nur der zornige Rap des Fabrikarbeiters Franck Jautee ist noch aus einem Handy zu hören. Er reimt PSA auf „Patron Saboteur d‘Avenir“ – Zukunftsverbauer.
Der Zustand der Autoindustrie spricht dagegen. PSA und Renault verzeichnen vor allem in Südeuropa zweistellige Absatzeinbrüche. Schuld sind die Krise, die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit französischer Produkte, die koreanische Billigkonkurrenz. In Aulnay wurde die Belegschaft seit 2004 bereits von 6500 auf die Hälfte reduziert. Die Überkapazitäten bleiben. Renault erklärte jüngst, seine Produktion in Frankreich nur mit Lohnsenkungen und Mehrarbeit behalten zu können.

Weitere Texte findet Ihr unter „Blick über den Tellerrand“.

Der 1. Mai
Auch dieses Jahr werden wieder Millionen von Arbeiter_innen auf der ganzen Welt zum 1. Mai auf die Straße gehen. Wie jedes Jahr tragen wir damit einerseits unsere Belange an die Öffentlichkeit und feiern andererseits die Errungenschaften jahrzehntelanger Kämpfe. Bereits 1890 wurden der 1. Mai von der internationalen Arbeiter_innenbewegung zum „Kampftag der Arbeiterklasse“ ausgerufen und seitdem jedes Jahr überall auf der Welt begangen. Der Tag wurde gewählt, weil einige Jahre zuvor auf einer Arbeiter_innenversammlung in Chicago (USA) mehrere Arbeiter_innen willkürlich von der Polizei verhaftet wurden und anschließend grundlos zum Tode verurteilt wurden. Der 1. Mai ist also ein traditionelles Symbol des Kampfes gegen die Unterdrückung und Erniedrigung, der lohnabhängige Arbeiter_innen tagtäglich ausgesetzt sind. In Deutschland wurde der 1. Mai im Jahre 1919 nach der Novemberrevolution von der sozialdemokratischen und kommunistischen Mehrheit im Parlament zum ersten Mal zum Staatsfeiertag ausgerufen. Als die linken Parteien ihre Mehrheit bei den darauf folgenden Wahlen wieder verloren, wurde dieser Beschluss wieder aufgehoben. Die Nationalsozialisten machten den 1. Mai ab 1933 als „Tag der deutschen Arbeit“ scheinheilig wieder zum Staatsfeiertag – und begannen gleich darauf am 2. Mai 1933 mit der Zerschlagung der Gewerkschaften und der unabhängigen Arbeiter_innenorganisationen.
In der Bundesrepublik Deutschland ist der 1. Mai als „Tag der Arbeit“ seit dem Krieg zwar auch ein offizieller Staatsfeiertag. Doch der Ursprung und Sinn des Ganzen wird dabei völlig verdreht – auch von den DGB-Gewerkschaften. Es kann für uns nicht darum gehen, die Lohnarbeit und die damit verbundene Ausbeutung zu feiern. Statt dessen sollte es darum gehen, für eine Gesellschaft einzutreten, in der wir Arbeiter_innen den Reichtum, den wir tagtäglich produzieren, endlich selbst behalten können und nicht an die Besitzenden abtreten müssen. Gerade in der jetzigen Wirtschaftskrise zahlen wir die Zeche für das Versagen des Kapitalismus, ob nun unsere Gehälter gekürzt werden, soziale Rechte und Leistungen abgebaut werden, oder ob wir gleich arbeitslos werden. Der verheerenden kapitalistischen Logik müssen gerade am 1. Mai Werte wie Freiheit, Solidarität, Gleichheit und radikale Demokratie entgegengehalten werden, um die Ausbeutung eines großen Teils der Menschheit endlich zu beenden. Nur mit der vereinten Kraft von uns allen, ob schwarz oder weiß, Mann oder Frau, alt oder jung, fest oder auf Leihbasis angestellt, erwerbstätig oder arbeitslos, kann sich einmal wirklich etwas ändern! Beteiligen wir uns in diesem Sinne alle gemeinsam an den Aktivitäten zum 1. Mai in München, um ein starkes Zeichen zu setzen!

Wir möchten euch gerne noch auf die Internetseite labournet.de und die Zeitschrift „Wildcat“ aufmerksam machen. Dort findet ihr viele Informationen und Hintergrundtexte zu den verschiedensten Bereichen zum Thema Arbeit. Auf werkerinfo.tk findet ihr direkte links zu den Internetseiten

Termine
1. Mai: DGB Demonstration – klassenkämpferischer Block (im hinteren Teil der Demo)
9.45 Uhr vor dem Gewerkschaftshaus in der Schwanthalerstraße 64 (U4/5 Theresienwiese)

2. + 3. Mai: STREIK! (bei Betriebsruhe am 6. + 7. Mai)
Krank machen oder Urlaub nehmen. Hauptsache die Produktion steht still!

So wie es ist, darf es nicht bleiben!

So wie es ist, darf es nicht bleiben!

Wir rufen wieder zum selbstorganisierten Streik auf, denn so wie es ist, darf es nicht bleiben!
Es wurden zwar viele der Befristeten übernommen, doch werden weiterhin Mitarbeiter_innen in der Produktion eingespart. Und weil sich in der Produktion die Arbeitszeiten für einen Arbeitsplatz gut berechnen und bestimmen lassen, werden wohl in den kommenden Jahren gerade hier weitere Einsparungen stattfinden. Auch weiterhin wird über unsere Köpfe hinweg entschieden, wie unsere Arbeitsplätze noch besser eingerichtet werden können, ganz egal, ob das zu unserem Vorteil ist, oder eben nicht. Es wird auch weiterhin (wie schon seit Jahren) von einem „schwierigen Marktumfeld“ gesprochen, obwohl die MAN-Gruppe auch 2012 fast 1 Milliarde Euro Gewinn gemacht hat. Auch unsere Nutzfahrzeugsparte machte über 450 Millionen Euro Gewinn, was mit dem Jahr 2011 zusammen eine Summe von über 1 Milliarden Euro Gewinn ausmacht; und das ohne MAN Latin America. Und mit dem M1 Projekt werden wir in unserem Werk in München noch mehr dem Erfolgsdruck und Größenwahn der Chefs ausgesetzt sein.
Dass die Chefs so eine Linie fahren ist im Kapitalismus Normalität, doch dass auch der Betriebsrat so eine Politik mit betreibt, war nicht immer so. Vor allem seit den 90er Jahren ist zu bemerken, wie die Gewerkschaften immer mehr auf eine möglichst umsatzstarke Wirtschaft Wert legen. Deutschland soll international mithalten können, aber Qualität allein reicht nicht mehr. Alles muss billig sein. Und so wird Deutschland auch immer mehr zum Niedriglohnland und in den Produktionsstätten wird immer weiter versucht, Personal einzusparen. Ob Maschinen Mitarbeiter_innen ersetzen, Maschinen das Arbeitstempo erhöhen oder ob immer weniger Mitarbeiter_innen, immer mehr Arbeitsschritte übernehmen. All das führt dazu, dass wir mehr und mehr unter Druck geraten und der wachsende Stress uns am Ende total krank macht.
Wir dürfen diese Zustände nicht weiter zulassen! Viele von uns haben diesen Prozess in den letzten 10-15 Jahren miterlebt: Mitarbeiter_innen wurden massiv eingespart, die Taktzeit erheblich verkürzt und moderne Anlagen lassen ohne Probleme immer kürzere Taktzeiten zu. Es werden Milliarden investiert um all das weiter zu betreiben und zu intensivieren, um immer noch profitabler zu werden. Statt uns Arbeiter_innen in den Mittelpunkt von Produktion und Qualität zu setzten und statt uns ein wirkliches Mitspracherecht zu garantieren, finden sie immer neue Wege, um mit allen (zum Teil unmenschlichen) Mitteln ihre Ziele umzusetzen.
Soll das so weitergehen, bis wir alle innerhalb von 20 Jahren arbeitsunfähig sind? Wollen wir weiterhin warten, bis uns eine_r hilft?
Wenn nein, dann bist DU jetzt gefragt. Sei beim nächsten Streik dabei – gib den Kollegen und Kolleginnen Bescheid und nimm Urlaub oder mach krank, Hauptsache die Produktion steht still!
Denn Streik ist die einzige Sprache, die sie verstehen!

Wir verlangen mit sofortiger Wirkung:
-Höchstens 7 Stunden arbeiten + 1 Stunde „geschenkt“ aufs Zeitkonto.*
-Nur 5 Tage-Arbeitswochen.*
-2 garantierte Springerpausen für alle Bandarbeiter_innen.*
-2 zusätzliche Pausen für Mitarbeiter_innen mit Behinderung ab 20%.*
-Schwerbehinderte weg von Bändern und taktgebundenen Arbeitsplätzen.*
-Keine Bandarbeit für Mitarbeiter_innen mit Behinderung.*
-Gleicher Grundlohn für alle + Zuschläge (Akkordzuschlag, ect.).*
-Keine weiteren Taktverkürzungen und Personaleinsparungen mehr.*
-Ein Vertrauenskörper in jeder Abteilung und pro Schicht.*
-AVP abschaffen.*
-Pausenplätze für die gesamte Achsmontage.
-Keine Militärfahrzeuge/-achsen mehr produzieren.*
Und nach Beendigung der Kurzarbeit:
-300 Neueinstellungen in der Produktion
-Altersteilzeit für alle die wollen (frei gewordene Stellen ersetzten).

*Fordern wir für alle MAN Produktionsstätten, weltweit!

Mehr gibt es dann wieder in der nächsten Ausgabe. Weitere Texte gibt es auch in den letzten Ausgaben, sowie unter „Wichtige Texte“.

Offener Brief an die Betriebsräte:

Liebe Kolleginnen und Kollegen vom Betriebsrat der MAN und des MAN Standorts München,

wie Ihr mitbekommen habt, gibt es eine Gruppe an Mitarbeiter_innen, die keine Lust mehr auf die derzeitige Firmenpolitik haben und sich entschlossen haben, eine Betriebszeitung zu gründen.
Wir wenden uns mit diesem offenen Brief an Euch alle, an Euch all unsere Kolleginnen und Kollegen vom Betriebsrat. Dieser Brief ist Teil der Kampagne „So wie es ist, darf es nicht bleiben!“, mit dieser soll nochmals ausdrücklich klargemacht werden, dass die herrschenden Zustände in unserem Konzern bzw. Werk München zum Teil schon unerträglich geworden sind.

Gerade Ihr als Betriebsratsmitglieder müsst für unsere Interessen eintreten, deshalb wurdet ihr gewählt! Doch das sehen wir als Belegschaft kaum mehr gegeben. Egal wo man sich in der Produktion umhört, sind es mittlerweile fast alle in der Belegschaft, die sich über die jetzigen Verhältnisse und Eure Arbeit beschweren. Es kann einfach nicht sein, dass es in der Halle 4 nach dem Umbau bis heute keine Pausenplätze an den Bändern gibt! Ebenso ist es uns schleierhaft, wie ein Betriebsrat das Verhören von Personal das krank geschrieben war zulassen kann. Das sind nur zwei Beispiele dafür, wie gravierend mittlerweile die Zustände sind. Das hat mit Arbeitnehmer-_innenvertretung einfach nichts mehr zu tun! Der Fortschritt der einst erkämpft wurde, wird jetzt einvernehmlich einfach hergegeben. Auch die Vetternwirtschaft, die nicht nur, aber vor allem mit erschütterndem Ausmaß unser Gesamtbetriebsratsvorsitzender betreibt, ist nicht hinnehmbar!

Uns ist es wichtig, die Probleme anzusprechen und sie auch (versuchen) zu verbessern. Wir haben keine Lust mehr, Mitarbeiter_innen 2 oder sogar 3 Klasse zu sein! Für uns sind die Dinge nicht einfach nur so wie sie sind, weil es halt so ist. Hinter allem steckt mindestens ein Kopf, der sich das ausgedacht hat. Und hinter jeder größeren Veränderung steht auch der Betriebsrat mit dabei. Doch Ihr lasst einfach viel zu viel durchgehen, obwohl die Belegschaft auf einiges keine Lust hat. Dabei seit Ihr unsere Vertretung, Ihr müsst unsere Interessen durchsetzten, dafür wurdet Ihr gewählt! Wir wissen, dass nur ein gut laufendes Unternehmen Arbeitsplätze langfristig erhalten oder sogar schaffen kann. Aber wenn das Menschliche nichts mehr zählt, dann wird eine Grenze überschritten, die wir nicht mehr hinnehmen wollen und können! Diese Grenze wurde überschritten und das in vielen Bereichen mehrmals.

Wie muss es also weitergehen? Wir wissen, dass es auch noch Vernünftige unter Euch gibt. Und gerade diese Vernünftigen müssen jetzt das Wort ergreifen und eine inhaltliche sowie grundsätzliche Diskussion über die Betriebsratsarbeit beginnen! Wir können das auf dieser Ebene nicht übernehmen, aber wir führen diese auf der Ebene der Basis, also den vielen Mitarbeiter_innen in der Produktion. Wir sind Menschen und haben den Drang nach Freiheit. Wir wollen uns nicht den ganzen Tag kaputt arbeiten! Wir arbeiten um das nötige Geld zum Leben zu verdienen, sehen aber, wie die Milliarden Gewinne an uns vorbei gehen. Mit diesem Geld könnten aber mehr Mitarbeiter_innen eingestellt werden und die Arbeitszeiten und der Stress reduziert werden, bei gleichbleibendem Gehalt! Macht auch etwas, bevor VW den Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag zu unserem Nachteil entscheidet!
Die Reaktionen der Kolleginnen und Kollegen sind klar, es muss sich was verändern, denn so wie es ist, darf es nicht bleiben!

Werkerinfo im März 2013, im Namen der Mitarbeiter_innen der MAN und vor allem des MAN-Werk München.

Neben Mobilisierungsaufklebern haben wir Zettel mit folgenden Inhalten verteilt:

-Glaubst du wirklich noch, dass der Betriebsrat oder sogar die Chefs uns helfen? Ihnen geht es um den Profit, nicht um unser wirkliches Wohl. Willst du warten bis sie was ändern, währenddessen du immer mehr kaputt gehst? WIR müssen was verändern – zusammen für ein wirklich gutes Leben!
So wie es ist, darf es nicht bleiben!

-Ständig Überstunden, Millionengewinne und fette Managergehälter. Und es herrscht Krise? Lass dich nicht verarschen! Denn für steigende Gewinne könnten sie auch dich einsparen. Deshalb gemeinsam ein deutliches Zeichen setzen!
So wie es ist, darf es nicht bleiben!

-Glaubst du deine Familie will, dass du krank und schwach nach hause kommst? Bei den ständigen Einsparungen wird der Stress immer größer und Stress macht krank. Niemand hat das Recht dich körperlich auszubeuten und dir deine Gesundheit zu rauben! Gegen den Stress und die, die ihn verursachen!
So wie es ist, darf es nicht bleiben!

-Sie reden von Respekt und behandeln uns wie Esel.
Sie reden von wichtigen Erfolgsfaktoren und „vergessen“ dabei uns Arbeiter_innen.
Sie reden von Krise und stecken sich Millionen in die eigenen Taschen.
Willst du wirklich, dass es so weiter geht?
So wie es ist, darf es nicht bleiben!

Termine:

Am 17. April beginnt in München der Prozess gegen Angehörige des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), denen mindestens 10 Morde, Bombenanschläge und Banküberfalle zur Last gelegt werden.
Deshalb wird es eine große Demonstration gegen Faschismus und alltäglichen, sowie staatlichen Rassismus in München geben.
Samstag, 13.04.2013, Auftaktkundgebung: Karlsplatz (Stachus), 13.00 Uhr
Mehr unter: www.nsuprozess.blogsport.de

1. Mai, DGB-Demonstration – klassenkämpferischer Block (im hinteren Teil der Demo)
Danach Kundgebung am Rindermarkt.

2. + 3. Mai, Streik – krank machen oder Urlaub nehmen, Hauptsache die Produktion steht still
(bei Betriebspause am 6. + 7. Mai)